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Frontenhausen

Markt in Niederbayern ( Deutschland )

GeografieBearbeiten

Lage und KlimaBearbeiten

Der Ort liegt im Vilstal etwa zehn Kilometer südlich der Kreisstadt Dingolfing. Unweit des Ortes liegt das Naherholungsgebiet Vilstalstausee. Frontenhausen liegt an der von Schwemmwiesen umgebenen Vils zwischen Isar- und Rottal. Das Klima ist typisch mitteleuropäisch.

GemeindeteileBearbeiten

Der Markt Frontenhausen ist gegliedert in folgende 38 Gemeindeteile: Der Hauptort ist Frontenhausen, daneben existieren die Kirchdörfer Georgenschwimmbach, Loitersdorf und Witzeldorf sowie die Dörfer Bertensdorf und Biegendorf, ebenso wie die Siedlung Waldfried. Zudem werden die Weiler mit Kirche Altenkirchen, Rampoldstetten und Wettersdorf sowie die Weiler Eiselsdorf, Friedersdorf, Ödgarten, Reisach, Schwaige und Wachlkofen gezählt, aber auch die Einöden (Einzelsiedlungen) Aign, Bach, Berg, Bircha, Feldmühle, Fuchsberg, Gaiswang, Geisbruck, Grub, Grubwinkl, Grund, Haag, Lichtenegg, Moospoint, Moselding, Oed, Rieglöd, Sandöd, Schaufl, Schern, Sonnleiten und Wollöd.[2]

GeschichteBearbeiten

VorzeitBearbeiten

Eine Ansiedlung lässt sich bis in vorgeschichtliche Zeit nachweisen. So befinden sich Funde von gejagten Vorzeit-Elefanten (Deinotherien) im Münchner Museum „Mensch und Natur“. Aus Funden in der Umgebung kann man schließen, dass bereits vor 4000 Jahren in der Jungsteinzeit erste Siedlungen bestanden. Seit der Bronzezeit ist eine Besiedlung durch Funde belegt, ebenso in der Keltenzeit, was eine kontinuierliche Besiedlung seit der Römerzeit nahelegt.

MittelalterBearbeiten

Vage Hinweise um 800 weisen mit „Häuser des Franto“ auf die Ursprünge des Namens hin, und die erste urkundliche Erwähnung der Grafen von Frontenhausen findet sich um 1100. Ab etwa 1180 diente das neu erbaute Schloss zu Teisbach als Sitz der Grafschaft. 1226 erlosch mit dem Tod des 1204 zum Bischof von Regensburg gewählten Konrad IV. von Frontenhausen das Grafengeschlecht. Das Marktrecht wurde 1386 von Friedrich, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern verliehen. Weiterhin besaß Frontenhausen eine Stadtmauer mit Stadttoren. 1423 wurde die Ringmauer fertiggestellt, deren Verlauf noch nachvollzogen werden kann und deren letztes der drei Tore 1903 abgebrochen wurde.

NeuzeitBearbeiten

Im Südwesten des Marktes befindet sich die sogenannte „Römerschanze“. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein römisches Castrum, sondern eine Abwehranlage, die im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zum Schutz vor marodierenden (unter anderem schwedischen) Milizen errichtet wurde. In dem Areal, das heute komplett bewaldet ist, lässt sich noch das Grundprinzip eines Grabens mit Schutzwall um eine Ebene erkennen. 1536, 1738 und 1770 richteten Brände große Schäden im Ort an.[3][4]

In den 1950er Jahren wurde der bedeutende Pfarrhof abgerissen, der zu der im Landshuter Stil gotischen, dann barockisierten und schließlich neugotisch abgewandelten Kirche gehörte. Im Rahmen der Kreisgebietsreform in Bayern wurde Frontenhausen am 1. Juli 1972 vom Landkreis Vilsbiburg in den Landkreis Untere Isar, der am 1. Mai 1973 den Namen Landkreis Dingolfing-Landau erhielt, umgegliedert. Die 1978 gegründete Verwaltungsgemeinschaft Frontenhausen wurde 1980 wieder aufgelöst.

Eine Sanierung des Ortskerns konnte erst nach der Freigabe der Ortsumgehung 2002 geplant werden und führte ab 2007 zu einer weitgehenden Umgestaltung des Marktplatzes und seiner Umgebung. Es entsteht am neu errichteten Kreisverkehr ein Gewerbegebiet. An den Ortsrändern befinden sich Gewerbeflächen und seit Mitte der 1990er Jahre im Südwesten ein familienfreundliches Neubaugebiet.

Überregionale Bekanntheit erlangte der Ort auch durch die mittlerweile sechs Verfilmungen der Eberhofer-Krimis von Rita Falk (siehe Film und Fernsehen). Frontenhausen wurde von der Autorin als der Ort bezeichnet, der am meisten Ähnlichkeiten mit dem fiktiven Ort Niederkaltenkirchen aufweist.[5] Der Kreisverkehr, welcher in den Verfilmungen prominent zu sehen ist, trägt seit dem 8. August 2018 offiziell den Namen Franz-Eberhofer-Kreisel.[6]

Die ehemalige Gemeinde Rampoldstetten, Dörfer, Weiler und Einzelgehöfte ergänzen die weitläufige Gemeinde zu einer umfassend ländlichen, modernen Einheit.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Rampoldstetten eingegliedert.[7]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Der Erste Bürgermeister seit dem 1. Mai 2014 ist Franz Gassner (CSU), 2. Bürgermeister ist Franz Wimmer (CSU).

  • Altbürgermeister ist Georg Retz (CSU).

GemeinderatBearbeiten

Sitzverteilung seit der Gemeinderatswahl 2014:

  • CSU 8 Sitze + 1. Bürgermeister (2008: 8 Sitze)
  • SPD 1 Sitz (2008: 2 Sitze)
  • FWG 4 Sitze (2008: 4 Sitze)
  • Rampoldstettner Liste 2 Sitze (2008: 2 Sitze)
  • Junge Bürger Frontenhausen 1 Sitz (2008: 0 Sitze)

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Blau ein silbernes Haus in perspektivischer Seitenansicht mit rotem Dach, darauf goldene Kugeln.[8]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Der Gebäudetrakt aus Rathaus und Marienapotheke am Marktplatz
 
Der Marktplatz mit Marienstatue und Pfarrkirche St. Jakob

Kabarettveranstaltungen, ein Töpfermarkt und lokale Aktivitäten von über 50 Vereinen zeugen von lebendigem Gemeindeleben.

Grünflächen und NaherholungBearbeiten

Das agrarisch geprägte Naherholungsgebiet „Mittleres Vilstal“ bietet Freizeitmöglichkeiten für Wanderer, Radfahrer, Reiter, Segler und Surfer.

BauwerkeBearbeiten

  • Den Mittelpunkt des Ortes bildet der fast quadratische Marienplatz mit der goldenen Marienstatue aus dem 19. Jahrhundert – errichtet im Jahr 1874. Die Bauten stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, behäbige Bürgerhäuser mit meist geschweiften oder zinnenförmigen Treppengiebeln. An der Westseite befindet sich ein langer Gebäudetrakt mit Walmdach aus dem 18. Jahrhundert, bestehend aus Rathaus und Marienapotheke. Im Rahmen der Marktplatzsanierung 2009 wurde die Marienstatue in einen Brunnen integriert. Hierzu war ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben worden.
  • Die Pfarrkirche St. Jakob ist eine spätgotische dreischiffige Pseudobasilika. Sie wurde 1536 nach einem Ortsbrand wiederhergestellt und im 17. und 20. Jahrhundert verändert. Sie besitzt ein Rippengewölbe und eine vorwiegend neugotische Ausstattung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Anselm Sickinger schuf 1854 bis 1858 die Altäre.
  • Dominiert von der höherfundamentierten gotischen Kirche St. Jakob finden sich Baudenkmäler aus unterschiedlichster Zeit. Neben auf gotischem Ursprung beruhenden Bürgerhäusern und typisch niederbayrischen Bauernanwesen finden sich in der Eggergasse horizontal geteilte Kleinstanwesen von Tagelöhnern vor 150 Jahren, Prachtbauten aus der Gründerzeit (Feldmühle), Reste von frühen Industriebauten (Röhrl-Brauerei) oder auch die im Jugendstil 1905 erneuerte Brauereigaststätte „Zur Post“ mit dem Postsaal.

BaudenkmälerBearbeiten

TheaterBearbeiten

Bekannt ist der Kabarett-Verein „Kom(m)Postler“, der Frontenhausen mit seinem Kleinkunstpreis Vils-Laus ein paar Mal im Jahr zu einiger Bedeutung verhilft. So spielten Dieter Hildebrandt, Bruno Jonas, Michael Altinger und viele andere mehrmals in Frontenhausen.[9]

Film und FernsehenBearbeiten

Der Markt Frontenhausen diente schon des Öfteren als Filmkulisse für bayerische Komödien:

 
Franz-Eberhofer-Kreisel in Frontenhausen

In den Verfilmungen der Provinzkrimis der Autorin Rita Falk dient Frontenhausen als Filmkulisse für den fiktiven niederbayerischen Ort Niederkaltenkirchen.[10]

TöpfermarktBearbeiten

Seit 1982 findet jedes Wochenende nach Fronleichnam der Frontenhausener Töpfermarkt statt. Mit traditioneller Töpferware, in erster Linie Geschirrkeramik gestartet, zeichnen ihn in den letzten Jahren zusätzlich Künstler und Kunsthandwerker auf höchstem internationalen Niveau aus.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Der Markt Frontenhausen, von jeher im Knotenpunkt wichtiger Verkehrswege, bietet als Kleinzentrum hohes soziales, kulturelles und wirtschaftliches Potential. Firmen wie BMW oder Mann+Hummel in der näheren Umgebung stellen eine Wirtschaftskraft, die im Mittelstand und Kleingewerbe eine überaus vielfältige Versorgung der Bürger sicherstellt.

VerkehrBearbeiten

BahnverkehrBearbeiten

Der Bahnhof Frontenhausen-Marklkofen liegt an der Bahnstrecke Mühldorf–Pilsting und bildet seit der Stilllegung zum 13. Dezember 1969 des Streckenabschnitts vom Bahnhof Frontenhausen-Marklkofen bis nach Pilsting den Endpunkt der Strecke. Der Streckenabschnitt wurde bis zuletzt nur im Güterverkehr bedient. Der Streckenabschnitt wurde seit 2006 von der DB Netz AG zur Abgabe ausgeschrieben und am 30. Juni 2010 von der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) gepachtet. Mittelfristig sollen Brücken saniert und Holzschwellen ausgetauscht werden.[11] Wegen nötiger Investitionen in die Strecke zur Erhaltung der Betriebsfähigkeit von bis zu vier Millionen Euro will sich die RSE von der Strecke trennen.[12] Da der Instandhaltungsrückstand die Betriebssicherheit gefährdete, musste die RSE die Strecke zum 9. Oktober 2017 sperren.[13] Mit Wirkung vom 22. Mai 2018 ist die Strecke durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr nach einem entsprechenden Antrag durch die Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH stillgelegt worden. Es besteht allerdings noch ein wenig Hoffnung auf eine Streckensanierung, da sich anliegende Firmen um einen Betrieb der Strecke bemühen.[14]

StraßenverkehrBearbeiten

Frontenhausen liegt an den Staatsstraßen 2083 und 2111. Das Dorfzentrum ist etwa 15 Kilometer von den Autobahnanschlussstellen 19 (Dingolfing-Mitte) und 20 (Dingolfing-Ost) an der Bundesautobahn 92 entfernt, die Innenstadt von Landshut ist über die Staatsstraße 2054 etwa 34 Kilometer entfernt.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

  • Bavarian Suncoast GbR (Herstellung und Vertrieb von Grill- und BBQ-Saucen)

BildungBearbeiten

  • Kindergarten, Grund- und Mittelschule mit allgemein nutzbarer moderner Zweifachturnhalle
  • Bürger- und Pflegeheim

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Schwester M. Dentlina Kloh (* 1905; Ehrenbürgerin seit 1976)
  • Karl Fleischberger (* 2. Oktober 1912; Ehrenbürger seit 1985; † 14. November 1999 in Frontenhausen)
  • Franz Xaver Niedermeier (* 1925; Ehrenbürger seit 2003 und Altbürgermeister von Rampoldstetten)

Söhne und Töchter des MarktsBearbeiten

Personen, die im Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Konrad IV. von Frontenhausen und Teisbach (* um 1170; † 8./9. April 1226 in Regensburg), Graf von Frontenhausen und Lechsgemünd, war von 1204 bis 1226 Bischof von Regensburg und ab 1205 Kanzler des Königs Philipp von Schwaben.
  • Maximilian Prokop von Toerring-Jettenbach (1739–1789), Fürstbischof von Regensburg und Freising, war von 1762 bis 1767 Pfarrer in Frontenhausen.
  • Gregor Strasser (1892–1934), nationalsozialistischer Politiker, Verleger und Teilnehmer am Hitler-Ludendorff-Putsch, machte von 1910 bis 1914 in der Frontenhausener Marienapotheke eine Lehre zum Drogisten.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Frontenhausen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 11. Dezember 2017.
  3. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Frontenhausen, abgerufen am 7. September 2018
  4. Münchner Intelligenzblatt vom 2. September 1797 über Brandkatastrophen seit 1745, Digitale Sammlungen
  5. Süddeutsche de GmbH, München, Deutschland, Andreas Glas: Niederkaltenkirchen heißt in echt Frontenhausen. Abgerufen am 29. Juli 2019.
  6. sueddeutsche.de: Franz Eberhofer und sein Kreisel
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 634.
  8. Haus der Bayerischen Geschichte - Bayerns Gemeinden. Abgerufen am 29. Juli 2019.
  9. Homepage des Kleinkunstvereins Kom(m)Postler
  10. Andy Forster: Rita Falk begeistert in der Stadthalle. Dingolfinger Anzeiger, 16. April 2016, S. 17
  11. IBSE-Telegramm. 237, August 2010, S. 3.
  12. RSE will sich von Strecke trennen. In: eisenbahn-magazin. Nr. 2, 2017, ISSN 0342-1902, S. 32.
  13. Ludwig Felix Mayrhuber: RSE sperrt Neumarkt-St.Veit – Frontenhausen-Marklhofen kurzfristig. In: Bahn-Report. Band 35, Nr. 210, 1. November 2017, ISSN 0178-4528, S. 67 (Website [abgerufen am 12. November 2017]).
  14. Wenig Hoffnung für die Strecke nach Marklkofen. innrail Unternehmergesellschaft, 20. März 2018, abgerufen am 30. März 2018.
  15. Neue Professorin an der Technischen Hochschule Mittelhessen (Memento des Originals vom 7. April 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thm.de

WeblinksBearbeiten

  Commons: Frontenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien