Hannelore Heise

deutsche Grafikerin und Schriftkünstlerin

Hannelore Heise (* 16. August 1941 in Widminnen, Ostpreußen; † 13. Juli 2021 in Halle/Saale[1][2]) war eine deutsche Grafikerin und Schriftkünstlerin. Von 1980 bis 2006 war sie Dozentin für Schriftgestaltung an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale.[3]

Hannelore Heise (2019)

LebenBearbeiten

Geboren 1941 im ostpreußischen Widminnen, wuchs Hannelore Heise in der Nachkriegszeit in Bad Lauchstädt auf und besuchte dort die Volksschule. Im Anschluss an ein Vorbereitungsjahr studierte sie ab 1961 an der Burg Giebichenstein Gebrauchsgrafik bei Walter Funkat. Nach dem Diplomabschluss im Jahr 1966 war Heise zunächst freiberuflich als Grafikdesignerin tätig; ab 1980 übernahm sie eine Dozentur an der Burg Giebichenstein, wo sie bis 2006 gemeinsam mit Günter Gnauck für die Grundlagenausbildung im Bereich Schrift verantwortlich war. Ab 2006 bis 2013 hielt Heise an der Burg einen Lehrauftrag für Schrift im Bereich Grundlagenausbildung und leitete Kalligrafie-Kurse.

Hannelore Heise war Mitglied von Ars Scribendi, der Internationalen Gesellschaft zur Förderung der Literatur und Schriftkunst e. V.,[4] sowie des Halleschen Kunstvereins e. V., für den sie 2017 anlässlich des Reformationsjubiläums die Gruppenausstellung „Am Anfang war das Wort“ kuratierte.[5]

Der ältere ihrer beiden Söhne, der Musiker und Komponist Frank Heise († 1995), war Gründungsmitglied und Leadgitarrist der deutschen Indie-Rockband Bobo in White Wooden Houses.

Hannelore Heise starb im Juli 2021, fünf Wochen vor ihrem 80. Geburtstag.

WerkBearbeiten

Zu den Arbeitsgebieten von Heise gehörten Grafikdesign, Schrift und Kalligrafie, Buchgestaltung sowie die Gestaltung von Briefmarken, Spielkarten, Urkunden und Schriftblättern.

Als freie Grafikerin übernahm sie ab den 1960er-Jahren vielfältige Gestaltungsaufträge, darunter Gebrauchsgrafiken, Logos und Illustrationen, aber auch architekturbezogene Schrift- und Fassadengestaltungen (z. B. ein 2012 entferntes Wandmosaik in der Leipziger Straße in Halle[6]), Geschäftsausstattungen oder Leuchtwerbung. Bis kurz vor ihrem Tod war sie u. a. für die Gestaltung des Goldenen Buches der Stadt Halle sowie die Ausfertigung von Urkunden der Leopoldina und des Halleschen Kunstpreises verantwortlich.[7]

Nach der deutschen Wiedervereinigung widmete sie sich im Besonderen der Schriftkunst und besuchte Meisterkurse bei Kalligrafen in verschiedenen europäischen Ländern. 2011 erhielt Heise ein Stipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt für einen mehrwöchigen Aufenthalt in Istanbul, wo sie sich mit arabischer Kalligrafie beschäftigte.[8]

Neben dem Schriftdesign, der Kalligrafie und Gestaltungslehre war ein weiterer Bereich für das Werk von Hannelore Heise prägend: die Gestaltung von Spielkarten und Briefmarken. Ihre Diplomarbeit, die Spielkarten-Serie „Essay“ (1966), war die erste von insgesamt sieben Kartenreihen, die sie für den VEB Altenburger Spielkartenfabrik gestaltete.[9]

In den 1970er-Jahren übernahm Heise erste Gestaltungsaufträge für Briefmarken der Deutschen Post der DDR. Diesen Schwerpunkt setzte sie nach der Wende fort und erstellte im Auftrag der Deutschen Bundespost diverse Briefmarkenreihen und Sondermarken. Dazu zählen beispielsweise Marken zum Thema „Natur- und Umweltschutz“ (1991) und Wohlfahrtsmarken zum Thema „Deutsche Trachten“ (1993, 1994). Ihre Sondermarke „Gartenreich Dessau-Wörlitz“ der Reihe „Weltkulturerbe der UNESCO“ (2002) wurde 2002 zur „Schönsten Briefmarke Deutschlands“ gewählt und erhielt 2003 die Auszeichnung als „Schönste Briefmarke Europas“.[8]

AusstellungenBearbeiten

  • Gruppenausstellung „Walter Funkat und Schüler“ in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle (April bis Juli 1984)
  • Einzelausstellung im Opernhaus Halle (Mai bis Juli 2011)[7]
  • Gruppenausstellung „Am Anfang war das Wort …“ im Opernhaus Halle (April bis Juni 2017)
  • Gruppenausstellung „Masse und Klasse. Hallesche Gebrauchsgrafik im DDR-Kontext“ im Stadtmuseum Halle (Mai bis November 2018)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Katja Pausch: Hannelore Heise gestorben – Halle trauert um eine große Künstlerin. In: mz.de. 20. Juli 2021, abgerufen am 21. Juli 2021.
  2. In Gedenken an Hannelore Heise. In: hanneloregedenken.de. Abgerufen am 21. Juli 2021.
  3. Hannelore Heise. In: burg-halle.de. Juli 2021, abgerufen am 21. Juli 2021.
  4. Ars Scribendi-Mitglied Hannelore Heise. Abgerufen am 19. Mai 2018 (englisch).
  5. Hans-Georg Sehrt: Geleitwort zur Gruppenausstellung „Am Anfang war das Wort“ (Oper Halle, 2017). Abgerufen am 19. Mai 2018.
  6. Blumenstrauß (X) | Halle im Bild. Abgerufen am 12. April 2018.
  7. a b Hans-Georg Sehrt: Hannelore Heise, Halle – Grafikdesign, Schrift und Kalligrafie – Ausstellung des Halleschen Kunstvereins e. V. in der Kunstvereinsgalerie der Oper Halle. In: Hallescher Kunstverein e. V. Mai 2011, abgerufen am 22. Juli 2021.
  8. a b Dr. Wolfgang Lässig: Hannelore Heise – Die Kunst des Schreibens. In: Ärzteblatt Sachsen-Anhalt. Mai 2014, abgerufen am 22. Juli 2021.
  9. Simon Wintle: Hannelore Heise: „Essay“ & „Gracia“. In: The World of Playing Cards. 4. Januar 2018, abgerufen am 22. Juli 2021 (englisch).