Siegfried Behrend

deutscher Gitarrist und Komponist
Siegfried Behrend (1964)

Siegfried Behrend (* 19. November 1933 in Berlin; † 20. September 1990 in Hausham) war ein deutscher Gitarrist und Komponist sowie Herausgeber von Gitarrenmusik.

Biografie und künstlerisches WirkenBearbeiten

Behrend erhielt am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin eine Ausbildung in den Fächern Klavier, Cembalo, Dirigieren und Komposition. Das Gitarrenspiel erlernte er autodidaktisch. Bereits als 30-Jähriger hatte er mehr als 1000 Kompositionen und Bearbeitungen, größtenteils folkloristisch oder von alten Meistern inspiriert, vorzuweisen. Er gab Konzerte in Moskau, Rom und Madrid, er spielte vor dem Schah in Persien, vor dem Kaiser in Tokio und vor Gamal Abdel Nasser in Kairo.

1962 lernte der Gitarrist während der Aufnahmen zu der Personality-Show Belina – Porträt einer Sängerin die Hauptdarstellerin näher kennen. Die beiden gingen fortan künstlerisch gemeinsame Wege. Belina und Siegfried Behrend repräsentierten mit ihren Folk-Songs, Chansons, jiddischen Liedern als Botschafter deutscher Kultur die damals noch junge Bundesrepublik Deutschland und führten mit Unterstützung des Goethe-Instituts mehrere ausgedehnte Konzertreisen durch. Die beiden gastierten in mehr als 120 Ländern. In dieser erfolgreichen Zeit nahm das Duo mehrere LPs auf und war in mehreren Fernsehsendungen zu Gast (z. B.: Lieder am Kamin bei SWF). Siegfried Behrend heiratete in den 1970er-Jahren die Schauspielerin Claudia Brodzinska und wandte sich mit ihr als Sängerin/Interpretin der avantgardistischen Musik zu.

Siegfried Behrend war ein vielgefragter Gitarrenlehrer. Martin Maria Krüger erhielt von ihm den ersten Gitarrenunterricht. In späteren Jahren traten beide weltweit als Deutsches Gitarrenduo auf. An den von Behrend in den 1970er-Jahren im bayrischen Riedenburg abgehaltenen „Internationalen Meisterkursen für künstlerisches Gitarrespiel“ nahmen auch Michael Tröster, Matthias Henke, Helmut Richter und Manuel Negwer teil. Behrend war (Mit-)Herausgeber vieler musikalischer Fachbücher, beispielsweise des mehrbändigen Werkes Volkslieder aus aller Welt oder Gitarrenstunden für Kinder etc. 1963 moderierte Siegfried Behrend die Fernsehsendung Die Geschichte der Gitarre[1], 1971 moderierte er eine dreizehnteilige Fernsehsendung mit dem Titel "Instrumente - Klänge - Strukturen" beim Hessischen Rundfunk über die Gitarre und ihre Verwendung in der Kammermusik.

Von 1960 bis 1973 leitete Behrend das Saarländische Zupforchester (SZO)[2] und von 1968 bis 1990 das Deutsche Zupforchester (DZO)[3] In dieser Zeit prägte er maßgeblich die Repertoire-Entwicklung der Zupfinstrumente. Dabei setzte er neben zahlreichen Bearbeitungen von Lautenmusik der Renaissance[4] sowie barocker und folkloristischer Werke durch Eigenkompositionen und Kompositionsaufträge einen Schwerpunkt auf zeitgenössisch-avantgardistische Musik. Er leitete zahlreiche Uraufführungen von Werken von Anestis Logothetis, Klaus Hashagen, Heinrich Konietzny, Dietrich Erdmann, Friedrich Gaitis und anderen. Mit seiner Frau Claudia Brodzinska-Behrend (Sprechstimme) brachte er regelmäßig experimentelle Werke zur Aufführung, darunter die Uraufführung von Sylvano Bussottis Ultima Rara[5]; es entstand auch eine Aufnahme wo er Ultima Rara mit Bussotti zusammen interpretierte[6]. Für diese Duobesetzung schrieb Klaus Hinrich Stahmer Canti della vita (1980; Texte: Eugenio Montale). Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Siegfried Fink spielten Claudia Brodzinska und Siegfried Behrend auch Stahmers radiophone Komposition tre paesaggi (1976; Texte: Cesare Pavese) für den Bayerischen Rundfunk ein. In Verbindung mit live-elektronischer Klangverwandlung brachte er 1980 in Zagreb die für das dort ansässige Tanzensemble "savremeni ples" komponierte Ballettkomposition espace de la solitude von Klaus Hinrich Stahmer zur Uraufführung.

Behrend ist Herausgeber unter anderem der bei Bote & Bock (Berlin) erschienenen Reihe Gitarre-Bibliothek mit den Reihen Alte Musik für Gitarre solo, Moderne Musik für Gitarre solo, Spanische Volksmusik für Gitarre solo, Kammermusik / Gesang mit Gitarre, Gitarre und Orchester und Gitarre und Chor. Im selben Verlag gab er 15 Hefte Volkslieder aus aller Welt heraus.

Siegfried Behrend erhielt 1981 auf Vorschlag Franz Josef Strauß' das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[7]

Am 30. Mai 1991 gab das Deutsche Zupforchester unter Leitung von Wolfgang Bast für ihn ein Gedenkkonzert im Otto-Braun-Saal der Berliner Staatsbibliothek.[8]

Diskografie (Auswahl)Bearbeiten

  • Belina – Behrend 24 SONGS AND ONE GUITAR (Columbia)
  • Belina – Behrend BRENNPUNKTE (Polydor)
  • Belina und Siegfried Behrend MUSIC AROUND THE WORLD (Columbia)
  • Jiddische Songs „Es brennt“ (Columbia)
  • Belina - Behrend Bazaar - Lieder aus aller Welt (Polydor)
  • Blätter im Wind - Ein Belina-Behrend-Konzert (Columbia)
  • Eviva la Guitarra – Siegfried Behrend und seine spanische Gitarre (BASF)
  • European Masters of the Classical Guitar (musical heritage society)
  • Rodrigo: Concierto de Aranjuez u. a. mit den Berliner Philharmonikern (Deutsche Grammophon)
  • Satan auf Saiten (EMI)
  • Englische Gitarrenmusik (Deutsche Grammophon)
  • Deutsche Gitarrenmusik (Deutsche Grammophon)
  • Chitarra Italiana (Deutsche Grammophon)
  • Musik an europäischen Fürstenhöfen (Acanta)
  • Die Geschichte der Gitarre (Columbia)
  • Gitarre und Chor (Deutsche Grammophon)
  • Italienische Gitarrenkonzerte (Deutsche Grammophon)
  • Behrend - Pilar Lorengar Altspanische Volkslieder und Romanzen (Deutsche Grammophon)
  • Behrend - Siegfried Fink Guitar & Percussion (Deutsche Grammophon)
  • Siegfried Behrend (Columbia)
  • Requiem auf Hiroshima (Thorofon)
  • Siegried Behrend-Michael Tröster Salonaden für 2 Gitarren (EMI)
  • Galleria Gitarrenkonzert (Deutsche Grammophon)
  • Siegfried Behrend in Memoriam (Thorofon)
  • Boccherini, Schnabel: Gitarrenquintette – Siegfried Behrend, Zagreber Streichquartett (Da Camera, Sastruphu, SM 93606, 1973)

Wiederveröffentlichungen auf CDBearbeiten

  • bei Musicline.de: 1, 2, 3, 4, 5, 6

LiteraturBearbeiten

  • Peter Päffgen: „Wenn man das Handwerk beherrscht, kann man sich alles leisten ...“ Interview mit Siegfried Behrend. In: Gitarre & Laute 5, 1983, Heft 6, S. 370–377 und 435 f.
  • Helmut Richter: Siegfried Behrend 1933–1990 – Stationen. Verlag Karl Maria Laufen, Oberhausen 2000, ISBN 3-87468-171-8.
  • Maren Trekel: Siegfried Behrend: Ein Leben für die Gitarre, die Zupforchester und deren Musik. Diplomarbeit. Trekel, Hamburg 2000.
  • Helmut Richter: Werkverzeichnisse komponierender Gitarristen: Heinrich Albert, Siegfried Behrend, Heinrich Bohr. Norderstedt 2016.

WeblinksBearbeiten

Interviews usw.
Artikel

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.youtube.com/watch?v=hgAjhACRXOI Siegfried Behrend über die Geschichte der Gitarre
  2. http://www.szo-online.de/szo/?Orchestergeschichte
  3. http://www.mandolinengruppe-schwalmstadt.de/geschichte.htm@1@2Vorlage:Toter Link/www.mandolinengruppe-schwalmstadt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Vgl. etwa Altdeutsche Lautenmusik für Gitarre (= Alte Europäische Lautenmusik für Gitarre. Heft 3). Frei bearbeitet und hrsg. von Siegfried Behrend. Musikverlag Hans Sikorski, Hamburg 1959 (= Edition Sikorski. Nr. 525). In derselben Titelreihe erschienen (als Heft 1, 2, 4 und 5) ebenda (Edition Sikorski. Nr. 523, 524, 526 und 527) von Siegfried Behrend Altenglische Lautenmusik, Altfranzösische Lautenmusik, Altitalienische Lautenmusik und Altspanische Lautenmusik.
  5. Sheerpluck - Uraufführungen von Behrend
  6. Behrend und Bussotti: Ultima Rara
  7. Gitarre & Laute 3, 1981, 1, S. 10
  8. Rainer Stelle: Mit "remmber me" fiel der letzte Vorhang. Siegfried-Behrend-Gedenkkonzert. In: Zupfmusikmagazin: Jahrgang 1991, Nr. 3, S. 98 (Fachzeitschrift des Bundes Deutscher Zupfmusiker e. V.)