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David Wark Griffith

US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent
(Weitergeleitet von David W. Griffith)
David Wark Griffith (1907)

David Llewelyn Wark Griffith, häufig nur D. W. Griffith (* 22. Januar 1875 in Crestwood, Oldham County, Kentucky; † 23. Juli[1] 1948 in Hollywood, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Schauspieler. Er drehte zwischen 1908 und den frühen 1930er-Jahren insgesamt 535 Filme, von denen mehr als 400 noch erhalten sind, und gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte.[2]

Griffith wird häufig als Begründer des Erzählkinos und als Schöpfer der „filmischen Grammatik“ bezeichnet. Tatsächlich hat er weniger selbst erfunden, als vielmehr systematisiert. Als einer der ersten hat er während seiner Zeit bei der Filmgesellschaft Biograph (1908 bis 1913) Elemente wie Großaufnahme, Parallelmontage und viele andere konsequent eingesetzt und später in seinen richtungsweisenden Langfilmen perfektioniert. Insbesondere seine Filmepen Die Geburt einer Nation (1915) und Intoleranz (1916) wurden zu Meilensteinen der Filmgeschichte. Er zählte zu den Mitbegründern des Filmstudios United Artists sowie der Filmindustrie in Hollywood allgemein.

LebenBearbeiten

 
David W. Griffith und Kathryn Osterman in dem Theaterstück Miss Petticoats, 1903

Jugend, erste BerufserfahrungenBearbeiten

David Wark Griffith wurde am 22. Januar 1875 im ländlichen Oldham County in Kentucky als Sohn des Farmers Jacob Griffith und seiner Ehefrau Mary Perkins geboren. Sein Vater hatte als Offizier (Oberst) im Sezessionskrieg in der Armee der Konföderierten gedient und starb, als sein Sohn erst zehn Jahre alt war. Seine Schulbildung erhielt er in einer Einzimmerschule von seiner älteren Schwester Mattie Griffith, die Familie wuchs methodistisch auf. Als Griffith vierzehn Jahre alt war, gab die Mutter ihre Landwirtschaft auf und zog mit ihm nach Louisville. Dort eröffnete die Mutter ein Boardinghouse, das sie jedoch schon nach kurzer Zeit wegen Misserfolges schließen musste. Um seiner Familie zu helfen, verließ Griffith die Highschool und arbeitete in der Folge in einem Trockenwarenhandel und später in einem Bücherladen.

Seine kreative Laufbahn begann Griffith als Theaterautor, doch nur eines von seinen vielen Stücken wurde angenommen und gespielt, es hatte jedoch auch nur mittelmäßigen Erfolg. Er entschied sich, Theaterschauspieler zu werden, bekam aber zunächst nur Statistenrollen. Er versuchte aber weiterhin, seine Stücke zu verkaufen und geriet so an den Filmproduzenten Edwin S. Porter. Der lehnte Griffiths Stück ab, gab ihm allerdings eine kleine Rolle als Schauspieler in Rescued from an Eagle’s Nest von James Searle Dawley, was sein Filmdebüt bedeutete.

FilmkarriereBearbeiten

 
D. W. Griffith (1919)

Nach seiner positiven Erfahrung bei Rescued from an Eagle’s Nest fühlte Griffith sich vom Filmgeschäft angezogen und akzeptierte einen Vertrag als Schauspieler beim Filmstudio American Biograph. Als Biographs Hauptregisseur Wallace McCutcheon sr. erkrankte und sein Sohn McCutcheon jr. als Ersatz nur eine schwache Leistung brachte, wurde der mitspielende Griffith als Regisseur eingesetzt. Der Film unter dem Titel The Adventures of Dollie erschien noch 1908. Die Produzenten waren mit dem Ergebnis so zufrieden, dass sie Griffith auch bei weiteren Filmen Regie führen ließen.

1910 führte Griffith Regie bei In Old California, dem wahrscheinlich ersten Film, der in Hollywood gedreht wurde. Er entdeckte das damals ländliche Hollywood auf seinen Reisen durch Kalifornien und drehte dort wegen der schönen Landschaft und den freundlichen Leuten. Bereits seine zahlreichen Kurzfilme bei Biograph zeugten von filmischen Innovationen, und Griffith baute sich schnell einen guten Ruf in der jungen Filmindustrie auf. Sein Biograph-Film Judith von Bethulien (1914) mit Blanche Sweet, eine Verfilmung des Buchs Judit, war einer der ersten Langfilme der Vereinigten Staaten von Amerika und erhielt gute Kritiken. Allerdings wurde er auch wegen der Einbindung einer Orgienszene kritisiert.

Für seinen 1915 fertiggestellten, dreistündigen Film Die Geburt einer Nation über den Amerikanischen Bürgerkrieg, in dem er deutlich Partei für die Südstaaten ergreift und den Ku Klux Klan glorifiziert, wurde Griffith schon bei der Veröffentlichung wegen des offenen Rassismus gegen Afroamerikaner im Film und einer gewissen Verzerrung der „Fakten“ des Amerikanischen Bürgerkriegs kritisiert. Der Film beruht auf der ebenfalls vom zeitgenössischen Rassismus beeinflussten Romanvorlage The Clansman (1905) von Thomas Dixon (1864–1946). Die Geburt einer Nation war das bis dahin teuerste, aber auch erfolgreichste Werk in der noch kurzen Filmgeschichte. Mit einer Rekordlänge von drei Stunden, zahlreichen Massenszenen und vielen filmischen Neuerungen gilt The Birth of a Nation laut Filmhistorikern als „das wichtigste Einzelwerk der amerikanischen Filmgeschichte und ein Schlüsselwerk der gesamten Filmgeschichte: Es enthält viele filmtechnische Neuerungen und Verbesserungen, technische Effekte und künstlerische Errungenschaften, darunter eine Farbsequenz am Schluss. Er hatte einen formgebenden Einfluss auf zukünftige Filme und hat eine erkennbare Wirkung auf die Filmgeschichte und die Entwicklung des Films als Kunstform.“[3]

Das im folgenden Jahr herausgebrachte Werk Intoleranz wurde hingegen ein finanzielles Desaster. Mit diesem noch ambitionierteren und noch teureren Film wollte Griffith aufzeigen, wie Intoleranz seit jeher das menschliche Schicksal bestimmt. Mittels Parallel- und Kontrastmontagen schilderte Griffith vier Episoden – den Fall Babylons, die Passion Christi, die Bartholomäusnacht und die zeitgenössische Geschichte „Die Mutter und das Gesetz“. Der Film, in dem Griffith auch pazifistische und humanistische Ansichten teilt, gilt heute als Meisterwerk der Filmgeschichte.

 
Von links nach rechts: Griffith, Pickford, Chaplin und Fairbanks; die Gründer von United Artists

1919 gründete Griffith gemeinsam mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks senior und Charlie Chaplin die Filmfirma United Artists.

Seine Schauspielerführung in Gebrochene Blüten (1919) wurde von der Kritik nach einigen finanziell wenig erfolgreichen Werken wieder hoch gelobt. Hauptdarstellerin des Filmes war Lillian Gish, die auch in vielen anderen Filmen Griffiths spielte. Auch weil sie sich bis zu ihrem Tod 1992 intensiv um das filmische Erbe Griffiths kümmerte, werden ihre Namen in der amerikanischen Öffentlichkeit häufig miteinander assoziiert. Weitere Filme wie Weit im Osten (1920) und Zwei Waisen im Sturm wurden ebenfalls Erfolge für Griffith. Anschließend bekamen Griffiths Filme oft Probleme an den Kinokassen: Die aufwändigen Produktionen mussten fast automatisch zu großen Kinoerfolgen werden, um überhaupt einen Gewinn zu erzielen. So musste er 1924 nach mehreren Misserfolgen die United Artists verlassen.

David Wark Griffith drehte in den späten 1920er-Jahren noch weitere Filme von unterschiedlicher Qualität, die aber nicht mehr ganz die Resonanz seiner früheren Filme erreichten. 1930 drehte er mit der Filmbiografie Abraham Lincoln, in der Walter Huston die Hauptrolle spielte, seinen ersten kompletten Tonfilm (sein Lady of the Pavements von 1929 hatte einige Tonfilm-Sequenzen). Doch trotz guter Kritiken zeigte sich Abraham Lincoln an den Kinokassen als Misserfolg, wie auch sein nächster Film Der Kampf (1931) über einen alkoholsüchtigen Ehemann. Daraufhin zog sich Griffith aus dem Filmgeschäft zurück.

Ruhestand und PrivatlebenBearbeiten

1936 wurde Griffith mit dem Ehrenoscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 1940 versuchte er ein Comeback mit der Regie zum Abenteuerfilm Tumak, der Herr des Urwalds (One Million B.C.), doch nach einem Streit mit dem Produzenten Hal Roach verließ er den Regiestuhl. Der Film wurde von Roach selber zu Ende geführt. Griffith war zweimal verheiratet: Von 1906 bis 1936 mit der Schauspielerin Linda Arvidson (1884–1949), dann von 1936 bis 1947 mit der Schauspielerin Evelyn Baldwin (1910–2004). Beide Ehen wurden geschieden. Den letzten Abschnitt seines Lebens verbrachte er im Knickerbocker Hotel in Los Angeles. Er starb 1948 im Alter von 73 Jahren an einer Hirnblutung und wurde auf dem Friedhof in Centerfield, Kentucky begraben.

AuszeichnungenBearbeiten

 
Amerikanische Briefmarke zu Griffiths 100. Geburtstag 1975

Zudem verneigten sich zahlreiche Regiekollegen wie John Ford, Alfred Hitchcock, Orson Welles, Lev Kuleshov, Jean Renoir, Cecil B. DeMille, King Vidor, Victor Fleming, Raoul Walsh, Carl Theodor Dreyer, Sergei Eisenstein und Stanley Kubrick vor Griffith oder bestimmten seiner Werke. Charlie Chaplin nannte ihn „den Lehrer von uns allen“ (The Teacher of us All) und bemerkte, dass die gesamte Filmindustrie Griffith seine Existenz verdanke.[4] Orson Welles äußerte: „Ich habe nie wirklich Hollywood gehasst, außer für die Behandlung von D. W. Griffith. Keine Stadt, keine Industrie, kein Beruf, keine Kunst verdankt soviel einem einzigen Mann.“[5]

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

 
Kinoposter Die Geburt einer Nation

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: David Wark Griffith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Brockhaus20, Bd. 9, S. 146 & Britannica online.
  2. David Wark Griffith bei Prisma
  3. The Birth of a Nation (1915). Auf www.filmsite.org. Zugriff am 6. März 2014.
  4. Charlie Chaplin bei der IMDb – Zitate
  5. D. W. Griffith