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Christ ist erstanden

traditionelles Osterlied
Melodieanfänge von Victimae paschali laudes, Christ ist erstanden und Christ lag in Todes Banden

Das Osterlied (Osterleise) Christ ist erstanden gilt als der älteste erhaltene liturgische Gesang in deutscher Sprache. Er entstammt wahrscheinlich dem süddeutsch-österreichischen Kulturkreis und wurde um 1100 als deutschsprachige Antwort nach der Kreuzerhebung von der Gemeinde gesungen. Im Jahre 1160 wird er in einer verbindlichen Liturgieordnung des Erzbistums Salzburg erwähnt (Codex MII6 Universitätsbibliothek Salzburg).

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Das Lied steht in engem textlichen und melodischen Zusammenhang mit der älteren Ostersequenz Victimae paschali laudes des Wipo („von Burgund“). Die liturgische Praxis, das Christ ist erstanden unmittelbar im Anschluss an das Victimae paschalis laudes zu singen, ist im 12. Jahrhundert für St. Nikola in Passau belegt und breitete sich von dort aus in benachbarte Augustinerchorherrenstifte aus.[1] Beide Melodien sind in einer ähnlichen Intervall-Struktur in dorischer Kirchentonart gesetzt, und beide vermeiden den Halbtonschritt zwischen der sechsten und siebten Stufe (h). Dadurch gewinnt die Melodie eine besondere Strahlkraft und vermeidet einen Halbtonschritt, der üblicherweise als Ausdruck des Leidens wahrgenommen würde.

Das Lied, das ursprünglich nur aus einer Strophe bestand, fand im 13. Jahrhundert schnelle Verbreitung. Die zweite Strophe wurde im 15. Jahrhundert beigefügt, ebenso das Halleluja der dritten. Jede Strophe endet im Sinne der damals üblichen Leise auf Kyrieleis.

TextBearbeiten

Christ ist erstanden
von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.
 
Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist,
so freut sich alles, was da ist.[2]
Kyrieleis.
 
Halleluja,
Halleluja,
Halleluja.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Rezeption und WirkungsgeschichteBearbeiten

Frühe Umdichtungen belegen die rasch einsetzende Popularität des Liedes. So drückt ein alternativer zweiter Vers „Judas ist erhangen“ unverkrampfte Freude über den Tod des Verräters aus.[3] Und beim Konzil von Konstanz sang man 1415:

Christ ist erstanden,
Papst Johannes ist aus den Landen.
Deß sollen wir alle froh sein,
Daß wir den Bösewicht los sein.[3]

Martin Luther nahm das Lied in das Klugsche Gesangbuch von 1529 (1533) auf, änderte dabei aber in der 2. Strophe die Zeile „so freut sich alles, was da ist“ in „so lob wir den Vater Jesu Christ“.[4] Er schrieb über das Lied: „Aller Lieder singet man sich mit der zeit müde/ Aber das Christus ist erstanden/ mus man alle jar wider singen“.[5] Dessen ungeachtet verfasste er 1524 unter der Überschrift „Christ ist erstanden gebessert“ als Neudichtung sein eigenes Lied Christ lag in Todes Banden, das in Text und Melodie auf Christ ist erstanden sowie der Ostersequenz basiert.[6] „Gebessert“ ist dabei nicht als Kritik an der Vorlage zu verstehen, vielmehr ging es Luther darum, den Text um predigthafte Auslegung zu erweitern.[7]

Text und Melodie des Liedes haben vielfältig Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen, von der Renaissance über Johann Sebastian Bach, Franz Liszt, Carl Orff bis hin zur zwölftönigen Verarbeitung von Johann Nepomuk David. Es gilt als Inbegriff des musikalischen Ostermotivs.

Der Choral galt als Siegeshymne des Deutschen Ordens und wurde in der Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 nach der Eroberung des polnischen Reichspaniers angestimmt.

Der Komponist Peter Janssens schuf 1970 sein zur Gattung Neues Geistliches Lied gehöriges Anderes Osterlied, dessen Melodieverlauf sich an Christ ist erstanden anlehnt.[8][9] Der von dem Schweizer Theologen Kurt Marti verfasste Text beginnt mit den Zeilen „Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme“ und wendet sich gegen eine Auffassung der christlichen Auferstehungsbotschaft als Vertröstung auf das Jenseits.[10]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Lipphardt: Lateinische Osterfeiern und Osterspiele. Teil 4 (= Ausgaben deutscher Literatur des XV. bis XVIII. Jahrhunderts. Reihe Drama V). de Gruyter, Berlin/New York 1976, ISBN 3-11-006741-2, S. 1091–1157 (abgerufen über De Gruyter Online).
  2. Textfassung im Gotteslob (Nr. 318); im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 99) lautet diese Zeile Luthers Umdichtung folgend so lobn wir den Vater Jesu Christ; eine andere Variante ist so loben wir den Herren Jesum Christ.
  3. a b Heinz Rölleke (Hrsg.): Das Volksliederbuch. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1993, ISBN 3-462-02294-6, S. 26.
  4. Edition C: Luther-Fassung 1529, im historisch-kritischen Liederbuch des Deutschen Volksliedarchivs
  5. Martin Luther: Tischreden oder Colloquia Doct. Mart. Luthers. Urban Gaubisch, Eisleben 1566, S. 590v (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  6. Andreas Marti: 101 – Christ lag in Todesbanden. In: Gerhard Hahn, Jürgen Henkys (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Nr. 12. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-50335-0, S. 56–62 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Hansjakob Becker: Christ ist erstanden. In: ders. et al. (Hrsg.): Geistliches Wunderhorn. 2. Auflage. Ch. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-48094-2, S. 29–41, hier S. 40 f.
  8. Peter Janssens: Meine Lieder. Pattloch, Augsburg 1992, ISBN 3-629-00060-6, S. 206.
  9. Peter Bubmann: Das „Neue Geistliche Lied“ als Ausdrucksmedium religiöser Milieus. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 7 (2010), H. 3 (online, abgerufen am 27. Mai 2013).
  10. Predigt von Präses Nikolaus Schneider an Ostersonntag, 23. März 2008, abgerufen am 27. Mai 2013