Volkswagen Sachsen

Automobilhersteller

Die Volkswagen Sachsen GmbH ist ein Automobilhersteller der Marke Volkswagen mit Sitz im westsächsischen Zwickau.[2] Zum Unternehmen gehören das Fahrzeugwerk Zwickau, die Gläserne Manufaktur Dresden und das Motorenwerk Chemnitz.[1] Der Automobilhersteller ist ein Tochterunternehmen der Volkswagen AG aus Wolfsburg, welcher die über einhundertjährigen Traditionen und Geschichte der sächsischen Automobilherstellung fortschreibt, die 1904 in Zwickau mit August Horch ihren Ursprung hat.[3]

Volkswagen Sachsen GmbH

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1990
Sitz Zwickau
Leitung Thomas Ulbrich (Sprecher)

Reinhard de Vries
Dirk Coers

Mitarbeiterzahl 10.300 (2019)[1]
Branche Automobilherstellung
Website www.volkswagen-sachsen.de

Helmut Kohl und Carl Hahn (links) bei der Grundsteinlegung des VW-Werkes Mosel 1990

GeschichteBearbeiten

Das Engagement von Volkswagen in Sachsen geht auf ein Joint Venture mit dem VEB Barkas-Werke zurück, wonach die Herstellung von Viertaktmotoren und Zubehörteilen wie z. B. Scheinwerfern unter VW-Lizenz für westdeutsche Produktionsstandorte vereinbart wurde.

Am 22. Dezember 1989 gründen das VEB IFA-Kombinat PKW und Volkswagen als gleichberechtigte Teilhaber die Projektgesellschaft Volkswagen IFA-PKW GmbH mit Sitz in Wolfsburg. Bereits im März 1990 wurden von ihr konkrete Pläne zum Aufbau einer modernen DDR-Automobilproduktion in Zwickau vorgelegt. Ausgehend von einer anfänglichen Montage von 50 VW Polo am Tag sollte bis Ende des Jahres 1992 die Tageskapazität zunächst auf 400 Fahrzeuge hochgefahren werden, um später ein geplantes Ziel von 1.200 Einheiten pro Tag zu erreichen.

Am 21. Mai 1990 lief in der Montagehalle des IFA-Kombinates PKW im damals noch selbstständigen Mosel bei Zwickau der erste in der DDR montierte VW Polo vom Montageband. Im Juli 1990 wurde die VW-GEDAS Consult mit Sitz in Zwickau gegründet. Diese Tochtergesellschaft von Volkswagen unterstützt die informationstechnischen Aufgaben der Volkswagen-Aktivitäten in der Region. Gleichzeitig wurde das AVZ-Automobil-Vertriebszentrum Chemnitz (heute Volkswagen Vertriebsbetreuung) gegründet. Am 26. September 1990 legten Bundeskanzler Helmut Kohl und der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Carl H. Hahn, in Mosel den Grundstein für eine neue Automobilfabrik.

Die Gründung von Volkswagen Sachsen datiert auf den 12. Dezember 1990. Noch im gleichen Monat erfolgte die Gründung des Volkswagen Bildungsinstitutes Zwickau. Diese Gesellschaft bildet Volkswagen Mitarbeiter aus und tritt auch als Anbieter von Qualifizierungslehrgängen auf dem freien Bildungsmarkt auf.

Im Februar 1991 läuft in Mosel parallel zum Polo die Fertigung des Golf an. Die Volkswagen-Sachsen-Immobilienverwaltung wird im September 1991 gegründet. Diese Gesellschaft stellt die für die Automobilherstellung benötigten Grundstücke und baulichen Anlagen zur Verfügung.

Im März 1994 wird im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und des Mitgliedes des Markenvorstandes Volkswagen, Folker Weißgerber, in der Fahrzeugfertigung ein neues Presswerk eröffnet. Im Oktober 1996 läuft die Serienfertigung des Passat in Mosel an. Die Anrainergemeinden der Fahrzeugfertigung Mosel sowie das Fabrikgelände werden am 1. Januar 1999 in die Stadt Zwickau eingemeindet.

Volkswagen Sachsen und Fahrzeugwerk Zwickau

Am 9. Januar 1998 wurde Carl H. Hahn zum Ehrenbürger der Stadt Zwickau und im November 2002 zum Honorarprofessor für „Industrielle Unternehmensstrategien“ an der Westsächsischen Hochschule Zwickau ernannt.[4] Im Rahmen des Neujahrsempfanges der Stadt Zwickau wurde am 11. Januar 1999 dem Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Ferdinand Piëch, die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Bereits am 9. Juli 1999 rollte aus der Fahrzeugfertigung der einmillionste Volkswagen aus Zwickau vom Band. Im Oktober 2000 begann im Motorenwerk Chemnitz die Fertigung einer neuen Motorengeneration. Konzernweit war es der erste Hersteller von Benzindirekteinspritzmotoren. Bereits im September 2001 lief dort der fünfmillionste Volkswagenmotor vom Band.

Am 11. Mai 2004 fand in Zwickau-Mosel die Festveranstaltung zum hundertsten Gründungsjubiläum der Horch-Werke statt. Die Festrede hielt Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Gegen Ende des Jahres 2007 liefen der dreimillionste Volkswagen und 2010 der zweimillionste Passat im Zwickauer VW-Fahrzeugwerk vom Band. Das Motorenwerk Chemnitz lieferte im März 2011 den zehnmillionsten Volkswagenmotor aus.[5][6]

Vom 27. bis 29. Oktober 2009 fanden in Zwickau die VW-Konzernbetriebsratssitzung und die Internationale Personalleiterkonferenz statt.

Die Gläserne Manufaktur Dresden wurde 2001 eröffnet. 2014 erfolgte die Verschmelzung der Automobilmanufaktur Dresden GmbH mit der Volkswagen Sachsen GmbH.

Seit dem 4. November 2019 wird der Volkswagen ID.3, das erste elektrische Fahrzeug der ID. Familie auf Basis des Modularen E-Antriebsbaukastens (MEB), in Zwickau produziert.

ProdukteBearbeiten

In Zwickau werden aktuell der Golf Variant, der Golf Alltrack Variant, der Golf R Variant und der Golf Variant GTD als Verbrennerfahrzeuge produziert. Die Fahrzeuge werden in Links‐ bzw. Rechtslenkerversion sowie mit Front‐ oder 4‐Motion‐Antrieb hergestellt. Im Sommer 2020 wird die Produktion von Verbrennerfahrzeugen auslaufen. Im Jahr 2019 wurden 170.324 Fahrzeuge produziert. Seit der Gründung des Standorts 1990 verließen mehr 6 Millionen Fahrzeuge die Werkhallen.

Das Fahrzeugwerk Zwickau verfügt weiterhin über Zentren zur Herstellung von Sonderfahrzeugen, Erdgasracks und Aluminium-Anbauteilen. In Zwickau werden die Karosserien für den Bentley Bentayga sowie den Lamborghini Urus hergestellt. Im Zwickauer Presswerk werden jährlich rund 15 Millionen Pressteile für den Konzernverbund produziert.[7]

Das Chemnitzer Motorenwerk ist Lieferant für die Fahrzeugwerke des Volkswagen-Konzerns. Das Produktionsportfolio umfasst moderne und sparsame aufgeladene Benzindirekteinspritzer (TSI‐Motoren) sowie Motoren‐Baugruppen wie Ausgleichswellen und integrierte Ventiltriebsmodule. Seit 1988 wurden am Standort Chemnitz mehr als 16 Millionen Volkswagen-Motoren produziert, davon rund 800.000 Motoren im Jahr 2018. Außerdem wurden 2018 ca. 860.000 Motorenkomponenten produziert.

Der Volkswagenstandort Dresden entwickelt sich zum Center of Future Mobility, einem innovativen Schaufenster für Elektromobilität und Digitalisierung der Marke Volkswagen. Seit Mai 2018 werden täglich 74 e‐Golf gefertigt, hergestellt werden die Elektro‐Golf in zwei Schichten. 2019 wurden 16.155 Einheiten produziert – der Jahresbestwert seit Bestehen der Manufaktur. Zudem erhalten dort Besucher spannende Ein‐ und Ausblicke in die Zukunft der Mobilität. Sie können auf einem 75‐minütigen Rundgang hautnah erleben, wie der Elektro‐Golf von Volkswagen gefertigt wird. Anfang 2021 wird die Fertigung umgestellt, dann wird der vollelektrische ID.3 neben Zwickau auch in Dresden gebaut.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b VW-Sachsen GmbH: Zahlen und Fakten
  2. Chronik der Volkswagen Sachsen GmbH (Memento vom 8. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; 105 kB).
  3. August-Horch-Museum Zwickau: siehe Museumserweiterung 2016
  4. Carl H. Hahn: Mandate an Hoch- und Management-Schulen
  5. Volkswagen Sachsen fertigt zweimillionsten Passat. Volkswagen Media Services. 12. November 2010. Abgerufen am 8. Juli 2011.
  6. Produktionsjubiläum: 10 Millionen Volkswagen Motoren aus Chemnitz. Volkswagen Media Services. 30. März 2011. Archiviert vom Original am 17. Dezember 2012. Abgerufen am 29. April 2011.
  7. Das Fahrzeugwerk in Zwickau. volkswagen-sachsen.de, abgerufen am 18. Oktober 2019