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Musik Produktion Schwarzwald

deutsches Musiklabel

Die Musik Produktion Schwarzwald (MPS) ist ein deutsches Plattenlabel aus Villingen im Schwarzwald, das vor allem wegen seiner Jazzproduktionen mit Musikern aus aller Welt bekannt wurde.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Hervorgegangen ist MPS 1968 aus dem Schallplattenlabel des Rundfunkgeräteherstellers SABA, das seit 1963 in Villingen von Hans Georg Brunner-Schwer betrieben wurde. Gemeinsam mit Joachim-Ernst Berendt, Willi Fruth, Achim Hebgen u. a. war Brunner-Schwer als Produzent und Toningenieur im hauseigenen Tonstudio tätig. Einige Produktionen entstanden in privater Atmosphäre im Wohnzimmer der Villa des Labelgründers.[1]

Veröffentlicht wurden neben eigenen Produktionen auch Aufnahmen von verschiedenen Jazzfestivals wie den Berliner Jazztagen, den Donaueschinger Musiktagen oder dem New Jazz Meeting Baden-Baden. Vereinzelt veröffentlichte MPS auch in Lizenz Aufnahmen US-amerikanischer Jazzlabels. Für Prestige übernahm MPS 1968 kurzzeitig sogar den Vertrieb in Deutschland.

Neben der hohen Aufnahmequalität der MPS-Produkte waren auch die ansprechende Gestaltung der Schallplattenhüllen, sowie die Angaben über Künstler, Instrumentierung und Spieldauer eine Markenzeichen des Labels.

Im September 2009 fand auf dem Gelände des früheren Studios in Villingen eine Verkaufsaktion statt, bei der mehrere tausend fabrikneue Schallplatten alter MPS-Bestände mit mehr als 800 verschiedenen Titeln angeboten wurden.

Musikstile, InterpretenBearbeiten

Zu den bei MPS veröffentlichten Jazz-Interpreten zählen Oscar Peterson, Hans Koller, Horst Jankowski, George Duke, Erwin Lehn, Volker Kriegel, Albert Mangelsdorff, die Singers Unlimited und Wolfgang Dauner. Darüber hinaus gehörten neben der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band auch Jean-Luc Ponty, Lee Konitz, Charlie Mariano, Alphonse Mouzon, Monty Alexander oder Dave Pike zu den häufig präsentierten Künstlern. Die stilistische Breite ist dabei bemerkenswert, reicht sie doch von Dixieland und Swing über Jazz Rock bis hin zu Free Jazz. In der Reihe „Jazz meets the World“ trafen Jazzgrößen wie Tony Scott oder George Gruntz mit Musikern aus Bali oder Indien zusammen und standen somit Pate für eine Musikrichtung, die später als Weltmusik die Musikgeschichte bereicherte. Nicht zu vegessen die Genre überschreitenden Projekte mit dem österreichischen Pianisten Friedrich Gulda, die die Grenze zwischen Jazz und Klassik auflösten.[2]

Neben den Aufnahmen mit Jazzmusikern, widmete sich Brunner-Schwer mit MPS aber auch umfassend der (oftmals regionalen) traditionellen Folklore und Klassik. So entstanden unter seiner Regie Aufnahmen mit den Nürnberger Symphonikern mit Werken von Max Reger. Mit Musikern des Orchesters und Chors des Südwestfunks spielte Brunner-Schwer verschiedene Werke Alter Musik auf traditionellen Instrumenten genauso ein, wie z. B. Beethovens Bonner Lieder (mit Max van Egmond und Wilhelm Krumbach).

Einen weiteren Schwerpunkt im Repertoire des Labels bildeten Einspielungen kirchlicher Musik. Mit der Birnauer Kantorei entstanden u. a. in der Klosterkirche Birnau Aufnahmen mit Werken von Haydn, Bach oder auch F.X. Richter. Mit den Organisten Konrad Schuba aus Radolfzell und dem Wiener Kurt Rapf wurden umfangreiche Aufnahmen, sowohl an heimischen Orgeln wie in der Frauenkirche in München, oder dem Münster zu Freiburg, aber auch in Österreich, der Schweiz und sogar in den USA realisiert.

Nachdem Christian Kellersmann 2015 MPS als Jazzlabel für Edel:Kultur reaktivierte, erscheinen dort nach über 30 Jahren erstmals wieder neue Aufnahmen von KhaliféSchumacherTristano, Rolf Kühn, Hamilton de Holanda, Lisa Bassenge, Baden Powell, Malakoff Kowalski, Malia, Barbara Dennerlein, China Moses und Erik Leuthäuser.

Das StudioBearbeiten

Bereits 1923 richtete Werkseigner Hermann Schwer auf dem SABA-Gelände ein erstes Tonstudio ein, das dem damals neuesten Stand der Technik entsprochen haben soll. Später zog das Studio in ein externes Gebäude – der Richthofenstraße 1 – um, und ab 1958 entstanden dort unter der Aufsicht von Hans Georg Brunner-Schwer Aufnahmen, die später auf dem hauseigenen Label Saba-Schallplatten veröffentlicht wurden.

Lange bevor aus dem Saba-Studio das MPS-Studio wurde, tüftelte Brunner-Schwer am Stereo Sound, der in den 60er Jahren immer populärer wurde und in dem Tontechniker wie Musiker ganz neue Möglichkeiten entdeckten. Vor allem der Sound des Pianos und wie man ihn stereofonisch als Teil eines Ensembles am Besten abbildete, war für Hans Georg Brunner-Schwer, der selbst Pianist war, die entscheidende Frage. Seine Idee, die Mikrofone im Innern eines Pianos zu platzieren, und dem Hörer auf diese Weise praktisch das selbe Hörerlebnis bieten zu können, wie es der Pianist selbst erfährt, war bis dahin einzigartig und mit verantwortlich für den ganz eigenen Sound des Studios.[3]

Im Laufe der Jahre wurde das knapp 100qm große Studio immer weiter aus- und umgebaut. Mit Technik von Siemens und Telefunken, Mikrofonen von Neumann, Tonbandgeräten von Ampex und Telefunken war das Studio immer auf dem neuesten Stand. Zuletzt wurde in Eigenarbeit ein Mischpult in SITRAL-Kassetten-Technik (Silizium-Transistor-Planar) mit 24 Kanälen erbaut, mit dem noch heute in analoger Qualität gearbeitet werden kann.[4]

Das Aufnahmestudio in Villingen wurde 2011 „aufgrund seiner Originalität und Integrität, des besonderen Seltenheitswertes einiger Stücke und des generellen dokumentarischen Wertes“ zum Kulturdenkmal erklärt.[5]

VertriebBearbeiten

Von 1968 an vermarktete MPS sich im Eigenvertrieb, hatte als Partner jedoch die DGG an seiner Seite, die für die Fertigung der Schallplatten verantwortlich war.

Ab 1971 übernahm die Ludwigshafener BASF mit ihrem Tonträgerzweig den Vertrieb. Mit BASF hatte MPS erstmals die Möglichkeit auch in Übersee seine Produkte anzubieten.

Nachdem BASF seine defizitäre Tonträgerabteilung schloss, wurde MPS ab April 1976 von der Metronome Musik GmbH Hamburg als Sublabel vermarktet, was den Vertrieb über Phonogram (später Polygram) einschloss.

1983 verkaufte Brunner-Schwer das Label an den PolyGram-Konzern, der MPS der Polydor angliederte. Ab 1994 brachte die neu gegründete Motor Music einzelne Aufnahmen auf CD heraus. 1999 übernahm Universal Jazz im UMG-Vertrieb das MPS-Programm.

Im Jahr 2000 verlegte Speakers Corner Records einzelne MPS-Alben in Lizenz neu als Schallplatten mit Originalcovern.

Im Januar 2014 erwarb die Edel AG den MPS-Katalog [6] und machte große Teile des MPS-Katalogs auch digital verfügbar. Streaming- als auch Download-Angebote gibt es über alle gängigen Anbieter wie Spotify, Amazon, Deezer oder iTunes.

DiskografieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten