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Ulanen-Regiment „Graf Haeseler“ (2. Brandenburgisches) Nr. 11

Organisation

Verbandszugehörigkeit 1914Bearbeiten

GeschichteBearbeiten

Mit Allerhöchster-Kabinetts-Order (A.K.O.) vom 12. Mai 1860 wurde die Aufstellung eines 3. kombinierten Ulanen-Regiments befohlen. Dazu mussten die Ulanenregimenter Nr. 3 und 6 sowie die Kürassierregimenter Nr. 6 und 7 jeweils eine Eskadron abgeben. Das Stiftungsdatum des neuen Regiments wurde auf den 7. Mai 1860 festgelegt.[1] und der Verband auf die Städte Perleberg, Kyritz und Wusterhausen verteilt. Ab dem 4. Juli 1860 erhielt der Verband die Bezeichnung 2. Brandenburgisches Ulanen-Regiment Nr. 11. Nach dem Ende des Krieges gegen den Deutschen Bund verlegten die Ulanen in die neuen Garnisonen Altona, Wandsbek und Itzehoe, wo sie bis 1873 verblieben. Nach der Rückkehr aus Frankreich, wo der Verband anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges den Okkupationsstreitkräften zugeteilt gewesen war, bezogen die Ulanen erneut die ursprünglichen Garnisonen in Perleberg, Kyritz und Wusterhausen. Mit dem 1. April 1890 verlegte das Regiment in seine letzte Garnison nach Saarburg in Lothringen. Am 18. Mai 1903 wurde dem Regiment durch Wilhelm II. der neue Name Ulanen-Regiment „Graf Haeseler“ (2. Brandenburgisches) Nr. 11 verliehen[2], den es von da an als seine letzte Bezeichnung führte.

Deutsch-Dänischer KriegBearbeiten

Im Krieg gegen Dänemark 1864 wurde das Regiment ab Februar in Schleswig eingesetzt. Es nahm am Sturm auf Düppel teil und setzte auf die Insel Alsen über.

Deutscher KriegBearbeiten

Im Krieg gegen Österreich 1866 kämpfte das Regiment in Böhmen (am 26. Juni bei Liebenau) und nahm am 3. Juli 1866 an der Schlacht bei Königgrätz teil. Es zeichnete sich am 15. Juli bei Nikolsburg in der Attacke gegen eine kombinierte österreichische Kürassier-Brigade aus.

Deutsch-Französischer KriegBearbeiten

Im Deutsch-Französischen Krieg verblieb das Regiment zunächst in der Reserve und versah bis August 1870 den Küstenschutz an der Nordsee. Ab September 1870 rückte der Verband nach Frankreich ab, kämpfte vor Metz, bei Reims, vom 13. bis 18. September bei der Einschließung von Toul und lag vom 18. Oktober bis 8. November bei der Belagerungsarmee vor Paris. Im November 1870 erfolgte die Verlegung zur Südwest-Armee mit Kämpfen gegen die französische Loirearmee in der Schlacht von Le Mans (10. bis 12. Januar 1871) und Tours. Nach dem Waffenstillstand verblieben die Ulanen bis Juli 1873 bei den Besatzungstruppen in Frankreich.

Erster WeltkriegBearbeiten

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs rückte das Regiment am 3. August 1914 mit seinem Schwesterregiment, dem Schleswig-Holsteinischen Ulanen-Regiment Nr. 15, mit dem es nahezu während des ganzen Krieges im Verband der 42. Kavallerie-Brigade (7. Kavallerie-Division) bleiben sollte, an die Westfront aus. Zunächst versahen die Ulanen Grenzschutz in Lothringen, um dann im September auf Amiens und Compiègne vorzurücken. Nach der Marneschlacht und dem damit verbundenen Rückzug nahmen die Ulanen am sogenannten Wettlauf zum Meer teil und kämpften danach, zum Teil schon abgesessen, bis zum Dezember 1914 am rechten Flügel der deutschen Front in Belgien und Nordfrankreich. Im April 1915 verlegte der Verband in die Vogesen und kämpfte abgesessen am Hartmannsweilerkopf. Danach (genauer Zeitpunkt n.B.) versah das Regiment bis Mitte 1916 rückwärtige Dienste (Kurier- und Sicherungsaufgaben) in Belgien, bevor es am 15. Dezember 1916 an die Ostfront verlegt wurde. Hier kämpften die Ulanen teilweise im Stellungskampf vor Dünaburg, in Estland und Livland. Im Frühjahr 1918 erfolgte die Rückverlegung an die Westfront, wo die Pferde abgegeben und die Einheit ab Mai 1918 als Kavallerie-Schützen-Regiment infanteristisch eingesetzt wurde.

VerbleibBearbeiten

Nach dem Ende des Krieges rückte das Regiment im Dezember 1918 in Osterburg ein, wo es anschließend demobilisiert und aufgelöst wurde.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr die 3. Eskadron des 11. (Preußisches) Reiter-Regiments in Gera.

RegimentschefBearbeiten

Erster Regimentschef wurde am 9. August 1877 Erzherzog Rudolf von Österreich-Ungarn. Nach dessen Tod erhielt der spätere Generalfeldmarschall Gottlieb von Haeseler am 10. Mai 1899 diese hohe Stellung.

KommandeureBearbeiten

Dienstgrad Name Datum[3]
Major Hermann von Krosigk 12. Mai bis 30. Juni 1860 (mit der Führung beauftragt)
Major/Oberstleutnant Hermann von Krosigk 01. Juli 1860 bis 6. März 1863
Oberstleutnant Karl von Sixthin 07. März 1863 bis 2. April 1866
Oberstleutnant Friedrich Wilhelm zu Hohenlohe-Ingelfingen 03. April bis 29. Oktober 1866
Major/Oberstleutnant/Oberst August zu Solms-Wildenfels 30. Oktober 1866 bis 11. Juli 1873
Oberstleutnant/Oberst Gottlieb von Haeseler 12. Juli 1873 bis 10. Februar 1879
Oberstleutnant/Oberst Hermann von Liebermann 11. Februar 1879 bis 11. Juni 1886
Oberstleutnant Alexander von Jerin 12. Juni 1886 bis 16. Januar 1888
Oberstleutnant Jaroslaw von Rothkirch und Panthen 17. Januar 1888 bis 13. Mai 1890
Oberstleutnant/Oberst Berthold von Schaumberg 14. Mai 1890 bis 13. Mai 1894
Oberstleutnant/Oberst Alfred Arent 14. Mai 1894 bis 15. Juni 1896
Oberstleutnant Hugo Thies 16. Juni 1896 bis 17. August 1898
Oberstleutnant/Oberst Richard von Conrad 18. August 1898 bis 16. Mai 1902
Oberstleutnant Hans von Kemnitz 17. Mai 1902 bis 6. Januar 1904
Oberstleutnant/Oberst Fritz Thiergärtner-Drummond 07. Januar 1904 bis 13. April 1907
Oberstleutnant/Oberst Konrad Dietz von Bayer 14. April 1907 bis 19. April 1910
Major/Oberstleutnant Friedrich von Studnitz 20. April 1910 bis 17. April 1913
Major/Oberstleutnant Karl Epner 18. April 1913 bis 12. Januar 1918
Major Richard Brustellin 13. Januar bis 9. Juli 1918
Major Hans von Esebeck 10. Juli bis 2. September 1918
Major Wolfgang Schwartz 22. bis 29. September 1918
Major Siegfried von Lentzke 30. September bis 28. November 1918
Major Hans Ulrich von Stephany 29. November 1918 bis 19. Januar 1919
Oberst Karl Epner 20. Januar 1919 bis Auflösung

UniformBearbeiten

Die Ulanen trugen einen dunkelblauen, Ulanka genannten Waffenrock. Dieser war mit polnischen Aufschlägen versehen und wurde zur Parade mit einer aufknöpfbaren Paraderabatte ausgestattet. Zur Parade wurde ein weißer Rosshaarbusch an der Tschapka befestigt. Auf den Schulterstücken und Epauletten befand sich die Regimentsnummer.

Die sogenannte Abzeichenfarbe des Regiments war zitronengelb. Von dieser Farbe waren die Paraderabatte der Ulanka und der Tschapka, die Epaulettenfelder und Passanten. Ebenso die Ärmelaufschläge, die Paspelierung und der Kragen. Die Knöpfe und Beschläge waren Messingfarben. Von der linken Schulter zur rechten Hüfte lief ein weißes Bandelier mit schwarzer Kartusche. Die Reithose war anthrazitfarben.

Bereits mit A.K.O. vom 14. Februar 1907 befohlen und ab 1909/1910 schrittweise eingeführt, wurde anlässlich des Kaisermanövers 1913 die bunte Uniform erstmals durch die feldgraue Felddienstuniform (M 1910) ersetzt. Diese glich vollkommen der Friedensuniform. Das Lederzeug und die Stiefel waren naturbraun, die Tschapka wurde durch einen schilffarbig genannten Stoffüberzug bedeckt. Das Bandelier und die Kartusche wurden zu dieser Uniform nicht mehr angelegt.

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Kraus: Die deutsche Armee im Ersten Weltkrieg. Uniformierung und Ausrüstung. 1914 bis 1918. (= Kataloge des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt 2), Herausgegeben von Stefan Rest, Verlag Militaria, Wien 2004, ISBN 3-9501642-5-1.
  • Karl von Schöning: Geschichte des 2. Brandenburgischen Ulanen-Regiments Nr. 11 von seiner Stiftung bis zum 1. Januar 1885. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1885.
  • Hugo F. W. Schulz: Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914. Nach dem Gesetz vom 3. Juli 1913. Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1985, ISBN 3-7909-0236-5 (Lizenzausgabe. Weltbild Verlag, Augsburg 1992).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ruhmeshalle unserer Alten Armee. Herausgegeben auf Grund amtlichen Materials des Reichsarchivs, Militär-Verlag, Berlin 1927, S. 32
  2. Verordnungs-Blatt des Königlich Bayerischen Kriegsministeriums 1903. Gedruckt im K. Bayerischen Kriegsministerium, München 1903, S. 127.
  3. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 3: Die Stellenbesetzung der aktiven Regimenter, Bataillone und Abteilungen von der Stiftung bzw. Aufstellung bis zum 26. August 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, ISBN 3-7648-2413-1, S. 170f.