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Caesarea Maritima

Archäologischer Fundplatz in Israel
Römisches Theater in Caesarea (Kesarya), Israel.
Ruinen der Kreuzfahrerstadt

Caesarea Maritima (eigentlich Caesarea Stratonis oder Caesarea Palaestinae), das häufig ohne weiteren Namenszusatz Caesarea oder Cäsarea genannt wird, war eine bedeutende antike Stadt Palästinas, später auch eine wichtige Festung der Kreuzfahrer. Der ursprüngliche Name der Stadt war Stratonos Pyrgos (altgriechisch Στράτωνος πύργος). Die archäologischen Stätten gehören heute zu den bedeutendsten Israels, das Gelände wurde zum Nationalpark erklärt.

Die Stadt liegt nordwestlich von Hadera in der nördlichen Scharonebene am Mittelmeer, etwa auf halbem Wege zwischen Haifa und Tel Aviv. Unweit des antiken Ortes befindet sich das moderne Caesarea oder Keisarija.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Persische und hellenistische ZeitBearbeiten

In der persischen Epoche (586–332 v. Chr.) bauten die Phönizier an einer der Buchten mit hohem Grundwasserspiegel einen Ort, der nach der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahre 332 v. Chr. sowie in der folgenden hellenistischen Zeit ausgeweitet wurde und dann zum Gebiet der antiken Stadt Dor gehörte. Der Ort wurde unter dem Namen Straton in einem Papyrus des Ägypters Zenon von Kaunos aus dem Jahre 259 v. Chr. erstmals erwähnt. Straton wie auch Dor wurden im Jahre 103 v. Chr. durch den hasmonäischen König Alexander Iannaeus im Jahre 103 v. Chr. erobert und gehörte damit zum Königreich Juda bis zur Eroberung durch die Römer im Jahr 63 v. Chr.

Römische KaiserzeitBearbeiten

 
Mosaikfußboden aus römischer Zeit
 
Unterer (links) und oberer (rechts) Palast des Herodes des Großen
 
Aquädukt

Caesarea Maritima wurde wie einige andere Städte, z. B. Caesarea Philippi, zur Zeit der römischen Herrschaft gegründet und zu Ehren der römischen Kaiser Caesarea genannt. Zur Unterscheidung erhielt der Ort den Namenszusatz Maritima, was auf die Lage am Mittelmeer verweist.

Die Gründung Caesareas geht auf Herodes den Großen zurück, der das Gebiet in den Jahrzehnten vor der Zeitenwende als von Rom abhängiger Klientelkönig beherrschte. Er ließ Caesarea zwischen 22 und 10 v. Chr. an der Stelle der zu einer kleinen Hafensiedlung namens Turris Stratonis (Stratons Turm) heruntergekommenen Stadt zu Ehren des römischen Kaisers Augustus, der mit vollem Namen Imperator Caesar Augustus hieß und vor allem im griechischen Osten zumeist einfach Caesar genannt wurde, anlegen und mit einer Vielzahl von Bauwerken luxuriös ausstatten. Bei den Grabungen, bei denen entlang des Meeres ein Streifen von mehreren hundert Metern Länge ausgegraben wurde, wurden unter anderem ein Theater, ein Hippodrom, Geschäftsstraßen, große Bäder und Palastanlagen entdeckt.

Das Theater von Caesarea Maritima ist das älteste in Israel gefundene Theater. Es wurde unter Herodes dem Großen als römisches Theater erbaut und bis in die byzantinische Zeit genutzt. Das Theaterhalbrund (cavea) mit seinen rund 4.000 Sitzplätzen war in zwei Ränge gegliedert. Der Orchestraboden des Theaters war mit marmorähnlichem Putz verziert. Das Theater wurde nach Ende der byzantinischen Zeit in eine Festung umgebaut und verfiel nach der arabischen Eroberung. Das rekonstruierte Caesarea Amphitheatre mit 15.000 Sitzplätzen wird heute für Konzertveranstaltungen genutzt.

Das U-förmig gebaute Hippodrom, das zur Zeit Herodes des Großen Amphitheater genannt wurde, diente während der ganzen römischen Zeit für Pferderennen, Sportwettbewerbe und Unterhaltungsveranstaltungen. Die Arena war 250 m lang und 50 m breit und hatte in zwölf Reihen 10.000 Sitzplätze.

Auf einer Landzunge, die am südlichen Ende des Hippodroms anschließt, befinden sich die Reste des Palastes des Herodes des Großen. Der untere, ins Mittelmeer hineinreichende Teil war privaten Räumen vorbehalten. Der obere Flügel mit einem Innenhof umfasste die öffentlichen Räume, die zur Rechtsprechung, Verwaltung, zum Empfang und zur Unterhaltung von Würdenträgern genutzt wurden.

Der künstliche Hafen Caesareas mit großen Wellenbrechern war zu dieser Zeit der bedeutendste im Bereich des heutigen Israel/Palästina und vermutlich der damals zweitgrößte im östlichen Mittelmeerraum. Nördlich des eigentlichen Stadtgebietes stehen die Überreste eines sechs Kilometer langen Aquädukts, der die Stadt mit Wasser aus dem etwa 10 Kilometer entfernten Karmelgebirge versorgte. Durch gezielten Ausbau wurde Caesarea innerhalb kürzester Zeit eine der wichtigsten Städte des römischen Orients.

 
Stein, in den der Name Pontius Pilatus eingraviert ist. Zweite Zeile: …vs Pilatvs

Die Stadt wurde im Jahr 6 n. Chr., als das Gebiet unter direkte römische Kontrolle kam, Residenz der römischen Statthalter, die zunächst den Rang eines Präfekten, ab der Mitte des 1. Jahrhunderts eines Prokurators hatten und sich nur hin und wieder in Jerusalem aufhielten. Im Theater der Stadt wurde 1961 die Pontius-Pilatus-Inschrift von Caesarea gefunden, die den ältesten außerbiblischen Nachweis für die Statthalterschaft des Pontius Pilatus darstellt.[1]

In Caesarea kamen nach Angaben von Josephus bei religiösen Auseinandersetzungen um 26 n. Chr. 20.000 Juden ums Leben. Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. wurde Caesarea zur Hauptstadt der Provinz Palästina; die Stadt wurde zur colonia erhoben und blühte bis ins späte 6. Jahrhundert. Im 2. Jahrhundert soll die Colonia Prima Flavia Augusta Caesarea eine Bevölkerungszahl von etwa 125.000 Einwohnern gehabt haben.

Nach dem Bar-Kochba-Aufstand wurden im Jahr 135 einige der Anführer des Aufstandes in Caesarea zu Tode gefoltert. Unter ihnen war auch Rabbi Akiba, der geistige Vater von Bar Kochba. Am Ende des 2. Jahrhunderts wurde die Stadt christlicher Bischofssitz. Während der valerianischen Christenverfolgung (257/58) wurden in Caesarea in Palaestina, wie später Eusebius von Caesarea berichtet, angeblich drei Männer (Priscus, Malchus und Alexander) wegen ihres Bekenntnisses zu Christus wilden Tieren zum Fraße vorgeworfen und erlitten so das Martyrium.

Byzantinische ZeitBearbeiten

In einer weiteren Blütezeit im 5. und 6. Jahrhundert erreichte Caesarea während der oströmischen Herrschaft wahrscheinlich erneut eine Einwohnerzahl von deutlich über 100.000 Menschen und war ein wichtiger Flottenstützpunkt. Die Kaiser Anastasius und Justinian ließen in Caesarea größere Bauprojekte durchführen. Unter anderem wurde der stets von Versandung bedrohte Hafen erneuert. In dieser Zeit wurde ein prunkvolles Dampfbad erbaut. Spätestens seit dem 4. Jahrhundert befand sich dort eine sehr gut bestückte und weithin berühmte Bibliothek, um die sich besonders Eusebius von Caesarea verdient machte und die noch im 6. Jahrhundert vermutlich auch der bedeutende griechische Geschichtsschreiber Prokopios benutzte, der aus der Stadt stammte. Dieser beklagt unter anderem auch das gewaltsame Vorgehen der Kaiser gegen die in Caesarea zahlreichen Samaritaner.

Perser und AraberBearbeiten

Die Bedeutung der Stadt nahm seit der vorübergehenden Eroberung durch die persischen Sassaniden um 619 bis 628 und durch die dauerhafte Besetzung durch die Araber nach 640, gegen die sich Caesarea lange verteidigt hatte, Mitte des 7. Jahrhunderts rapide ab. Zunächst wurde der Hafen noch genutzt. Nach dem 8. Jahrhundert verfiel er jedoch, da einer Verlandung nicht mehr wirksam entgegengewirkt wurde, ehe er von den Kreuzfahrern erneut in Betrieb genommen wurde.

KreuzfahrerzeitBearbeiten

 
Stadttor der Kreuzfahrer

Unter den Kreuzfahrern erlebte die Stadt noch einmal eine kurze Blütezeit. Sie eroberten die Stadt am 17. Mai 1101 nach einer fünfzehntägigen Belagerung. Weil sich die Stadt dem zuvor von Balduin I. angebotenen Übergabeersuchen im Vertrauen auf ihre Mauern widersetzt hatte, kam es nach dem Fall zur Plünderung und einem Massaker an der Bevölkerung, dem nur wenige Einwohner entgingen.[2] Nach ihrer Einnahme machten die Kreuzfahrer die Stadt zum Zentrum einer Herrschaft sowie zum Sitz eines Erzbistums mit der Kathedrale St. Peter. Die Kreuzfahrer befestigten sie erneut und legten letztmals 1254 große Wallanlagen an, die ebenfalls ausgegraben wurden und gut erhalten sind. Allerdings nahm die Kreuzfahrerstadt nur noch einen Bruchteil der Fläche der antiken Stadt ein.

Mamelukken und osmanische ZeitBearbeiten

Trotz der starken Befestigungen wurde Caesarea 1275 von Sultan Baibars erobert. Die Bevölkerung wurde getötet oder versklavt. Nach der Eroberung verfiel die Stadt; teilweise wurden die Steine als Baumaterial abtransportiert. Der Ort blieb lange Zeit völlig verlassen; ab dem späten 19. Jahrhundert bestand an der Stelle Caesareas das kleine Dorf Keisarije. Die Bewohner waren muslimische Flüchtlinge (bosnische Familien), die durch die Osmanen angesiedelt worden waren. Die Bewohner des Dorfes wurden im Palästinakrieg vertrieben.

ChristentumBearbeiten

Der biblische Ort Caesarea ist bei vielen Christen im Westen in Vergessenheit geraten. Das Pilgerhaus in der Stadt hat aber nicht nur für lokale Christen eine wichtige Bedeutung: Es wird vermutet, dass sich der Apostel Petrus in der Stadt aufgehalten hat.[3]

Im Neuen Testament wird Caesarea mehrfach erwähnt. Hier soll durch den Apostel Simon Petrus die erste Taufe eines Heiden bzw. Nichtjuden (der römische Hauptmann Kornelius) stattgefunden haben (Apostelgeschichte 10 EU). Außerdem berichtet die Bibel, dass Paulus im Hafen von Caesarea auf der Rückreise von seiner zweiten Missionsreise gelandet sei (Apg 18,22 EU). Und schließlich ist er hier zwei Jahre in Gefangenschaft gehalten worden. Hier, vermutlich in den Räumen des oberen Palastes von Caesarea, ist Paulus durch den römischen Prokurator von Judäa Porcius Festus vor Herodes Agrippa II. und dessen Schwester Berenike verhört worden (Apg 25,23 EU) und von hier nach Rom zum Kaiser Nero geschickt worden (Apostelgeschichte 27 EU).

Der christliche Gelehrte Pamphilos von Caesarea begründete in Caesarea Maritima eine Schule in der Nachfolge von Origenes, der im Jahr 231 seine Lehrtätigkeit von Alexandria nach Caesarea verlegt hatte, und baute hier die umfangreiche Bibliothek von Caesarea auf. Er war der Lehrer von Eusebios, Bischof von Caesarea.

Die Stadt war bereits frühzeitig ein christlicher Bischofssitz. Als Vorgänger von Eusebius im Bischofsamt werden von ihm selber genannt: Agapios von Caesarea, Theoteknos und Domnus.[4] Nach neutestamentlichen Apokryphen, die im 4. Jahrhundert in den Apostolischen Konstitutionen zusammengefasst wurden, wurde Zachäus vom Apostel Petrus als erster Bischof von Caesarea eingesetzt.[5]

In der Zeit der Kreuzfahrer wurde die lateinische Hierarchie hergestellt. Nach der Eroberung des Heiligen Landes durch die Araber ging die Metropolie endgültig unter und wurde als Caesarea in Palaestina zum Titularerzbistum der römisch-katholischen Kirche.

Daneben existiert noch ein Titularerzbistum des Griechisch-Melchitischen Ritus – nomen „de curia“: Caesariensis in Palaestina Graecorum Melkitarum zur Erinnerung an das Erzbistum Caesarea Maritima.

Moderne StadtBearbeiten

Die erste jüdische Siedlung im Bereich Caesareas war der Kibbuz Sdot Jam, der 1940 gegründet wurde. Nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 entstand wenige Kilometer vom Meer entfernt das moderne „Keisarija“ (hebräisch קיסריה). Das wiederaufgebaute antike Theater Caesareas wird heute für Musik- und Theateraufführungen vor der Kulisse des Mittelmeers genutzt.

Erforschung von Caesarea maritimaBearbeiten

Erste wissenschaftliche Untersuchungen begannen im Jahre 1873 durch den Palestine Exploration Fund. Es wurden das Theater, das Hippodrom, der Aquädukt und die Kreuzritterstadt sowie Säulen, Kapitelle und Statuen gefunden. Die Ausgrabungen wurden ab 1959 durch italienische und israelische sowie ab 1992 auch durch amerikanische Archäologen fortgesetzt.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Caesarea Maritima – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Caesarea Maritima – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. AE 1963, 00104
  2. Steven Runciman, Peter de Mendelssohn: Geschichte der Kreuzzüge. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39960-6, S. 383 (online, abgefragt am 30. Mai 2009).
  3. Pater David Jaeger optimistisch zu Gespräch mit Israel. Radio Vatikan, 31. Januar 2007, archiviert vom Original am 7. September 2012; abgerufen am 31. Juli 2018.
  4. Eusebius von Caesarea: Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica). Band 7, Kap. 14 (unifr.ch).
  5. Apostolic Constitutions: Enumeration Ordained by Apostles. Band 7, Nr. 46, Kap. 4 (newadvent.org): „Of Caesarea of Palestine, the first was Zacchaeus, who was once a publican; after whom was Cornelius, and the third Theophilus.“

Koordinaten: 32° 29′ 55,2″ N, 34° 53′ 29″ O