Gorino (Kaliningrad)

Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen))

Gorino (russisch Горино, bis etwa 2003 Garino, deutsch Ober Eißeln, 1938 bis 1945 Obereißeln, auch: Mattischken, 1938 bis 1945 Klingsporn, litauisch Eisuliai, auch Matiškiai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Neman im Rajon Neman.

Siedlung
Gorino
Ober Eißeln (Obereißeln), auch Mattischken (Klingsporn)

Горино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Neman
Frühere Namen Ober Eyßüllen (nach 1736),
Ober Eyssuln (nach 1785),
Ober Eisseln (nach 1815),
Ober Eißeln (bis 1938, 1945–1950),
Obereißeln (1938–1945),
Garino (bis etwa 2003)
Bevölkerung 71 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 49 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40162
Postleitzahl 238702
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 221 802 001
Geographische Lage
Koordinaten 55° 1′ N, 22° 7′ OKoordinaten: 55° 0′ 59″ N, 22° 6′ 55″ O
Gorino (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Gorino (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Gorino liegt sechs Kilometer östlich der Stadt Neman (Ragnit) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) in Richtung Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg). Innerorts zweigt eine Nebenstraße nach Bolschoje Selo (Unter Eißeln) ab. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

GeschichteBearbeiten

Ober EißelnBearbeiten

Das einst Ober Eißeln[2] genannte Dorf ist eine der ältesten Siedlungen im Landkreis Tilsit-Ragnit und galt als eines der vier Musterdörfer im Kreisgebiet[3]. Für das Jahr 1629 ist ein Krug urkundlich bestätigt, und es gab bereits das Gut Ober Eißeln. In der Vorordenszeit existierte hier eine Kultstätte der Prußen. Bis 1945 bestand der Ort neben dem Gut noch aus mehreren kleinen Höfen.

Zwischen 1874 und 1945 war Ober Eißeln Sitz und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[4], der bis 1922 zum Kreis Ragnit, danach – ab 1939 „Amtsbezirk Obereißeln“ genannt – zum Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1910 zählte Ober Eißeln 381 Einwohner[5]. Am 30. September 1928 vergrößerte sich die Landgemeinde um den Gutsbezirk Karlsberg, der eingemeindet wurde. Die Einwohnerzahl des Dorfes stieg bis 1933 auf 428 und – ab 1938 als „Obereißeln“ bezeichnet – belief sich 1939 noch auf 404.[6]

Mattischken (Klingsporn) / SchurawlewoBearbeiten

Der Ort Mattischken bestand aus einigen großen und kleinen Höfen,[7] der bei der Bildung der Amtsbezirke im Jahr 1874 als Landgemeinde in den Amtsbezirk Tischken gelangte.[8] Sie gehörte bis 1922 zum Kreis Ragnit, danach zum Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

Im Jahre 1910 waren in Mattischken 190 Einwohner registriert.[5] Ihre Zahl betrug 1933 133 und belief sich 1939 auf 125.[6] Inzwischen war im Jahr 1938 der Ort in „Klingsporn“ umbenannt worden.[8]

Wie alle Dörfer im nördlichen Ostpreußen wurde der Ort im Jahre 1945 der Sowjetunion zugeordnet. Er erhielt dann im Jahr 1950 die russische Bezeichnung „Schurawlewo“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Bolschesselski im Rajon Sowetsk eingegliedert.[9]

Garino/GorinoBearbeiten

Im Jahr 1950 erhielt Ober Eißeln die russische Bezeichnung „Garino“.[9] Gleichzeitig wurde das Dorf in den Dorfsowjet Bolschesselski selski Sowet im Rajon Sowetsk eingegliedert, dessen Verwaltungssitz Garino vor 1967 selber übernahm. Schon 1947 war der Ort Karlsberg wieder eigenständig in „Korobowo“ umbenannt worden und ebenfalls in den Bolschesselski selski Sowet eingeordnet worden.[10] Vor 1976 wurde dann Korobowo (wieder) an Garino angeschlossen.[11] Etwa um das Jahr 1990 wurde der Ort Schurawlewo an Garino angeschlossen.[12] Etwa im Jahr 2003 wurde Garino in Gorino umbenannt.[13] Von 2008 bis 2016 gehört der Ort zur städtischen Gemeinde Nemanskoje gorodskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Neman.

Amtsbezirk Ober Eißeln/Obereißeln (1874–1945)Bearbeiten

Zwischen 1874 und 1945 bestand der bis 1922 zum Kreis Ragnit, dann zum Landkreis Tilsit-Ragnit gehörende Amtsbezirk Ober Eißeln (ab 1939: Amtsbezirk Obereißeln). Wurde er anfangs aus sechs Dörfern gebildet, waren es am Ende nur noch vier[4]:

Name Änderungsname
1938 bis 1946
russischer Name Bemerkungen
Jautelischken Tehlen Kuprijanowo 1928 nach Tussainen eingeglieder
Karlsberg Korobowo 1928 nach Ober Eißeln eingegliedert
Klein Lenkeningken Kleinlenkenau Kustowo
Ober Eißeln Obereißeln Gorino
Tussainen Tschapajewo
Unter Eißeln Untereißeln Bolschoje Selo

BismarckturmBearbeiten

 
Bismarckturm

Es war der Oberpräsidialrat und spätere Landrat Graf Georg von Lambsdorff, der für Ober Eißeln den Bau des Bismarckturms (russisch Башня Бисмарка) als Aussichtsturm mit Feuerschale anregte.[3] Geplant war die Errichtung bereits 1899. Nördlich vom Dorf gelegen, entstand der Bau nach dem Entwurf des Baumeisters Schaffenhauer aus Wetzlar durch Kreisbaumeister Ewermann aus Ragnit.[14] Das Bauwerk konnte erst am 17. August 1912 eingeweiht werden. Nach 1945 verfiel es. Heute stehen noch Ruinenreste.[15]

KircheBearbeiten

Mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung war Ober Eißeln resp. Obereißeln bis 1945 in das Kirchspiel der Kirche in Ragnit eingepfarrt. Sie gehörte zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Gorino im weitläufigen Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad[16] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Obereißeln
  3. a b Gorino - Ober Eißeln bei ostpreussen.net
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Ober Eißeln/Obereißeln
  5. a b Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Ragnit
  6. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt Tilsit und Landkreis Tilsit–Ragnit/Pogegen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Klingsporn
  8. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Tischken
  9. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)
  10. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  11. Gemäß dem Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976.
  12. Das ergibt sich aus dem Vergleich von Landkarten.
  13. Bei der Volkszählung im Jahr 2002 war noch von „Garino“ die Rede, während der Ortsname bei einer OKATO-Anpassung im Jahr 2004 in „Gorino“ geändert wurde.
  14. Bismarckturm Obereisseln/Ragnit
  15. Башня Бисмарка - Der Bismarckturm bei prussia39.ru (mit Fotos von 2012)
  16. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info