Erika Groth-Schmachtenberger

deutsche Fotografin

Erika Groth-Schmachtenberger (* 30. März 1906 in Freising als Erika Schmachtenberger; † 13. März 1992 in Würzburg) war eine deutsche Fotografin.

Leben und KarriereBearbeiten

Durch die Tätigkeit des Vaters als Königlicher Reallehrer prägten häufige Umzüge die Kindheit Groth-Schmachtenbergers. Sie wuchs in Würzburg, Amberg und Kempten auf, die Schule schloss sie mit der mittleren Reife in Kempten ab. Es folgte bis 1924 eine Banklehre, bevor sich Groth-Schmachtenberger der Fotografie zuwendete. Sie absolvierte zunächst verschiedene Fotografie-Volontariate (1928 Oberstaufen, 1929 Würzburg) und anschließend eine Ausbildung an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München, die sie 1932 erfolgreiche abschloss. Von 1932 bis 1974 war sie als freiberufliche Pressefotografin für Verlage und Zeitschriften tätig, die Jahre des Zweiten Weltkriegs verbrachte sie in Ochsenfurt. 1947/48 kehrte sie nach München zurück; 1948 heiratete sie Hans Groth. 1974 zog Erika Groth-Schmachtenberger nach Murnau am Staffelsee aufgrund der Nähe zum Freilichtmuseum Glentleiten, für das sie als Freie Mitarbeiterin arbeitete. Nach dem Tod ihres Ehemanns 1986 zog sie in ein Wohnstift nach Würzburg. Nach ihrem Tod 1992 wurde Groth-Schmachtenberger in ihrem Heimatort Randersacker beigesetzt.

Groth-Schmachtenbergers Fotos erschienen in großen deutschen Wochenzeitungen. Sie reiste viel durch Europa, suchte insbesondere Landschaften, Brauchtum und Handwerk als Bildmotive.

Bedeutung des WerksBearbeiten

Erika Groth-Schmachtenberger arbeitete sechs Jahrzehnte als Fotografin. Das Fotografieren war ihr Beruf, zugleich aber auch Erlebnis, Hobby und Lebenszweck. Sie war Bildberichterstatterin, die sich in ihrem professionellen Werdegang jugendhafte Frische zu bewahren verstand. Ihr Werk von über 300.000 Negativen bietet insbesondere Dokumente zur Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Fotografien präsentieren Vergangenheit nicht als Idylle, sondern als Eigenart und Lebenswirklichkeit einer vergangenen Zeit.

Wichtige zeitgeschichtliche Bedeutung haben ihre Arbeiten zur Rekordfahrt der Bremen 1933 (Blaues Band), die Zusammenarbeit mit Leni Riefenstahl als Stand- und Pressefotografin (v. a. Dokumentation der Dreharbeiten zum Film Tiefland) und vor allem die Dokumentation des vergangenen Alltags, der Berufe und des Brauchtums.

Heute finden sich viele Bilder von Erika Groth-Schmachtenberger in Museen und werden in Ausstellungen in ganz Europa gezeigt.[1][2] Ab 1982 verkaufte oder verschenkte sie einen Großteil ihrer fotografischen Werke. Mehr als 40 Archive und Institutionen in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern besitzen Konvolute. Die zwischen 1940 und 1969 entstandenen Bilder von verschiedenen Südtirol-Aufenthalten vermachte sie beispielsweise dem Landesmuseum für Volkskunde in Dietenheim (Bruneck).[3] Über eine umfangreiche Sammlung verfügt auch ihr ehemaliger Arbeitsplatz, das Freilichtmuseum Glentleiten.[4]

LiteraturBearbeiten

Literatur über Groth-SchmachtenbergerBearbeiten

  • Erika Groth-Schmachtenberger. Eine Pionierin der Pressefotografie. Ausstellung zum 100. Geburtstag. Bauernmuseum Bamberger Land. Treffpunkt für Volkskultur und Heimatpflege, Frensdorf 2006.
  • Achim Johann Weber: Erika Groth-Schmachtenberger (1906–1992). Augenblicke in Schwarzweiß. Porträtversuch einer großen bayerischen Fotografin anläßlich ihres 100. Geburtstages. In: Augsburger Volkskundliche Nachrichten. 12. Jahrgang, 2006, Heft 1, S. 29–64.
  • Alexander von Papp: Fotografische Schätze. Zum 100. Geburtstag der Fotoreporterin Erika Groth-Schmachtenberger. In: Würzburg heute. Heft 82/2007.
  • Birgit Speckle: Erika Groth-Schmachtenbergers Fotografien. Auch ein Fall für die Wissenschaft. In: Würzburg heute. Heft 84/2007.
  • Christine Dippold, Monika Kania-Schütz (Hrsg.): Im Fokus. Die Bildberichterstatterin Erika Groth-Schmachtenberger und ihr Werk. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Freilichtmuseum Glentleiten, Großweil, 15. Juni bis 11. November 2008. (= Schriften des Freilichtmuseums Glentleiten. Nr. 31). Echter, Würzburg 2008, ISBN 978-3-429-03009-4.
  • Christine Dippold: Dokumentarin der ersten Stunde. Die Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger und das Freilichtmuseum Glentleiten. In: Jahrbuch für die oberbayerischen Freilichtmuseen Glentleiten und Amerang. 3, 2008, S. 122–139.
  • Reinhard Worschech: Für mich ist Franken alles. J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2009, ISBN 978-3-89754-337-9.
  • Anne Ulrich: Würzburg durch das Objektiv von Erika Groth-Schmachtenberger. Bildband zur Ausstellung im Stadtarchiv Würzburg 2013 (= Kleine Reihe des Stadtarchivs. Nr. 33). Verlag Stadtarchiv Würzburg, Würzburg 2013.

Literatur von Groth-Schmachtenberger (teilweise als Mitautorin bzw. Mitherausgeberin)Bearbeiten

  • mit Franz Hutterer und Willy Pragher: An den Ufern der Donau. Peter, Michael und Brigitte reisen in die Heimat ihrer Eltern. Pannonia-Verlag, Freilassing 1959.
  • Ostschweiz – Bodensee, Rheintal, Graubünden, Engadin (= Grieben-Reiseführer. Band 256). Karl Thiemig Verlag, München 1964. (1972, ISBN 3-521-00116-4)
  • mit Erica Schwarz: Die Isar. Vom Karwendel bis zur Donau. Pannonia-Verlag, Freilassing 1970.
  • mit Hans Roth: München (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 18). Pannonia-Verlag, Freilassing 1971, ISBN 3-7897-0018-5.
  • mit Wilhelm Kronfuss: Münchner Brunnen (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 33). Pannonia-Verlag, Freilassing 1973, ISBN 3-7897-0033-9.
  • mit Ottmar Schuberth: Die Krippe im Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern in der Neugestaltung durch Michael Müller (= Schriftenreihe Freundeskreis Freilichtmuseum Südbayern e. V. Heft 2). Freundeskreis Freilichtmuseum Südbayern, Grossweil bei Murnau 1976.
  • mit Ottmar Schuberth und Hellmuth Heinrich: Zinnfiguren (= Schriftenreihe des Freundeskreis Freilichtmuseum Südbayern; Heft 3). Freundeskreis Freilichtmuseum Südbayern, Grossweil bei Murnau 1978.
  • mit Heinrich Wismeyer: Auf boarisch meditiern. Mundartgedichte zu Bibelbildern (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 58). Pannonia-Verlag, Freilassing 1978, ISBN 3-7897-0058-4.
  • mit Heinrich Wissmeyer: Boarischer Brauch (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 78). Pannonia-Verlag, Freilassing 1979, ISBN 3-7897-0078-9.
  • mit Ottmar Schuberth: Die Bauernhöfe auf der Glentleiten. Süddeutscher Verlag, München 1979, ISBN 3-7991-6061-2.
  • mit Helmut Sperber und Toni Schuberth: Gerätesammlung Zwink im Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten (=Schriften des Freilichtmuseums des Bezirks Oberbayern). [Bezirk Oberbayern (Hrsg.); Geräte-Zeichnungen: Florian Dering]. Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern, Grossweil bei Murnau 1979.
  • mit Hans Pörnbacher: Der Pfaffenwinkel. [Übersetzung der Bildlegenden: Patricia Goehl (engl.), Dominique Kirmer (franz.)]. Süddeutscher Verlag, München 1980, ISBN 3-7991-6084-1.
  • mit Heide Nixdorf, Nina Gockerell und Ottmar Schuberth: Volks-Trachten aus Oberbayern, Österreich, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien mit den Siebenbürger Sachsen. Ausstellung im Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten, 15. Mai – 14. September 1980 (= Schriften des Freilichtmuseums Glentleiten; Nr. 6). [Bezirk Oberbayern (Hrsg.)]. Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern, Grossweil bei Murnau 1980.
  • mit Hans Roth: Münchner Denkmäler (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 93). Pannonia-Verlag, Freilassing 1981, ISBN 3-7897-0093-2.
  • mit Heinrich Wismeyer: Mei liabe Münchner Stadt (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 100). Pannonia-Verlag, Freilassing 1981, ISBN 3-7897-0100-9.
  • mit Heinrich Wismeyer: Von allerhand Leut (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 102). Pannonia-Verlag, Freilassing 1981, ISBN 3-7897-0102-5.
  • mit Hildegard Schmachtenberger: Grüß di Gott, mei Randsacker. Muttersprache im Heimatklang. Echter Verlag, Würzburg 1981, ISBN 3-429-00751-8.
  • mit Heinrich Wismeyer: Auf boarisch meditiern. Mundartgedichte zu Bibelbildern. Band II (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 117). Pannonia-Verlag, Freilassing 1983, ISBN 3-7897-0117-3.
  • Meine liebsten Fotos. Erinnerungen einer Bildberichterin aus sechs Jahrzehnten. Echter Verlag, Würzburg 1984, ISBN 3-429-00917-0.
  • mit Egon Albert Bauer: Pfaffenwinkel (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 121). Pannonia-Verlag, Freilassing 1984, ISBN 3-7897-0121-1.
  • mit Albert Bichler Wie’s in Bayern der Brauch ist. W. Ludwig Verlag, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-3243-9.
  • mit Johannes Goldner: Murnau am Staffelsee (= Kleine Pannonia-Reihe. Band 122). Pannonia-Verlag, Freilassing 1985, ISBN 3-7897-0122-X.
  • Unterfranken vor fünf Jahrzehnten. Ein fotographisches Bilderbuch. Echter Verlag, Würzburg 1985, ISBN 3-429-00916-2.
  • Handwerker vor fünf Jahrzehnten. Ein fotographisches Bilderbuch. Echter Verlag, Würzburg 1987, ISBN 3-429-01099-3.
  • mit Albert Bichler: Heimatbilder. Erinnerungen an das alte Dorfleben. W. Ludwig Verlag, Pfaffenhofen 1987, ISBN 3-7787-3294-3.
  • Hannes S. Macher (Hrsg.): Föhn. Ein literarischer Trostspender für Wetterfühlige. Mit Bildern von Erika Groth-Schmachtenberger. W. Ludwig Verlag, Pfaffenhofen 1988, ISBN 3-7787-3312-5.
  • mit Johannes Goldner: Tilman Riemenschneider (=Kleine Pannonia-Reihe. Band 134). Pannonia-Verlag, Freilassing 1988, ISBN 3-7897-0134-3.
  • mit Franz Mayer-Krausz: Damals im Südosten. Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben in alten Fotos. Mahnert-Lueg, München 1990, ISBN 3-922170-69-2.
  • mit Alfons Kleiner: Bergbauern. Bilder aus vergangener Zeit. W. Ludwig Verlag, München 1991, ISBN 3-7787-3394-X.
  • mit Albert Bichler: Damals auf dem Lande. Altes Dorfleben in Bayern. Mit Fotografien von Erika Groth-Schmachtenberger. Bucher, München 2007, ISBN 978-3-7658-4187-3.
  • mit Martin Ortmeier: Schee is gwen, owa hirt. Alte Bilder aus dem Bayerischen Wald. Battenberg Gietl-Verlag/Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Regenstauf 2018, ISBN 978-3-95587-062-1.

Mediathek des Bayerischen Rundfunks

  • Eberhard Schellenberger: „Immer der richtige Augenblick“ – Erinnerungen an die Fotojournalistin Erika Groth-Schmachtenberger[5]

EhrungenBearbeiten

Soziales WirkenBearbeiten

Groth-Schmachtenberger hat die Bildrechte an ihrem Nachlass vollständig für die Entwicklungshilfe am Amazonas (Projekt Juruti-Vehlo) gestiftet.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ausstellung zu den 10. Balkantagen in München
  2. Jubiläumsausstellung zum 110. Geburtstag
  3. Bestand Erika Groth Schmachtenberger. (PDF; 6,05 kB) In: provinz.bz.it. Abgerufen am 12. November 2018.
  4. Erika Groth-Schmachtenberger (1906–1992): ein Projektbericht. In: uni-heidelberg.de, Abgerufen am 12. April 2017.
  5. Sendung des Bayerischen Rundfunks mit ausführlichen Interview. Abgerufen am 12. April 2017.