Altlichtenwarth

Gemeinde in Österreich
Altlichtenwarth
Wappen Österreichkarte
Wappen von Altlichtenwarth
Altlichtenwarth (Österreich)
Altlichtenwarth
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mistelbach
Kfz-Kennzeichen: MI
Fläche: 20,43 km²
Koordinaten: 48° 39′ N, 16° 48′ OKoordinaten: 48° 38′ 52″ N, 16° 47′ 45″ O
Höhe: 231 m ü. A.
Einwohner: 785 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 38 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2144
Vorwahl: 02533
Gemeindekennziffer: 3 16 01
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Florianigasse 150
2144 Altlichtenwarth
Website: www.altlichtenwarth.at
Politik
Bürgermeister: Gerhard Eder (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)
10
5
10 
Insgesamt 15 Sitze
Lage von Altlichtenwarth im Bezirk Mistelbach
AltlichtenwarthAsparn an der ZayaBernhardsthalBockfließDrasenhofenFalkensteinFallbachGaubitschGaweinstalGnadendorfGroßengersdorfGroßebersdorfGroßharrasGroßkrutHausbrunnHerrnbaumgartenHochleithenKreuttalKreuzstettenLaa an der ThayaLadendorfMistelbachNeudorf im WeinviertelNiederleisOttenthalPillichsdorfPoysdorfRabensburgSchrattenbergStaatzStronsdorfUlrichskirchen-SchleinbachUnterstinkenbrunnWildendürnbachWilfersdorf (Niederösterreich)Wolkersdorf im WeinviertelNiederösterreichLage der Gemeinde Altlichtenwarth im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Blick auf Altlichtenwarth
Blick auf Altlichtenwarth
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Altlichtenwarth ist eine Gemeinde mit 785 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich.

GeografieBearbeiten

Altlichtenwarth liegt im Weinviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst 20,45 Quadratkilometer. 0,99 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden außer Altlichtenwarth.

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname von Altlichtenwarth erklärt sich folgendermaßen: Lichtenwarth, (amtl. Altlichtenwarth); erste urkundliche Erwähnung 1232 als Liehtenwart[1], 1357 als Alten Liechtenwart[2], etymologisch wörtlich „bei der lichten Warte“, womit wohl ein „Aussichtspunkt in einer Lichtung“ gemeint ist, mittelhochdeutsch „warte“ für einen Platz, von dem aus gespäht wird.[3]

MittelalterBearbeiten

Die erste Kirche wurde im 12. Jahrhundert auf einem Lösshügel am Nordrand des Ortes, unweit einer Burg der Herren von Liechtenstein erbaut. Altlichtenwarth und seine Umgebung waren Urbesitz der Liechtensteiner seit dem 12. Jahrhundert, auf dieses Geschlecht dürfte auch die damalige Gründung der Pfarre zurückgehen. Am 7. Juni 1232 wurde in Wien das Dokument ausgestellt, in dem Altlichtenwarth zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.[4] Inhaltlich ging es um eine Rechtssache, die der Babenbergerherzog Friedrich der Streitbare unterfertigte. Unter den genannten Zeugen findet sich der Pfarrer des Ortes Marchwardus de Liehtenwart. In seine Amtszeit fiel der große Umbau der Kirche in den Jahren 1230/40. Die Anfänge der Pfarre gehen jedoch viel weiter zurück. Aus einem Siegel aus 1258 geht hervor, dass sich Heinrich I. von Liechtenstein auch nach Lichtenwarth genannt hat[5]. 1391 tauschten die Liechtensteiner die Pfarre Altlichtenwarth gegen die Kirche Maria am Gestade in Wien, 1409 wurde dieser Tausch wieder rückgängig gemacht. Altlichtenwarth blieb bis 1978 Patronatspfarre der Fürsten von Liechtenstein.

NeuzeitBearbeiten

Im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung und des Türkenkrieges fielen osmanische Soldaten auch in Altlichtenwarth ein. Während des Dreißigjährigen Krieges verstarben 1645 46 Menschen an der Pest. Im gleichen Jahr und im Jahr darauf kamen 309 Einwohner Altlichtenwarths im Zuge der Kämpfe gegen schwedische Truppen unter Lennart Torstensson und dessen verbündete ungarische Truppen unter Georg I. Rákóczi ums Leben. Auf dessen Truppen bezieht sich vermutlich auch die Sage vom Blutbad am Kirchweihtag, die sich in Altlichtenwarth erhalten hat. Es wird berichtet, dass die Leute aus ihren Verstecken kamen und das Kirchweihfest feierten, nachdem die Soldaten mordend und sengend das Dorf verlassen hatten. Doch der abziehende Feind hörte das Glockengeläute, kehrte zurück und richtete in der Kirche ein solches Gemetzel an, „daß das Blut in Bächen über die Kirchenschwelle rann“.

Im Jahre 1679 forderte eine Pestepidemie in Altlichtenwarth erneut 134 Tote. Noch heute wird an einem bestimmten Tag eine Prozession zur Pestkapelle abgehalten. Im Zuge der Kuruzenaufstände unter Franz II. Rákóczi kamen 1706 77 Einwohner Altlichtenwarths ums Leben, so findet sich im Sterbebuch ein Verzeichnis aller derjenigen, welche in Erdställen verblichen sind. Die Cholera forderte 1849 103 Tote innerhalb eines Monats, sodass bei knapp 1.000 Einwohnern mehr als 10 % der Bevölkerung verstarben.

Im Ersten Weltkrieg fielen 57 Altlichtenwarther als Soldaten an der Front.

Zweiter WeltkriegBearbeiten

Während des Zweiten Weltkriegs hatte Altlichtenwarth 74 Gefallene zu beklagen. Gegen Ende des Krieges war das Dorf auch selbst Kriegsschauplatz. Darüber befindet sich im Archiv des Heeresgeschichtlichen Museums ein ausführlicher Bericht. Demnach wurde Altlichtenwarth am 18. April 1945 zunächst kampflos der Roten Armee überlassen, welche den Ort besetzte. Noch am Abend des 18. April wurden viele Frauen und Mädchen durch Rotarmisten vergewaltigt. Die deutschen Truppen verschanzten sich auf dem Hutsaulberg und dem Silberberg und bereiteten sich mit drei Panzern auf einen Gegenstoß vor. Dieser erfolgte in der Nacht auf den 19. April, wobei es Soldaten der Waffen-SS mit Unterstützung leichter Artillerie gelang, die sowjetischen Truppen aus dem Ort hinauszudrängen. Dabei kam es auch zu Nahkämpfen, die auf beiden Seiten viele Opfer forderten (59 deutsche und 27 sowjetische Soldaten wurden in Altlichtenwarth begraben). Während die deutschen Soldaten das Dorf bis zum Morgen des 20. Aprils besetzt hielten, gelang den meisten Bewohnern die Flucht in Richtung Waldviertel und Oberösterreich, lediglich 50 sehr alte Menschen blieben zurück. Am Morgen des 20. April 1945 mussten die deutschen Truppen schließlich der sowjetischen Übermacht weichen. Altlichtenwarth wurde in den darauf folgenden Tagen und Wochen vollständig geplündert, zumal die Bewohner erst Wochen oder Monate nach ihrer Flucht zurückkehrten. Im Zuge der Kampfhandlungen wurden 50 Gebäude vollständig zerstört, weitere 40 durch Beschuss schwer beschädigt, sodass kein einziges Haus ohne Schaden blieb. In der Zeit von Mai bis Oktober 1945 mussten täglich durchschnittlich 50 Bewohner, vielfach Frauen und Mädchen zur Zwangsarbeit in den Grenzort Rabensburg, wo sie Pferde zu betreuen und Hausarbeit zu leisten hatten. Auch zu diesem Zeitpunkt wurden die Frauen und Mädchen missbraucht und zogen sich dabei schwere Erkrankungen zu. Bis Ende des Jahres 1945 hielten Soldaten der Roten Armee Altlichtenwarth besetzt.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Seit dem Jahr 1991 ist die Wanderungsbilanz positiv.[7]

 
Kirche in Altlichtenwarth
 

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Im Jahr 2010 gab es 42 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, davon waren 23 Haupterwerbsbetriebe, die über drei Viertel der Flächen bewirtschafteten. Im Jahr 1999 waren es 76 Betriebe, davon 30 im Haupterwerb.[8] Im Produktionssektor gab es fünf Betriebe, die vierzehn Arbeitnehmer beschäftigten, überwiegend im Baugewerbe. Der Dienstleistungssektor beschäftigte in 21 Betrieben 44 Personen, fast die Hälfte davon in sozialen und öffentlichen Diensten (Stand 2011).[9][10]

BildungBearbeiten

In der Gemeinde gibt es einen Kindergarten und eine Volksschule.[11]

VerkehrBearbeiten

PolitikBearbeiten

Bürgermeister der Gemeinde ist Gerhard Eder, Amtsleiter Karl Tonner.

Im Gemeinderat gibt es bei insgesamt 15 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 10, SPÖ 5, andere keine Sitze.[12]

WeblinksBearbeiten

 Commons: Altlichtenwarth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BUB II, 138
  2. Urkundenbuch des Landes ob der Enns (OÖUB), Band VII, S. 530
  3. Schuster, Elisabeth: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, Wien 1990, S. 42
  4. Die Urkunde auf lehre.hki.uni-koeln.de, abgerufen am 24. März 2013
  5. Beschreibung Aussichtswarte am Hutsaulberg
  6. Heeresgeschichtliches Museum/Militärhistorisches Institut (HGM/MHI), Militärgeschichtliche Forschungsabteilung (MilFoA), Studiensammlung, Bestand 1945, Schachtel 5, Fasz. 45/9, Gemeindeberichte Niederösterreich, Bezirk Mistelbach
  7. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Altlichtenwarth, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  8. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Altlichtenwarth, Land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  9. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Altlichtenwarth, Arbeitsstätten. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  10. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Altlichtenwarth, Beschäftigte. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  11. Gemeinde Altlichtenwarth, Schule und Bildung. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  12. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Altlichtenwarth. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 20. Februar 2019.