Yukonit

Arsenat Mineral

Yukonit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca2Fe3+3(AsO4)3(OH)4·4H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calcium-Eisen-Arsenat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Yukonit
Yukonite-296899.jpg
Yukonit (rötlichbraune, harzähnliche Masse) aus der Venus Mine am Windy Arm (Tagish Lake), Yukon, Kanada (Größe: 2,1 cm × 1,7 cm × 1 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Ca2Fe3+3(AsO4)3(OH)4·4H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.DM.25 (8. Auflage: VII/D.48)
42.08.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem keines, da amorph
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,65[2]
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität muschelig; extrem spröde
Farbe dunkelbraun, bräunlichschwarz, violett bis dunkelblutrot
Strichfarbe bräunlichgelb
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Harzglanz

Yukonit ist eines der wenigen Minerale, das ähnlich wie Glas zu den amorphen Feststoffen gehört, das heißt die Atome in der Verbindung bilden keine geordneten Strukturen. Entsprechend findet er sich ausschließlich in Form unregelmäßiger, derber oder gelähnlicher Mineral-Aggregate bzw. Konkretionen von dunkelbrauner, bräunlichschwarzer oder violetter bis dunkelblutroter Farbe bei bräunlichgelber Strichfarbe.


Etymologie und GeschichteBearbeiten

Erstmals entdeckt wurde Yukonit in der Daulton Mine am Windy Arm nahe dem Tagish Lake im kanadischen Territorium Yukon und beschrieben 1913 durch Joseph Burr Tyrrell, Ronald P. D. Graham. Sie benannten das Mineral nach dem Yukon-Territorium, in dem dessen Typlokalität liegt.

Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum in London im Vereinigten Königreich (Katalog-Nr. 1916,454), im Geological Survey of Canada in Ottawa (Katalog-Nr. 18594) und im Royal Ontario Museum in Toronto, Kanada (Katalog-Nr. M11468) sowie im National Museum of Natural History in Washington, D.C. in den USA (Katalog-Nr. R5783) aufbewahrt.[2]

KlassifikationBearbeiten

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Yukonit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Ferrisymplesit, Gutsevichit und Santabarbarait die unbenannte Gruppe VII/D.48 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Yukonit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 > 2 : 1“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.DM.25 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Yukonit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 42.08.06 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)7(XO4)4Zq × x(H2O)“ zu finden.

Modifikationen und VarietätenBearbeiten

Bisher ist eine Varietät von Yukonit bekannt, bei der ein Teil des Eisens durch Chrom ersetzt (substituiert) ist. Sie wird entsprechend als „Chrom-Yukonit“ bezeichnet und konnte bisher nur im „Gang Nr. 7“ bei Bou Azzer (Bou Azer) nahe der Stadt Tazenakht in der marokkanischen Provinz Ouarzazate entdeckt werden.[3]

Bildung und FundorteBearbeiten

Yukonit bildet sich sekundär durch Verwitterung aus Arsenopyrit. An seiner Typlokalität Daulton Mine bzw. in der Umgebung des nahe gelegenen Tagish Lake trat er neben Arsenopyrit unter anderem noch in Paragenese mit Argentit, Chalkopyrit, silberhaltigem Galenit, Pyrargyrit, Quarz und Symplesit auf. Weitere Begleitminerale sind Parasymplesit, Köttigit, Ogdensburgit, Pharmakosiderit, Legrandit, Willemit, Franklinit, Sphalerit (Sterling Hill, New Jersey, USA) sowie Arseniosiderit, Arsenolith und bariumhaltiger Pharmakosiderit (Trout Creek, Colorado, USA).[2]

Als seltene Mineralbildung konnte Yukonit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 20 Fundorte bekannt sind.[4] Im Yukon-Territorium von Kanada konnte das Mineral außer in der Daulton Mine bisher nur noch in der nahe gelegenen Venus Mine entdeckt werden.

In Deutschland konnte Yukonit unter anderem in der Schnellinggrube bei Sulzburg, der Grube Ludwig im Adlersbachtal nahe der Stadt Hausach, bei Wittichen (Schenkenzell) sowie in den Gruben Wenzel und Clara in Baden-Württemberg, im Steinbruch Fuchs an der Hartkoppe bei Sailauf im bayerischen Landkreis Aschaffenburg, am Graulay (Graulai, Graulei, Grauley) bei Hillesheim (Eifel) und in der Uran-Lagerstätte Schweisweiler-Winnweiler (Pfalz) in Rheinland-Pfalz, im Schacht 366 der Bergbauregion Schlema-Alberoda-Hartenstein in Sachsen sowie in der inzwischen stillgelegten Grubenanlage Aufgeklärtes Glück bei Hasserode in Sachsen-Anhalt gefunden werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Stockerstollen am Silberberg bei Rattenberg im Tiroler Inntal und der einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist die Mine de Collioux inférieur bei Saint-Luc VS im Kanton Wallis.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind die San Santiago Mine (Solitaria Mine) im Departamento Vinchina (La Rioja) in Argentinien; die Grotta della Monaca bei Sant’Agata di Esaro in der italienischen Provinz Cosenza; bei Nedre Eiker (Buskerud), Kolsvika (Nordland) und Tuften (Tvedalen, Vestfold) in Norwegen; im Dolomit-Steinbruch bei Rędziny (Niederschlesien) in Polen; bei Alpartir (Aragón), Lorca und Pastrana (Murcia) in Spanien sowie die Crystal No. 8 Mine (Luella Mine) bei Buena Vista (Colorado) und die Sterling Mine am Sterling Hill Ogdensburg im Sussex County (New Jersey).[5]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • J. B. Tyrrell, R. P. D. Graham: Yukonite, a new hydrous arsenate of iron and calcium, from the Tagish Lake, Yukon Territory, Canada; with a note on the associated symplesite. In: Transactions of the Royal Society of Canada. Band 7 (1913), S. 13–18 (PDF 609,7 kB)
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 639.
  • Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 519.

WeblinksBearbeiten

Commons: Yukonite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b IMA/CNMNC List of Minerals; July 2014 (PDF 1,5 MB)
  2. a b c Yukonite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 67,4 kB)
  3. Mindat - Chromian Yukonite
  4. Mindat - Anzahl der Fundorte für Yukonit
  5. Fundortliste für Yukonit beim [ Mineralienatlas] und bei [ Mindat]