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Christoph Kühn (Theologe)

deutscher Geistlicher und römisch-katholischer Theologe

LebenBearbeiten

Christoph Kühn absolvierte seine philosophisch-theologische Ausbildung an der Katholischen Universität Eichstätt (KUE). Als Studentenvertreter arbeitete er dort im Senat und in einigen anderen universitären Gremien mit. Am 30. Juni 1990 empfing er in Eichstätt die Priesterweihe durch den Diözesanbischof Karl Braun.[1] Anschließend war er in der Seelsorge tätig und wirkte als Kaplan in Wemding, wo er auch seine Primiz feierte, Neumarkt in der Oberpfalz und Greding. Von 1993 bis 1997 setzte er seine Studien in Rom fort und wurde in Kirchenrecht promoviert. Er erwarb zudem das Lizentiat im Völkerrecht und absolvierte die Päpstliche Diplomatenakademie. Nach Beendigung dieser Studien trat Christoph Kühn in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls unter Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano ein und wurde zunächst Nuntiatur-Attaché an der Apostolischen Nuntiatur in Harare, Simbabwe. Von 1998 an arbeitete er als Nuntiatursekretär an der Päpstlichen Vertretung in Sambia und Malawi mit Dienstsitz in Lusaka.

Von 2001 bis 2008 leitete er die deutschsprachige Abteilung der I. Sektion des Staatssekretariats des Heiligen Stuhls. In dieser Aufgabe begleitete er zusammen mit anderen Mitarbeitern Papst Johannes Paul II. im Juni 2004 zum nationalen Jugendtreffen der Schweiz in Bern. Kühn begleitete Papst Benedikt XVI. zum XX. Weltjugendtag 2005 in Köln sowie bei den Apostolischen Reisen nach Bayern im September 2006 und Österreich im September 2007. Aus seinem Büro in der Terza Loggia im Papstpalast organisierte er die Kontakte des Papstes zu offiziellen Stellen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Zu seinen Aufgaben in Rom gehörte außerdem die Vorbereitung und Gestaltung des deutschsprachigen Teils der mittwöchlichen Generalaudienzen des Papstes.[2] Im Juni 2008 wurde Kühn, der im Vatikan als Rivale des päpstlichen Privatsekretärs Georg Gänswein und Gegner von Ingrid Stampa, der ebenfalls im Staatssekretariat tätigen ehemaligen Chefhaushälterin Joseph Ratzingers, wahrgenommen wurde, von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone aus Rom abgezogen.[3] Zur feierlichen Verabschiedung Kühns kamen über 120 geladene Gäste, darunter neben Kardinalstaatssekretär Bertone auch die Kurienkardinäle Paul Josef Cordes und Darío Castrillón Hoyos sowie der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, der eigens zu diesem Anlass nach Rom reiste.[4]

Von Juli 2008 bis August 2012 war Kühn als Nuntiaturrat in der Apostolischen Nuntiatur in Wien tätig. Am 31. August 2012 schied er aus dem diplomatischen Dienst des Vatikans aus und wurde als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Domkapitulars Rainer Brummer in das Eichstätter Domkapitel berufen.[5][6] Er übernahm dort die Aufgabe des Weltkirche-Beauftragten und war in diesem Zusammenhang unter anderem für die Kooperation mit den kirchlichen Hilfswerken zuständig. Außerdem war er Beauftragter für die Geistlichen Gemeinschaften und geistlicher Beauftragter für die Erwachsenenverbände des Bistums.[7] Zum 1. Januar 2019 entband ihn Bischof Gregor Maria Hanke von diesen Diensten und übertrug ihm die Aufgabe, die Sanierung des Eichstätter Doms seitens der Diözese zu begleiten. Außerdem soll er als Beauftragter für „Liturgische Bildung“ im Rahmen der Neustrukturierung der pfarrlichen Seelsorge im Bistum Eichstätt in den Pastoralräumen nach neuen Formen der Liturgie suchen.[8] Bereits seit 2012 obliegt Kühn als „Summus Custos“ („Oberster Wächter“) die Verwaltung des Domkirchengebäudes. Seit 2014 ist Kühn zudem Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Eichstätt.[9] Im Mai 2019 gab das Bistum Eichstätt bekannt, der Domkapitular lasse bis auf Weiteres alle Ämter und Funktionen im Bistum ruhen. Für seine Aufgaben im Ordinariat und im Domkapitel wurden kommissarische Vertreter benannt. Unmittelbar vor Bekanntgabe der Maßnahmen war Bischof Hanke nach Medienberichten zusammen mit seinem Generalvikar Isidor Vollnhals nach Rom gereist.[10]

Seit Studientagen ist Christoph Kühn Mitglied im W.K.St.V. Unitas Frankonia Eichstätt im UV und der KAV Capitolina Rom im CV. 2009 übernahm er die Aufgabe des Verbindungsseelsorgers der KaV Marco-Danubia Wien im Österreichischen Cartellverband. 2011 wurde er Ehrenphilister der KÖL Ferdinandea zu Graz im Akademischen Bund der KÖL.[11] Im Jahre 2000 erfolgte seine Investitur im Kloster Casamari in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Im Jahr 2002 wurde Kühn in Rom in den Souveränen Malteser-Ritterorden aufgenommen. Von 2008 bis 2012 versah er ehrenamtlich das Amt des Seelsorgers im Malteser Seniorensitz Haus Malta in Wien. Seit 2012 bis zu seinem Rücktritt im Februar 2019 amtierte Kühn als Kurat des Marianischen Messbundes bei der Schuttermutter Ingolstadt (IMB), der unter der Protektion des Bischofs von Eichstätt steht.[12] Weiterhin trat er als Präses der ca. 20 Mitglieder starken Eichstätter Bistumsgruppe des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) in Erscheinung.[13]

Auszeichnungen und EhrungenBearbeiten

Kühn wurde für seine Tätigkeit als päpstlicher Diplomat mit diversen Orden und Ehrenzeichen verschiedener Länder ausgezeichnet, darunter 2006 das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[14] Bereits 2004 wurde ihm das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.[15] Anfang 2007 wurde Kühn mit dem Komturkreuz mit Stern des Liechtensteinischen Verdienstordens ausgezeichnet.[16] Im März desselben Jahres wurde er vom italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano mit dem Kommandeurskreuz des Verdienstordens der Republik Italien ausgezeichnet.[17] 2010 erhielt er das Verdienstkreuz Pro Piis Meritis des Souveränen Malteser-Ritterordens.[18]

1999 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kaplan Seiner Heiligkeit mit dem Titel eines Monsignore ernannt;[1] 2011 erhielt er den päpstlichen Ehrentitel Prälat Seiner Heiligkeit.[19]

SchriftenBearbeiten

Neben verschiedenen Zeitschriftenartikeln sind folgende Veröffentlichungen bekannt:

  • Kirche im Gespräch. Theologische Orientierungen und geistliche Impulse. Kral, Abensberg/Ndb. 1992, ISBN 3-87442-034-5.
  • Die Rechtsbeziehungen des Heiligen Stuhls zum Europarat (= Adnotationes in ius canonicum, Band 9). Peter Lang, Berlin, Bern u. a. 1999, ISBN 3-631-34465-1.
  • (als Übersetzer:) Pietro Principe (Hrsg.): Der Rosenkranz nach Johannes Paul II. Eine Darstellung der 20 Rosenkranzgeheimnisse. Illustriert von Gian Carlo Olcuire. Johann Wilhelm Naumann, Würzburg 2003, ISBN 3-88567-088-7.
  • (als Bearbeiter und Mitherausgeber mit Pietro Principe:) Der Glaube in Bildern. Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 2004, ISBN 88-209-7567-X (Original: Pietro Principe, Gian Carlo Olcuire: La fede per immagini, Rom 2000).[20]
  • Stärke unseren Glauben – Biblische Homilien. Pustet, Regensburg 2004, ISBN 3-7917-1921-1.
  • Hilfswerke als Mitgestalter sozialer Gerechtigkeit. In: Lee Kyu Young (Hrsg.): Ethics in the Era of Globalization. The 9th Korean-German Colloquium 2013. Sogang University Press, Seoul 2016, ISBN 978-89-7273-303-4.[21]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Christoph Kühn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Im Gefolge des Papstbesuches in Bayern. Wissenschaftlicher Studentenverein Ruhrania, 3. September 2006, abgerufen am 3. Mai 2018.
  2. Neue Aufgabe für Monsignore Christoph Kühn. Der Eichstätter Diözesanpriester wechselt an die Apostolische Nuntiatur in Wien. Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 5. Februar 2008, abgerufen am 15. Juli 2019.
  3. Alexander Smoltczyk: Die Pompadour des Vatikans. In: Der Spiegel, 3. Juni 2008, abgerufen am 1. Mai 2019.
  4. Feierliche Verabschiedung von Monsignore Christoph Kühn in Rom. In: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache Nr. 23/2008, 6. Juli 2008.
  5. Christoph Kühn zum Domkapitular ernannt. In: Dattelner Morgenpost, 25. Juli 2012, abgerufen am 30. April 2019.
  6. Domkapitular Kühn installiert. In: Donaukurier, 28. September 2012, abgerufen am 30. April 2019.
  7. Domkapitular Kühn zum Beauftragten für Weltkirche, Liturgie und geistliche Gemeinschaften ernannt. Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 25. September 2012, abgerufen am 30. April 2019.
  8. Umfassende Domsanierung, neue Aufgaben für Prälat Kühn. Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 18. Dezember 2018, abgerufen am 30. April 2019.
  9. Internetpräsenz des Bistums Eichstätt (Domkapitel, Offizialat), eingesehen am 5. Juni 2019.
  10. Bistum Eichstätt präzisiert Maßnahmen gegen Domkapitular. In: Domradio, 13. Mai 2019, abgerufen am 30. Mai 2019.
  11. KÖL Ferdinandea zu Graz names des Akademischen Bundes der KÖL (Hrsg.): Gesamtverzeichnis 2014. Eigenverlag, Graz 2014, S. 67.
  12. Der Kurat des Ingolstädter Messbundes. Mitteilung auf der Webseite des IMB, Abruf am 20. Juni 2019.
  13. Eichstätter Bistumsleitung und ihr Weltbild. In: Aktuelles. Meldung der Diözesangruppe Eichstätt von Wir sind Kirche vom 26. Januar 2014, abgerufen am 30. August 2019.
  14. Markus Altrichter: Prälat Christoph Kühn macht den Auftakt. In: Mittelbayerische Zeitung, 1. März 2017, abgerufen am 30. April 2019.
  15. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).
  16. Liechtensteinischer Verdienstorden für Vatikandiplomat Christoph Kühn. Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 4. Februar 2007, abgerufen am 30. April 2019.
  17. Italien ehrt Christoph Kühn. In: Donaukurier, 22. März 2007, abgerufen am 22. Mai 2019.
  18. Verdienstkreuz "Pro Piis Meritis" des Souveränen Malteser-Ritterordens für Christoph Kühn. Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 24. Juni 2010, abgerufen am 30. April 2019.
  19. Christoph Kühn von Papst Benedikt zum Prälaten ernannt. Pressemitteilung des Bistums Eichstätt vom 16. April 2011, abgerufen am 1. Mai 2019.
  20. Rezension (2004) von Marcel Frölich auf stjosef.at, abgerufen am 1. November 2019.
  21. Tagungsbericht von Frank Zschaler, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, 25. Oktober 2013; Publikationsmitteilung der Hanns-Seidel-Stiftung vom 10. März 2016; bibl. Referenz des Sammelbands auf dem Publikationsserver der KU Eichstätt-Ingolstadt; alle abgerufen am 1. November 2019.