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Christian Kellersmann (* 15. September 1960 Hamburg) ist ein deutscher Musikproduzent, der auch als Musiker (Querflöte, Saxophon) und Musikwissenschaftler hervorgetreten ist.

Leben und WirkenBearbeiten

Kellersmann spielte als Schüler in der Band Quer, mit der er vier Titel für einen Nachwuchswettbewerb der Deutschen Phonoakademie aufnahm. Weitgehend Autodidakt nahm er auch eine Unterrichtsstunde bei Herb Geller. In den frühen 1980er Jahren spielte er Saxophon in Bands wie Die Doraus und die Marinas und Palais Schaumburg. Seit 1984 ist er Mitglied von Die Zimmermänner. Er studierte Musikwissenschaften und beschäftigte sich in seiner Masterarbeit mit dem Jazz im Deutschland der NS-Diktatur.

Seit 1990 arbeitete er für die PolyGram als Produktmanager Jazz, um die dort vertriebenen Labels Verve und ECM als Marken zu modernisieren. Zudem reaktivierte er Teile des Back-Katalogs von MPS, etwa mit Aufnahmen von George Duke, der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band oder Albert Mangelsdorff. Erfolg hatte er mit einer von Hans Georg Brunner-Schwer produzierten 4-CD-Box von Oscar Peterson; auch wurden zuvor als Torso auf einer LP (It’s After the End of the World) veröffentlichte Aufnahmen von Sun Ra umfassender als Doppel-CD Black Myth/Out in Space veröffentlicht. Weiterhin holte er Till Brönner zu Universal und initiierte 1994 das (späte) Debütalbum von Howard Johnson. Auch produzierte er Max Raabe, Hannes Wader, Francesco Tristano und DePhazz.

Im März 2000 stieg Kellersmann bei Universal Music zum Chef des Bereichs Klassik auf, den er als Managing Director zwischen 2002 und 2013 leitete, bevor nach der Fusion mit EMI Universal Music Classics & Jazz aufgelöst wurde. Er initiierte und produzierte auf dem Label Deutsche Grammophon die Serie „Recomposed“, in der etwa Max Richters Album „Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons“ erschien. Ab 2001 etablierte er das Eventformat „Yellow Lounge“, mit dem klassische Musik neu präsentiert wurde. In seiner Zeit als Leiter von Universal Music Classics & Jazz erlebten Künstler wie Anna Netrebko, Lang Lang oder Rolando Villazon ihren Durchbruch.

Kellersmann arbeitet seit August 2014 bei Edel:Kultur, wo er die Betreuung der Klassik- und Jazz-Sparte, den Vertrieb von Audiobooks sowie die Leitung der Künstler- und Repertoire-Planung verantwortet. Dort initiierte er das Label „Neue Meister“, auf dem neoklassische Werke von Komponisten wie Arash Safaian, Federico Albanese, Tamar Halperin, Sven Helbig oder John Kameel Farah veröffentlicht werden. Außerdem reaktivierte er 2015 das Jazzlabel MPS, das mittlerweile in den Bestand von Edel übergangen war. Auf ihm erschienen nun Aufnahmen von KhalifeSchumacherTristano, Rolf Kühn, Hamilton de Holanda, Lisa Bassenge, Baden Powell, Malakoff Kowalski, Malia, Barbara Dennerlein, China Moses und Erik Leuthäuser.

Kellersmann veröffentlichte 1990 ein Buch über Jazz im Nationalsozialismus und 2018 einen Beitrag über das Phänomen Neoklassik in dem von Martin Tröndle herausgegebenen Buch Das Konzert. Daneben schreibt er einen Blog, Kellys Diary.

SchriftenBearbeiten

  • Jazz in Deutschland von 1933–1945. Eine wissenschaftliche Untersuchung, Menden: Der Jazzfreund, 1990
  • Wege der Erneuerung, in: Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form, hrsg. von Martin Tröndle, Bielefeld: transcript Verlag 2009, S. 193–199
  • Die „neue Klassik“, in: Das Konzert II. Beiträge zum Forschungsfeld der Concert Studies, hrsg. von Martin Tröndle, Bielefeld: transcript Verlag 2018, S. 379–387

WeblinksBearbeiten