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Bömenzien ist ein Ortsteil der Gemeinde Zehrental im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.[3]

Bömenzien
Gemeinde Zehrental
Koordinaten: 52° 59′ 27″ N, 11° 32′ 45″ O
Höhe: 19 m ü. NHN
Fläche: 10 km²[1]
Einwohner: 83 (2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 8 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Eingemeindet nach: Gollensdorf
Postleitzahl: 39615
Vorwahl: 039395
Ortstafel am nordöstlichen Ortseingang
Ortstafel am nordöstlichen Ortseingang
Bömenzien (Sachsen-Anhalt)
Bömenzien
Bömenzien
Lage in Sachsen-Anhalt

GeografieBearbeiten

Das altmärkische Bömenzien, ein abgewinkeltes Straßendorf,[1] liegt acht Kilometer nordwestlich von Groß Garz und 18 Kilometer nordwestlich der Hansestadt Seehausen (Altmark).[3][4]

Die Nachbarorte sind Kapern und Gummern im Norden, Stresow und Klein Wanzer im Nordosten, Aulosen im Osten, Ziegelei, Kahlenberge, Pollitz und Deutsch im Südosten, Drösede und Gollensdorf im Süden, Wirl im Südwesten, sowie Nienwalde im Nordwesten.

Auf der Gemarkung Bömenzien befindet sich Drösede, ein weiterer Ortsteil der Gemeinde Zehrental. Die höchste Erhebung ist der 29,3 m hohe Kellerberg, welcher sich einen Kilometer südwestlich der Ortslage findet. Im Norden und Osten ist die Gemarkung eine offene Agrarlandschaft, wohingegen vor allem die westlichen und südwestlichen Anteile fast vollständig mit Wald bedeckt sind. Unmittelbar östlich der Ortslage fließt der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Zehrengraben, der sich nahe dem Ort zu einem kleinen Gewässer weitet und ein wenig nördlich des Ortes in die Seege mündet.[4]

Im Norden reicht die Gemarkung bis an die „Alte Seege“, ein Bach jenseits der hier in Ost-West-Richtung verlaufenden Seege. Der nordöstliche Teil der Gemarkung gehört zur Aland-Elbe-Niederung und dieses Schutzgebiet ist ein Teil vom Biosphärenreservat Mittelelbe. Im äußersten Südwesten der Gemarkung befindet sich das Kapermoor.[4][5]

GeschichteBearbeiten

Im Jahre 1319 wird Bömenzien erstmals urkundlich erwähnt, als Waldemar, Markgraf der Mark Brandenburg, Besitzungen seines Hofes in der curia Aulosen an das Kloster Amelungsborn schenkte. Dazu gehörten 17 Dörfer, darunter das Dorf Bometzin.[6] Weitere Nennungen sind: 1350 Bomezin, 1405 to Bomesyn, 1541 Pomsin, 1518 dat dorp Bometzin, 1608 Bömesien und viele weitere.[1]

Um 1800 gehörte der Ort zum Arendseeischen Kreis der Provinz Altmark; ein Teil der Kurmark der Mark Brandenburg. In einer Beschreibung dieser Landschaft aus dem Jahr 1804 wurde das Dorf Bömenzien mit 211 Einwohnern verzeichnet. Es waren hier damals 14 Ganz- und vier Halbkossäten, zehn Käthner, vier Einlieger und ein Rademacher ansässig. Zwei Krüge, eine Schmiede, eine Windmühle, ein Nebenzollamt von Arendsee, 34 Feuerstellen, 305 Scheffel Aussaat und 120 Morgen Fichtenholz waren ebenso vorhanden. Besitzer waren damals „die von Jagow zu Aulosen, Pollitz, Stresow und Crüden“. Die Dorfkirche war eine Mutterkirche der Inspektion in Seehausen und der Adressort war Arendsee.[7]

1704 und 1859 brannte der Ort ab.[8] Im Jahre 1879 fand man im oder nahe dem Dorf brandenburgische Münzen, Brakteaten, aus der Regierungszeit von Markgraf Otto II. und dessen Bruder Heinrich von Gardelegen.[9]

Bei der Bodenreform wurden ermittelt: 39 Besitzungen unter 100 Hektar mit zusammen 474 Hektar, drei Kirchenbesitzungen mit zusammen 21 Hektar, eine Gemeindebesitzung mit 0,4 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Im Jahre 1952 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „5. Oktober“.[1]

Der DDR-Grenzsoldat Reinhard Dahms (1944–1966) wurde bei seinem eigenen Fluchtversuch am 1. Januar 1966 bei Bömenzien erschossen.

EingemeindungenBearbeiten

Die Gemarkung von Bömenzien lag während der deutschen Teilung auf der Seite der DDR unmittelbar an der Innerdeutschen Grenze.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Drösede aus dem Landkreis Osterburg eingegliedert. Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Bömenzien vom Landkreis Osterburg in den Kreis Seehausen umgegliedert. Nach dessen Auflösung kam sie am 2. Juli 1965 zum Kreis Osterburg. Am 1. Januar 1973 wurde Bömenzien in Gollensdorf eingemeindet.[10]

Zum 1. Januar 2010 wurde Bömenzien, vorher ein Ortsteil der bis dahin selbständigen Gemeinde Gollensdorf, durch einen Gebietsänderungsvertrag ein Ortsteil der neugebildeten Gemeinde Zehrental, einem Mitglied der Verbandsgemeinde Seehausen (Altmark).[11]

Bambissen, Bömenzien und der RolandsbergBearbeiten

Einige Autoren habe den 1196 genannten Ort oppida Banbissen, 1197 Bambissen genannt, mit dem heutigen Bömenzien in Verbindung gebracht. Diese Ansicht gilt heute als nicht gesichert. Der geschichtliche Hintergrund der Berichte von einem als Turbinenplatz angelegten Markt oder einer Kolonialstadt und einem Rolandsberg mit einem Roland wurde im 19. und 20. Jahrhundert intensiv von Historikern diskutiert.[9]

VorgeschichteBearbeiten

Auf dem 500 Meter nordwestlich des Dorfes gelegenen Mühlenberg wurden 1936 Grabgefäße aus der Bronzezeit geborgen und dem Kreismuseum Osterburg übergeben.[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1734 186
1774 162
1781 170
Jahr Einwohner
1798 234
1801 215
1818 232
Jahr Einwohner
1840 237
1864 331
1871 276
Jahr Einwohner
1885 217
1892 180[8]
1895 216
Jahr Einwohner
1900 210[8]
1905 221
1910 231[8]
Jahr Einwohner
1925 215
1939 194
1946 216
Jahr Einwohner
1964 312
1971 256

Quelle wenn nicht angegeben:[1]

ReligionBearbeiten

Die evangelische Kirchengemeinde Bömenzien gehörte früher zur Pfarrei Bömenzien bei Groß Wanzer in der Altmark.[12] Die Kirchengemeinde gehört seit 2005 zum Kirchspiel Groß Garz und Umgebung[1] und wird betreut vom Pfarrbereich Beuster[13] des Kirchenkreises Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Bömenzien stammen aus dem Jahre 1743.[14]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die evangelische Dorfkirche Bömenzien ist das älteste Gebäude des Ortes. Der Turm wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Das heutige Kirchenschiff entstand im 19. Jahrhundert.[15]
  • Auf dem Kirchhof ist der Ortsfriedhof.
  • Der preußische Viertelmeilenstein am nördlichen Ortsausgang von Bömenzien an der Straße nach Aulosen steht unter Denkmalschutz.[4]
  • Mit seinen Gemarkungsgrenzen im Norden und Westen liegt Bömenzien am Grünen Band Deutschland.
  • Auf einem Hügel unweit des Verbindungsweges von Bömenzien nach Nienwalde befindet sich ein zwölf Meter hoher ehemaliger Grenzwachturm.[16]
  • Ebenfalls zum Grünen Band zählt der ehemalige Grenzübergang Kapern-Bömenzien nördlich vom Dorf. Beide Punkte werden durch den „Grenz- und Naturerlebnispfad Schnackenburg–Gartow“ erschlossen.[17]
  • Das Dorf liegt am Radfernweg Altmarkrundkurs, der hier von Drösede kommend durch den Ort weiter nach Aulosen verläuft.[18]

LiteraturBearbeiten

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII) – Band 1 – A–K. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 281–284.
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 177–178.
  • J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 365–366, 17. Bömenzien (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA365~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 281–284.
  2. Landkreis Stendal – Der Landrat: Kreisentwicklungskonzept Landkreis Stendal 2025. 30. Oktober 2015, S. 296, abgerufen am 3. August 2019.
  3. a b Hauptsatzung der Gemeinde Zehrental. 23. Oktober 2014 (verwaltungsportal.de [PDF; 271 kB; abgerufen am 7. Februar 2016]).
  4. a b c d Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  5. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 2. Band 1. Berlin 1843, S. 433 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001004~SZ%3D00445~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg: Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Erster Band. Die allgemeine Einleitung zur Kurmark, die Altmark und Prignitz enthaltend. Friedrich Maurer, Berlin 1804, Fünfter Teil. Spezielle Landesbeschreibung. Erster Abschnitt. Die Altmark. Fünftes Kapitel. Der Arendseeische Kreis, S. 338 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 20. Februar 2016]).
  8. a b c d Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 177–178.
  9. a b c Arndt Eberhagen: Ansichten, Meinungen und Belegbares zum frühen Bömenzien (= Bambissen ?). In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 71. Jahresbericht, 1996, S. 50–81 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 342, 345.
  11. Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt. 19. Jahrgang, Nr. 17. Stendal 12. August 2009, S. 213 ff. (PDF; 6,8 MB [abgerufen am 7. Februar 2016]).
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 105 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 21. September 2019]).
  13. Pfarrbereich Beuster. Abgerufen am 21. September 2019.
  14. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 15 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 21. September 2019]).
  15. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 62.
  16. Walter Schaffer: Grundstein für die Sanierung des Bömenziener Turms gelegt. In: Volksstimme. Magdeburger Verlags- und Druckhaus GmbH, Magdeburg 26. Juni 2014 (Online [abgerufen am 20. Februar 2016]).
  17. Trägerverbund Burg Lenzen (Hrsg.): Grünes Band Deutschland – Grenzerlebnis Stresow. 2. Auflage. 2012 (PDF; 1,63 MB [abgerufen am 20. Februar 2016]).
  18. Sabine Spohr: Altmarkrundkurs. In: fluss-radwege.de. Abgerufen am 20. Februar 2016.