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GSW Immobilien

börsennotiertes Wohnimmobilienunternehmen in Berlin
GSW Immobilien AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000GSW1111
Gründung 1924 / 1937
Sitz Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 244 (2018)[1]
Umsatz 362,08 Mio. Euro (2018)[1]
Branche Immobilienwirtschaft
Website www.gsw.ag
Stand: 31. Dezember 2018

Die im Jahr 1924 gegründete GSW Immobilien AG ist ein börsennotiertes Wohnimmobilienunternehmen in Berlin, das rund 61.000 Wohneinheiten besitzt. Die Unternehmensstrategie der GSW ist auf die langfristige Verwaltung von Mietwohnungen ausgerichtet. Zum 31. Dezember 2012 wurde das Immobilienportfolio der Gesellschaft mit rund 3,3 Milliarden Euro bewertet. Im Geschäftsjahr 2012 erwirtschaftete das Unternehmen mit durchschnittlich 557 Mitarbeitern Umsatzerlöse in Höhe von 160 Millionen Euro. Die GSW Immobilien wurde 2013 von der Deutsche Wohnen übernommen, die rund 98,8 Prozent der Aktien hält.

GeschichteBearbeiten

 
Gedenkstein, Am Gemeindepark 24, in Berlin-Lankwitz

1924 wurde die städtische Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin mbH gegründet, um Neubauförderungsmittel in Berlin zu vergeben. Mitte der 1930er Jahre begann das Unternehmen mit dem Bau von eigenen Wohnungen. Im Jahr 1937 wurden acht städtische Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaften zur Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) zusammengeschlossen, die mit einem Bestand von über 37.000 Wohnungen zum größten Wohnungsunternehmen der Stadt wurde. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurden große Teile der Gebäude zerstört.

Infolge der politischen Teilung Berlins 1948 verlor das Unternehmen die Verfügungsgewalt über ihre Vermögenswerte im Ostteil der Stadt. Ab 1950 stand der Wiederaufbau des zerstörten Wohnraums im Zentrum der Unternehmenstätigkeit. Die 1960er und 1970er Jahre waren durch große Neubauprojekte wie die Neuköllner High-Deck-Siedlung geprägt. Nach der Wiedervereinigung und der Rückübertragung des ehemaligen Besitzes konzentrierte sich die GSW auf die Instandsetzung und Modernisierung des überwiegend in schlechtem Zustand befindlichen Ostberliner Bestandes. Bis 1995 wurden stadtweit mehrere Geschäftsstellen eröffnet.

Im Jahr 2004 verkaufte das von einer rot-roten Koalition (Senat Wowereit II) regierte Land Berlin die GSW mit einem Bestand von rund 65.000 Wohnungen für 405 Millionen Euro an ein Konsortium bestehend aus den Investmentgesellschaften Whitehall Investments Ltd. und Tochtergesellschaften von Cerberus Capital Management.[2] Mitübernommen wurden Schulden in Höhe von 1,56 Milliarden Euro.[3] Seitdem firmierte das Unternehmen als GSW Immobilien GmbH.

Mit Wirkung zum 1. April 2010 firmierte das Unternehmen zur GSW Immobilien AG um. Am 15. April 2011 folgte die Erstnotierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Vom 19. September 2011 bis zum 26. November 2013 war die GSW im MDAX gelistet.

Am 28. Juni 2012 wurde die ehemalige Justizsenatorin Gisela von der Aue in den Aufsichtsrat gewählt und dessen Mitgliederanzahl von neun auf sechs Personen reduziert.[4]

Auf Initiative des niederländischen Pensionsfonds PGGM, der rund 2,6 Prozent an GSW hält, musste sich der Aufsichtsratsvorsitzende Eckart John von Freyend auf der Hauptversammlung im Juni 2013 einem Misstrauensvotum stellen.[5] Die Aktionäre warfen Freyend vor, mit Bernd Kottmann einen Vertrauten in das Amt des Vorstandsvorsitzenden gehoben zu haben, der nicht über ausreichende Qualifikationen verfügt. Kottmann und Freyend kannten sich von der gemeinsamen Zeit bei der IVG Immobilien AG, wo Freyend Vorstandsvorsitzender und Kottmann Finanzchef gewesen waren. Die IVG gilt inzwischen als Sanierungsfall.[6] Zuletzt hatte sich auch der Betriebsrat gegen die Unternehmensführung ausgesprochen.[7] Beide legten kurz darauf ihre Ämter nieder.

Das Unternehmen wird als Bestandshalterin ihrer Immobilien weitergeführt, ist aber nur eine formalrechtliche Hülle ohne eigene Rechtsbefugnis („Legaleinheit“), weil sonst bei der Übernahme durch die Deutsche Wohnen Grunderwerbsteuer gezahlt werden müsste.[8]

GSW-HochhausBearbeiten

Unweit des ehemaligen Checkpoint Charlie im alten Berliner Zeitungsviertel in der Charlottenstraße in Kreuzberg, befindet sich die ehemals angemietete Zentrale der GSW Immobilien AG. Der Neubau – auch bekannt durch das Intro der Fernsehserie Verliebt in Berlin – wurde 1999 nach den Plänen von Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton (Büro Sauerbruch Hutton) fertiggestellt. Er erweitert ein bestehendes Hochhaus aus den 1950er Jahren zu einem vierteiligen Ensemble. Neben dem 17-geschossigen alten Büroturm entstanden eine 22-geschossige Hochhausscheibe, die runde Pillbox sowie ein verbindender Flachbau.

Das Bauwerk war registriertes Projekt der EXPO 2000. Es hat ein Niedrigenergiekonzept, das den Verbrauch durch eine Frischluft/Abluft-Thermik um bis zu 40 Prozent senkt. Ein Doppelfassaden-System aus Glas sorgt für saubere Raumluft und gute Tageslichtausnutzung. Gekrönt wird der Bürobau in 81 Meter Höhe von einem Windsegel, das zugleich maßgeblicher Bestandteil des Energiekonzeptes ist.

Unterschiedliche Büroraumanordnungen sind je Etage möglich – einhüftige, zweihüftige und Kombi-Büroraumnutzungen. Außerdem können einzelne Büromieteinheiten abgetrennt werden. Insgesamt stehen 23.400 m² Büro- und Ladenflächen zur Verfügung. Im ersten Stock des Neubaus befindet sich ein 225 m² großer Konferenzraum mit Lobby und Teeküche.

Als der östlich der Friedrichstraße gelegene Abschnitt der Kochstraße 2008 in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt wurde, verlegte die GSW Immobilien die Hausadresse Kochstraße 22 auf einen Nebeneingang (Charlottenstraße 4), um die Neu-Adressierung zu vermeiden, gegen die das Wohnungsunternehmen vergeblich geklagt hatte.[9]

KritikBearbeiten

 
Bezirksbürgermeister Franz Schulz bei der Räumung der Schlesischen Straße 25

1993 bekam die GSW 23 landeseigene Häuser vom Land Berlin geschenkt. Vertraglich wurde allerdings eine Instandsetzung der Häuser durch die GSW innerhalb von zehn Jahren vereinbart. Nach der Privatisierung der GSW im Jahr 2004, gingen auch die Häuser in Privatbesitz über. Die hierbei neu geschlossenen Verträge mit den neuen Eigentümern Cerberus und Goldman Sachs wurden geheim gehalten. 2011 wurden die Immobilien in marodem Zustand durch die GSW verkauft, was zu Protesten und dem Vorwurf der Vertragsverletzung führte. Die Proteste gipfelten in einer Besetzung eines der betroffenen Häuser in der Schlesischen Straße 25, auf die seitens der Polizei mit einer Räumung reagiert wurde. Kritisiert wird zudem, dass die meisten der von der Stadt verschenkten Häuser nach Verwaltung durch die GSW neben einem fortschreitenden Verfall auch von Leerstand betroffen seien, verkauft wurden und Mieter durch Luxussanierungen verdrängt würden. Dies sei ebenfalls vertragswidrig, da der Weiterverkauf sowie die Umwandlung der Wohnungen in Wohneigentum ohne Zustimmung des Landes untersagt waren.[10] Schäden wie Hausschwamm, undichte Dächer oder kaputte Schornsteine seien trotz Mängelanzeigen nicht von der GSW behoben worden. Beim Weiterverkauf von fünf Häusern seien die Mieter trotz Vorkaufsrecht nicht informiert worden und die bei der Privatisierung 2004 vereinbarten Mieterschutzklauseln nicht an die Käufer der Immobilien weitergegeben worden.[11]

Von den Oppositionsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen Berlin,[12] Die Linke[13] und der Piratenfraktion[14] wurde der Rot-Schwarze Senat in der Plenarsitzung am 14. Juni 2012[15] aufgefordert, den Problemen nachzugehen und die neuen Verträge zur Privatisierung offenzulegen.[11] Seitens des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt Michael Müller wurde jedoch angegeben kein Vertragsverletzungsverfahren einleiten zu wollen. Zu den Sitzungen des Ausschusses für Bauen, Wohnen und Verkehr des Abgeordnetenhauses von Berlin am 18. April und am 6. Juni, fanden Anhörungen statt, zu denen die Vertreter der GSW ihre Teilnahme jedoch jeweils absagten.[16] Des Weiteren wurde ein Implementierungsausschuss zur Überwachung der vertraglichen Beziehungen zwischen dem Land Berlin und der GSW eingerichtet.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b GSW Immobilien Umsatz, Kennzahlen, Bilanz/GuV. In: finanzen.net. Abgerufen am 21. September 2019.
  2. Ulrich Paul: GSW-Verkauf für 405 Millionen Euro erhielt breite Zustimmung. In: Berliner Zeitung, 18. Juni 2004.
  3. H. Mortsiefer, R. Schönball: GSW: Berliner Wohnungen vor dem Verkauf an der Börse. In: Der Tagesspiegel, 4. November 2009, abgerufen am 15. April 2019.
  4. GSW Hauptversammlung wählt ehemalige Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue in den Aufsichtsrat. GSW Immobilien, Pressemitteilung, 28. Juni 2012 (PDF).
  5. Hans Ewert: Aktionäre besiegen GSW-Chefs Kottmann und von Freyend. In: Berliner Morgenpost, 26. Juni 2013.
  6. Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat verlassen GSW Immo. Reuters, 26. Juni 2013.
  7. Aufstand bei der GSW: Auch Betriebsrat fordert Chef-Rücktritt. Reuters, 25. Juni 2013.
  8. Ende der Wohnungsgesellschaft GSW - Am Schluss bleiben Fassaden. In: Die Tageszeitung, 27. Juli 2015, abgerufen am 3. August 2015.
  9. GSW-Hochhaus ohne Dutschke, abgerufen am 21. März 2013
  10. GSW23 Taz vom 10. April 2012
  11. a b GSW-Wohnungen, Der Senat weiß nichts Berliner Mieterverein von Juni 2012
  12. GSW-Anhörung: Der Senat verweigert sich einem Vertragsverletzungsverfahren gegen die GSW Bündnis 90/Die Grünen Berlin vom 7. Juni 2012
  13. GSW-Privatisierungs-Verträge offenlegen Die Linke Berlin vom 13. September 2011
  14. Absage der GSW an Ausschuss Bauen, Wohnen und Verkehr – Oliver Höfinghoff Pressemitteilung der Piratenfraktion vom 6. Juni 2012
  15. Drucksache 17/0407 (PDF; 34 kB)
  16. Anhörung im Bauausschuss zu den Verstößen der GSW gegen Mieterschutzrechte Kommentar von Katrin Schmidberger und Oliver Höfinghoff