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Analoge Armbanduhr
Klassische Armbanduhr

Eine Armbanduhr ist ein zu den Kleinuhren gehörendes Zeitmessgerät (Uhr), das mit Hilfe eines Armbands (Uhrenarmband), eines Armreifen, einer Spange oder einem Kettchen um das Handgelenk oder den Unterarm getragen wird. Die technisch im 19. Jahrhundert realisierte Armbanduhr etablierte sich im 20. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Werbeanzeige für eine Armbanduhr für Radfahrer von 1893

Vorläufer der ArmbanduhrBearbeiten

Tragbare Uhren wurden nachweislich bereits ab dem frühen 15. Jahrhundert zunächst in Form von Taschenuhren gebaut, unter anderen von Peter Henlein. Sie wurden durch die Erfindung der Zugfeder möglich, die den Antrieb und die Unruh (noch mit Drehpendel) als Ersatz für das hängende Pendel als taktgebendes Element erlaubte; dadurch konnten die Uhren auf handliche Größe schrumpfen. Christiaan Huygens erhielt ein französisches Patent für die Verwendung einer Spiralfeder mit einer Unruh, die er nach einem Vorschlag von Jean de Hautefeuille entwickelt hatte. Da es in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bereits kleine Uhren am Fingerring und im Degenknauf gegeben hat, wurde vermutet, dass es auch schon Armbanduhren gegeben haben könnte.[1] Auch der französische Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal soll seine Taschenuhr am Handgelenk getragen haben. In einem Almanach du Dauphin aus dem Jahr 1772 wurde ein Pariser Uhrmacher in der Rue de Buci aufgeführt, der Ring- und Armbanduhren angeboten haben soll. Für die Zeit um 1790 wurden, etwa als Uhr, „qui est fixée sur un bracelet“, in einem Rechnungsbuch der Genfer Firma Jaquet-Droz & Leschot, weitere in Armbänder integrierte Uhren genannt.[2]

Entwicklung der Armbanduhr im 19. JahrhundertBearbeiten

Der Pariser Hofjuwelier Étienne Nitot fertigte 1806 zwei mit Perlen besetzte Armbänder, von denen eines einen mechanischen Kalender, das andere eine kleine Uhr besitzt, und somit eine echte Armbanduhr darstellt (Die Armbänder wurden ein Hochzeitsgeschenk der Kaiserin Joséphine de Beauharnais an ihre Schwiegertochter Amalie Auguste). Abraham Louis Breguet baute seine erste Armbanduhr für Caroline Murat im Jahr 1810. Bei den frühen Armbanduhren (zunächst auch als „Armbänder mit Uhren“, französisch bracelet-montre statt montre-bracelet bezeichnet) befindet sich die 12 oft noch in Richtung der Finger, so dass sich die ab etwa 1850 nachweisbare, leichter ablesbare Variante mit einer in Armrichtung parallel zum Armband verlaufenden Zifferblattachse von der 6 zur 12 durchsetzte. Bis ins 20. Jahrhundert herrschte jedoch die Taschenuhr vor. Armbanduhren wurden vor allem von Frauen getragen.[3]

Weitere Miniaturisierungen der Uhrwerke ließen die Uhren auf Armbandgröße schrumpfen und 1880 etwa hatte sich die Armbanduhr, zunächst als Schmuck-Armbanduhr, als neue Uhrengattung etabliert. Um 1890 wurde es für einige Zeit Mode, die armbanduhrgroßen Damentaschenuhren an Ketten oder Bändern als Schmuckuhr[4] am Handgelenk zu tragen. Diese Mode galt zunächst als „weibisch“ – Herren benutzten zunächst weiterhin die Taschenuhr an der Uhrkette. Diese erwies sich für manche Verwendungen jedoch als unhandlich, zum Beispiel bei kinderbetreueenden Müttern und Erzieherinnen, oder bei auf übereinstimmende Zeitmessung angewiesenen Soldaten, die ihre Hände für andere Tätigkeiten frei halten wollen. Girard-Perregaux soll neben anderen Schweizer Firmen, gemäß Jaquet und Chapuis ab etwa 1880 eine Serie von Armbanduhren für die deutsche Kriegsmarine produziert haben.[5][6] Erste militärische Nutzungsmöglichkeiten als Teil der Feldausrüstung im Krieg bot der Burenkrieg (1899–1902), in dem britische Armeeangehörige zum Beispiel Uhren der Firma Omega verwendeten, und zur Zeit des Ersten Weltkriegs (1914–1918), bei dem Armbanduhren mit stabilem Gehäuse mit Glasschutz und Leuchtziffern für die Soldaten zum Einsatz kamen, hatte sich die Armbanduhr dann weltweit auch im zivilen Bereich durchgesetzt. Für die US-Armee entwickelte Cartier eine Armbanduhr mit dem Namen „Tank“.[7]

Impulse zu ihrer Weiterentwicklung erhielten die Armbanduhr-Hersteller durch die von Adrien Philippe konzipierte Zeigerstellung von der Aufzugskrone her[8] (1842 hatte er die erste Remontoiruhr, die statt eines Aufziehschlüssels über einen Kronenaufzug verfügt, erfunden).

Weiterentwicklungen im 20. JahrhundertBearbeiten

Nachdem die Offiziere im Ersten Weltkrieg festgestellt hatten, dass sich ihre Taschenuhren im Winter und allgemein unter Kampfbedingungen als unpraktisch erwiesen, setzte sich die Armbanduhr beim Militär und schließlich in der zivilen Gesellschaft schnell durch und war bei Kriegsende zum Standard geworden. Auch Piloten, die in ihren damals spärlich mit Bordinstrumenten ausgestatteten Flugzeugen auf eine schnelle und präzise Zeitmessung angewiesen waren benutzten bald Armbanduhren. Der brasilianische Flugpionier Alberto Santos Dumont ließ sich von dem befreundeten Pariser Uhrmacher Louis Cartier eine Uhr für Flieger bauen, die am Armband getragen wurde.

Als kennzeichnend für die Übergangszeit von Taschenuhr zur Armbanduhr nennt Kahlert kleine Uhren, die – wie Modelle aus den Jahren 1910 (Avia, La Chaux-de-Fonds und 1912 (Péry Watch) – sowohl als Taschenuhr als auch als Teil der Armbanduhr genutzt werden können.[9]

Im Jahr 1913 gab es bereits Armbanduhren, die über ein mehrere Tage laufendes Werk verfügten, etwa das umfunktionierte Taschenuhr-Modell „Hebdomas“ mit acht Tagen Gangreserve. Zu dieser Zeit inserierten verschiedene Schweizer Uhrenhersteller wie Omega großformatig unter anderem in deutschen Fachzeitschriften.[10]

Die erste Automatikuhr (als Armbanduhr mit Pendelschwungmasse) wurde 1923 von John Harwood angefertigt. Harwood wusste offenbar nicht, dass Abraham-Louis Perrelet bereits um 1770 eine Taschenuhr mit Rotor und Wechsler (also beidseitig aufziehend) konstruiert hatte, kurze Zeit später auch Hubert Sarton. Später baute Rolex eine Automatikuhr mit einseitig aufziehendem Rotor und ließ sie patentieren. Eine Automatic bezieht die Energie zum Spannen der Feder aus den Armbewegungen des Trägers.

Die erste elektronische Armbanduhr mit einem Miniaturquarz als taktgebendem Element wurde vom Centre Electronique Horloger (CEH) in Neuenburg, Schweiz, 1967 vorgestellt und im August 1967 als Chronometer im Observatorium von Neuenburg zertifiziert (IEEE-Meilenstein).[11] Diese Uhr hatte eine klassische mechanische Zeigeranzeige. In den darauf folgenden Jahren entstand durch die Verdrängung mechanischer Uhren durch Quarzuhren die Quarzkrise, die bis etwa 1985 dauerte.

Im Jahre 1970 wurde von Peter Petroff der Prototyp der ersten digitalen Armbanduhr mit einer LED-Anzeige entwickelt. Sie wurde von den Unternehmen Hamilton Watch Company und Electro-Data weiterentwickelt und als Pulsar kommerziell bekannt, weil die Digitalanzeige wegen des hohen Stromverbrauchs nur auf Knopfdruck während ein paar Sekunden ablesbar war.

Erste Digital-Armbanduhren mit dauernder Flüssigkristallanzeige (LCD) kamen im Zeitraum von 1973 bis 1975 auf den Markt. Die Unternehmen Gruen und Timex in den USA, Nepro und Mondaine in der Schweiz sowie Seiko und Casio mit der Uhr Casiotron (IEEE First-Hand)[12] 1974 in Japan waren die Pioniere. Die dies erstmals ermöglichenden Flüssigkristallanzeigen wurden von den Unternehmen Suwa Seikosha in Japan und Brown, Boveri & Cie. (BBC) in der Schweiz für die Uhrenhersteller Nepro, Mondaine, Casio und Ilixco in USA produziert.

Heute sind Armbanduhren mit Skalen- oder Ziffernanzeige oder in Kombination beider Darstellungsformen verbreitet. Dabei haben sich unterschiedliche Typen entwickelt, die neben der klassischen Zeitanzeige verschiedene Zusatzfunktionen – nicht nur zum alltäglichen Gebrauch, sondern auch aus Schmuck und Prestige – anbieten. Zu denken ist an Fliegerchronographen, Taucheruhren, Sportuhren, Militäruhren und sogenannte Einsatzuhren aller Art. Zudem finden Uhren einer bestimmten Provenienz das Interesse der Kunden, wie zum Beispiel Uhren aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion oder Ostblock-Staaten. Seit neuestem versuchen Smartphone-Hersteller sogenannte Smartwatches zu etablieren, welche die klassischen Funktionen einer Armbanduhr mit den Kommunikationsmöglichkeiten eines Smartphones (E-Mail, SMS etc.) in einem Gerät vereinen.

BestandteileBearbeiten

MechanismusBearbeiten

Jede mechanische Armbanduhr hat als Schwingkörper eine Unruh. Diese schwingt mit einer durch die Spiralfeder vorgegebenen Schlagzahl, bei klassischen Uhren 18.000 Amplituden pro Stunde (entspricht 2,5 Hz), bei modernen Uhren meist 21.600 (3 Hz) oder 28.800 (4 Hz) Halbschwingungen in der Stunde. Einige Schnellschwinger erreichen gar 36.000 Halbschwingungen in der Stunde (5 Hz), z. B. die Longines Ultra-Chron, die Gyromatic Chronometer HF von Girard-Perregaux und el Primero von Zenith. Die Unruh schaltet bei jedem Durchgang den Anker um. Durch diese Umschaltung ist es dem Gangrad möglich, einen Zahn weiter zu laufen. Der Anker und das Gangrad verhindern die freie Kraftabgabe der Zugfeder über das Räderwerk (siehe auch Isochronismus).

Das Räderwerk (auch Schwingungszählwerk genannt) ist eine Übersetzung ins Schnelle (von der Feder aus gesehen). Die Schaltdurchgänge der Hemmung werden daher hinuntergeteilt, bis das Minutenrad eine 160 Umdrehung in der Minute macht.

Das Zeigerwerk nimmt die Kraft von der Minutenradwelle ab und teilt die Umdrehungen des Minutenrads über ein Wechselrad mit Wechseltrieb auf das Stundenrohr, das durch die Untersetzung ins Langsame 112 Umdrehung in der Stunde macht.

Der Stundenzeiger wird auf dem Stundenrohr, der Minutenzeiger auf dem sogenannten Viertelrohr, das über eine Rutschkupplung (die das Zeigerstellen ermöglicht) mit der Minutenradwelle bzw. dem Minutenrohr verbunden ist, befestigt.

Die Krone dient zum Verstellen der Zeiger und des Datums sowie zum Aufziehen des Uhrwerks.

UhrenarmbandBearbeiten

Uhrenarmbänder können grundsätzlich anhand folgender Eigenschaften unterschieden werden:

  • Material: Metall (Edelstahl, Titan, Goldlegierungen), Leder (Alligator, Krokodil, Pferd, Hai, Rochen oder Strauß), Kunststoff, Kautschuk, Stoff, Keramik etc.
  • Machart: Gliederband, Webband, Vollmaterial oder metallische Kettenwirkware (Milanese oder Milanaise)[13]
  • Schließe: Dorn- oder Faltschließe (einfach oder doppelt (Butterfly-Schliesse), als Bügel oder Drücker) bzw. keine Schließe
  • Anbringung des Armbandes an der Uhr: Befestigung an den Bandanstößen des Uhrengehäuses, wobei eine Dornschließe bei 12 Uhr montiert wird; Integration in das Uhrengehäuse oder Durchfädeln durch Federstege an den Bandanstößen. Ein flexibles System zur fugenlosen Verbindung von Armband und Uhr ist der so genannte Leonardo-Ansatz.
  • Ausprägung: Zweiteilig (Ober- und Unterteil) und einteilig: z. B. bei dem NATO Strap Band, Unterleg-Uhrenarmband mit einem Unterlegteil unter dem Gehäuse und breite Armbänder, in die das Uhrengehäuse integriert ist
  • Armbandlänge: normale Länge zum Tragen um das nackte Handgelenk oder große Länge zum Tragen über der Kleidung (z. B. Taucheranzug, Fliegerkombi)
  • Verarbeitungstechniken: Im Rembordé-Verfahren bzw. durch das Rembordieren wird das Oberleder um die Kanten des Futterleders gelegt und unter einer definierten Kombination von Wärme und Druck mit diesem fugenlos und fasertief verklebt. Bei der Turned Edge Technology wird das Oberleder über das Inlay geschlagen. Das Futterleder wird dann an der Unterseite des Inlays angebracht und mit dem Oberleder vernäht. Zusätzlich werden im Zuge einer schnittkantigen Verarbeitung das Coupé Franc, das Ober- und das Futterleder miteinander verbunden, die Kanten offen gelassen. Die Schnittkanten werden mit einem flexiblen Lack versiegelt. Bei Uhrenarmbändern aus Leder unterscheidet man zwischen Oberleder und Futterleder. Das Oberleder ist die sichtbare Seite des Armbandes. Der jeweiligen Tierart entsprechend gelangen unterschiedliche Hautabschnitte zur Verarbeitung. Das Futterleder ist die Innenseite des Armbandes. Die Qualität des Futterleders ist entscheidend für die Lebensdauer des Bandes, da dieses durch das Tragen auf der Haut ständig Feuchtigkeit, Abrieb, Parfums, Cremes und Transpiration ausgesetzt ist. Für Personen mit Hautallergien bieten Armband-Hersteller Lederarmbänder mit antiallergischer Beschichtung auf der Futterlederseite an.

Armbänder für Uhren können mit den unterschiedlichsten Funktionen ausgestattet sein. Auf einem IDentification Armband z. B. werden persönliche Daten, Zutrittsberechtigungen oder Geldwerte gespeichert. Gerade für den Sport ist eine hohe Widerstandsfähigkeit erforderlich. Neben Kunststoffbändern haben sich hier Armbänder aus bearbeitetem Naturkautschuk, die hochelastisch und gleichzeitig extrem stabil, wasserfest und hautfreundlich sind, durchgesetzt. Es gibt mittlerweile auch Armbänder aus Leder, die extrem wasserfest sind. Durch die Erfindung der Rembordier-Technologie ist es möglich, auch luxuriöse Lederarmbänder mit sehr hoher Wasserbeständigkeit zu fertigen, wie zum Beispiel ein bis 10 bar wasserfestes Alligatorarmband.

Verschiedene TypenBearbeiten

ChronometerBearbeiten

Als Chronometer (griech. „Zeitmesser“) dürfen Armbanduhren mit Werken bezeichnet werden, die in einem Test bei einer offiziellen Prüfstelle eine festgelegte Ganggenauigkeit bewiesen haben.

EinsatzuhrenBearbeiten

Einsatzuhren sind speziell für militärische oder sonstige (z. B. Polizei, Taucher und Feuerwehr) Einsatzkräfte konzipierte Armbanduhren. Besondere Merkmale dieser Art von Zeitmesser sind, je nach Einsatzart, Robustheit gegenüber Erschütterungen und Umgebungstemperaturen, Wasserdichtigkeit, Nachtablesbarkeit und Anzeige der verstrichenen Einsatzzeit. Berühmtheit erlangte die im Weltraum eingesetzte Omega Speedmaster Professional von 1965.

Elektronische ArmbanduhrenBearbeiten

Verschiedene Ansätze sind unternommen worden, mit Hilfe elektronischer Komponenten genauere Uhren zu bauen, so beispielsweise die Stimmgabeluhr, bei der die von einer elektrisch angetriebenen Stimmgabel vorgegebene Frequenz als Taktgeber verwendet wird. Durchgesetzt hat sich auf dem Markt allerdings die Quarzuhr, die heute von den Verkaufszahlen her den Hauptteil des Weltuhrenmarktes ausmacht. Bei ihr sorgt ein Quarzkristall, der unter Stromfluss schwingt, für die Taktung. Quarzuhren können über eine digitale Anzeige (anfangs mit LEDs, später mit stromsparenderen Flüssigkristallen) oder über eine Anzeige mit Zeigern (Analoguhr) verfügen, wobei auch zunehmend Mischformen (Hybrid) auf den Markt kommen. Nach einem Boom in den 1980er Jahren wurde die Ziffernanzeige zunehmend wieder von der Skalenanzeige verdrängt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist allerdings wieder ein Ansteigen bei der Herstellung von Digitaluhren zu erkennen, das durch zusätzliche Funktionen mit Messdaten und neuartige modische LC-Anzeigen bedingt ist. 1990 wurde von Junghans mit der MEGA 1 die erste funkgesteuerte Armbanduhr vorgestellt (Funkuhr), damit hat der Wettlauf um die ganggenaueste Uhr ein Ende gefunden.

Mechanik-RenaissanceBearbeiten

Mit dem Siegeszug der Mikroelektronik war es in kurzer Zeit möglich, sehr günstig vergleichsweise genaue Uhren mit Quarzwerk herzustellen, was die traditionelle Uhrenindustrie deutlich veränderte. Es kam zu einer Konzentration der Uhrwerk-Hersteller, die in einer monopolartigen Stellung der Schweizer ETA SA mündete. Diese gehört zur Swatch Group, ebenso wie die Uhrwerkehersteller Frédéric Piguet SA und Nouvelle Lémania SA, die beide weitgehend für die umfangreiche Luxusuhrensparte der Swatch-Group (Glashütter Uhrenbetrieb, Union Glashütte/SA, Breguet SA, Blancpain, Rado, Tissot, Omega, Longines und Hamilton) arbeiten.

Nach dem Ende der Quarzkrise in den 1980er Jahren wurde das hochwertige Preissegment der aufwändig gearbeiteten mechanischen Uhr als Luxusgegenstand wieder beliebter. Die Mikroelektronik und die damit einhergehenden Verbesserungen der feinmechanischen Herstellungsmethoden erlauben neue Eigenschaften, die mit traditionellen Methoden nicht machbar waren. Die vorher weit verbreitete einfache mechanische Armbanduhr wurde dagegen fast völlig von der sehr genauen und wartungsarmen Quarzuhr verdrängt.

Entgegen diesem Trend hat die Swatch Group eine neuartige, rein mechanische Automatikuhr entwickelt und 2014 auf den Markt gebracht, welche nur 51 Teile verwendet und vollautomatisiert hergestellt wird. Die sistem51-Armbanduhr kann dank minimaler Anzahl Teile und rationeller Fertigung preisgünstig angeboten werden, obschon sie hohe Schweizer Qualität bietet (17 Juwelenlager, 90 h Gangreserve ohne Bewegung, hermetisch verschlossen, mehrjähriger Betrieb ohne Wartung).[14][15]

Die große Zahl an heute vorhandenen Marken mechanischer Armbanduhren darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in vielen Uhren einige wenige Werke, sogenannte „Kaliber“ eingebaut sind, die von Uhrwerksherstellern wie z. B. der ETA SA hergestellt werden. Nur wenige Luxusuhrenhersteller, sogenannte Uhrenmanufakturen, stellen beinahe alle wesentlichen Teile ihrer Uhren selbst her. Die Arbeitsteilung in der Herstellung des Rohwerks, dem sog. „Ébauche“, dem Einbau in das Gehäuse durch „Établisseure“ und dem Verkauf unter unterschiedlichen eigenen Markennamen hat allerdings eine lange Tradition.

Die Luxusuhrenhersteller lassen sich im Wesentlichen auf vier Eigentümergruppen aufteilen:

  1. die Swatch Group,
  2. die französische LVMH mit den Marken TAG Heuer, Zenith und Dior Watches,
  3. die ebenfalls französische PPR und
  4. die Schweizer Richemont (ehemals Vendôme Luxury Group). Richemont übernahm zuletzt im Jahr 2000 für 3,0 Mrd. Schweizer Franken die LMH Holding von Vodafone-Mannesmann, der solche bekannte Uhrenmarken wie IWC, A. Lange & Söhne und Jaeger-LeCoultre gehörten. Außerdem hält Richemont die Uhrenmarken Cartier, Piaget, Baume & Mercier, Panerai und Vacheron Constantin.

Als unabhängige Hersteller sind im internationalen Rahmen noch Audemars Piguet, Breitling, Chopard, Nomos Glashütte, Patek Philippe und Rolex zu nennen, sowie einige kleinere unabhängige Uhrmacherbetriebe, die zum Teil in der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants organisiert sind.

Neben diesen Luxusmarken haben sich in Deutschland eine Reihe kleinerer selbständiger Uhrenmarken etabliert, die aber weitgehend von den Rohwerken der ETA SA oder Restbeständen von vor der Quarzkrise abhängig sind und diese, teilweise mit Veränderungen, in ihre Gehäuse einbauen. Unter anderen sind das die Hersteller MeisterSinger, Junghans, Sinn, Stowa, Askania, Mühle Glashütte und Chronoswiss.

Um der ursprünglich fast vollständigen Abhängigkeit von der ETA SA zu entgehen, entwickelten einige kleinere Hersteller ihre eigenen Manufakturkaliber, wie z. B. Damasko[16] und Nomos Glashütte oder weichen auf kleinere Rohwerk-Hersteller wie Soprod SA aus.

KomplikationenBearbeiten

Die einfache Armbanduhr hat zwei oder drei Zeiger (ohne bzw. mit Sekundenanzeige). Dazu gibt es weitere sogenannte Komplikationen, also technische Finessen, wie:

  • Chronograph (Stoppuhrfunktion), weit verbreitet bei hochwertigen mechanischen Herrenuhren
  • Anzeige für Gangreserve
  • Automatischer Aufzug (Automatik)
  • Datumsanzeige (1 bis 31)
  • Ewiges Kalendarium, schaltet stets das korrekte Datum unter Berücksichtigung von Schaltjahren und Monatslänge (28, 29, 30 oder 31 Tage)
  • Große Datumsanzeige
  • Minutenrepetition, ein Schlagwerk, das die Zeit akustisch anzeigt
  • Mondphase
  • Rattrapante: Schleppzeiger-Chronograph, der Zwischenzeiten anzeigen kann
  • 7-Tages-Werk: eine Feder, die 7 Tage statt 42h bis 48h Gangreserve bietet
  • Retrograde Anzeigen
  • Sekundenscheibe: Eine meist transparente und bedruckte dünne Scheibe anstelle des Sekundenzeigers. Entscheidend hierbei ist, dass ihr Gewicht keinen zu großen Einfluss auf die Amplitude des Uhrwerkes hat und sie weder mit dem Deckglas noch mit dem Minutenzeiger kollidiert
  • Spielwerk
  • Springender Datumswechsel
  • Stoppuhr
  • Tourbillon oder Karussell, eine rotierende Lagerung der Hemmung, um die Ganggenauigkeit zu erhöhen
  • Vollkalendarium mit Monat, teils mit vierstelliger Jahreszahl
  • Wecker
  • Wochentag
  • Zeitgleichung
  • Zweite Zeitzone.

Die Grande Complication (Große Komplikation) gilt als höchste Uhrmacherkunst, da mehrere Zusatzfunktionen wie ewiger Kalender mit Mondphase, Minutenrepetition und Chronographenmechanismus, oder Tourbillon in einer Armbanduhr kombiniert werden.

Neben der technischen Verfeinerung durch zahlreiche Zusatzfunktionen ist die abschließende mechanische Nachbearbeitung und Oberflächenveredelung (auch Finissierung, franz. Finissage) ein Qualitätsmerkmal von Uhrwerken.

StandardrevisionBearbeiten

Armbanduhren mit einem mechanischen Uhrwerk müssen ungefähr alle vier bis fünf Jahre gewartet werden, also mindestens eine Standardrevision durchlaufen. Für die Wartung werden Krone und Gehäuse der Uhr vollständig demontiert, auch das Zifferblatt und das Uhrwerk werden entnommen. Anschließend durchlaufen alle Teile der Uhr eine sorgfältige Prüfung durch einen Fachmann oder gegebenenfalls Konzessionär. Je mehr Komplikationen eine Armbanduhr enthält, desto aufwendiger gestaltet sich üblicherweise die Revision. Das Uhrwerk (sowie das Zifferblatt) wird vom Fachmann ebenfalls komplett zerlegt und auf Verschleiß hin untersucht. Nach der Überprüfung aller Einzelteile wird das Uhrgehäuse samt Metallarmband (falls vorhanden) ultraschallgereinigt und anschließend wieder zusammengesetzt. Bei Bedarf werden einzelne Teile ersetzt. Eine Funktionskontrolle und gegebenenfalls eine Feinregulierung schließen die Wartung der mechanischen Uhr ab. Wie viel Zeit der Prozess einer Wartung beansprucht, hängt von Komplexität, Aufbau und Verarbeitung der Uhr ab.

Je nach Uhrenmodell können zusätzliche Überprüfungen notwendig werden, beispielsweise eine Wasserdichtigkeit-Kontrolle bei Taucheruhren.

WirtschaftBearbeiten

Armbanduhren werden in großer Menge produziert. Während 1965 noch etwa 100 Millionen (mechanische) Uhren hergestellt wurden, waren es 1995 weltweit bereits über eine Milliarde vor allem mit Quarzwerk versehene Uhren (Großuhren und Kleinuhren). Der Anteil an Armbanduhren daran betrug um 1996 etwa 500 bis 700 Millionen pro Jahr.[17]

Das Tochterunternehmen ETA SA des Swatchkonzerns besitzt nach Angaben der am 19. November 2004 abgeschlossenen Untersuchung der schweizerischen Wettbewerbskommission (Weko) bei den in der Schweiz hergestellten mechanischen Rohwerken bis zu einem Preis von 300 SFr pro Stück eine marktbeherrschende Stellung. Zudem dominieren sie den Weltmarkt bei den höherpreisigen Produkten.[18]

Gemessen am Umsatz ist die Uhrensparte des US-amerikanischen Computerherstellers Apple, der ausschließlich Smartwatches herstellt, vor dem schweizerischen Rolex-Konzern der größte Uhrenhersteller der Welt (Stand 2018).[19]

LiteraturBearbeiten

  • Eugene Jaquet, Alfred Chapuis: Technique And History Of The Swiss Watch From Its Beginning To The Present Day. Boston Book And Art Shop, Boston, USA, gedruckt in der Schweiz 1953.
  • Anton Kreuzer: Die Uhr am Handgelenk, Geschichte der Armbanduhr. Carinthia, Klagenfurt 1982, ISBN 978-3-85378-200-2.
  • Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte. Callwey, München 1983; weitere Auflage 1990, ISBN 978-3-7667-0975-2; 5., erweiterte Auflage (mit einem Preisführer von Stefan Muser, dem Inhaber des Mannheimer Auktionshauses Dr. Crott) ebenda 1996, ISBN 3-7667-1241-1 (Mit Darstellung von mehr als 1500 Uhren und einer von 50 bis 1.200.000 DM reichenden Preisliste), Idee und Konzeption: Christian Pfeiffer-Belli.
  • Alfred P. Zeller: Die klassische Armbanduhr […]. Parkland, Köln 1996, ISBN 978-3-88059-866-9.
  • Gisbert L. Brunner, Christian Pfeiffer-Belli: Wristwatches. Armbanduhren. Montres-bracelets. Könemann, Köln 2002, ISBN 978-3-8290-0660-6.
  • Lucien F. Trueb: Die Quarzrevolution – Von der Mechanik zur Elektronik und zurück. In: Franz Betschon et al. (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz – Technikgeschichte aus erster Hand, S. 354–374, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4

WeblinksBearbeiten

  Commons: Armbanduhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: Watches – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Armbanduhr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bereits 1571 soll die englische Königin Elisabeth I. von ihrem Oberstallmeister und Günstling, dem Grafen von Leicester eine kleine, an einem Armband oder eher Armreif (englisch „armlet“) – vermutlich in Form einer Berlocke – befestigte Uhr geschenkt bekommen haben.
  2. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 9–13.
  3. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 7, 9–14 und 16.
  4. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 9 und 12.
  5. Girard-Perregaux auf vintagewatchstraps.com
  6. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 10 und 16.
  7. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte. 1996, S. 16.
  8. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 12.
  9. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 14 und 17.
  10. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 13 und 15.
  11. http://www.ieeeghn.org/wiki/index.php/Milestones:Pioneering_Work_on_the_Quartz_Electronic_Wristwatch,_1962-1967
  12. http://www.ieeeghn.org/wiki/index.php/First-Hand:Liquid_Crystal_Display_Evolution_-_Swiss_Contributions
  13. Milanaise-Armband, apple.com
  14. Swatch bringt bunte Sistem51 auf den Markt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Juni 2014
  15. Swatch sistem51 rein mechanische Automatikuhr
  16. http://www.damasko.de/de/manufakturkaliber
  17. Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte 1996, S. 7.
  18. Die Zeit, Ausgabe 2003/34, Seite 17
  19. Uhrenhersteller: Mit Mechanik-Elektronik-Hybriden gegen Apple Watch Meldung des Heise-Verlages, Hannover, im November 2018 auf dem Nachrichtenportal heise online, abgerufen am 22. November 2018