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Koordinaten: 50° 7′ 44,4″ N, 8° 35′ 49,1″ O

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ist eine Organisation der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Die DLG ist ein gemeinnütziger Verein mit etwa 29.644 Mitgliedern (Stand: Dezember 2017) und finanziert sich über ihre Einnahmen für Dienstleistungen, Mitgliedsbeiträge und öffentliche Zuschüsse.

Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft
(DLG)
Logo der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft
Zweck: Grundlage und Selbstverständnis der DLG ist die Förderung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in Land- und Ernährungswirtschaft
Vorsitz: Präsident: Hubertus Paetow; Hauptgeschäftsführer: Reinhard Grandke
Gründungsdatum: 1885
Mitgliederzahl: 29.644 (Stand: Dezember 2017)[1]
Sitz: Frankfurt am Main
Website: dlg.org

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die DLG wurde am 11. Dezember 1885 vom Agrartechniker Max Eyth gemeinsam mit dem Landwirt und Politiker Adolf Kiepert im Englischen Haus in der Berliner Mohrenstraße gegründet.[2] Erster Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft wurde Adolf Kiepert. Ab 1902 befand sich der Hauptsitz des Vereins in der Nähe des Regierungsviertels.[3] Im Jahre 1934 wurde die DLG aufgelöst und in den Reichsnährstand eingegliedert. Am 18. September 1947 wurde die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft auf Schloss Hohenheim neu gegründet; ihr Hauptsitz befindet sich seitdem in Frankfurt am Main.

DLG-Präsidenten seit 1947:

DLG-VerlagBearbeiten

Der DLG-Verlag ist eine 100-prozentige Tochter der DLG und ist auf verschiedenen Feldern wie Zeitschriften, Messen, Büchern, Zertifizierungen und auch Online-Projekten tätig.[4] Zu letzteren gehören auch Online-Dienstleistungen, die nicht mehr zum klassischen Verlagsgeschäft gehören, wie der Agrarticker[5] oder auch ein Online-Shop für Wein.[6]

Unter anderem wird durch die DLG die Zeitschrift DLG-Mitteilungen – Agrarmanagement, Trends + Perspektiven im Max-Eyth-Verlag veröffentlicht, welcher zu je gleichen Teilen aus Gesellschaftern des Landwirtschaftsverlags Münster-Hiltrup und des DLG-Verlags Frankfurt besteht. Themen sind im Schwerpunkt erfolgreicher Ackerbau, effektive Betriebsführung von Großbetrieben sowie die internationale Entwicklung der Märkte.[7]

QualitätsförderungBearbeiten

 
DLG-Leistungsprüfung für Fleisch- und Feinkosterzeugnisse auf der Messe Frankfurt, 1955

Die DLG will agrarwissenschaftliche, ernährungswissenschaftliche und technische Erkenntnisse praxisverfügbar und -tauglich machen sowie Qualitätsförderung für die Branchen Land- und Ernährungswirtschaft betreiben. Diese Arbeiten teilen sich folgende Abteilungen: DLG-Fachzentrum, DLG-Testzentrum Lebensmittel, DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt und der Fachbereich Ausstellungen. Im DLG-Fachzentrum geben über fünfzig Fachausschüsse, Arbeitskreise und Kommissionen mit rund 1.000 ehrenamtlichen Experten aus Wissenschaft und Praxis der DLG den fachlichen Input.[8]

DLG-PrämierungBearbeiten

 
Mit Gold prämiertes Malzgetränk

Das DLG-Testzentrum Lebensmittel in Frankfurt am Main prüft jährlich etwa 27.000 Lebensmittel aus dem In- und Ausland. Dazu gehören u. a. Brot und Backwaren, Bier, Wein, Fleischerzeugnisse sowie Milchprodukte. Die Lebensmittel werden hauptsächlich sensorisch nach dem DLG-5-Punkte-Schema[9] geprüft, also nach Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz beurteilt. Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfungen sowie Zubereitungstests bei Fertiggerichten sind obligatorisch. Je nach Produktgruppe werden Labortests obligatorisch oder stichprobenartig durchgeführt: Tierartanalyse bei Fleischerzeugnissen (Stichproben); Extrakt-, Alkohol- und Stammwürzegehalt bei Bier (obligatorisch); Säure- und Zuckergehalt bei Fruchtgetränken (obligatorisch). Im Unterschied zur Stiftung Warentest werden die Produkte nicht auf Schadstoffe untersucht, aber in der Regel jährlich wiederholt geprüft.[10] Die Hersteller erhalten nach der Prüfung einen Befund, der Informationen zur Verbesserung der Produktqualität enthält. Produkte, die „keine Abweichung von den Qualitätserwartungen“ erfüllen, erhalten die Bestnote „Gold“. Fast alle getesteten Lebensmittel (80 % bis 95 %) erreichen eine Gold-, Silber- oder Bronze-Prämierung. Die Ergebnisse werden seit November 2012 auf einer eigenen Website veröffentlicht.[11][12] Produkte, die bei den Tests durchfallen, werden nicht veröffentlicht.[10]

Kritiker konstatieren der Prämierung eine geringe Aussagekraft, da das Siegel auf Freiwilligkeit beruhe, die Inhaltsstoffe und Betriebe selbst nicht bewertet würden und zudem eine Prämierung lediglich bedeute, dass ein Produkt keine Mängel aufweise.[13] Entsprechend wird die Vertrauenswürdigkeit des Siegels u. a. von Verbraucherpolitikern bezweifelt.[14] Ein Produkt erhält eine Goldmedaille, wenn es alle Testkriterien erfüllt. Erzeugnisse, die mehrere geringe Abweichungen in verschiedenen Prüfkriterien oder eine stärkere Abweichung in einem Prüfkriterium aufweisen, erhalten eine Silber- bzw. Bronze-Medaille.

Land- und KommunaltechnikBearbeiten

Anliegen der DLG war und ist es, den Landwirten vor Ort technologischen Fortschritt verfügbar zu machen.

Im DLG-Testzentrum „Technik und Betriebsmittel“ in Groß-Umstadt werden Land- und Kommunaltechnik sowie landwirtschaftliche Betriebsmittel intensiven Praxistests unterworfen und nach Praxistauglichkeit bewertet. Die Testberichte stehen im Internet zum Download zur Verfügung.

DLG-AusstellungenBearbeiten

Neben den traditionellen DLG-Ausstellungen veranstaltet die DLG unter anderem folgende Fachausstellungen:

  • Agritechnica (Internationale Landtechnik-Ausstellung), alle zwei Jahre in Hannover
  • AgroFarm (seit 2007 Fachausstellung für Tierhaltung und Tierzucht, in Kooperation mit dem russischen Agrarindustriellen Komplex VVC), jährlich in Moskau, Russland
  • Anuga FoodTec (Internationale Fachmesse für Lebensmittel- und Getränketechnologie), alle drei Jahre in Köln in Kooperation mit Koelnmesse
  • EnergyDecentral (Internationale Fachausstellung für Bioenergie und dezentrale Energieversorgung),
  • DLG-Feldtage (Freilandausstellung für Pflanzenbau und Pflanzenzucht), alle zwei Jahre an wechselnden Standorten in Deutschland
  • EuroTier (Internationale Ausstellung für Tierhaltung und Management), alle zwei Jahre in Hannover zusammen mit der
  • Opolagra (Landwirtschaftsausstellung), jährlich bei Opole, Polen
  • PotatoEurope (Internationale Spezial-Freilandausstellung für die Kartoffelbranche), jährlich an wechselnden Standorten in Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden.

DLG-AkademieBearbeiten

Seit 2006 bietet die DLG im Rahmen einer eigenen Abteilung „DLG-Akademie“ Fort- und Weiterbildung für die Agrar- und Lebensmittelbranche an. Über 200 Seminare und andere Fortbildungsveranstaltungen wie Fahrtraining, Traineeprogramm usw. finden pro Jahr statt. Für die Ausbildung sensorischer Sachverständige kann das „DLG-Sensorik-Zertifikat“ erworben werden.[15]

Weingüter und WinzergenossenschaftenBearbeiten

Die DLG prüfte im Testzentrum Lebensmittel von 1999 bis 2011 auch Weingüter und Winzergenossenschaften und zeichnete die jährlichen Gewinner der Wettbewerbe mit den Zertifikaten „DLG-empfohlenes Weingut“ beziehungsweise „DLG-empfohlene Winzergenossenschaft“ aus. Das Zertifikat erhielten die Betriebe, die in ihren Produktionsmethoden, Einrichtungen und der Präsentation ihrer Produkte „überdurchschnittliche Qualität, Umwelt- und Kundenorientierung“ aufwiesen. Nach Aussage der DLG handelte es sich dabei um „eine umfassende, gesamtbetriebliche Auszeichnung qualitätsbewusster Weingüter und Winzergenossenschaften, und zwar vom Anfang der Produktion, über alle Phasen, die den Produktionsprozess begleiten, bis hin zum fertigen Produkt und seiner Vermarktung.“ Die Gültigkeit der Auszeichnung war zunächst auf drei Jahre befristet. Danach wurde in jährlichen Kontrollen überprüft, ob die Kriterien noch erfüllt werden.

Die letzten Zertifikate liefen Anfang 2012 aus.

Auszeichnungen und PreiseBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

BW

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. DLG-Jahresbericht 2017, S. 132
  2. Informationen zur Gründung der DLG auf der Webseite der Gesellschaft
  3. Dessauer Straße 14 im heutigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg@1@2Vorlage:Toter Link/adressbuch.zlb.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. zerstört.
  4. dlg-verlag.de aufgerufen am 26. Oktober 2018
  5. dlg-verlag.de aufgerufen am 26. Oktober 2018
  6. wein.de aufgerufen am 26. Oktober 2018
  7. dlg-mitteilungen.de aufgerufen am 1. Juni 2018
  8. Imageflyer Fachzentrum Landwirtschaft der DLG, pdf, abgerufen am 30. August 2018
  9. DLG-5-Punkte-Schema, abgerufen 17. Mai 2016
  10. a b Was bedeutet das DLG-Siegel?, 3. Mai 2016, abgerufen 10. Mai 2016
  11. Ausführliche Beschreibung der Prüfbestimmungen und Kriterien (PDF-Datei), abgerufen am 7. April 2018
  12. Verbraucherportal der DLG e. V.
  13. Susanne Wimmer: Was wirklich ausgezeichnet wird (Memento vom 10. Mai 2016 im Internet Archive), br.de, 12. Juni 2015, abgerufen 10. Mai 2016
  14. Jan Grossarth: Ekelwurst mit Auszeichnung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. April 2018, abgerufen am 12. April 2018.
  15. dlg-akademie.de Homepage der DLG-Akademie
  16. Verleihung des Wilhelm-Rimpau-Preises