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Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See

Deutscher Sozialversicherungsträger

Die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS; amtliche Abkürzung: DRV KBS[2]) ist ein deutscher bundesunmittelbarer Sozialversicherungsträger mit Hauptsitz in Bochum. Der 2005 entstandene Sozialversicherungsträger mit Selbstverwaltung in der Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ist Rentenversicherungsträger im Verbund der deutschen Rentenversicherung und unter dem Namen Knappschaft ein Träger der gesetzlichen Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Darüber hinaus nimmt sie u. a. mit der Minijob-Zentrale die bundesbehördliche Aufgabe als Einzugsstelle für geringfügig Beschäftigte wahr und ist Träger einer Renten-Zusatzversicherung.

Deutsche Rentenversicherung
Knappschaft-Bahn-See
Logo
Sozialversicherung gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts
Gründung 1. Oktober 2005
Zuständigkeit Deutschland
Sitz Bochum
Vorstand Edeltraud Glänzer und
Prof. Karl Friedrich Jakob im jährlichen Wechsel
Geschäftsführung Bettina am Orde
Aufsichtsbehörde Bundesversicherungsamt
Versicherte 2,1 Mio. (DRV) (2018)
7.200 (Seemannskasse)
1,6 Mio. (Knappschaft)[1]
Rentner 1,7 Mio. (2018)[1]
Haushaltsvolumen 49,55 Mrd. Euro (2018)[1]
Mitarbeiter 25.155 (2018)
1.550 Auszubildende[1]
Website www.kbs.de

Aufgaben und LeistungenBearbeiten

RentenversicherungBearbeiten

Alle Arbeitnehmer, die in den Berufszweigen der Seeschifffahrt, der Deutschen Bahn und des Bergbaus ( siehe: Rente für Bergleute) rentenversicherungspflichtig tätig sind bzw. waren, werden von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See als Träger der gesetzlichen Rentenversicherung betreut. Die DRV KBS betreut damit 5 % aller Rentenversicherten. Bis zum 30. April 2008 nahm sie im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Deutschen Rentenversicherung Bund zudem deren Aufgaben für Beschäftigte in der chemischen Industrie wahr.

Medizinisches NetzBearbeiten

Die KBS kommt ihrem gesetzlichen Auftrag der medizinischen Rehabilitation u. a. mit Hilfe eigener Rehabilitationskliniken nach. Organisatorisch sind diese Eigenbetriebe der beiden Rentenversicherungszweige. So werden elf Krankenhäuser in Eigenregie bzw. im Rahmen einer Beteiligung an Krankenhausträgergesellschaften, unter anderem in Bottrop, Recklinghausen, Bochum-Langendreer, Dortmund und Sulzbach sowie elf Rehakliniken betrieben. Darüber hinaus gibt es ein Knappschaftsarztsystem mit ca. 1.500 Knappschaftsärzten und -zahnärzten und einen sozialmedizinischen Dienst mit 27 Untersuchungsstellen.[1]

Knappschaft: Kranken- und PflegeversicherungBearbeiten

Unter dem Namen Knappschaft ist die KBS als Träger der Kranken- und Pflegeversicherung tätig.

SeemannskasseBearbeiten

Die Seemannskasse wurde 1974 von der See-Berufsgenossenschaft eingerichtet. Im Zuge der Organisationsreform in der gesetzlichen Unfallversicherung wurde sie mit Wirkung ab 1. Januar 2009 in die KBS integriert. Sie ist ein wichtiger Teil des sozialen Schutzes der Seeleute und ergänzt das deutsche Sozialversicherungssystem. Seeleute können bereits vor Erreichen der Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung aus der Seefahrt ausscheiden. Sie erhalten unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag Überbrückungsgeld sowie weitere ergänzende Leistungen. Damit trägt die Seemannskasse den speziellen Anforderungen und Bedingungen der Schifffahrt Rechnung, die sonst in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht berücksichtigt würden.

Minijob-ZentraleBearbeiten

Die KBS ist Einzugsstelle für die Sozialversicherungsbeiträge von geringfügig Beschäftigen (Minijobbern). Zum Aufgabenspektrum der Minijob-Zentrale gehört neben dem Meldeverfahren und dem Einzug der Pauschalabgaben bei allen gewerblichen Minijobs auch die Durchführung des Haushaltsscheckverfahrens für Minijobs in Privathaushalten. Ferner übernimmt die Minijob-Zentrale für geringfügige Beschäftigungen in Privathaushalten die Anmeldung zur gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) und zieht neben den Pauschalbeiträgen sowie der einheitlichen Pauschalsteuer auch die GUV-Beiträge ein.

Bundesfachstelle BarrierefreiheitBearbeiten

Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit ist durch § 13 Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)[3] bei der KBS am 19. Juli 2016 errichtet worden. Sie berät und unterstützt vorrangig Bundesbehörden bei der Planung und Umsetzung von Barrierefreiheit nach Maßgabe des BGG, angefangen vom baulichen Zugang bis hin zur barrierefreien Information und Kommunikation. Darüber hinaus berät sie auf Anfrage auch Unternehmen, Verbände und gesellschaftliche Organisationen.[4]

Renten-ZusatzversicherungBearbeiten

Die Renten-Zusatzversicherung ist eine Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes. Voraussetzung für eine Versicherung in der Renten-Zusatzversicherung ist es, dass der Arbeitgeber Beteiligter im Sinne der Satzung der Zusatzversorgung ist. Er prüft die Voraussetzungen für die Pflicht zur Versicherung und meldet den Arbeitnehmer zur Pflichtversicherung in der Zusatzversorgung an. Die Renten-Zusatzversicherung entstammt der ehemaligen Abteilung B der Bahnversicherungsanstalt (BahnVA).

GeschichteBearbeiten

Die KBS entstand zum 1. Oktober 2005 als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts durch Namensänderung der Bundesknappschaft hin zu Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See und Eingliederung der Versicherungsträger Bahnversicherungsanstalt und Seekasse. Der Zusammenschluss war Teil eines Gesamtkonzeptes zur Neuorganisation der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland mit dem Gesetz zur Organisationsreform in der gesetzlichen Rentenversicherung vom 9. Dezember 2004 als Rechtsgrundlage.

Im Jahr 2010 wurden anlässlich des 750-jährigen Jubiläums des organisatorischen Zusammenschlusses Knappschaft deren Leistungen als Ursprung des heutigen sozialen Systems gewürdigt. So gab es beispielsweise ab 1. Juli 2010 die Jubiläums-Ausstellung Auf breiten Schultern im Deutschen Bergbau-Museum Bochum und am 11. November 2010 die Sonderbriefmarke 750 Jahre Knappschaft der Deutschen Post. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Bedeutung der Knappschaft mit einer Rede auf der Festveranstaltung am 19. Januar 2011 in Essen.

Ende Oktober 2015 ging Georg Greve, der den Vorsitz der Geschäftsführung der Bundesknappschaft bzw. KBS ab 1998 innehatte, in den Ruhestand. Als Nachfolgerin wurde Bettina am Orde in das Amt eingeführt.[5]

OrganisationBearbeiten

 
Sitz der KBS in Bochum

OrganeBearbeiten

Organe sind die Vertreterversammlung, der Vorstand und die Geschäftsführung:

Vertreterversammlung
Der Vertreterversammlung – sozusagen dem Parlament der KBS – gehören 30 ehrenamtliche Mitglieder an, jeweils 15 Versichertenvertreter und Arbeitgebervertreter. Die Vertreterversammlung wählt – neben zahlreichen anderen Aufgaben – die Mitglieder des Vorstandes und der Geschäftsführung und beschließt unter anderem Satzung und Haushalt der KBS. Der Vorsitz der Vertreterversammlung wechselt jährlich zum 1. Oktober zwischen den Gruppen (Versicherten- und Arbeitgebervertreter).[6]
Vorstand
Der Vorstand verwaltet das soziale Verbundsystem KBS mit Ausnahme der durch die Geschäftsführung wahrgenommenen laufenden Verwaltungsgeschäfte. Er trifft somit alle wichtigen organisatorischen, finanziellen und personalwirtschaftlichen Grundsatz- und Leitentscheidungen. Der Vorstand besteht aus 18 Mitgliedern, die je hälftig als Vertreter der Versicherten und der Arbeitgeber ihre Aufgaben ehrenamtlich wahrnehmen. Sein Vorsitz wechselt jährlich zum 1. Oktober zwischen den Gruppen (Versicherten- und Arbeitgebervertreter). Seit 1. Oktober 2018 ist Edeltraud Glänzer als Versichertenvertreterin die Vorstandsvorsitzende, Karl Friedrich Jakob als Arbeitgebervertreter der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende (Stand Januar 2019).[7]
Geschäftsführung
Die Mitglieder der Geschäftsführung leiten hauptamtlich die Geschäfte DRV KBS. Sie vertreten die Interessen der KBS und ihrer Versicherten in einer Vielzahl von Gremien, so z. B. im Erweiterten Direktorium der Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin sowie als Träger der Krankenkasse Knappschaft auf der Ebene der Spitzenverbände, die Sachentscheidungen über bundesweit einheitlich zu regelnde Probleme treffen. Die Geschäftsführung setzt sich aus Bettina am Orde (Erste Direktorin), Heinz-Günter Held (Direktor) und Andreas Gülker (Mitglied der Geschäftsführung) zusammen (Stand Januar 2019).[8]

MitarbeitervertretungBearbeiten

Die KBS besitzt als Bundesbehörde einen Hauptpersonalrat und in Dienststellen Personalräte nach dem Bundespersonalvertretungsgesetz.

StandorteBearbeiten

 
Regionaldirektion Chemnitz
 
Regionaldirektion Cottbus

Die Hauptverwaltung der KBS befindet sich in Bochum. Darüber hinaus gibt es Regionaldirektionen in Berlin, Chemnitz, Cottbus, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, München und Saarbrücken. Zu den Regionaldirektionen gehören jeweils (außer Berlin) untergeordnete Geschäftsstellen. Des Weiteren betreibt die KBS bundesweit Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung und verfügt bundesweit über rund 900 ehrenamtliche Versichertenälteste, die Mitglieder in Fragen der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung beraten und betreuen.

Rechts- und FachaufsichtBearbeiten

Aufsichtsbehörde ist das Bundesversicherungsamt, welches dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales untersteht. Die KBS ist daher eine der wenigen Sozialversicherungen, die der Bundesaufsicht untersteht. Aufsichtsbehörde für Arbeitsschutz ist hier die Unfallversicherung Bund und Bahn im Auftrag der Zentralstelle für Arbeitsschutz beim Bundesministerium des Innern, da für Bundesbehörden die Landesgewerbeämter nicht zuständig sind. Die Unfallkasse des Bundes agiert hier nicht im Rahmen der Unfallverhütung nach SGB VIII, sondern als zuständige Behörde nach § 21 ArbSchG Absatz 5 in Verbindung mit anordnenden Befugnissen nach § 22 ArbSchG.

Haushaltsplan und RechnungslegungBearbeiten

Der Haushaltsplan der KBS ist die Grundlage für das Verwaltungs- und Wirtschaftshandeln im Haushaltsjahr. Er besteht aus mehreren Einzelplänen für die verschiedenen wahrgenommenen Aufgaben und umfasst auch die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe.

Der unter Genehmigungsvorbehalt vom Vorstand aufgestellte Haushaltsplan muss von der Vertreterversammlung verbindlich festgestellt werden, bevor er der Bundesregierung zur Genehmigung nach § 71 SGB IV vorgelegt wird. Bis die Bundesregierung den Haushaltsplan genehmigt, bleibt er schwebend unwirksam.

LiteraturBearbeiten

  • Georg Greve u. a.: Die Knappschaft als sozialer Pfadfinder: 750 Jahre Knappschaft. Soziale Verantwortung zu jeder Zeit. Hrsg.: Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Bochum 2010.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Knappschaft-Bahn-See auf einen Blick. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  2. Abkürzungsverzeichnis des Bundes. Stand: Juli 2018, abgerufen am 6. Januar 2019 (PDF).
  3. Eingefügt mit Wirkung ab 27. Juli 2016 durch Artikel 1 des Gesetzes zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts (BGGWEntG) vom 19. Juli 2016.
  4. DRV KBS, abgerufen am 22. Januar 2017
  5. Wechsel an der Spitze der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Pressemitteilung, 20. November 2015, abgerufen am 6. Januar 2019.
  6. Die Vertreterversammlung der KBS. Website der KBS, abgerufen am 6. Januar 2019.
  7. Der Vorstand der KBS. Website der KBS, abgerufen am 6. Januar 2019.
  8. Die Geschäftsführung der Knappschaft-Bahn-See. Website der KBS, abgerufen am 6. Januar 2019.