Eichendorf

Gemeinde in Deutschland

Eichendorf ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Eichendorf
Eichendorf
Deutschlandkarte, Position des Marktes Eichendorf hervorgehoben

Koordinaten: 48° 38′ N, 12° 51′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Dingolfing-Landau
Höhe: 355 m ü. NHN
Fläche: 98,19 km2
Einwohner: 6581 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km2
Postleitzahl: 94428
Vorwahlen: 09952, 09956, 09937, 08547
Kfz-Kennzeichen: DGF, LAN
Gemeindeschlüssel: 09 2 79 113
Marktgliederung: 120 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 5
94428 Eichendorf
Website: www.markt-eichendorf.de
Erster Bürgermeister: Josef Beham (Freie Wähler Gruppe Eichendorf)
Lage des Marktes Eichendorf im Landkreis Dingolfing-Landau
Karte
360° Panorama von Eichendorf
Als Kugelpanorama anzeigen

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Die Gemeinde liegt an der Vils und ist noch sehr ländlich geprägt und dient den umliegenden Ortschaften als Verwaltungs- und Versorgungszentrum.

GemeindegliederungBearbeiten

Es gibt 120 Gemeindeteile[2] (in Klammern ist der Siedlungstyp[3] angegeben: H = Hauptort, Pfd = Pfarrdorf, Kd = Kirchdorf, D = Dorf, W = Weiler, E = Einöde):

Unterfrauenholz wurde als Gemeindeteil aufgehoben.

GeschichteBearbeiten

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

„Euchendorf“ wurde in einem Schreiben vom 24. März 1075 von Papst Gregor VII. erstmals erwähnt. Darin bestätigte der Papst dem Bischof Altmann von Passau die Schenkung von drei Gehöften und einer Kirche von Eichendorf an das Kloster St. Nikola bei Passau. Die übrige Ortschaft verblieb weiterhin im Besitz der Bischöfe, deren Eigentum sie wahrscheinlich schon seit dem 8. Jahrhundert war.

 
Historischer Ortsplan von 1826

Der Ortsteil Perbing wurde in einer Urkunde von König Heinrich II. vom 19. Juni 1011 als Berhcbuobingon erwähnt: Heinrich schenkt seinem Kämmerer Odelgis für dessen uneigennützige Dienste eine Königshufe in diesem damals noch selbständigen Ort.[4]

Im 12. bis 14. Jahrhundert scheint ein Ortsadel ansässig gewesen zu sein. In den Urkunden des Klosters Aldersbach wird 1170 ein Heinricus de Euchendorf als Zeuge und in Urkunden des Klosters St. Nikola von 1334 wird Karl von Euchendorf erwähnt. 1350 erhielt Heinrich der Euchendorfer eine Hube des Klosters St. Nikola zu Leibrecht.

Im Jahre 1264 wurde Eichendorf als „forum Eichendorf“, – Markt Eichendorf – in einem Verzeichnis der Güter und Einkünfte des Hochstifts Passau erwähnt. Im Jahre 1358 hatte Eichendorf bereits das Recht, drei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt abzuhalten, was ein Bestätigungsbrief von Herzog Albrecht enthält.

Am 7. Oktober 1334 trafen sich Kaiser Ludwig der Bayer und sein Vetter Herzog Heinrich von Niederbayern in Eichendorf zu einem Versöhnungsgespräch. Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde der Ort stark in Mitleidenschaft gezogen. Als Entschädigung an die Marktbürger zum Wiederaufbau wurde von Herzog Wilhelm IV. im Jahr 1512 die Abhaltung eines vierten Jahrmarktes zugesagt.

Im Dreißigjährigen Krieg brannten schwedische Truppen den Ort in den Jahren 1639 und 1648 (mit Ausnahme der Kirche) vollkommen nieder. Durch das bayerische Gemeindeedikt von 1818 wurde die heutige politische Gemeinde begründet. 1835, 1848 und 1850 wüteten weitere Brände und vernichteten ganze Ortsteile. 1896 wurde Eichendorf zur Pfarrei erhoben. Vorher gehörte der Ort als Expositur zur Pfarrei Dornach.

20. JahrhundertBearbeiten

Im Jahr 1915 erhielt der Markt mit der Eröffnung der Bahnstrecke Aufhausen–Kröhstorf einen Eisenbahnanschluss. Die Stilllegung der Strecke erfolgte 1971, der Abbau 1973. Heute verläuft hier der Vilstal-Radweg.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Eichendorf beschossen und dadurch einige Gemeindeteile zerstört.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die heutige Gemeinde (Markt) Eichendorf in den Jahren 1972 bis 1978 neu formiert. Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Dornach, Hartkirchen und Reichstorf eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Adldorf, Aufhausen, Exing und Indersbach sowie Teile der aufgelösten Gemeinden Kammern und Rengersdorf hinzu.[5] Abgeschlossen wurde die Gebietsreform zum 1. Mai 1978 mit der Eingliederung der Gemeindeteile Brunnberg, Gneidingerhart, Hiemling, Unterfrauenholz, Wildeneck und Zeitlstadt aus der ehemaligen Gemeinde Ettling.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 6207 auf 6592 um 385 Einwohner bzw. um 6,2 %. Am 31. Dezember 2001 zählte Eichendorf 6690 Einwohner.

PolitikBearbeiten

MarktgemeinderatBearbeiten

Nach der Kommunalwahl am 15. März 2020 mit einer Wahlbeteiligung von 70,9 % setzt sich der Marktgemeinderat von Eichendorf wie folgt zusammen:

 
Das Rathaus am Marktplatz
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Freie Wähler / Freie Wähler Gruppe Eichendorf 24,9 % 5
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 18,5 % 4
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 9,4 % 2
Aktive Bürger / ÖDP 7,6 % 1
Christliche Wähler Union (CWU) 4,3 % 1
Junge Bürger 7,3 % 1
Freie Junge Wähler (FJW) 9,2 % 2
Freie Wähler Vereinigung (FWV) 5,4 % 1
PRO Marktgemeinde 13,3 % 3

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister von Eichendorf ist seit Mai 2020 Josef Beham (Freie Wähler / Freie Wähler Gruppe Eichendorf); er wurde am 15. März 2020 bei zwei Mitbewerbern mit 54,1 % der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war Max Schadenfroh (CSU), im Amt von Mai 2002 bis April 2020.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot zwei silberne Schrägbalken; auf dem mittleren roten Streifen im Obereck eine silberne Kugel.[7][8]
Wappenbegründung: Das Wappen des Marktes Eichendorf ist dem Wappen von Landau a.d.Isar mit vertauschten Farben sehr ähnlich. Die Kugel als Beizeichen hat zusätzlich die Funktion, die beiden Wappen voneinander zu unterscheiden. Eichendorf wird schon 1264 als Markt genannt und erhielt 1358 die Rechte der Stadt Landau. Von daher rührt wohl die Verwandtschaft der Schildbilder. Das Wappen ist im Halbrundschild erstmals im Siegel des Marktes von 1514 überliefert. Die Marktsiegel zeigen stets die Kugel, während sie in der heraldischen Literatur seit dem 16. Jahrhundert und in der Bürgermeistermedaille aus dem 19. Jahrhundert willkürlich weggelassen wurde; die Kugel fand als Beizeichen erst seit Otto Hupp wieder Berücksichtigung.
 
Pfarrkirche St. Martin

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Nur wenige Wohnhäuser des 18. Jahrhunderts überstanden die Brände im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die dreischiffige spätgotische Pfarrkirche St. Martin wurde 1466 geweiht. Sie ist von der Barockisierung sowie der Modernisierung in der Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt. Im Chor besitzt sie ein Vierrauten-Rippengewölbe. Die Rokokoaltäre stammen aus dem 18. Jahrhundert. Im Gemeindeteil Aufhausen wurde bei einer Ausgrabung die „Venus von Aufhausen“ geborgen.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst 6878 ha. Bestanden im Jahr 1999 noch 254 landwirtschaftliche Betriebe, ging deren Zahl bis 2010 auf 155 zurück.

Betriebsgrößenstruktur in der Landwirtschaft[9]
Betriebsgröße in ha Anzahl der Betriebe
1999 2010
unter 5 46 3
5 bis unter 10 54 27
10 bis unter 20 48 33
20 bis unter 50 65 48
50 oder mehr 41 44
Gesamt 254 155

VerkehrBearbeiten

Die Bahnhöfe in Landau (Isar) und Plattling sowie die A 92 München-Deggendorf gewährleisten den überregionalen Anschluss.

BildungBearbeiten

Grund- und Hauptschule: etwa 500 Schüler (2008)

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Eichendorf verfügt über ein Freibad, über Sportanlagen mit einer entsprechenden Vereinspalette sowie über Wander- und Radwege im Vilstal.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Eichendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Markt Eichendorf, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 11. Oktober 2021.
  3. Markt Eichendorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  4. Qualiter nos reminiscentes gratuiti obsequii camerarii nostri nomine unum regalem mansum in villa vulgo dicta Berhcbuobingon pro rivo Sunninbach in pago Cunzingouuui in comitatu vero Adelberti comitis, ... eo modo ut, si quid ibi defuerit, in proximo loco nostro suppleatur, ei concedimus ..., ea quippe ratione ut predictus Ǒdelgisus exinde liberam habeat potestatem tam ipse quam eius heredes ... quicquid sibi inde agere libuerit. RI II,4 n. 1745, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1011-06-19_1_0_2_4_1_459_1745 (Abgerufen am 30. November 2017).
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 505.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 634.
  7. Eintrag zum Wappen von Eichendorf in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  8. Eintrag zum Wappen von Eichendorf in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  9. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Statistik kommunal 2015 – Markt Eichendorf 09 279 113 - Eine Auswahl wichtiger statistischer Daten. PDF, online auf www.statistik.bayern.de, abgerufen am 4. Januar 2017.