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John Grisham

US-amerikanischer Schriftsteller
John Grisham (2009)

John Ray Grisham Jr. (* 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas) ist ein US-amerikanischer Bestseller-Autor, Rechtsanwalt und demokratischer Politiker. Er schreibt primär Justizthriller und Kriminalromane, die eine Gesamtauflage von 275 Millionen Exemplaren haben und in 42 Sprachen erschienen sind.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

John Grishams Vater war Bauarbeiter, seine Mutter Hausfrau. Er hat vier Geschwister. Als Kind träumte John Grisham davon, professionell Baseball zu spielen. Als er erkannte, dass seine Fähigkeiten dazu nicht reichen würden, begann er an der Mississippi State University das Studium des Rechnungswesens; anschließend studierte er Rechtswissenschaft an der University of Mississippi. Er beendete 1981 sein Jurastudium und praktizierte danach fast ein ganzes Jahrzehnt als Anwalt in Southaven in DeSoto County. Er spezialisierte sich auf Strafverteidigung und auf Prozesse mit Körperverletzung. 1983 wurde er als Kandidat der Demokratischen Partei in das Repräsentantenhaus von Mississippi gewählt, dem er bis 1990 angehörte.

Nachdem Grisham im Gericht von DeSoto County der Zeugenaussage eines minderjährigen Vergewaltigungsopfers beigewohnt hatte, begann er, einen Roman darüber zu schreiben, was passiert wäre, wenn der Vater des Mädchens ihre Angreifer ermordet hätte. Grisham stand jeden Tag um 5 Uhr morgens auf, um mehrere Stunden zu schreiben, bevor er zur Arbeit ging. So brauchte er drei Jahre, um 1988 Die Jury (A Time to Kill) fertigzustellen. Sein Manuskript, zunächst von mehr als zwei Dutzend Verlagen abgewiesen,[1] wurde schließlich von Wynwood press gekauft und erschien im Juni 1989 in einer Auflage von 5.000 Exemplaren.

Am Tag, als Grisham die Arbeit an Die Jury beendet hatte, begann er mit seinem zweiten Roman: Dieser schildert die Geschichte eines vielversprechenden jungen Anwalts, der von einer scheinbar perfekten Kanzlei, die aber nicht das ist, was sie zu sein scheint, eingestellt wird. Als John Grisham die Filmrechte zu diesem Roman Die Firma (The Firm) für 600.000 US-Dollar an Paramount Pictures verkaufte, wurde er plötzlich heiß begehrt unter den Verlegern, und Doubleday kaufte die Verlagsrechte. Die Firma wurde der meistverkaufte Roman im Jahr 1991 und blieb 47 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times.

Im Frühjahr 1991 gab Grisham seinen Beruf als Anwalt und seine politischen Ämter auf, um nur noch als Schriftsteller zu arbeiten. Die Tätigkeit als Rechtsanwalt hatte Grisham ohnehin nach eigenen Angaben nicht gefallen: „For lawyers, the main dream of escape is [to] get out of the profession. They dream about a big settlement, a home run, so that they can use the money to do something else.“[2] Er selbst habe auch so empfunden: „I found myself … representing people I didn’t really like in cases that were boring.“[3]

Die Erfolge von Die Akte (The Pelican Brief), welcher Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste erreichte und Der Klient (The Client), welcher auf Platz 1 debütierte, bestätigten John Grishams Ruf als Meister des modernen Justizthrillers. Sein Erfolg sorgte dafür, dass Die Jury, erneut veröffentlicht, doch noch ein Bestseller wurde.

Seitdem John Grisham 1991 Die Firma veröffentlichte, hat er jedes Jahr ein Buch geschrieben. Alle wurden Bestseller, so dass ihn Publishers Weekly im Januar 1998 den „meistgekauften Romancier der 90er-Jahre“ nannte. Bis 2008 wurden über 275 Millionen Exemplare von John-Grisham-Büchern gedruckt und in 40 Sprachen übersetzt (Stand: Januar 2014);[4] zehn Bücher wurden verfilmt. Daneben schrieb Grisham das Drehbuch zu dem Baseballfilm Mickey. Der Film The Gingerbread Man basiert auf einer seiner Kurzgeschichten.

1996 kehrte Grisham als Anwalt in den Gerichtssaal zurück und erstritt für seine Mandanten Schadensersatz in Höhe von 683.500 US-Dollar – der höchste Urteilsspruch seiner anwaltlichen Karriere.

Grisham schrieb nicht nur Justizthriller, sondern auch 2001 Die Farm, 2002 Das Fest und 2003 Der Coach. Mit seinem 2006 erschienenen Werk Der Gefangene wagte er sich erstmals an ein Sachbuch, in dem es ihm um die getreue Schilderung eines tatsächlichen Justizskandals geht.

Grisham hat sich im Sommer 2017 auch zu den rechtsextremen Demonstrationen in seiner Wahlheimat Charlottesville geäußert. Er warf dem US-Präsidenten Donald Trump vor, durch seine Reaktionen Neonazis, Rassisten und Faschisten ermutigt zu haben. Es sei höchste Zeit, diesen törichten Bürgerkrieg, der durch die reichen Grundbesitzer vom Zaun gebrochen und vor 150 Jahren beendet wurde, hinter sich zu lassen. Denn die Sünde der Sklaverei hatte dem Land großes Leid und Unrecht zugefügt. Die Verbesserungen der Lebensbedingungen für die Schwarzen bedrohe nun einige Weiße, weil sie Angst hätten, dass sie abgeben und teilen müssten und nicht für alle genug da sei.[5]

PrivatesBearbeiten

Grisham ist ein aktiver bekennender Baptist;[6][7] er lebt zusammen mit seiner Ehefrau Renée und den beiden Kindern Ty und Shea auf einer Farm in Oxford, Mississippi, und einer Plantage in der Nähe von Charlottesville, Virginia, wo er auch in Ruhe schreiben kann. Er ist zudem dem Baseballsport, seiner jugendlichen Leidenschaft, treu geblieben: Grisham fungiert als Baseballtrainer seines Sohnes und als Beauftragter der lokalen Baseballnachwuchsliga. Die sechs Spielfelder, die er auf seinem Grundstück errichten ließ, dienen 350 Kindern in 26 Nachwuchsteams als Trainingsgelände. Grisham reiste mehrfach mit Leuten seiner Kirche nach Brasilien, um in karitativen Einrichtungen mitzuarbeiten.[8]

WerkeBearbeiten

Justiz-RomaneBearbeiten

Sonstige RomaneBearbeiten

  • 2001: Die Farm (A Painted House)
  • 2002: Das Fest (Skipping Christmas)
  • 2004: Der Coach (Bleachers)
  • 2007: Touchdown (Playing for Pizza)
  • 2012: Home Run (Calico Joe)
  • 2017: Das Original (Camino Island)

Jugendbuchreihe Theo BooneBearbeiten

  1. 2010: Theo Boone und der unsichtbare Zeuge. (Theodore Boone: Kid Lawyer)
  2. 2011: Theo Boone und das verschwundene Mädchen. (Theodore Boone: The Abduction)
  3. 2012: Theo Boone – Unter Verdacht. (Theodore Boone: The Accused)
  4. 2013: Theo Boone – Der Überfall. (Theodore Boone: The Activist)
  5. 2015: Theo Boone und der entflohene Mörder. (Theodore Boone: The Fugitive)
  6. 2017: Theo Boone und der große Betrug. (Theodore Boone: The Scandal)

GeschichtenBearbeiten

  • 2009: Das Gesetz: Stories. (Ford County: Stories)[9]

SachbuchBearbeiten

  • 2006: Der Gefangene (The Innocent Man: Murder and Injustice in a Small Town)

HörbücherBearbeiten

Mit Ausnahme der Werke

  • Die Kammer (1994)
  • Der Coach (2004)
  • Der Vertraute (2016)

wurden alle Werke als Vorlagen für deutschsprachige Hörbuch-Produktionen genutzt. Die Hörbücher wurden in ungekürzten oder gekürzten Varianten produziert, gelegentlich sowohl ungekürzt als auch gekürzt. Allen Lesungen der Hörbücher ist gemein, dass sie von Charles Brauer als Erzähler gesprochen wurden. Die erste bekannte Hörbuch-Produktion mit Charles Brauer war im Jahr 1989, die bislang letzte im Jahr 2018 – demnach nimmt Brauer diese Rolle seit nahezu 30 Jahren wahr. Die überwiegende Mehrzahl der Produktionen wird von Random House Audio publiziert.

Die Werke der Jugendbuchreihe „Theo Boone“ wurden in ungekürzten Lesungen als Hörbücher mit dem Erzähler Oliver Rohrbeck von Random House Audio produziert und in dessen Label „cbj audio“ publiziert.

VerfilmungenBearbeiten

FilmeBearbeiten

TV-SerienBearbeiten

  • 1995–1996: Der Klient (The Client), 1 Staffel mit 20 Episoden
  • 2003: The Street Lawyer, eine Pilotfolge (in Deutschland nicht erschienen)
  • 2012: The Firm (TV-Version als Fortsetzung des gleichnamigen Romans, 22 Episoden)

SekundärliteraturBearbeiten

  • Bernd J. Hartmann: Das Studium der Rechte bei John Grisham. In: Neue Juristische Wochenschrift. C. H. Beck, München 2003, S. 626–629.
  • Mel Koler: Art. Grisham, John. In: Roger Matuz (Hrsg.): Contemporary Southern Writers. St. James Press, 1999, S. 171 f., ISBN 1-55862-370-1.
  • Mary Beth Pringle: John Grisham: A Critical Companion. Greenwood Press, 1997, ISBN 0-313-29637-5.
  • Nancy Best: Literary Companion to Contemporary Authors – John Grisham. Greenhaven Press, 2003, ISBN 0-7377-1664-9.
  • Robyn M. Weaver: John Grisham. Lucent Books, 1999, ISBN 1-56006-530-3.

WeblinksBearbeiten

  Commons: John Grisham – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. Pringle: Grisham, S. 3.
  2. Zitiert nach Mel Gussow, John Grisham, New York Times (NYT) v. 31. März 1997, S. C11. Vgl. auch das Interview mit Mark Harris, „Attorney’s Privileges”, Entertainment Weekly (EW) Nr. 273 v. 5. Mai 1995, S. 38: „[M]ost lawyers would rather be doing something else“ und das Zitat bei Robyn M. Weaver, John Grisham, 1999, S. 58 (“Lawyers dream about escaping, preferably with the money.”)
  3. Zitiert nach Joanne Kaufman, Law and Author: Grisham’s Next Case, Wall Street Journal v. 10. März 1992, S. A16.
  4. http://www.jgrisham.com/bio/
  5. Willi Winkler: „Donald Trump hat die Faschisten ermutigt. Schriftsteller John Grisham ist der wohl bekannteste Bürger von Charlottesville, der Stadt, die wegen der Naziaufmärsche in den Fokus der Weltöffentlichkeit geriet. Er sagt, dass viel in den Südstaaten sich durch den sozialen Aufstieg der Schwarzen bedroht sähen.“ Interview, Tages-Anzeiger, Tamedia, Zürich 24. August 2017, S. 33.
    Das Interview erschien am 22. August 2017 in der Süddeutschen Zeitung, S. 9
  6. Siehe über seine Rede 2008: Novelist Grisham calls fellow Baptists to respect diversity.
  7. Author John Grisham joins lineup of New Baptist Convenant speakers – Baptist News Global. Abgerufen am 7. Juli 2018 (amerikanisches Englisch).
  8. Kurzbeschreibung John Grisham auf Website krimi-couch.de
  9. Deutschlandradio Kultur vom 9. September 2010: Der US-Autor John Grisham liest aus seinem neuen Buch „Das Gesetz“ in Hamburg und München