Wydminy

Siedlung in Polen

Wydminy [vɨdˈminɨ] (deutsch Widminnen) ist ein Dorf im Powiat Giżycki (Kreis Lötzen) in der Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen. Das Dorf ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde Wydminy.

Wydminy
Wappen von Wydminy
Wydminy (Polen)
Wydminy
Wydminy
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Giżycko
Geographische Lage: 53° 59′ N, 22° 2′ OKoordinaten: 53° 58′ 53″ N, 22° 1′ 51″ O
Einwohner: 2300 ([1])
Postleitzahl: 11-510
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NGI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 655: (Giżycko–) KąpOleckoSuwałkiRutka-Tartak
Schienenweg: Białystok–Ełk–Korsze
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 43 Ortschaften
28 Schulzenämter
Fläche: 233,46 km²
Einwohner: 6270
(30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 27 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2806102
Verwaltung
Bürgermeister: Radosław Król
Adresse: ul. Grunwaldzka 74
11-510 Wydminy
Webpräsenz: www.wydminy.pl



GeographieBearbeiten

 
Wydminy

Wydminy liegt 18 Kilometer südöstlich von Giżycko. Der Ort liegt am südlichen Ende des Widminner See (polnisch Jezioro Wydmińskie) in der Masurischen Seenplatte. Durch den Ort verläuft die Woiwodschaftsstraße DW 655, die bis nach Suwałki in der Woiwodschaft Podlachien führt.

Das Dorf Wydminy (Widminnen)Bearbeiten

GeschichteBearbeiten

Bis 1945Bearbeiten

Die erste schriftliche Erwähnung von Widminnen stammt aus dem Jahr 1480. Im sechzehnten Jahrhundert wurde im Dorf eine Kirche errichtet und 1558 wurde eine Pfarrei eingerichtet. 1656 wurden Teile des Dorfes durch kriegerische Einflüsse zerstört. Während der Pest in den Jahren 1709–1710 starben im in Widminnen 227 Menschen. 1868 wurde der an der Strecke Königsberg (Preußen)–Lyck gelegene Bahnhof errichtet. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Dorf zu 75 % zerstört. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Widminnen gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Widminnen stimmten 1.180 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme.[3] Nach der Volkszählung von 1939 lebten im Wydminy 2235 Einwohner.[4]

Amtsbezirk Widminnen (1874–1945)Bearbeiten

Widminnen wurde am 29. März 1874 Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[5] im Kreis Lötzen im Regierungsbezirk Gumbinnen (1905 bis 1945: Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen. Eingegliedert waren drei Dörfer:

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name
Schemionken (ab 1928:)
Bergwalde
Siemionki
Sucholasken (ab 1935:)
Rauschenwalde
Sucholaski
Widminnen Wydminy

1945 bis heuteBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wydminy am 11. Juni 1945 Sitz einer Gemeinde, die die Dörfer Sucholaski, Mazuchówka, Cybulki, Wężówka und Siemionki mit einschloss. Am 5. Juli desselben Jahres erhielt Wydminy das Stadtrecht, das allerdings am 27. September 1945 wieder entzogen wurde. 1970 hatte das Dorf 2075 Einwohner. Von 1975 bis 1998 gehörte das Dorf zur Woiwodschaft Suwałki, seither zur Woiwodschaft Ermland-Masuren.[4][6]

KircheBearbeiten

KirchengebäudeBearbeiten

 
Die einst evangelische, heute römisch-katholische Pfarrkirche in Wydminy (Widminnen)

Ein wohl Mitte des 16. Jahrhunderts errichtetes Kirchengebäude fiel 1572 einem großen Stadtbrand zum Opfer[7][8] In Einbeziehung der alten Umfassung wurde 1701 ein Neubau errichtet, woran eine Marmortafel im Eingangsbereich der Kirche erinnert. Eine umfangreiche Renovierung erfolgte 1867, bei der eine Hängedecke eingezogen wurde. Altar und Kanzel stammen aus dem Jahre 1719.

Bis 1945 war das Bauwerk ein evangelisches Gotteshaus und ist nun römisch-katholische Pfarrkirche, die den Namen Kościół Chrystusa Zbawiciela (deutsch Christus-Erlöser-Kirche) trägt.

KirchengemeindeBearbeiten

EvangelischBearbeiten

1558 wurde in Widminnen eine evangelische Kirchengemeinde mit einem weitflächigen Kirchspiel errichtet.[9] Bis 1945 gehörte sie zum Kirchenkreis Lötzen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten in den Nachkriegsjahren ein kirchengemeindliches Leben nicht mehr möglich. Heute besteht in Wydminy wieder eine kleine Gemeinde, die eine Kapelle in einem Privathaus ihr Eigen nennt. Sie ist eine Filialgemeinde der Pfarrkirche Giżycko in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Römisch-katholischBearbeiten

Vor 1945 lebten nur sehr wenige katholische Kirchenglieder in Widminnen. Sie gehörten zur Pfarrkirche St. Bruno in Lötzen[10] innerhalb des Dekanats Masuren II (Sitz in Johannisburg, polnisch Pisz) im Bistum Ermland. Heute ist Wydminy römisch-katholische Pfarrgemeinde mit der einst evangelischen Kirche als Gotteshaus, eingegliedert in das Dekanat św. Krzystofa Giżycko im Bistum Ełk (Lyck) der römisch-katholischen Kirche in Polen.

Griechisch-katholischBearbeiten

In Wydminy hat sich auch eine griechisch-katholische Gemeinde mit einem eigenen Gotteshaus gebildet.

Persönlichkeiten des OrtesBearbeiten

Aus Widminnen gebürtigBearbeiten

  • Reinhold Unterberger (* 7. Februar 1853), deutscher Gynäkologe († 1920)
  • Justus Pabst (* 6. März 1875), deutscher Heimatforscher und Fotograf († 1958)
  • Paul Koralus (* 16. Dezember 1892), deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer († 1991)
  • Hans-Werner Janz (* 24. Juni 1906), deutscher Neurologe und Psychiater († 2003)
  • Reinhold Heling (* 20. September 1927), deutscher Richter, Genealoge und Historiker († 2008)
  • Hannelore Heise (* 16. August 1941), deutsche Grafikerin, Schriftkünstlerin und Hochschullehrerin

Gemeinde WydminyBearbeiten

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde Wydminy hat eine Flächenausdehnung von 233,46 km². 61 % des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt, 20 % sind mit Wald bedeckt.[11] Auf dem Gebiet der Gemeinde befinden 21 kleinere und größere Seen.

GemeindegliederungBearbeiten

SołectwoBearbeiten

Zur Landgemeinde (gmina wiejska) Wydminy gehören 43 Dörfer (deutsche Namen, amtlich bis 1945) von denen 28 ein Schulzenamt (solectwo) bilden:[12][13][14]

Andere OrtschaftenBearbeiten

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden Wydminys sind ie Landgemeinden:

EinwohnerBearbeiten

Im Gemeindegebiet Wydminy waren am 30. Juni 2019 insgesamt 6270 Einwohner gemeldet. Die Altersstruktur spiegelt die Alterspyramide aus dem Jahre 2014 wider[15]:  

KircheBearbeiten

In dem Gemeindegebiet Wydminy gibt es heute sieben Gotteshäuser, die sich drei Konfessionen teilen: die Römisch-katholische Kirche unterhält drei Pfarrkirchen in Orłowo (Orlowen, 1938 bis 1945 Adlersdorf), Wydminy und Zelki (Neuhoff) mit zwei Filialkirchen in Gawliki Wielkie (Groß Gablick) und Talki (Talken)[16]. Die evangelische Kirche besitzt in Wydminy ein kleines Gottesdienstgebäude, das der Pfarrkirche in Giżycko zugeordnet ist. Außerdem besteht in Wydminy eine Zentrum der Griechisch-katholischen Kirche.

VerkehrBearbeiten

StraßenBearbeiten

Das Gebiet der Landgemeinde Wydminy wird von zwei Woiwodschaftsstraßen, der DW 655 und der DW 656 durchzogen, die eine Verbindung in die Nachbarkreise bis in die Woiwodschaft Podlachien bzw. bis in die Stadt Ełk (Lyck) herstellen. Die einzelnen Dörfer und Ortschaften sind durch ein dichtes, allerdings nicht immer gut ausgebautes Straßen- und Landwegenetz verbunden.

SchienenBearbeiten

Durch das Gemeindegebiet verläuft die Bahnstrecke Głomno–Białystok, die vor 1945 die Stadt Königsberg (Preußen) (russisch Kaliningrad) mit der Stadt Brest-Litowsk verbunden hat, heute jedoch nur noch auf polnischem Staatsgebiet betrieben wird. Die Gmina Wydminy ist mit den beiden Bahnstationen Siedliska (Schedlisken, 1938 bis 1945 Dankfelde) sowie Wydminy an die Strecke angeschlossen.

LuftBearbeiten

Der der Landgemeinde nächstgelegene internationale Flughafen ist der Flughafen Danzig. Er ist nur zeitaufwändig über Landes- und Woiwodschaftsstraßen zu erreichen.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Gmina Wydminy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. mapa.szukacz.pl (polnisch, abgerufen 9. April 2012)
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  3. Herbert Marzian; Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 81
  4. a b Wrota Warmia Mazury.pl (polnisch abgerufen am 29. April 2012) (Memento vom 23. November 2010 im Internet Archive)
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Widminnen
  6. Dz.U. 1975 nr 17 poz. 92 (polnisch) (PDF; 802 kB)
  7. Wydminy – Widminnen.
  8. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 122–123, Abb. 559–561
  9. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 493
  10. Widminnen
  11. regioset.pl (pl/en)
  12. BIP Gmina Wydminy
  13. Główny Urząd Statystyczny (polnisch abgerufen am 29. April 2012)
  14. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  15. Kobiety = Frauen, Mężyczyźni = Männer
  16. dazu noch zwei weitere Filialkirchen im Gemeindegebiet von Kruklanki (Kruglanken)