Jastrowie

Stadt in Polen

Jastrowie (deutsch Jastrow) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen mit etwa 8400 Einwohnern.

Jastrowie
Wappen von Jastrowie
Jastrowie (Polen)
Jastrowie
Jastrowie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Złotów
Fläche: 72,27 km²
Geographische Lage: 53° 25′ N, 16° 49′ OKoordinaten: 53° 25′ 0″ N, 16° 49′ 0″ O
Einwohner: 8597
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 64-915
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Gorzów WielkopolskiElbląg
Schienenweg: Bahnstrecke Piła–Ustka
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 353,00 km²
Einwohner: 11.473
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3031023
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Piotr Wojtiuk
Adresse: ul. Żymierskiego 79
64-915 Jastrowie
Webpräsenz: www.jastrowie.pl



Geographische LageBearbeiten

Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen am Nordrand der Krainaer Seenplatte zu beiden Seiten des Mühlenfließ, eines Nebenflusses der Gwda (Küddow). Nach Osten erstrecken sich weite Waldgebiete und die Jastrower Berge.

GeschichteBearbeiten

 
Jastrow in Westpreußen, südlich von Neustettin in Hinterpommern und nördlich von Schneidemühl, auf einer Landkarte von 1908
 
Ehemalige evangelische Kirche (erbaut 1882)
 
St. Michaels Kirche (erbaut 1913)

Das Jastrower Stadtwappen zeigt wohl eine Weintraube, doch gibt es nur vage Angaben über Weinanbau an den Südhängen der Jastrower Berge. Angeblich sind die Weinberge im Polnisch-Schwedischen Krieg 1660 zerstört worden. Der restliche Teil der Berge wurde von der städtischen Mineralrohstoffgrube abgebaut (vermutlich ab dem Jahr 1960).

In einer Urkunde von 1363 wurde erstmals ein königliches Dorf namens Jastrobe erwähnt. Es gehörte zum Tafelgut des polnischen Königs und unterstand der Starostei Usch. Der Starost Stanisław Górka wandelte das königliche Gut 1560 in ein Dorf nach deutschem Recht um. 1568 zwang der Herzog von Pommern-Stettin, Barnim IX., den Besitzer von Jastrow, ihm den Ort abzutreten. Daraufhin wurde in unmittelbarer Nachbarschaft von den Polen ein neues Dorf angelegt, und die nächsten Jahre waren von gegenseitigen Überfällen geprägt. Im Laufe der Zeit ging die polnische Siedlung jedoch wieder in Jastrow auf.

Der Protestantismus wurde 1587 durch Übertritt des katholischen Pfarrers eingeführt, 1600 wurde die alte Kirche abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Evangelischen konnten die ehemalige katholische Pfarrkirche jedoch nur bis 1619 behalten, weil in diesem Jahr der Prediger Martin Goltbach zum Katholizismus konvertierte, woraufhin die Kirche den Katholiken zurückgegeben wurde. Die Evangelischen hielten sich nun vorläufig an die Kirchen in den pommerschen Nachbardörfern Zamborst und Flederborn, bekamen aber später – nach 1773 – mit Unterstützung der preußischen Regierung eine eigene Kirche.[2] Der Religionskrieg in Jastrow erreichte 1768 seinen Höhepunkt, als Soldaten des polnischen Adligen Roskowski den evangelischen Prediger Willich erschlugen.

1602 wurde Jastrow Stadt nach Magdeburger Recht, verliehen durch Peter Potulicki, Starost von Uść und Erbherr auf Flatow. Das Stadtprivilegium wurde im darauffolgen Jahr von König Sigismund III. bestätigt. Erster Bürgermeister wurde der eingewanderte Schotte Andreas Barry.

Alle Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts zogen Jastrow erheblich in Mitleidenschaft. Zusätzliche Zerstörungen wurden durch große Stadtbrände angerichtet. Durch Artikel V des Warschauer Vertrags von 1773 wurde Jastrow Preußen übereignet. Es wurde vom Netzedistrikt verwaltet, wo es zu den größten Städten gehörte. Das wirtschaftliche Leben wurde von den Tuchmachern und Schuhmachern dominiert. Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Jastrow in den Kreis Deutsch Krone in der Provinz Westpreußen eingegliedert. Im Jahr 1849 wurde auch Jastrow von der seit 1848 im Kreisgebiet grassierenden Choleraepidemie erfasst.[3] 1879 erfolgte der Anschluss an die Bahnlinie Schneidemühl–Neustettin, der 1908 die Bahnverbindung nach Tempelburg folgte.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Jastrow eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, ein Elektrizitätswerk und verschiedene gewerbliche Fertigungsstätten und industrielle Produktionsbetriebe.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags weite Teile Westpreußens zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abtreten, und dadurch kam Jastrow mit dem Kreis Deutsch-Krone zur neu gebildeten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen. Diese wurde jedoch 1938 wieder aufgelöst und der Provinz Pommern zugeschlagen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Jastrow in die Wehranlage „Pommerstellung“ einbezogen. Als Anfang 1945 die sowjetische Front der Stadt nahe rückte, wurde die Bevölkerung in die vorpommersche Stadt Demmin evakuiert. Nach heftigen Kämpfen wurde Jastrow am 2. Februar 1945 von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde die Stadt von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit ganz Hinterpommern, ganz Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Für Jastrow wurde die Ortsbezeichnung Jastrowie eingeführt. In der darauf folgenden Zeit wurden die Einwohner aus Jastrow vertrieben.

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Anzahl Anmerkungen
1783 2009 davon 169 Juden und 99 Katholiken[2][5]
1802 2566 [6]
1804 2762 davon 421 Juden (keine Katholiken)[5]
1810 2435 [6]
1816 2443 davon 1.838 Evangelische, 111 Katholiken und 494 Juden[6]
1821 2796 [6]
1831 2116 meist Evangelische, etwa 1/6 Juden[7]
1839 3170 davon 485 Juden und 240 Katholiken[5]
1854 3641 [3]
1875 4895 [8]
1880 5456 [8]
1890 5228 darunter 417 Katholiken und 272 Juden[8]
1900 5418 meist Evangelische[4]
1925 5540 meist Evangelische (820 Katholiken, 150 Israeliten)[9]
1933 5904 [8]
1939 5895 [8]
seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr Anzahl
2010 8485

GminaBearbeiten

Zur Stadt- und Landgemeinde Jastrowie gehören folgende Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
Brzeźnica Briesenitz
Brzeźnica-Kolonia
Budy Jagdhaus
Budy-Folwark
Drzewie Hohenholz
Jastrowie Jastrow
Nadarzyce Rederitz
Piaski-Leśniczówka Sandkrug
Samborsko Zamborst
Sypniewko Neu Zippnow
Sypniewko-Folwark
Sypniewo Zippnow
Sypniewo-Kolonia
Trzebieszki Schönthal
Wądół Tiefenort

Persönlichkeiten: Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Durch den Ort führt die Fernstraße 22 von Gorzów Wielkopolski (Landberg an der Warthe) nach Elbląg (Elbing), auf der die nächste größere Stadt Wałcz (Deutsch Krone) zu erreichen ist. Außerdem gibt es eine Bahnverbindung zum südlich gelegenen Piła (Schneidemühl).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Jastrowie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 110–111, Nr. 3.
  3. a b Dr. Mecklenburg: Was vermag die Sanitäts-Polizei gegen die Cholera? Nach eigener Erfahrung beantwortet. Berlin 1854, S. 24–25.
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 10, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1907, S. 204.
  5. a b c F. W. F. Schmitt: Geschichte des Deutsch Croner Kreises. Thorn 1867, S. 204
  6. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 378–379, Ziffer 671.
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 377, Nr. 5.
  8. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. deutschkrone.html#ew39dtkrijastrw. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 9, Leipzig 1931, S. 386