Hauptmenü öffnen

Berytus (ital.: Berito) ist ein Titularerzbistum der römisch-katholischen Kirche. Es geht zurück auf einen spätantiken Bischofssitz in der Stadt Beirut (damals Berytus genannt) in der römischen Provinz Syria Phoenice bzw. in der Spätantike Phoenice (Bistum Berytus). Mit der Eroberung Beiruts durch die Araber 635 ging dieser Bischofssitz unter. 1110 wurde Beirut durch die Kreuzfahrer erobert und das Bistum neu begründet. 1291 ging auch dieser Bischofssitz mit der Eroberung Beiruts durch die muslimischen Mamelucken wieder unter. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden jedoch weiter Bischöfe ernannt, die jedoch nur noch Titular-Bischöfe. Das Titularbistum Berytus wurde im 18. Jahrhundert zum Titularerzbistum erhoben.

GeschichteBearbeiten

Beirut wurde schon Ende des 3. Jahrhunderts Bischofssitz. In der spätantiken Kirchenorganisation war der Bischof ein Suffragan des Erzbischofs in Tyrus. Das Erzbistum Tyrus gehörte zum Patriarchat von Antiochia. Mit der Eroberung von Syrien und Palästina 635 durch die Araber ging der Bischofssitz in Beirut unter.

Liste der Bischöfe des spätantiken/frühmittelalterlichen Bistums BerytusBearbeiten

  • bis 317 Eusebius (Arianer),[1] wurde 318 Bischof von Nikomedia, 338/39 Bischof von Konstantinopel
  • nach 317 bis (325) Gregorius (Arianer)[1]
  • 343 bis Machedonius[2]
  • 381 (bis 378?) Timotheus[1]
  • 449 bis 451 Eustathius[1]
  • 458 Aristus[1]
  • 5. Jahrhundert Joannes[1]
  • 535 Thalassius[1]

Der lateinische BischofssitzBearbeiten

Am 13. Mai 1110 wurde Beirut nach dreimonatiger Belagerung von König Balduin I. von Jerusalem erobert. Er setzte Balduin von Boulogne als ersten lateinischen Bischof ein. Der neu begründete Bischofssitz Beirut wurde wiederum dem Erzbistum Tyrus unterstellt, das wiederum zum Patriarchat von Antiochien gehörte. Der neue Bischof erhielt aber zunächst keine päpstliche Bestätigung und blieb bis 1133 electus. Außerdem wurde der Erzbischofssitz Tyrus erst 1124 erobert. Erst 1133 wurde Balduin von Boulogne durch Patriarch Wilhelm von Jerusalem zum ersten Bischof geweiht.

Zuvor 1122 hatte der damalige Lateinische Patriarch von Jerusalem Warmund einen gewissen Odo als (Titular-)Erzbischof von Tyrus eingesetzt, der jedoch noch vor der Eroberung von Tyrus starb. Danach folgte eine Vakanz. Erst 1127 oder 1128 weihte Patriarch Warmund den Prior des Chorherrenstiftes vom Heiligen Grab Wilhelm zum neuen Erzbischof von Tyrus. Bis zu dieser Zeit wurde das Erzbistum Tyrus und seine Kirchen mehr schlecht als recht vom Patriarchen von Jerusalem und seinen Offiziellen direkt administriert wie Wilhelm von Tyrus in seiner Geschichte des Heiligen Landes schreibt.

Der Bischof von Beirut und der Erzbischof unterstanden formal dem Patriarchen von Antiochien, waren aber vom Patriarchen von Jerusalem eingesetzt worden. Der Patriarch von Antiochien erhob natürlich Anspruch auf den neuen Erzbischofssitz, jedoch erreichte Patriarch Wilhelm von Jerusalem einen Schiedsspruch von Papst Honorius II., dass die Kirchenprovinz Tyrus zum Patriarchat Jerusalem gehören solle. Innozenz II. löste sogar die Bischöfe von Gabula/Gibelet, Tripoli und Tortosa (die drei nördlichen Bistümer von Tyrus) von ihrem Gehorsamseid an den Patriarchen von Antiochien; sie sollten in Zukunft dem Erzbischof in Tyrus gehorchen. Allerdings setzte sich die Reorganisation des Erzbistums Tyrus nicht durch. Die drei nördlichen Bischofssitze verblieben letztendlich beim Patriarchat Antiochia. Im Süden kam aber mit der Eroberung von Baniyas, das antike Caesarea Philippi, im Jahr 1140 ein vierter Bischofssitz hinzu. Das Erzbistum Tyrus mit seinen vier Suffraganen war das wichtigste Erzbistum im Patriarchat Jerusalem.

Nach der Schlacht von Hattin 1187 eroberte Saladin Beirut. Die Stadt wurde aber 1197 von den Kreuzfahrern zurückerobert und blieb bis zur Eroberung Beiruts 1291 durch die Mamelucken unter Schudschai Bischofssitz. Danach musste der Bischof Beirut verlassen. Der Titel wurde weiter vergeben. Die folgenden Bischöfe von Berytus/Beirut, deren Bistum nun in partibus infidelium lagen, amtierten meist in Europa als Weihbischöfe.

BischöfeBearbeiten

  • 1110 bis 1141 Balduin von Boulogne 1112 bis 1123 = electus,[3] erst 1123 geweiht (1111 A.[4])
  • 1146 Johannes[4]
  • 1147 1148 Wilhelm[4]
  • 1156 bis 25. April 1175 Mainardus[4]
  • 2. Mai 1176 bis 13. September 1180 Raimundus[4]
  • 22. April 1182 bis 1189/91 Odo[4]
  • 1202, 1204[5] Markus, er weihte am 5. Dezember 1202 die Marktkirche in Vorau zu Ehren des Hlg. Ägidius[6]
  • 1224 Philippe d'Yvré[7]
  • 1245 Galerannus[4]
  • vor 1260 Stephanus, olim episcopo Beritensi abbate Bellimontis, fratre Stephano Bellimontis Cisterciensis ordinis[8]
  • 1267 Bernardus[4]
  • 1277 bis 1283 Bartholomäus[4][9]
  • bis 1291 ?
Titularbischöfe von Berytus[10][11]
Name Amt von bis
Robertus[12][4] vor 1310
Matthias Weihbischof in Mainz[13] 1325 1326
Petrus[14] 1345
Juan Weihbischof von Palencia (Spanien) 20. April 1453
Jean de Falconet
(† 1460)
OFM, Weihbischof von Arras 9. Juli 1456 1460 (†)
Gabriel Abbiati OCist, Weihbischof von Novara (Italien) 4. Juni 1460 ?
Étienne Chassagné Weihbischof in Lyon 1. September 1465 ?
Gaspard/Caspar (Bolender?)[15] 1465 bis 1471 Weihbischof von Brixen, 1470 bis 1481 Weihbischof in Konstanz 1465 1481
Libert von Broechem OFM, Weihbischof von Liège (Belgien) 10. Dezember 1470 ?
Pedro de Villalobos
(† 1487)
OESA, Weihbischof von Coria (Spanien) 12. Juli 1475 1487
Diego de Saldanha
(† 1497)
OM, Weihbischof von Santiago de Compostela 13. September 1493 1497
Alfonso de Castilla OFM, Weihbischof von Santiago de Compostela 14. Juli 1497 ?
Vincent Mazuelo OP, Weihbischof in Auch (Frankreich) 6. April 1498 ?
Gilles Van Der Heyden (Merica)
(† 5. Februar 1505)
OCarm, Weihbischof von Cambrai (Frankreich) 10. Mai 1499 1503
Pierre de Monimo OP, Weihbischof von Auch 11. Dezember 1500
García de Sahagún OM, Weihbischof von Cuenca (Spanien) 11. März 1501 ?
Jean Briselot
(† 11. September 1520)
OCarm. 1505 Weihbischof von Cambrai, 1507 Abt des Kloster Hautmont bei Meubeuge, 1517 Erzbischof von Oristano (Sardinien) 4. April 1505 23. Dezember 1517 (bis 1507?)
Juan Merton
(† 1534)
OESA, 1508 bis 1534 Weihbischof von Zaragoza (Spanien) 6. September 1508 (wohl 1518) ?
Pierre Faget OFM, 1527 Weihbischof von Auch 18. Februar 1527 ?
Ferdinando de Cremona OFM 10. Juli 1531 ?
Petrus Farfeni[16][17]
(† 28. November 1535)
OFM, Weihbischof von Tarent (Italien) 1516 bis 1535
François Gaeta 1537 Weihbischof von Genf (Schweiz) 20. Juni 1537 ?
Arnauld de Maytie
(† 20. Juni 1646)
1622 Bischof von Oloron 15. Januar 1618 Oktober 1622
Andrés Garcia de Zurita
(* 1574, † 2. August 1652)
1648 Koadjutor Bischof von Ayacucho o Huamanga (Peru), 1649 Bischof von Ayacucho o Huamanga, 1650 bis 1652 Bischof von Trujillo (Peru) 10. Februar 1648 1649
Pierre Lambert de la Motte
(* 16. Januar 1624, † 15. Juni 1679)
MEP, 1658 bis 1669 Apostolischer Vikar von Cochinchina (Vietnam) 29. Juli 1658 15. Juni 1679
Joseph Duchesne 24. November 1681 ?
Manuel Torquemada
(* 1638)
OdeM, 1690 Weihbischof in Córdoba (Spanien) 10. Juli 1690 (1694) (bis 1696?)
Giovanni Francesco de Nicolai
(† 27. Dezember 1737)
OFM 1696 bis 1737 Apostolischer Vikar von Houkouang (China), 1712 bis 1737 Titularerzbischof von Myra 20. Oktober 1696 20. April 1712
Jacques Pescherard (Religionsnamen: Timotheus de la Fléche)[18]
(* 1664, † 11. Juni 1744)
OFMCap, Koadjutorbischof von Bagdad (Osmanisches Reich) 29. Mai 1715 März 1744
Giovanni Francesco Odierna
(* 1643)
1684 Bischof von Bitetto (Italien), 1717 Bischof von Sulmona (Italien) 17. März 1727 ?

Titularerzbistum BerytusBearbeiten

Das Titularbistum Berytus wurde im 18. Jahrhundert zum Titularerzbistum erhoben. Mit dem Tod des letzten Titelträgers Antônio Augusto de Assis blieb das Titularerzbistum Beryt vakant.

Titularerzbischöfe von Berytus[10][11]
Name Amt von bis
Giuseppe Garampi
(* 29. Oktober 1725, † 4. Mai 1792)
1751 Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs, 1772 Apostolischer Nuntius in Polen-Litauen, 1776 Apostolischer Nuntius in der Habsburgermonarchie, 1776 Erzbischof (persönlicher Titel) von Corneto und Montefiascone, 1786 Kardinal-Priester von Santi Giovanni e Paolo 27. Januar 1772 20. Mai 1776
Joseph Vinci
(* 27. Juli 1736, † 30. September 1795)
1785 bis 1795 Apostolischer Nuntius in der Schweiz 11. April 1785 30. September 1795
Fabrizio Sceberras Testaferrata
(* 1. April 1757, † 3. August 1843)
1803 Apostolischer Nuntius in der Schweiz, 1815 Sekretär der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal-Priester von Santa Pudenziana, 1818 bis 1843Bischof von Senigallia (Italien) 20. September 1802 6. April 1818
Luigi Emmanuele Nicolo Lambruschini
(* 16. Mai 1776, † 12. Mai 1854)
B, 1819 Erzbischof von Genua, 1826 bis 1831 Apostolischer Nuntius in Frankreich, 1830 resigniert das Erzbistum Genua, 1832 Kardinal-Priester von San Callisto, 1842 Kardinal-Bischof von Sabina, 1847 Kardinal-Bischof von Porto-Santa Rufina 5. Juli 1830 24. Februar 1832
Gabriel della Genga Sermattei
(* 4. Dezember 1801, † 10. Februar 1861)
1834 Erzbischof von Ferrara, 1836 Kardinal-Priester von San Girolamo dei Croati, 1852 Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, 1856 Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung 29. Juli 1833 23. Juni 1834
Camillo Di Pietro
(* 10. Januar 1806, † 6. März 1884)
1856 Apostolischer Nuntius in Königreich beider Sizilien / Apostolischer Internuntius in Portugal / Apostolischer Nuntius in Portugal, 1859 Kardinal-Priester von San Giovanni a Porta Latina, 1863 Präfekt der Apostolischen Signatura, 1867 Kardinal-Bischof von Albano, 1877 Kardinal-Bischof von Porto-Santa Rufina, 1878 Camerarius der Apostolischen Kammer, 1878 Kardinal-Bischof von Ostia und Velletri 8. Juli 1839 15. April 1859
Manuel Teodoro del Valle Seoane
(* 9. November 1813, † 16. Oktober 1888)
1865 Bischof von Huánuco (Peru), 1872 Erzbischof von Lima (Peru) 15. November 1872 16. Oktober 1888 (†)
Hilarion-Joseph Montéty Pailhas C.M.
(* 29. Januar 1854, † 12. Juli 1921)
Apostolischer Delegat im Kaiserreich Persien 13. Februar 1891 12. Juli 1921 (†)
Antônio Augusto de Assis
(* 5. Dezember 1863, † 7. Februar 1961)
1907 Weihbischof von Pouso Alegre (Brasilien), 1907 Titularbischof von Sura, 1909 Bischof von Pouso Alegre, 1916 Bischof von Guaxupé (Brasilien), 1918 Weihbischof in Mariana (Brasilien), Titularbischof von Diocletianopolis in Palaestina, 31. Juli 1931 Bischof von Jaboticabal, Sao Paulo (Brasilien) 24. Februar 1922 31. Juli 1931

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Reinhold Röhricht. Syria sacra. Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins, 10: 1-48, 1887 JSTOR (PDF) (Im Folgenden abgekürzt Röhricht, Syria sacra mit entsprechender Seitenzahl)
  • Reinhold Röhricht: Regesta regni Hierosolymitani (1097 - 1291). Wagner, Innsbruck, 1893 (Im Folgenden abgekürzt Röhricht, RRH mit entsprechender Seitenzahl und Urkundennummer)
  • Reinhold Röhricht: Geschichte des Königreichs Jerusalem (1100-1291). Verlag der Wagnerschen Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck, 1898, S. 146, Fußnote
  • Reinhold Röhricht: Regesta regni Hierosolymitani (1097 - 1291). Addendum. Wagner, Innsbruck, 1904 (Im Folgenden abgekürzt Röhricht, RRH, Add. mit entsprechender Seitenzahl und Urkundennummer)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Pius Bonifacius Gams: Series episcoporum ecclesiae catholicae. Georg Joseph Manz, Regensburg, 1873 Online bei Google Books
  2. Hanns Christof Brennecke, Uta Heil, Annette Stockhausen, Angelika Wintjes: Athanasius Werke. 3. Band, 1. Teil Dokumente zur Geschichte des arianischen Streites. 3. Lieferung. Bis zur Ekthesis Makrostichos. Walter de Gruyter, Berlin & New York, 2007 ISBN 978-3-11-019104-2, S. 275-279: Liste der Unterschriften unter der theologischen Erklärung der "östlichen" Synode. Eingeschränkte Vorschau bei Google Books
  3. Röhricht, Regesta, S. 15 Urk.Nr.69.
  4. a b c d e f g h i j Röhricht, Syria sacra, S. 23
  5. Paul Kalkoff: Wolfger von Passau, 1191-1204: eine Untersuchung über den historischen Werth seiner Reiserrechnungen; nebst einem Beitrag zur Waltherchronologie. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Philosophischen Doctorwürde an der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg, 149 S., Hof-Buchdruckerei, Weimar, 1882.
  6. Ferdinand Hutz, Zur Geschichte der Vorauer Marktkirche im Mittelalter. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 91/92: 329-361, 2001, S. 320.
  7. Bertrand Comte de Broussillon: Cartulaire de l'évêché du Mans (936-1790). Archives Historiques du Maine, 1: XV+360 S., Mans 1900, S. 31.
  8. H.-François Delaborde: Chartes de Terre Sante provenant de l'Abbaye de N.-D. de Josaphat. Ernest Thorin, Paris, 1880, App, S. 124
  9. Röhricht, Regesta, S. 379 Urk.Nr.1451.
  10. a b www.gcatholic.org
  11. a b Eintrag zu Berytus auf catholic-hierarchy.org
  12. Röhricht, Syria sacra, S. 24
  13. Stephan Alexander Würdtwein, Johann Wolf: Dioecesis Moguntina in Archidiaconatus Distincta Et Commentationibus ... Online bei Google Books
  14. Giovanni Benedetto Mittarelli: Annales camaldulenses ordinis Sancti Benedicti. Venedig, 1760 Online bei Google Books, S. 389.
  15. Hermann Tüchle: Die Weihbischöfe (des Bistums Konstanz). In: Franz Xaver Bischof et al. (Bearb.): Helvetia Sacra, Abteilung I, Band 2, Erzbistümer und Bistümer II, 2. Teil, S.503-524, Helbing & Lichtenhahn Verlag, Basel 1993 ISBN 3-7190-1252-2, S. 513.
  16. François Rabut: Obituaire des Frères Mineurs Conventuels de Chambéri di l'ordre de S. François. Précédé d'un résumé historique et accompagné de notes et tables. Mémoires et Documents publiés par la Société Savoisienne d'Histoire et d'Archéologie, 6: 3-113, Chambéry, 1862 Online bei Google Books
  17. Henri Naef: Les origines de la réforme à Genève. Librairie Alex. Jullien, Genf, 1968 Online bei Google Books
  18. Mémoires du Pere Timothée de la Flèche Capucin, Evêque de Berite. Joseph-Charles Chastagnier, Avignon 1774 Online bei Google Books