Internationale Grüne Woche Berlin

Messe in Berlin

Die Internationale Grüne Woche Berlin, meist kurz Grüne Woche genannt, ist eine Messe in Berlin, auf der landwirtschaftliche Erzeugnisse (im weitesten Sinne) von Herstellern und Vermarktern der weltweiten Agrarindustrie präsentiert werden und die nicht nur Fachbesuchern, sondern auch dem allgemeinen Publikum offensteht. Sie ist die international wichtigste Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau und findet traditionell jeweils am Jahresanfang in den Messehallen unter dem Funkturm statt. Beim letzten regulären Termin im Jahr 2020 hatte sie knapp 400.000 Besucher, davon 90.000 Fachbesucher.

Internationale Grüne Woche Berlin
Grüne Woche

Branche Landwirtschaft
Erste Austragung Februar 1926
Website https://www.gruenewoche.de/de/
Letzte Austragung
Datum 20. Jan. 2021 bis
21. Jan. 2021
Austragungsort Online
Nächste Austragung
Datum 20. Jan. 2023 bis
29. Jan. 2023
Logo der Grünen Woche in der 2006 aktualisierten Version

Veranstalter der Grünen Woche ist die Messe Berlin, ideelle Träger sind der Deutsche Bauernverband (DBV) und die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Die Grüne Woche im Januar 2021 fand wegen der COVID-19-Pandemie nur als digital übertragenes Event ohne Vor-Ort-Publikum und nur an zwei Tagen (20. und 21. Januar) statt.[1] Auch die Grüne Woche 2022 wurde wegen der Pandemie abgesagt. Lediglich eine Pressekonferenz und Talkrunde fand am 20. Januar 2022 statt.[2][3] Die nächste Grüne Woche ist für die Zeit vom 20. bis 29. Januar 2023 geplant.

GeschichteBearbeiten

AnfängeBearbeiten

 
Reichspräsident Paul von Hindenburg bei der Besichtigung wertvoller Jagd-Trophäen, große Jagdausstellung auf der Grünen Woche 1928
 
Grüne Woche, 1930

Die erste Grüne Woche (damals noch nicht mit dem Zusatz „Internationale“) fand vom 20. bis 28. Februar 1926 statt, nachdem ein Mitarbeiter im Berliner Fremdenverkehrsamt die Idee hatte, die traditionelle Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Berlin mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung zu verbinden und damit den ohnedies stattfindenden Straßenverkauf landwirtschaftlicher Artikel an die Teilnehmer der Tagung in eine geordnete Form zu bringen. Im ersten Jahr wurden auf einer Ausstellungsfläche von 7000 m² bereits 50.000 Besucher gezählt. Ihren Namen verdankt die Messe den damals häufig in grüne Lodenmäntel gekleideten Forst- und Landwirtschaftsbesuchern.[4]

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

 
Wilhelm Hölter entwarf 1935 das Logo mit zwei stilisierten Gerstenhalmen, deren Ähren von den Wörtern Grüne Woche gebildet werden, auf der auch das heutige Logo basiert

Ab 1933 war die Grüne Woche in die nationalsozialistische Ideologie eingebunden. Eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte der Grünen Woche in dieser Zeit steht noch aus.[5] Bis 1939 fand die Grüne Woche jedes Jahr statt, mit Ausnahme von 1938 wegen der damals grassierenden Maul- und Klauenseuche.

Neustart 1948Bearbeiten

Nach kriegsbedingter Pause gab es die Grüne Woche ab 1948 erneut. Nachdem sie 1950 wegen größerer Bauarbeiten ausfallen musste, fand sie ab 1951 wieder in jährlichem Rhythmus statt. Die Beteiligung ausländischer Aussteller stieg ab diesem Zeitpunkt kontinuierlich, im Jahr 1963 machten sie bereits zwei Drittel aller Teilnehmer an der Leistungsschau aus. Seit den 1990er Jahren erlebte die Grüne Woche durch die deutsche Wiedervereinigung und die Öffnung des Ostblocks einen besonderen Aufschwung. Sonderschauen zu Themen wie „Käse aus Deutschland“ und ein fachliches Rahmenprogramm mit z. B. im Jahr 2005 über 250 Vorträgen, Seminaren und Symposien runden die Messe ab.

21. JahrhundertBearbeiten

 
Internationale Grüne Woche in Berlin, Eingangsbereich zum Messegelände, 2006

Anlässlich der Grünen Woche findet in Berlin etwa zeitgleich seit 2008 jährlich die Welternährungskonferenz „Global Forum for Food and Agriculture“ statt und als dessen politischer Höhepunkt seit 2009 ein internationaler Agrarministergipfel im Auswärtigen Amt.

Die 80. Internationale Grüne Woche fand vom 16. bis 25. Januar 2015 statt.[6] Im Sinne des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) aus dem Jahr 2011, „Gesellschaftsvertrags für eine Große Transformation“ mit seinem Postulat einer Abkehr von fossilen Brennstoffen als Grundlage der Ökonomie, hat der Begriff der Bioökonomie als neues Leitbild für die weltweite Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung das jährliche internationale Treffen der Landwirtschaftsminister auf dieser Veranstaltung bestimmt.[7][8] Die Messe wurde von 415.000 Besuchern besucht, 5.000 mehr als im Vorjahr.

Vom 15. bis 24. Januar 2016 präsentierten sich 1660 Aussteller aus 65 Ländern. Die Russische Föderation, seit 1993 auf der Messe vertreten und seit 2006 einer der größten Aussteller, nahm nicht teil, da der Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow aufgrund der Sanktionen der EU im Krimkonflikt keine Einreiseerlaubnis erhalten hatte.[9][10] Mit Marokko war erstmals ein nichteuropäisches Land Gastland. Die Zahl der Messe- und Kongressbesucher ging auf knapp 400.000 zurück, davon waren gut 100.000 Fachbesucher.[11]

Im Jahr 2018 nahm Russland trotz weiterbestehender Sanktionen der EU wieder teil, allerdings in eingeschränkter Form (der russische Landwirtschaftsminister kam bereits 2017 wieder zum Agrarministertreffen und sprach auf der Welternährungskonferenz). Nach längerer Abwesenheit waren auch Schweden, Japan und Kasachstan wieder dabei. Erstmals war das Emirat Katar auf der Messe vertreten. Im Rahmen der Grünen Woche fand erstmals die Hippologica statt.

Am 20. August 2020 teilte die Messe Berlin mit, dass die Internationale Grüne Woche 2021 aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nicht als Publikums- bzw. Verbrauchermesse, sondern nur als Fachveranstaltung ohne Ausstellung stattfinden soll. Am 16. November 2020 folgte die Ankündigung, dass die Grüne Woche ohne Publikum als rein digital übertragene Veranstaltung durchgeführt werde. Diese fand am 20. und 21. Januar 2021 unter dem Titel IGW Digital 2021 statt.[12][1] Über das Live-Streaming-Portal der Messe konnten über 100 Programmbeiträge kostenfrei abgerufen und nach Angaben des Veranstalters mehr als 20.000 Nutzer erreicht werden.[13][14] Die Grüne Woche 2022 war für den 21.–30. Januar 2022 geplant. Am 26. November 2021 sagte die Messe Berlin diese jedoch wegen der fortwährenden Pandemie ab.[15][16]

Nebenausstellungen und -konferenzenBearbeiten

GFFABearbeiten

Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA), eine internationale Konferenz zu agrar- und ernährungspolitischen Fragen, findet seit 2008 parallel zur Internationalen Grünen Woche in Berlin statt. Die Konferenz wird veranstaltet vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin und dem Verein GFFA Berlin e. V. Beim GFFA diskutieren Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu einem Schwerpunktthema, meist aus dem Bereich Ernährungssicherung. Am letzten Konferenztag findet als Höhepunkt des GFFA die Berliner Agrarministerkonferenz mit rund 70 Agrarministern sowie Vertretern internationaler Organisationen (wie FAO, OECD, WTO und Weltbank) statt.[17]

HippologicaBearbeiten

Seit 2018 findet im Rahmen der Grünen Woche die Hippologica, ein viertägiges Hallenreitsportturnier mit angeschlossener Pferdemesse statt. Es finden Wettkämpfe in Springen, Dressur und Voltigieren statt. Außerdem wird ein Zweispänner-Hindernisfahren ausgetragen.[18]

Offizielle PartnerländerBearbeiten

Seit 2005 gibt es jährlich ein offizielles Partnerland auf der Grünen Woche.[19]

2005: Tschechien  Tschechien
2006: Russland  Russland
2007: Deutschland  Deutschland
2008: Schweiz  Schweiz
2009: Niederlande  Niederlande
2010: Ungarn  Ungarn
2011: Polen  Polen
2012: Rumänien  Rumänien
2013: Niederlande  Niederlande
2014: Estland  Estland
2015: Lettland  Lettland
2016: Marokko  Marokko
2017: Ungarn  Ungarn
2018: Bulgarien  Bulgarien[20]
2019: Finnland  Finnland
2020: Kroatien  Kroatien

Begleitende ProtesteBearbeiten

 
Demonstration im Jahr 2013

Die Grüne Woche wird seit einigen Jahren von Protesten unter dem Motto Wir haben es satt! begleitet.[21][22] Die Bewegung sieht sich selbst als globale Bewegung für Klimagerechtigkeit und konsequenten Klimaschutz.[23] Zum Auftakt 2013 protestierten 25.000 Menschen gegen die Massentierhaltung, den übermäßigen Einsatz von Antibiotika bei Masttieren und forderten eine Agrarwende. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Hubert Weiger, sagte auf der Abschlusskundgebung 2013: „Hinter dem schönen Schein der Messestände verbirgt sich millionenfaches Tierleid.“[24] Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin von Vier Pfoten sieht „absolut keine Notwendigkeit, Tiere auf Messen auszustellen […] die Tiere werden aus der gewohnten Umgebung herausgerissen und von der vertrauten Herde getrennt“.[25] Auch 2015 protestierten Zehntausende (nach Angaben der Polizei 25.000, nach denen der Veranstalter 50.000).[26]

LiteraturBearbeiten

  • Sven Schultze: „Land in Sicht“? Agrarexpositionen in der deutschen Systemauseinandersetzung. be.bra verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-95410-103-0.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Internationale Grüne Woche 2021 findet ausschließlich digital statt. Presseinformation der Messe Berlin, 16. November 2020
  2. Grüne Woche 2022 abgesagt. Abgerufen am 29. November 2021.
  3. Digitaler Jahresstart mit Pressekonferenz und Talkrunde für die Agrar-und Ernährungsbranche. Grüne Woche, Januar 2022.
  4. Woher die Grüne Woche ihren Namen hat. In: Berliner Morgenpost, 15. Januar 2010.
  5. Grüne-Woche-Jubiläum: Macht reinen Tisch mit eurer Nazi-Vergangenheit! In: berliner-kurier.de, 20. Januar 2016.
  6. Pressemitteilung: Historie der Grünen Woche (Memento vom 24. März 2016 im Internet Archive) abgerufen am 14. Januar 2015.
  7. Benjamin Dierks: Schwerer Sprung vom Labor in die Industrie. Deutschlandfunk, Sendung Hintergrund, 15. Januar 2015.
  8. Rückblick des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2015. gffa-berlin.de Suchergebnisse „Bioökonomie“. (Memento vom 19. September 2015 im Internet Archive) gffa-berlin.de
  9. Grüne Woche in Berlin ohne Russland: Einer der größten Aussteller bleibt der Messe schweigend fern. In: Der Tagesspiegel, 9. Januar 2016.
  10. Grüne Woche – Russischer Minister darf nicht einreisen. (Memento vom 16. Januar 2016 im Internet Archive) Deutschlandfunk, 15. Januar 2016.
  11. Abschlussbericht Grüne Woche 2016
  12. Internationale Grüne Woche 2021 findet als Branchentreff statt. Presseinformation der Messe Berlin, 20. August 2020
  13. Grüne Woche startet erstmals als reine Online-Ausgabe. Bei: RBB, 20. Januar 2021
  14. Erfolgreicher Abschluss der IGW Digital. Messe Berlin / Grüne Woche, 22. Januar 2021
  15. Messe Berlin reagiert auf aktuelle Corona-Welle. Messe Berlin, 26. November 2021.
  16. Veranstalter sagen Grüne Woche 2022 ab. rbb24, 26. November 2021
  17. Was ist das GFFA. GFFA.
  18. Hippologica
  19. Historie der Grünen Woche: Von einer lokalen Warenbörse zur Weltmesse (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) abgerufen am 18. Januar 2015.
  20. Website der Internationalen Grünen Woche Berlin (Memento vom 16. Januar 2018 im Internet Archive) abgerufen am 15. Januar 2018.
  21. Umweltschützer fordern Agrarwende. In: die tageszeitung, 22. Januar 2012.
  22. Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. (Memento vom 5. November 2013 im Internet Archive; PDF; 5,1 MB) Heinrich-Böll-Stiftung, S. 47 .
  23. www.wir-haben-es-satt.de
  24. 25.000 Demonstranten fordern eine Agrarwende. In: Die Welt, 19. Januar 2013.
  25. Darum sehen Tierschützer die Grüne Woche kritisch, vom 27. Januar 2020 in Tagesspiegel.de.
  26. Hanna Gersmann: Zehntausende demonstrieren gegen Agrarfabriken. In: Badische Zeitung (dpa), 19. Januar 2015.