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Ernst August von Hannover (1954)

deutscher Adelsnachkomme, Oberhaupt des Hauses der Welfen

Ernst August Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland (* 26. Februar 1954 in Hannover), aus dem Geschlecht der Welfen, ist das derzeitige Oberhaupt des ehemals königlichen Hauses Hannover und des ehemals herzoglichen Hauses von Braunschweig.

Er ist ein Urenkel des Deutschen Kaisers Wilhelm II. (Enkel von dessen einziger Tochter) und der zweitälteste lebende männliche Nachkomme König Georgs III. von Großbritannien und Irland in direkter männlicher Linie (nach seinem Cousin Georg). Er besitzt die deutsche, österreichische und britische Staatsangehörigkeit.

Inhaltsverzeichnis

FamilieBearbeiten

Ernst August ist der älteste Sohn von Ernst August Prinz von Hannover, Herzog von Braunschweig Lüneburg (1914–1987) und seiner Ehefrau Ortrud Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1925–1980). Seine Geschwister sind:

  • Marie Viktoria Luise Hertha Friederike (* 1952) ∞ 1982 Michael Graf von Hochberg
  • Ludwig Rudolph (* 28. November 1955; † 28. November 1988) ∞ 4. Oktober 1987 Isabella Gräfin von Thurn und Valsassina (1962–1988)
  • Olga Sophie Charlotte Anna (* 1958)
  • Alexandra Irene Margitha Elisabeth Bathildis (* 1959) ∞ 1981 Andreas Fürst zu Leiningen
  • Heinrich Julius (* 1961) ∞ 1999 Thyra von Westernhagen

Über die Schwester seines Vaters, Königin Friederike von Griechenland (1917–1981), ist Ernst August ein Cousin ersten Grades des früheren Königs Konstantin II. von Griechenland und dessen Schwester, Königin Sophia von Spanien (* 1938). Sein Onkel Georg Wilhelm (1915–2006) war verheiratet mit Prinzessin Sophie von Griechenland (1914–2001), einer Schwester von Prinz Philip, Duke of Edinburgh.

Nach einer Ausbildung zum Landwirt in England und Kanada betätigte er sich als Geschäftsmann und Produzent von Tier- und Dokumentarfilmen.

1981 heiratete er die Schweizerin Chantal Hochuli (* 2. Juni 1955 in Zürich), mit der er zwei Söhne hat:

  • Ernst August (* 1983) ∞ 2017 Ekaterina Malysheva
  • Christian Heinrich (* 1985)

Seine erste Ehe wurde 1997 in London aufgrund von Ehebruch mit einer nicht genannten Frau geschieden.[1]

Am 23. Januar 1999 heiratete er Prinzessin Caroline von Monaco aus dem Hause Grimaldi und hat mit ihr eine Tochter, Alexandra Charlotte Ulrike Maryam Virginia Prinzessin von Hannover (* 20. Juli 1999).

Im Jahr 2004 übertrug Ernst August den land- und forstwirtschaftlichen Besitz des Hauses Hannover in Deutschland und Österreich, darunter auch das Schloss Marienburg, das benachbarte Hausgut Calenberg, das Fürstenhaus in Hannover-Herrenhausen sowie den Exilsitz der Familie in Gmunden, seinem Sohn Ernst August (* 1983), vollständiger Name: Ernst August Andreas Philipp Constantin Maximilian Rolf Stephan Ludwig Rudolph von Hannover, der seit 2012 die Verwaltung leitet und auch zunehmend die Repräsentation des Welfenhauses wahrnimmt.

Name und TitelBearbeiten

Der offizielle Name lautet im deutschen Pass: Ernst August Albert Paul Otto Rupprecht Oskar Berthold Friedrich-Ferdinand Christian-Ludwig Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland.[2] Im britischen Pass lautet der Name His Royal Highness, Ernest Augustus Guelph.

Die deutschen – ehemaligen – Adelstitel werden, wie grundsätzlich alle ausländischen Titel, im britischen Pass nicht erwähnt, während die am 28. März 1919 aufgrund des Titles Deprivation Act von 1917 entzogenen britischen Titel Herzog von Cumberland und Teviotdale, Earl of Armagh bisher nicht wieder verliehen wurden. Der seinem Großvater Ernst August Herzog von Braunschweig sowie seinem Vater und dessen Geschwistern noch am 17. Juni 1914 von König Georg V. bestätigte Titel Prinz von Großbritannien und Irland wurde zwar 1919 nicht entzogen, war den vorausgegangenen Generationen jedoch 1914 vorläufig nur ad personam verliehen und ist für Ernst August bislang nicht bestätigt worden[3]; dieser Titel hatte jedoch 1914 Eingang in die deutschen Personenstandsurkunden gefunden und gehört daher seit 1919 als Namensbestandteil zum deutschen Familiennamen.

Öffentliches LebenBearbeiten

Ernst August ist mehrfach mit gewalttätigen oder beleidigenden Ausbrüchen in die Medien geraten.

Im Januar 1998 prügelte er vor dem Gut Calenberg mit seinem Regenschirm auf den hannoverschen Kameramann Karsten Thürnau und den Fotografen Rainer Dröse ein und wurde von Ersterem dabei gefilmt.[4] Dies sorgte bundesweit für Schlagzeilen und brachte dem Prinzen die Spitznamen „Prügelprinz“ bzw. „Prügelaugust“ ein. Das Landgericht Hannover verurteilte ihn, an den Kameramann 15.000 Mark Schmerzensgeld zu zahlen. Ein Strafverfahren wegen Körperverletzung wurde gegen Zahlung von 90.000 Mark eingestellt.[5]

Im Jahr 1999 gab er am Rande der Salzburger Festspiele einer Bunte-Fotografin einen Tritt, wodurch diese einen Bluterguss erlitt. In erster Instanz wurde er deshalb im Dezember 2001 vom Amtsgericht Springe zu acht Monaten Bewährungsstrafe und 500.000 Mark Geldbuße verurteilt; in zweiter Instanz vor dem Landgericht Hannover wurde das Verfahren im Hinblick auf die schwerer wiegenden Kenia-Vorwürfe (s. u.) eingestellt.[6][7]

Auffällig wurde er auch bei der Weltausstellung 2000 in Hannover, als er am türkischen Pavillon urinierte und dabei von einem Paparazzo fotografiert wurde, was ihm zeitweise von der Boulevardpresse den Beinamen „Pinkelprinz“ einbrachte. Die vor allem von der Bild geführte „Pinkelprinz“-Kampagne führte zudem zu einem weiteren „Ausraster“, da er die Leiterin der Bild-Redaktion Hannover, Anne-Kathrin Berger, am Telefon mehrmals massiv beschimpfte und sie darauf hinwies, dass er nur „mit Arschlöchern wie Journalisten“ so reden würde und dass die Dame ja selbst am besten wisse, „was ihre Scheißzeitung macht“. Diese Anrufe wurden dann in der Bild abgedruckt und die Zeitung erstattete Anzeige gegen ihn.[8]

Im Juni 2003 wurde Ernst August auf einer französischen Autobahn mit 211 km/h erwischt und deshalb in Frankreich zu einem Monat Fahrverbot und 728 Euro Strafe verurteilt.[9] Seine Klage gegen die Veröffentlichung in deutschen Zeitungen scheiterte zuletzt vor dem Bundesverfassungsgericht.[10]

Im Jahr 2004 wurde Ernst August zunächst wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro verurteilt, weil er im Januar 2000 einen deutschen Hotelier in Kenia krankenhausreif geprügelt haben soll. Er strebte ein Wiederaufnahmeverfahren an.[11][12] Im März 2007 wurde sein Wiederaufnahmeantrag vom Landgericht Hildesheim in erster Instanz abgelehnt,[13] vom Oberlandesgericht Celle wurde ihm jedoch stattgegeben. Ab dem 15. Juni 2009 wurde vor dem Landgericht Hildesheim erneut verhandelt.[14] Am 9. März 2010 wurde Ernst August wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro verurteilt (40 Tagessätze); er hatte zwei Ohrfeigen eingeräumt.[15] Eine Revision dagegen wurde im April 2011 vom Oberlandesgericht Celle als „offensichtlich unbegründet“ verworfen, damit ist das Urteil rechtskräftig.[16]

Dass er 2011, im Gegensatz zu seiner Ehefrau Caroline, der Hochzeit von deren Bruder Albert II. und Charlene Wittstock fernblieb, führte zu einigem Aufsehen.[17]

SonstigesBearbeiten

Die Punk-Band Terrorgruppe widmete ihm das Lied Ernst August, in welchem er als „[…] Sid Vicious der Aristokratie […]“ bezeichnet wird und (satirisch) für sein gewalttätiges Verhalten gelobt wird.[18] Die Oi!-Punk-Band Pöbel & Gesocks widmete ihm das Lied Adel verpflichtet, in dem er als der „Punk im deutschen Adel“ bezeichnet wird. Des Weiteren verarbeitete die Punk-Band Casanovas Schwule Seite die Vorfälle bei der Weltausstellung in Hannover in ihrem Lied Expo 2000.

Die Zigarettenmarke Lucky Strike veröffentlichte ohne Erlaubnis Ernst Augusts im März 2000 eine Werbeanzeige mit einer eingedrückten Zigarettenschachtel und dem Text „War das Ernst? Oder August?“. Eine deswegen von Ernst August angestrengte Klage wurde im Juni 2008 vom Bundesgerichtshof abgewiesen.[19] Im April 2012 wurde bekannt, dass Ernst August in dieser Sache schon seit 2009 beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Bundesrepublik Deutschland klagt.[20][21] Er sieht seine Menschenrechte dadurch verletzt, dass deutsche Gerichte die Werbeanzeige für zulässig erklärt haben. Derartige Werbetexte würden ihn als „brutalen Schläger“ an den „sozialen Pranger“ stellen.[22] Am 19. Februar 2015 wurde bekannt, dass Ernst August und sein Mitkläger Dieter Bohlen vor der ersten Kammer des EGMR mit ihrem Antrag gescheitert sind.[23]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klage des Prinzen Ernst August von Hannover auf Unterlassung der Veröffentlichung des Grundes seiner Ehescheidung abgewiesen, BGH Entscheidung vom 26. Juni 1999 - VI ZR 264/98
  2. Ernst August Junior im HAZ-Interview In der Prinzenrolle: „Unter Nachname steht im Pass ‚Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland‘.“
  3. Siehe hierzu auch: British Prince (engl. WP)
  4. spiegel.de: 17.000 Mark für Regenschirm-Attacke Spiegel.de vom 04.10.2001, abgerufen am 2. Februar 2017
  5. Ernst August muss Reparaturkosten für beschädigte Kameras zahlen (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive), AFP, 4. Oktober 2001
  6. Prinz Ernst August zu Geldstrafe verurteilt, Die Welt, 26. November 2004
  7. Ernst August von Hannover muss erneut vor Gericht (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive), AFP, 14. Dezember 2001
  8. rp online, 14. Oktober 2000
  9. Prinz Ernst August von Hannover verliert Prozesse gegen Zeitungen (Memento vom 28. September 2007 im Webarchiv archive.is), openpr.de, 14. September 2004
  10. BVerfG, AZ: 1 BvR 565/06
  11. Ernst August von Hannover gilt künftig als vorbestraft (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive), AFP, 24. Juni 2005
  12. Verurteilung wegen Körperverletzung, rp-online.de, 23. Juni 2005
  13. Prinz Ernst August von Hannover bleibt vorbestraft, AFP, 21. März 2007
  14. Prügelprozess gegen Prinz Ernst August: Duell um die Ehre - SPIEGEL ONLINE
  15. Prinz Ernst August: 100 000 Euro pro Ohrfeige - Boulevard - FOCUS Online - Nachrichten
  16. Oberlandesgericht Celle verwirft Revision von Ernst August Prinz von Hannover, Pressemitteilung vom Oberlandesgericht Celle, Az: 31 Ss 7/11
  17. n-tv.de am 3. Juli 2011: Prominente Hochzeitsgäste: Über wen Monaco tuschelt
  18. Lyrics des Liedes „Ernst August“
  19. Bundesgerichtshof: Namensnennung von Prominenten in der Werbung, Az.: I ZR 223/05, vom 5. Juni 2008
  20. Ernst August und Bohlen verklagen Deutschland (Memento vom 30. April 2012 im Internet Archive)
  21. Dieter Bohlen und Prinz Ernst August verklagen Deutschland
  22. Bohlen, "Bild" und die Menschenrechte
  23. Lucky-Strike-Werbung: Schlappe für Bohlen und Ernst August, Der Standard, 19. Februar 2015 (abgerufen am 12. März 2015)
VorgängerAmtNachfolger
Ernst August (IV.)Oberhaupt des Hauses Hannover
seit 1987