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Campo (Vallemaggia)

Gemeinde in Vallemaggia in der Schweiz
Campo (Vallemaggia)
Wappen von Campo (Vallemaggia)
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
BFS-Nr.: 5307i1f3f4
Postleitzahl: 6684
Koordinaten: 681404 / 127057Koordinaten: 46° 17′ 24″ N, 8° 29′ 42″ O; CH1903: 681404 / 127057
Höhe: 1314 m ü. M.
Fläche: 43,15 km²
Einwohner: 53 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 1 Einw. pro km²
Campo (Vallemaggia)

Campo (Vallemaggia)

Karte
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Campo Vallemaggia

Campo (Vallemaggia), in der alpinlombardischen Ortsmundart Chièmp [kjɛmp],[2] ist eine politische Gemeinde im Kreis Rovana, Bezirk Vallemaggia, des Schweizer Kantons Tessin.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt im Val di Campo[3] auf 1314 m ü. M., 26 km nordwestlich von Locarno. Die Nordgrenze zu Bosco/Gurin führt entlang der Grate einer Gebirgskette. Westlichster Punkt dieser Kette ist der Madone/Batnall (2748 m ü. M.), östlichster Punkt der Pizzo Bombögn (2289 m ü. M.). Die Westgrenze zum Val Formazza ist zugleich Landesgrenze zu Italien. Sie führt vom Madone/Batnall hinüber zum Pizzo Quadro (2793 m ü. M.), zerteilt dann in südöstlicher Richtung den oberen Teil des Val di Campo, geht in südwestlicher Richtung zum Pizzo di Porcaresc (2467 m ü. M.) und dreht dann nach Osten ab. Östlichster Punkt ist der Pizzo Molinera (2292 m ü. M.).

Die gesamte Südgrenze ist gleichzeitig Bezirksgrenze (Distretto di Vallemaggia/Distretto di Locarno) und führt meist entlang von Graten von Gebirgen. Vom letztgenannten Berg geht es kurz nach Nordosten zum Pizzo Alzasca (2262 m ü. M.), dann nach Westen zum Pizzo Mezzodì und von dort in nordwestlicher Richtung zurück zum Pizzo Bombögn. Im südlichen Gebirgsteil liegen vier kleine Seen: der Lago dei Pozzöi (1955 m ü. M.), der Lago gelato (2155 m ü. M.), der Lago di Sfii (1909 m ü. M.) und der Lago del Pezz (1979 m ü. M.). Hauptbach ist die Rovana[4], die aus dem Zusammenschluss des Ri di Sfii (entspringt im Süden der Gemeinde) und dem Rio Colobiasca (entspringt im Westen der Gemeinde) entsteht.

Campo stritt sich seit dem Mittelalter mit dem italienischen Nachbarort Crodo um die zuhinterst im Tal gelegenen Alpen. Erst 1874 wurde das Territorium im Rahmen der sogenannten Cravairola Decision endgültig Italien zugewiesen.

In der Gemeinde liegen zahlreiche Häusergruppen und Einzelgehöfte. Die grössten Siedlungen sind Pianelli (ein Zusammenschluss mehrerer Alpen; 1,1 km südwestlich von Campo), Cimalmotto (1405 m ü. M.; 800 m südwestlich von Campo)[5], Campo (Vallemaggia) (1281–1311 m ü. M.; ein Zusammenschluss mehrerer Weiler), Piano di Campo (1187 m ü. M.; 1,7 km östlich von Campo) und Niva (oberhalb des gleichnamigen Bachs; 1073 m ü. M.; 2,8 km östlich von Campo). Alle diese Siedlungen liegen nördlich der Rovana. Vom gesamten Gemeindeareal von über 43 km² sind 44,3 % von Wald und Gehölz bedeckt und 41,5 % unproduktive Fläche (Gebirge und Seen). Immerhin 13,3 % des Gemeindegebiets können landwirtschaftlich genutzt werden. Weitere 0,8 % des Gemeindeareals sind Siedlungsfläche. Ein erheblicher Teil des Territoriums leidet allerdings unter Erdverschiebungen[6][7].

Nachbargemeinden sind auf Tessiner Seite Bosco/Gurin, Cerentino und Maggia sowie auf italienischem Territorium Formazza.

GeschichteBearbeiten

Campo war im Spätmittelalter eine Siedlung von beachtlicher Grösse. Das Dorf bildete im 15. Jahrhundert mit Cevio, Bignasco und Cavergno die Roana superior, wahrscheinlich ein besonderer Verwaltungsbezirk. Das Campotal, früher Ceviotal geheissen, muss eine einzige vicinanza gebildet haben; später bildeten sich die Gemeinden Campo, Cimalmotto und Niva, doch wurden die zwei letzten Weiler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder mit Campo vereinigt. Die Alpschaft Cravairola bildete lange Zeit den Zankapfel zwischen Campo und dem Ossolatal, bis endlich das internationale Abkommen vom 23. September 1874 mit Italien auf Grund des Schiedspruches des Gesandten der Vereinigten Staaten von Amerika dem Streit ein Ende machte.[8]

Schon im 17. und 18. Jahrhundert mussten viele Menschen nach Deutschland und Italien auswandern, da es zu wenig Arbeitsplätze und Siedlungsfläche für alle Bewohner gab. Daher halbierte sich die Einwohnerzahl zwischen 1683 und 1801 (1683–1801: –51,2 %). Bis zum Jahr 1850 stabilisierte sich die Bevölkerungszahl, ehe die grosse Massenauswanderung einsetzte, die bis 1990 dauerte. Vorerst lagen die Ziele in Übersee (Kalifornien und Australien), doch wanderten auch etliche Bewohner in andere Teile des Kantons Tessin aus. Zwischen 1683 und 1990 nahm deshalb die Einwohnerzahl um 95,6 % (!) ab, was der höchste Wert aller Tessiner Gemeinden ist. Der kleine Aufschwung in den 1990er Jahren ist bereits wieder gebremst worden.

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1683 1801 1850 1888 1900 1930 1950 1970 1990 2000[9] 2004 2010 2017
Einwohner 1'067 521 506 358 291 201 182 95 47 58 56 49 53

SprachenBearbeiten

Die Bevölkerung spricht die lokale alpinlombardische Mundart des Italienischen. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 89,66 % Italienisch, 8,62 % Deutsch und 1,72 % Englisch als ihre Hauptsprache an.

Religionen – KonfessionenBearbeiten

In früheren Zeiten waren sämtliche Bewohner Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Heute (Stand 2000) sind 81,03 % römisch-katholische und 8,62 % evangelisch-reformierte Christen. Konfessionslos sind 5,17 %; weitere 5,17 % der Bevölkerung machten keine Angaben über ihre Glaubensgemeinschaft.

Herkunft – NationalitätBearbeiten

Von den 56 Einwohnern Ende 2004 waren 52 (= 92,86 %) Schweizer Staatsbürger. Bei der letzten Volkszählung (2000) waren 86,21 % der Einwohner Schweizer Staatsangehörige, darunter ein Doppelbürger. Die Ausländer stammen mit Ausnahme eines Niederländers alle aus Italien.

PolitikBearbeiten

Der Gemeinderat besteht aus drei Personen.

WirtschaftBearbeiten

Da die Gemeinde wenig Arbeitsmöglichkeiten bietet, wanderten bereits im 17. und 18. Jahrhundert Teile der Einwohnerschaft als Saisonarbeiter nach Italien und Deutschland aus. Im 19. Jahrhundert zog es viele Auswanderer nach Australien und Kalifornien. Die Erwerbstätigen, die in Campo tätig sind, arbeiten meist in landwirtschaftlichen Berufen.

VerkehrBearbeiten

Die Gemeinde ist drei- bis viermal täglich durch die Postautolinie Cevio-Cerentino-Cimalmotto ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen.

 
Casa Pedrazzini

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das Dorfbild von Cimalmotto ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.[10]

Von Einzelobjekten sind zu nennen:

  • Pfarrkirche San Bernardo[11][12]
  • Palazzi Pedrazzini, erbaut zwischen 1730 und 1749, und Oratorium San Giovanni Battista[11][13]
  • im Ortsteil Cimalmotto: Pfarrkirche Beata Vergine Assunta, erstmals 1597 erwähnt, enthält Freken des Malers Giuseppe Mattia Borgnis (1748)[11]
  • im Ortsteil Niva: Pfarrkirche San Rocco[11]
  • Schalensteine auf der Alpe Magnello (1810 m ü. M.)[14]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Filippo Bernardi (* um 1450 in Campo (Vallemaggia); † nach dem 1504 ebenda), 1484 militärischer Befehlshaber in einem Konflikt mit den ins Ossolatal einfallenden Wallisern, 1504 Konsul der obern Rovana[15]
  • Guglielmo Andrea Pedrazzini (* 23. Oktober 1756 in Campo (Vallemaggia); † 8. August 1831 wahrscheinlich ebd.), von Campo (Vallemaggia)[16]
  • Francesco Maria Travella (* 27. März 1802 in Campo (Vallemaggia); † zwischen dem 1. 3. und 25. März 1854 vielleicht in Giubiasco), Pfarrer, Schulinspektor[17][18]
  • Antonio Pietro Antonini (* um 1445 in Campo (Vallemaggia); † nach dem 1484 ebenda), militärischer Anführer.[19]
  • Giovanni und Pietro Antonio Casarotti, Architekten[20]

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969, S. 33–36, 46.
  • Otto Lehmann: Die Gestaltung der Landschaft im Bereiche der grossen Massenanhäufungen in der Gemeinde Campo (Valle Maggia). In: Mitteilungen der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft. Band 34, Zürich 1933–1934, S. 25–74 + 6 Tafeln (Digitalisat)
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 237, 252–257.
  • Giuseppe Mondada: Commerci e commercianti di Campo Valmaggia nel Settecento. Edizioni del Cantonetto, Pedrazzini Tipografia-Offset, Locarno 1977.
  • Daniela Pauli Falconi: Campo (Vallemaggia). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 15. Februar 2005.
  • Agostino Robertini, Silvano Toppi, Gian Piero Pedrazzi: Campo Vallemaggia. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1974, S. 75–90.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972.
  • Celestino Trezzini: Campo Vallemaggia. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2: Brusino – Caux Attinger, Neuenburg 1924, S. 482–483 (Digitalisat).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 217.
  3. Val di Campo auf ETHorama
  4. Rovana (Fluss) auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  5. Cimalmotto auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  6. Die Frana (Rutschung) von Campo Valle Maggia in ethorama.library.ethz.ch (abgerufen am: 29. April 2016.)
  7. Hat die Rovana im Zerstörungsbereich von Campo (Distr. Valle Maggia) ihr Tal innerhalb des Zeitraumes von 1858–1892 um rund 70 m vertieft? in ethorama.library.ethz.ch (abgerufen am: 29. April 2016.)
  8. Daniela Pauli Falconi: Campo (Vallemaggia). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 15. Februar 2005.
  9. Daniela Pauli Falconi: Campo (Vallemaggia). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 15. Februar 2005.
  10. Liste der Ortsbilder von nationaler Bedeutung, Verzeichnis auf der Website des Bundesamts für Kultur (BAK), abgerufen am 10. Januar 2018.
  11. a b c d Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 255–258.
  12. Pfarrkirche San Bernardo abate auf portal.dnb.de (abgerufen am 7. Januar 2017).
  13. Palazzi Pedrazzini und Oratorium San Giovanni Battista
  14. Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 52.
  15. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band II, S. 185 (Digitalisat; abgerufen am 17. Juni 2017).
  16. Daniela Pauli Falconi: Pedrazzini, Guglielmo Andrea. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 10. Mai 2010.
  17. Alessandro Martini: Travella, Francesco Maria. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 7. Januar 2014.
  18. Francesco Maria Travella auf theaterwissenschaft.ch (abgerufen am 30. September 2016).
  19. Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band I, S. 391 (Digitalisat; abgerufen am 15. Mai 2017).
  20. Giovanni und Pietro Antonio Casarotti auf portal.dnb.de (abgerufen am 28. April 2017).