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Dan Quayle

James Danforth „Dan“ Quayle (* 4. Februar 1947 in Indianapolis, Indiana) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Von 1989 bis 1993 war er unter George Bush der 44. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Zuvor hatte er von 1977 bis 1989 beiden Häusern des Kongresses angehört.

Inhaltsverzeichnis

Familie, Ausbildung und BerufBearbeiten

Dan Quayle wurde als Sohn von James C. Quayle und Corrine Pulliam Quayle geboren. Sein Urgroßvater väterlicherseits wanderte von der Isle of Man in die Vereinigten Staaten aus, woher auch der Nachname stammt.[1] Der Vater seiner Mutter, Eugene C. Pulliam, war ein Magnat, der in Indiana und Arizona eine Reihe von Zeitungen betrieb, unter anderem The Arizona Republic, und durch editorische Eingriffe vom rechten Rand Einfluss auf die Politik nahm.[2]

Sein Studium an der DePauw University in Greencastle beendete Dan Quayle als Bachelor der Politikwissenschaft. Von 1969 bis 1975 diente Quayle in der Nationalgarde von Indiana. Während seiner Dienstzeit studierte er Jura in Indianapolis und schloss dieses Aufbaustudium 1974 als Juris Doctor ab, woraufhin er in Huntington als Anwalt zu arbeiten begann. Er arbeitete zeitweilig auch für die Huntington Herald-Press, eine von seinem Vater geleitete Lokalzeitung, und war bis 1988 deren Vizepräsident.

Mit seiner Frau Marilyn hat er drei Kinder. Sein zweitältester Sohn, Ben Quayle, war von 2011 bis 2013 republikanischer Abgeordneter für den Bundesstaat Arizona im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.

PolitikBearbeiten

 
Quayle (rechts) mit George Bush vor dem Weißen Haus, 1992
 
Quayle im Jahr 2011

Quayle gehörte von 1977 bis 1981 dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten an. Er war bei der Wahl 1976 im 4. Kongresswahlbezirk Indianas gewählt worden, indem er den demokratischen Mandatsinhaber J. Edward Roush mit 54 Prozent der Stimmen besiegte. Quayle gewann die Wiederwahl 1978 mit 64 Prozent.[3] Bei der Wahl 1980 wurde er für Indiana in den Senat gewählt, in dem er vom 3. Januar 1981 und nach einer Wiederwahl 1986 bis zu seinem Ausscheiden am 3. Januar 1989 diente.

Auf dem Parteitag der Republikaner Mitte 1988 wählte ihn Präsidentschaftskandidat George H. W. Bush zu seinem Anwärter für die Vizepräsidentschaft aus. Bei der Wahl am 8. November 1988 errangen Bush und Quayle einen komfortablen Sieg gegenüber den Demokraten Michael Dukakis und Lloyd Bentsen. Am 20. Januar 1989 wurde Quayle zum Vizepräsidenten vereidigt und trat damit Bushs Nachfolge an, der den Eid zum Präsidenten ablegte. Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer äußerte Quayle, die Wiedervereinigung Deutschlands sei unausweichlich.[4] Für die Wahl 1992 wurde Quayle erneut als Running Mate Bushs aufgestellt, die beide im November verloren; Quayle schied daher nach einer Amtszeit turnusgemäß am 20. Januar 1993 aus dem Amt des Vizepräsidenten. Sein Nachfolger wurde Al Gore unter Präsident Bill Clinton.

Bei der Vorwahl zur Präsidentschaftswahl 1996 trat Quayle als Kandidat für seine Partei an, zog sich aber wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Rennen zurück. Im April 1999 kündigte er an, sich wiederum um die republikanische Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2000 zu bewerben, trat jedoch schon wenige Monate später von der Kandidatur zurück. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 sprach sich Quayle für Jeb Bush aus;[5] nachdem Donald Trump die Vorwahlen gewonnen hatte, unterstützte Quayle diesen.[6]

KontroversenBearbeiten

Vor der Präsidentschaftswahl trat Quayle am 5. Oktober 1988 in Omaha, Nebraska zu einem Fernsehduell mit dem demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen an, bei dem ihn Moderator Tom Brokaw auf sein Alter und seine geringe Erfahrung ansprach. Er entgegnete, er sei erfahrener als manche Vizepräsidentschaftskandidaten in der Vergangenheit und habe ebenso viel Kongresserfahrung wie John F. Kennedy („Jack Kennedy“), als dieser sich um die Präsidentschaft beworben habe, weshalb er für den Fall, dass er das Amt von Bush übernehmen müsse, gerüstet sei. Sein Konkurrent Bentsen erwiderte:

“Senator, I served with Jack Kennedy.
I knew Jack Kennedy.
Jack Kennedy was a friend of mine.
Senator, you are no Jack Kennedy!”

„Senator, ich habe mit Jack Kennedy zusammengearbeitet.
Ich kannte Jack Kennedy.
Jack Kennedy war mein Freund.
Senator, Sie sind kein Jack Kennedy!“

[7]

Quayle antwortete sichtlich überrascht: “That was really uncalled for, Senator.” („Das war wirklich unangebracht, Senator.“) Diese Reaktion zeigten die Demokraten in der Folge immer wieder in ihren Wahlwerbespots.

Quayle wurde während seiner Amtszeit von Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit vehement kritisiert, hauptsächlich wegen seiner als mangelhaft betrachteten sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten. Zum Opfer auch internationalen Spotts wurde er, als er vor laufenden Fernsehkameras einen Volksschüler anwies, das von diesem korrekt geschriebene Wort “potato” (Kartoffel) durch ein „e“ am Ende zu ergänzen. Diese Schreibweise war im 19. Jahrhundert als Alternative durchaus üblich, wird seitdem aber nicht mehr genutzt. Er bekam 1991 für seine missglückte Bildungspolitik den Ig-Nobelpreis verliehen, einen satirischen Preis für fragwürdige Forschung.

Einen Entrüstungssturm – vor allem unter Frauen – löste seine Kritik an der fiktiven Serienheldin Murphy Brown aus, die aufgrund des von ihr „gewählten Lebensstils“ als alleinerziehende Mutter für die „Verarmung von Werten“ in den Vereinigten Staaten mitverantwortlich sei. Quayle vertrat 1992 die Ansicht, das Album 2Pacalypse Now des Rappers Tupac Shakur solle aus dem Handel genommen werden und habe keinen Platz in der amerikanischen Gesellschaft, weil es zu Gewalt führe. Ein Polizist war von einem 19-Jährigen umgebracht worden, während er angeblich dieses Album hörte.[8]

Er geriet, ähnlich wie später George W. Bush, wegen seines Dienstes in der Nationalgarde während des Vietnamkrieges in die Kritik, der von politischen Gegnern als Umgehung des Militärdienstes in der US Army bewertet wurde.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dan Quayle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. William Addams Reitwiesner: Ancestry of Dan Quayle. In: WARGS.com.
  2. Albert Scardino: Quayle Tie To Papers Still Strong. In: The New York Times, 18. August 2018; Eleanor Rolph, Paul Farhi: Quayle Scoop in Family’s Newspaper Signals End of an Era. In: The Washington Post, 20. August 1988.
  3. Quayle, Dan. In: OurCampaigns.com.
  4. Reaktion der USA auf die Ereignisse in Berlin und der DDR seit dem 09. 11. (internes Papier vom 16. November 1989), S. 2.
  5. Jeb Bush’s Arizona supporters include Dan Quayle, Fife Symington. In: The Arizona Republic, 28. Oktober 2015 (englisch).
  6. Sam Frizell: Former VP Dan Quayle Says GOP Must Support Trump. In: Time, 12. Mai 2016 (englisch).
  7. Protokoll des TV-Duells bei der Commission on Presidential Debates
  8. John Broder: Quayle Calls for Pulling Rap Album Tied to Murder Case. In: The Los Angeles Times, 23. September 1992 (englisch).