Hauptmenü öffnen

Altmorschen ist ein Ortsteil der Gemeinde Morschen im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Altmorschen
Gemeinde Morschen
Koordinaten: 51° 4′ 2″ N, 9° 36′ 56″ O
Höhe: 191 m ü. NHN
Fläche: 1,55 km²
Einwohner: 1430 (2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 925 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 34326
Vorwahl: 05664
Kloster Haydau

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt im Osten des Kreisgebietes an den Ausläufern des Knüllgebirges am Ostufer der Fulda. Auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt Neumorschen. Durch den Ort führen die Landesstraße 3225 und der Fulda-Radweg. Entlang der Fulda verlaufen die Bundesstraße 83 und die Bahnstrecke Bebra–Baunatal-Guntershausen. Über die Fulda läuft die Fuldatalbrücke Morschen an der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg.

Innerhalb der Gemarkung von Altmorschen befinden sich das ehemalige Kloster Haydau, das Einzelgehöft Leimbachs Hof, die Wüstung Leimbach und die heute wüste Kapelle am Kapellberg.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Der Ort „Aldenmorsene“ wird im Jahre 1235, als das dortige Kloster Haydau ("Heide") gestiftet wurde, erstmals urkundlich erwähnt, ist aber wohl wesentlich älter. 1238 hatte Altmorschen zusammen mit Konnefeld teil am Marktrecht von Wichte. Die Pfarrei Altmorschen wurde 1270 von Hermann von Spangenberg an das Kloster Haydau übertragen; 1318 wurde sie dem Kloster einverleibt und zusammen mit ihrer Filialkirche Neumorschen nach Eubach eingepfarrt. 1318 schenkte die Familie von Leimbach, aus der die erste Äbtissin von Haydau, Gertrud von Leimbach, stammte, dem Kloster Besitz in Altmorschen, und 1325 wurde durch weitere Schenkungen der Herren von Treffurt-Spangenberg das Kloster Besitzer des gesamten Dorfes. 1331 kaufte das Kloster von den Herren von Treffurt das Gericht Altmorschen. 1350 verkauften die Herren von Treffurt die gesamte verbliebene Herrschaft Spangenberg an Landgraf Heinrich II. von Hessen.

In historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2] Aldenmorsene (1235), Morsene (1235), Altenmorßen (1620), Alt-Morschen.

Altmorschen in der NS-ZeitBearbeiten

In den Jahren 1933–1945 hinterließ das nationalsozialistische Regime auch im traditionell SPD-geprägten Altmorschen seine Spuren. Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 war die lange verteidigte Mehrheit der SPD dahin, die NSDAP konnte im Ort einen Stimmenanteil von 57,5 % erzielen,[3] und für den Ort änderte sich einiges. Die Vereine wurden gleichgeschaltet, Arbeitersport- und Gesangvereine wurden abgeschafft. So gab es im Ort nur noch einen einzigen Gesang- und einen Sportverein. Sozialdemokraten und Kommunisten wurden unter Druck gesetzt, jeglicher offene Widerstand gegen die Nationalsozialisten wurde schnell aufgegeben, da sonst die "Erziehungsstätte" in der Walkemühle bei Adelshausen drohte.[4] Der bisherige Bürgermeister Paul Frankfurth (SPD) trat Ende März 1933 zurück und sein Posten wurde von Wilhelm Meyer (NSDAP) besetzt.[5]

Der Wiederanschluss des Saarlandes am 13. Januar 1935 wurde in Altmorschen mit Ansprachen, einem Fackelzug und einer Feier im Wickenhof-Saal bejubelt. Am 3. Juni 1935 feierte das Dorf ein großes Heimatfest, Anlass waren das 700-jährige Bestehen des Klosters Haydau sowie das 60-jährige Jubiläum des Männergesangvereins. Dabei waren auch NSDAP-Gauleiter Weinrich und Regierungspräsident von Mombarth aus Kassel anwesend.

1936 gab der Melsunger NSDAP-Kreisleiter Dr. Reinhardt bekannt, dass die Arbeitslosigkeit im Kreis, die 1933 noch 1600 Personen betraf, durch den Bau der Reichsautobahn restlos beseitigt worden sei.[6]

Bei den Wahlen im März 1936 stimmten im gesamten Kreis Melsungen lediglich sieben Wähler gegen Hitler. In Altmorschen wurden drei Nein-Stimmen verzeichnet, und da nur Heinrich Wohlgemuth, Jakob Frankfurth und dessen Ehefrau vom geheimen Wahlrecht Gebrauch machten, waren sie schnell identifiziert und wurden per Aushang denunziert.[7]

Die im ganzen Reich beginnende Judenverfolgung betraf Altmorschen nicht, da in den 1930er Jahren hier keine jüdischen Familien lebten. Allerdings wurden aus den Nachbarorten Binsförth und Neumorschen mehrere jüdische Familien deportiert.

Beim Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Grenzbevölkerung wurden zu ihrem Schutz ins Landesinnere umgesiedelt. So waren auch im Raum Morschen circa 300 Personen aus dem Kreis Pirmasens unterzubringen. Nach den anfänglichen Erfolgen der Wehrmacht in Polen und Frankreich wurden viele Kriegsgefangene im Ort zu Arbeiten in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe eingesetzt.

Ab dem Jahr 1942 war der Zugverkehr von Altmorschen aus stark eingeschränkt, es fuhren nur noch 6 Züge auf der Strecke Kassel-Bebra.

Von den Bombenangriffen, die die Region Melsungen hart trafen, bekam Altmorschen bis auf einen Luftangriff auf einen Güterzug kurz vor dem Ort nichts ab. Jedoch erlebte man am 22. Oktober 1943 die Zerstörung Kassels mit, bei der sich der Himmel nachts rot färbte. Viele Altmörscher mussten um Verwandte und Freunde bangen und trauern. Von den nun obdachlosen Kasselanern suchten viele Zuflucht im Raum Morschen.

Im Frühjahr 1945 wollten deutsche Truppen die herannahende US-Army an der Fulda aufhalten und sprengten daher am Morgen des 31. März die Fuldabrücke zwischen Alt- und Neumorschen. Da mit Kampfhandlungen zu rechnen war, räumten die Einwohner das Dorf und zogen sich in Wälder und Felder zurück. Eine Kapitulation der Bewohner durch das Hissen weißer Bettücher verbot der kommandierende deutsche Offizier unter Androhung standrechtlicher Erschießung. Am späten Nachmittag begannen die Kampfhandlungen. Granaten trafen Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Auch Zivilisten in den Feldern wurden von den Amerikanern beschossen, elf Personen wurden dabei verletzt. Eine Frau und ein Mann erlagen später ihren Wunden. Vor der alten Schule wurde ein weiterer Einwohner erschossen. Zwei verwundete Amerikaner verbrannten in einer Scheune. Gegen Abend war das Gefecht beendet. Zwei Wohnhäuser, eine Scheune und ein Stall waren komplett zerstört worden, ein Wohnhaus und eine Scheune schwer beschädigt. Ein deutscher Panzer war getroffen worden, sein Kommandant starb dabei.[8] Am Ostermontag, dem 2. April 1945 wurde der Ort endgültig von den Amerikanern besetzt und er stand bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 unter amerikanischem Besatzungsrecht.

76 Altmörscher Männer starben als Soldaten an der Front, die Mehrzahl in den Jahren 1944 und 1945. Das Schicksal vieler vermisster Soldaten konnte erst Jahre nach Kriegsende geklärt werden.

GebietsreformBearbeiten

Die Gemeinde Morschen wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. Januar 1974 kraft Landesgesetz durch den Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Altmorschen, Heina, Konnefeld und Neumorschen gebildet. Zuvor waren bereits am 1. April 1972 die Gemeinden Binsförth, am 1. Juli 1971 Eubach[9] und am 31. Dezember 1971 Wichte in die Gemeinde Altmorschen eingemeindet worden. Altmorschen wurde Sitz der Gemeindeverwaltung und für alle ehemaligen Gemeinden wurden Ortsbezirke eingerichtet.[2][10] Gleichzeitig mit dem Zusammenschluss zur Gemeinde Morschen kam diese aufgrund der Zusammenlegung der bisherigen Landkreise Melsungen, Fritzlar-Homberg und Ziegenhain in den neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis.[11]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1585: 96 Haushalte
• 1774: 94 Haushalte
Altmorschen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2014
Jahr  Einwohner
1834
  
848
1840
  
848
1846
  
897
1852
  
852
1858
  
791
1864
  
796
1871
  
787
1875
  
747
1885
  
679
1895
  
756
1905
  
763
1910
  
804
1925
  
925
1939
  
1.007
1946
  
1.547
1950
  
1.601
1956
  
1.479
1961
  
1.514
1967
  
1.677
1970
  
1.667
2011
  
1.516
2014
  
1.430
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]: [11]; Gemeinde Morschen

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1885: 657 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
• 1961: 1384 evangelische (= 91,41 %), 113 katholische (= 7,46 %) Einwohner

SehenswürdigkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altmorschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

QuellenBearbeiten

  1. Kurzportraits der Ortsteile. In: Internetauftritt. Gemeinde Morschen, archiviert vom Original am 19. Dezember 2014;.
  2. a b c d e Altmorschen, Schwalm-Eder-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Otto Wohlgemuth: Sozialdemokratie in Altmorschen. Altmorschen 2002, S. 23.
  4. Otto Wohlgemuth: Morschen im 20. Jahrhundert. Altmorschen 2000, S. 53.
  5. Otto Wohlgemuth: Sozialdemokratie in Altmorschen. Altmorschen 2002, S. 25.
  6. Handbuch des Kreises Melsungen 1937. Bernecker Verlag, Melsungen 1937.
  7. Otto Wohlgemuth: Morschen im 20. Jahrhundert. Altmorschen 2000, S. 57.
  8. Otto Wohlgemuth: Morschen im 20. Jahrhundert. Altmorschen 2000, S. 69–71.
  9. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 28, S. 1117, Punkt 988; Abs. 9. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).
  10. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain (GVBl. II 330-22) vom 28. September 1973. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 356, §§ 14 und 27 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  11. a b ;Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 405–406.