Theresianische Militärakademie

Militärakademie in Wiener Neustadt

Die Theresianische Militärakademie (kurz TherMilAk, lateinisch Alma Mater Theresiana, englisch Theresan Military Academy) ist die einzige Ausbildungsstätte für Truppenoffiziere des österreichischen Bundesheeres. Sie befindet sich in der Burg in Wiener Neustadt (Niederösterreich).

Theresianische Militärakademie
Motto Treu bis in den Tod!
Gründung 14. Dezember 1751
Trägerschaft BMLV (staatlich)
Ort Wiener Neustadt, Österreich
Kommandant GenMjr Karl Pronhagl
Website www.milak.at
Luftaufnahme des Campus der Theresianischen Militärakademie
Burg von Wiener Neustadt
Theresianische Militärakademie vor 1870
Theresianische Militärakademie, Parkansicht, vor 1894

GeschichteBearbeiten

Die katastrophale Situation der österreichischen Armee während des österreichischen Erbfolgekrieges hatte Maria Theresia bald davon überzeugt, dass nur eine totale Reform des Militärwesens einen Wandel zu Österreichs Gunsten herbeiführen könne. Einen Wandel, der nicht zuletzt darin bestehen musste, dass das auf einer Art des adeligen Kriegsunternehmertums beruhende Inhabersystem weitgehend zurückgedrängt und das Heerwesen verstaatlicht wurde.

Zur Heranbildung der Offiziere sollte die Errichtung einer allgemeinen militärischen Lehranstalt dienen. Am 14. Dezember 1751 erging die entsprechende Bekanntmachung durch den Hofkriegsrat an die Landesgeneralkommanden. Darin wurde mitgeteilt, dass die Kaiserin mit „allerhöchster Entschließung geruht habe, die Errichtung einer Militärakademie in der landesfürstlichen Burg in der Wiener Neustadt anzuordnen“. Dieser Tag gilt als der Gründungstag der Theresianischen Militärakademie und wird daher alljährlich mit dem „Stiftungsfest“ feierlich gewürdigt. Die Theresianische Militärakademie ist somit die älteste aktive, durchgängig der Offiziersausbildung gewidmete Militärakademie der Welt.

Denkwürdig ist, dass das Gebäude seit 1752 – mit Ausnahme der Okkupations-, Kriegs- und Zerstörungsjahre in Folge des Dritten Reiches – durchgängig die Militärakademie beherbergte, wogegen die 1741 gegründete Royal Military Academy Woolwich 1939 geschlossen wurde. Die Royal Military Academy Sandhurst, gegründet 1947, setzt nur in ideeller Hinsicht die Tradition ihrer Vorgängerakademie fort. In Wiener Neustadt wurden dagegen seit 1752 fast durchgängig pro Jahr je 100 Adelige und 100 Bürgerliche aufgenommen. Auch die Offiziere der Österreich-Ungarischen Armee wurden bis 1918 hier ausgebildet.

Historisch nicht belegt, aber dennoch Ausbildungsleitlinie bis heute, ist der Auftrag, den Maria Theresia dem Feldzeugmeister Leopold Joseph Graf von und zu Daun, dem ersten Kommandanten, erteilte „Mach er tüchtige Offiziere und rechtschaffene Männer daraus!“.

Am 11. November 1752 wurde mit 191 Offiziersanwärtern der Ausbildungsbetrieb aufgenommen. Die Zöglinge bildeten das „adelige Cadeten-Corps“. Die Anstalt selbst erhielt die Bezeichnung „Adeliges Cadetenhaus“. Die Bezeichnung als „Academie“ erfolgte erst ab 1765, nachdem auf der Fassade des Uhrturms im Osttrakt der Burg eine Marmortafel mit einer Inschrift zur Erinnerung an die Gründung angebracht wurde, in der das Wort „Academiam“ vorkam.

Bereits 1771 erschien ein vom Lokaldirektor Feldmarschallleutnant Johann Georg Carl Freiherr von Hannig ausgearbeiteter geregelter Studienplan und 1775 das von Maria Theresia sanktionierte Akademie-Reglement. Die Ausbildungszeit betrug damals elf Jahre und wurde schrittweise auf drei Jahre verkürzt.

Der berühmte steirische Erzherzog Johann von Österreich war 44 Jahre (von 1805 bis 1849) Oberdirektor der Theresianischen Militärakademie.

In der ersten Republik wurde die Ausbildung bis 1934 in Enns durchgeführt und anschließend wieder in Wiener Neustadt. Eine Besonderheit in der Zeit zwischen dem Austrofaschismus und dem Anschluss ist die Weigerung des Generalmajors Rudolf Towarek (1933–1938 Kommandant der Militärakademie), die Burg der in Österreich einmarschierten deutschen Wehrmacht zu übergeben. Er ließ die Wache mit aufgepflanztem Bajonett aufmarschieren und verweigerte so der Wehrmacht mehrere Tage den Zutritt zur Burg. Diese Tat hatte bis auf seine Pensionierung keine negativen Auswirkungen auf Generalmajor Towarek, er erhielt sogar die Erlaubnis, nach seiner Pensionierung weiterhin die österreichische Uniform zu tragen.

Von Oberst Erwin Rommel, dem späteren Generalfeldmarschall, wurde unmittelbar nach dem Anschluss eine Kriegsschule für die Offiziersausbildung eingerichtet, die er anfangs auch selbst leitete. In dieser Zeit erfolgte auch eine Erweiterung der Infrastruktur. Südlich der Burg wurde ein Lehrgangsgebäude errichtet, die heutige Daun-Kaserne.[1] Weiter südlich wurden 13 Wohnhäuser für Offiziere und Unteroffiziere, sowie am Knollteich die Villa für den Schulkommandanten gebaut. Im nördlichen Teil des Akademieparks wurde ein Schwimmbad, der Vorläufer des heutigen Akademiebades, errichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Burg durch Fliegerbomben, Brände und Plünderungen fast vollkommen zerstört. Sie brannte im April 1945 innerhalb von fast 8 Tagen restlos aus. Die übrig gebliebene Ruine wurde beim Wiederaufbau in den Jahren 1946 bis 1959 in ihrer historischen Form wiederhergestellt, das Innere jedoch den zeitlichen Erfordernissen angepasst. So konnte die Militärakademie im Jahr 1958 von Enns, wo nach der Gründung des Bundesheeres im Jahr 1955 die Offiziersausbildung durchgeführt wurde, nach Wiener Neustadt zurückkehren.[2]

 
Hauptportal der Theresianischen Militärakademie

Im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum ist das Fahnenband der ersten Fahne der Militärakademie ausgestellt. Es wurde von Maria Theresia knapp vor ihrem Tod 1780 für die erste Fahne gestiftet, angeblich soll sie es persönlich bestickt haben. Unter dem Fahnenband befinden sich zwei Bilder (Gouachen) von Bernhard Albrecht (1758–1822). Albrecht war Zeichenlehrer der Militärakademie und schilderte auch die Zöglinge bei ihren militärischen und sportlichen Übungen.[3] So zeigen die Bilder Szenen wie „Übungsschießen mit Mörsern“ und „Balancierübungen der Kadetten auf dem hohen Balkensteg“. Die Blätter sind zwischen 1785 und 1793 entstanden.[4]

Der aktuelle Kommandant ist Generalmajor Karl Pronhagl.[5]

GliederungBearbeiten

Die Theresianische Militärakademie gliedert sich in:

  • Stabsabteilung
  • Institut für Offiziersausbildung
  • Institut für Offiziersweiterbildung
  • Entwicklungsabteilung
  • Schulbataillon

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben wird die Theresianische Militärakademie unmittelbar unterstützt durch:

  • Militärisches Service Zentrum 5
  • Betriebsstaffel Burg
  • Truppenärztliche Ambulanz Burg
  • Rektorat St.-Georgs-Kathedrale

Diese Dienststellen befinden sich zwar am Campus der Militärakademie, sind aber organisatorisch nicht Teil der Theresianischen Militärakademie.[6]

FunktionenBearbeiten

Die TherMilAk dient mehreren Funktionen: der Heranbildung zur Truppenoffiziersausbildung geeigneter Maturanten, der Truppenoffiziersausbildung, der Offiziersweiterbildung, der fächerübergreifenden Ausbildungskooperation sowie verschiedenen Repräsentationszwecken des Bundesheeres und der Stadt Wiener Neustadt.

SchulausbildungBearbeiten

Die auf dem Campus der Militärakademie gelegene Daunkaserne bildete die Heimat für das ehemalige Bundesrealgymnasium für Berufstätige sowie das Militärrealgymnasium und beheimatet seit 2019 die BHAK für Führung und Sicherheit.

Bundesrealgymnasium für BerufstätigeBearbeiten

Zwischen 1959 und 2012 gab es das Bundesrealgymnasium für Berufstätige (BRGfB)[7]. Chargen und Unteroffizieren sollte im Sinne des Zweiten Bildungswegs eine Weiterqualifizierung im Dienst und somit die Möglichkeit zum Aufstieg in eine Offizierslaufbahn ermöglicht werden. Vor allem durch Einführung der Zulassungsprüfung für Unteroffiziere wurde dieser Bildungsweg obsolet.

MilitärrealgymnasiumBearbeiten

Das Bundesoberstufenrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie, genannt „Militärrealgymnasium“ oder kurz MilRG, war eine von September 1965 bis 2017 existierende militärisch geführte Bildungseinrichtung mit angeschlossenem Internat. Es stand in gewisser Weise in der Tradition des österreichischen Militärschulwesens und dessen Kadettenanstalten. Organisatorisch waren die Schüler Teil des Schulbataillons.

BHAK für Führung und SicherheitBearbeiten

Am 2. September 2019 wurde die Bundeshandelsakademie für Führung und Sicherheit an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt[8] offiziell eröffnet.

TruppenoffiziersausbildungBearbeiten

Insgesamt wurden 3.576 Truppenoffiziere an der Theresianischen Militärakademie seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 1958 ausgebildet. Im Abschlussjahrgang 2003 schlossen die ersten vier Frauen die Ausbildung an der Militärakademie positiv ab. Deren einzige weibliche Vorgängerin war 1797 Francesca Scanagatta.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Truppenoffiziersausbildung durchgängig allein dem Offiziersnachwuchs vorbehalten. Seit 1997 gibt es neben dem Truppenoffizierslehrgang die akademischen Standards folgenden Fachhochschulstudiengänge, welche auch von Zivilisten besucht werden. Während der Ausbildung tragen die Offiziersanwärter den Dienstgrad Fähnrich, werden aber auch als „Militärakademiker“ oder „MAk“ bezeichnet. Nach bestandenem Abschluss erfolgt die Ausmusterung zur Truppe als Leutnant.

AufnahmebedingungenBearbeiten

Um für die Militärakademie in Wiener Neustadt zugelassen zu werden, ist neben der Hochschulreife auch das Bestehen des Auswahl und Aufnahmeverfahrens nötig. Dieses besteht aus der Teilnahme an der Kaderanwärterausbildung 2/Jäger/Berufsoffiziersanwärter sowie dem Aufnahmeverfahren in den Fachhochschul-Bachelorstudiengang Militärische Führung bzw. Fachhochschul-Bachelorstudiengang militärische informations- und kommunikationstechnologische Führung.

FH-Bachelorstudiengang Militärische FührungBearbeiten

Das dreijährige intensive Studienprogramm, welches mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts der Militärischen Führung (englisch BA Military Leadership) abschließt, dient zur Vermittlung der Fähigkeiten als Truppenoffizier im Allgemeinen. Dazu gehören unter anderem nationale und internationale Truppenpraktika, aber auch Auslandssemester in West Point, Saint-Cyr oder an der Offizierschule des Heeres in Dresden sind vorgesehen.

FH-Bachelorstudiengang militärische informations- und kommunikationstechnologische Führung (FH-BaStg Mil-IKTFü)Bearbeiten

Waren es einst Feldtelefon und einige wenige Funkgeräte, die der Kommunikation innerhalb von militärischen Einheiten dienten, so sind es heute digitale Funksysteme und komplexe Computernetzwerke. Diese erhöhen Führungs- und Einsatzfähigkeit, Effektivität und Effizienz, gleichzeitig steigern sich aber auch die Komplexität und die Risiken durch Angriffe auf diese IKT-Systeme. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, wurde die Ausbildung der Offiziere der Fachrichtung IKT neu gestaltet. Diese neue Ausbildungsschiene wird mit Herbst 2022 beginnen. An der Militärakademie wurde dazu der Fachhochschul-Bachelorstudiengang militärische informations- und kommunikationstechnologische Führung (FH-BaStg Mil-IKTFü) entwickelt. Diese Ausbildung soll die zukünftigen IKT-Offiziere zu Experten für den Einsatz von IKT-Systemen, der Elektronischen Kampfführung sowie zu Spezialisten für den Betrieb und die Überwachung von militärischen Einsatznetzwerken befähigen.[9]

TruppenoffizierslehrgangBearbeiten

Der Truppenoffizierslehrgang findet vor und zwischen den einzelnen Semestern des Fachhochschul-Bachelorstudienganges Militärische Führung statt. Er dient der Vermittlung der notwendigen Fähigkeiten als Zugskommandant, sowohl mit Grundkenntnissen der infanteristischen Einsatzführung als auch mit Fachwissen im Bereich der selbst gewählten Waffengattung. Dazu gehören u. a. eine anspruchsvolle sportliche Leistungsförderung, Fahrschulausbildung sowie Gebirgsausbildung.

Organisatorisch sind die Offiziersanwärter Teil des Akademikerbataillons, welches sich in die einzelnen Jahrgänge aufteilt. Von besonderer Bedeutung ist die Pflege des Zusammenhalts der Jahrgänge. Dabei benennen jene sich selbst nach denkwürdigen Schlachten und vorbildhaften Offizieren, vorzugsweise Trägern des Militär-Maria-Theresien-Ordens, welche in den Jahrgangsabzeichen dargestellt werden und so die zukünftigen Offiziere in ein Traditions-Kontinuum mit der österreichischen (k.u.k.-)Militärvergangenheit einordnen.

OffiziersweiterbildungBearbeiten

Die TherMilAk dient in einem abgetrennten Institut der Weiterbildung der Offiziere des Bundesheeres unterhalb der ausgebildeten Führungsebenen der Landesverteidigungsakademie. Auch Milizoffiziere und Zivilbedienstete des Bundesheeres werden hier weitergebildet.

Fächerübergreifende AusbildungskooperationBearbeiten

Jährlich ist die TherMilAk Austragungsort verschiedener fächerübergreifender Ausbildungsmaßnahmen in Kooperation mit Polizei, Katastrophenschutz, Rettung und der FH Wiener Neustadt.

RepräsentationBearbeiten

Die TherMilAk dient regelmäßig als Austragungsort internationaler Reitsportturniere. Die Veranstaltungen werden vom Heeresreitsportverein Theresianische Militärakademie organisiert. Ebenso finden an der TherMilAk nationale sowie internationale Meisterschaften im Militärischer Fünfkampf statt. Jährlich im Januar bildet der Ball in der Burg ein zentrales Ereignis der Stadt Wiener Neustadt, auch finden mehrmals im Jahr Konzerte und Kulturveranstaltungen in der Burg statt, etwa das Burghofkonzert zur jährlichen Ausmusterung. Im Rahmen des Tags der Offenen Tür können zahlreiche Interessierte der Umgebung, v. a. Schulklassen, aber auch Touristen die Militärakademie besuchen. Für besonders Interessierte werden von Bundesheer-Mitarbeitern Burgführungen angeboten.

TraditionBearbeiten

Zentrale Elemente der TherMilAk bilden der Schriftzug A.E.I.O.U., der Akademiering, der Schwur „Treu bis in den Tod!“, der Militär-Maria-Theresien-Orden, sowie die jährliche Ausmusterung.

A E I O UBearbeiten

Im Abzeichen der TherMilAk findet sich der Schriftzug A.E.I.O.U. – das Besitzzeichen Friedrich III. In dessen Zeit fiel die Ausgestaltung der Burg in die annähernd heutige Form. Der Schriftzug A.E.I.O.U. ist an mehreren Stellen der Burg zu sehen.

AkademieringBearbeiten

1957 erhielt die Theresianische Militärakademie ein Abzeichen. Der damalige Akademiekommandant, Oberst Josef Heck, wollte jedoch noch ein weiteres verbindendes Zeichen. Erstmals sollen im Jahre 1898, anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs I., Akademieringe zur Verleihung gelangt worden sein. Der Tradition aus der Zeit der k. u. k. Theresianischen Militärakademie folgend, beauftragte Oberst Heck daher seinen Adjutanten mit dem Entwurf zu einem Akademiering.

Als Stiftungstag des wiedereingeführten Akademieringes gilt der 18. Juni 1957, der 200-jährige Gedenktag der Gründung des Militär-Maria-Theresien-Ordens.

Erstmals wurde dieser Ring im Zuge der Ausmusterung im Jahr 1957 verliehen. Im Ring-Oval zeigt er das 1957 geschaffene Wappen der Militärakademie. Es gibt ihn in zwei Ausfertigungen: In Gold und in Silber. In Silber erhalten ihn alle Absolventen der Militärakademie am Tag ihrer Ausmusterung, In Gold wird er an den Jahrgangsersten sowie an den Akademiekommandanten, Lehroffiziere und Personen, die sich um die Militärakademie verdient gemacht haben, überreicht.

Die Verleihungskriterien sind in den Satzungen für den Akademiering geregelt. Diese wurden zuletzt im Jahr 2020 überarbeitet.

Militär-Maria-Theresien-OrdenBearbeiten

Von zentraler Bedeutung für die Philosophie der Truppenoffiziersausbildung der TherMilAk ist der Militär-Maria-Theresien-Orden. Die ihm unterliegenden Verleihkriterien werden auch mit Initiative, Selbstständigkeit und in weiterer Folge Auftragstaktik verbunden. Sowohl im Siegelring, im Akademieabzeichen als auch in den Jahrgangsabzeichen der Absolventenjahrgänge ist das Kleinod des Ordenszeichens abgebildet. In zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen wird Bezug auf ihn genommen.

In Verbindung mit Grundgedanken der Inneren Führung wurde um 2014 unter Führung von Studiengangsleiter Brigadier Karl Pichlkastner das Theresianische Führungsmodell als Richtschnur der Truppenoffiziersausbildung auf Grundlage der Philosophie des Militär-Maria-Theresien-Ordens konzipiert.

Treu bis in den Tod!Bearbeiten

Anlässlich des Festaktes zur Verabschiedung des jeweiligen Ausmusterungsjahrganges von der Militärakademie leisten die neuen Leutnante gegenüber ihrer Ausbildungsstätte den Schwur „Treu bis in den Tod!“. Er ist traditionell auch auf den Jahrgangsabzeichen der Absolventenjahrgänge eingraviert und steht ergänzend zu dem am folgenden Tag der Leutnante auffrischend abgeleisteten Soldaten-Gelöbnis.

Die Zeitpunkt des erstmaligen Ableisten dieses Schwurs ist unklar. Der Schriftzug „Treu bis in den Tod“ findet sich auch auf dem 1880 eingeweihten „Denkmal der 1400“ im Park der Militärakademie.

AusmusterungBearbeiten

Als feierlich begangener Endpunkt der Truppenoffiziersausbildung bildet die jährliche Ausmusterung der Truppenoffiziere den Höhepunkt des Jahres an der TherMilAk.

In einer gemeinsamen akademischen und militärischen Feier erfolgen die Verleihung des akademischen Grades „Bachelor of Arts in Military Leadership“ und der Überreichung des Beförderungsdekretes zum Leutnant. Außerdem erhalten die Leutnante den Akademiering verliehen. In einem abendlichen Festakt werden die Leutnante von der Militärakademie verabschiedet. Dabei erfolgen die Übergabe der Akademiefahne vom Ausmusterungsjahrgang an den neuen Burgherrenjahrgang und die Aufführung des Großen Österreichischen Zapfenstreiches. Ein vom Ausmusterungsjahrgang bezahltes Feuerwerk bildet den Abschluss des eindrucksvollen Festaktes. Die jüngeren Jahrgänge zollen dabei dem Ausmusterungsjahrgang als Ehrenformation in Paradeadjustierung ihren Respekt.

Der Folgetag, ein Samstag, wird als „Tag der Leutnante“ bezeichnet. Mit einem großen Festakt auf dem Maria-Theresien-Platz vor der Burg inkl. einer Rede des Bundespräsidenten als höchstem militärischem Dienstherrn und der Vorstellung der angehenden Truppen- sowie ebenfalls angetretenen Milizoffiziere gegenüber dem Bundespräsidenten werden die neuen Leutnante in die Streitkräfte übernommen.

Zu Ehren der neuen Offiziere wurde bis zum Jahr 2018 auf der Grazerstraße eine Parade abgehalten, die jedoch aus Spargründen abgeschafft wurde.[10]

PersonellesBearbeiten

Bekannte Absolventen der MilitärakademieBearbeiten

 
Ehrentafel im Speisesaal der MilAk zu Ehren von Friedrich Hensel sowie Johann Hermann von Hermannsdorf anlässlich der Verteidigung des Forts Malborghet am Predilpass gegen napoleonische Truppen, 1809

Absolventen vor 1918 (Jahr der Ausmusterung)Bearbeiten

Absolventen nach 1918 (Jahr der Ausmusterung)Bearbeiten

Kommandanten der MilAk (Auswahl)Bearbeiten

Zweite RepublikBearbeiten

Dienstgrad, Name Dienstzeit Bemerkung
Major Erwin Starkl 1955–1956 35. Kdt
Oberst Josef Heck 1957–1959 Oberst dhmD; 36. Kdt
Generalmajor Erich Watzek 1959–1971 37. Kdt
Generalmajor Alois Nitsch 1972–1980 38. Kdt
Divisionär Johann Philipp 1980–1984 39. Kdt
Divisionär Adolf-Erwin Felber 1985–1999 40. Kdt
Divisionär Karl-Heinz Fitzal 1999–2003 41. Kdt
Generalmajor Norbert Sinn 2003–2013 42. Kdt
Brigadier Gerhard Herke 2013–2016 mit der Führung beauftragt
Generalmajor Karl Pronhagl 2016–.... 43. Kdt

Besondere mit dem Gebäude der Theresianischen Militärakademie verbundene PersonenBearbeiten

  • Der Maler Oskar Kokoschka erfuhr 1915 an der k. und k. Theresianischen Militärakademie seine Ausbildung zum Dragoner im Ersten Weltkrieg. Um Pferd und Uniform zu erwerben, verkaufte er „Die Windsbraut“, heute sein berühmtestes Werk, darstellend den Künstler mit Alma Mahler-Werfel.
  • Oberst Erwin Rommel, der spätere Generalfeldmarschall, war vor dem Zweiten Weltkrieg vom 10. November 1938 bis 22. August 1939 Kommandeur einer „Kriegsschule“ (Offiziersschule) in Wiener Neustadt. Sie war im Gebäude der nach der Okkupation Österreichs sogleich aufgelösten Theresianischen Militärakademie untergebracht. Er kehrte auch nach dem Afrikafeldzug kurzzeitig nach Wiener Neustadt zurück.
  • Der spätere Bundespräsident Rudolf Kirchschläger war gegen Kriegsende Lehroffizier. Als Kommandant führte er am 1. April 1945 eine gegen die sowjetischen Truppen ausgerückte Fahnenjunker-Einheit. Die Zeitschrift Profil berichtete in ihrer Ausgabe vom 21. April 2005, dass dabei innerhalb weniger Stunden 200 Kadetten getötet und mehrere hundert verwundet wurden, er selbst erlitt dabei eine schwere Beinverletzung.
  • Der Historiker Friedrich Hausmann wurde 1962 für die Einrichtung des hauseigenen Museums mit dem Akademiering in Gold ausgezeichnet.

SonstigesBearbeiten

Es gibt zwei Studentenverbindungen als Hausverbindungen an der TherMilAk: Die Österreichische katholische akademische Verbindung THERESIANA (Ö.k.a.V. THERESIANA) im ÖCV und die Akademische Tafelrunde WIKING (Akad. TR! WIKING). Absolventen der Theresianischen Militärakademie können auch dem Absolventenverein Alt-Neustadt beitreten.

Seit Beginn des Krieg in der Ukraine analysiert ObstdG Markus Reisner, PhD, der Leiter der Entwicklungsabteilung der Militärakademie, auf dem Youtube-Kanal des österreichischen Bundesheeres regelmäßig ukrainische und russische Militärtaktik.[11][12]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johann Christoph Allmayer-Beck: Militärakademie – Kriegsschule – Fahnenjunker-Schule. Wiener Neustadt 1938–1945. Böhlau, Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78459-3.
  • Alfred Hrubant: Offiziersausbildung. Die Ausmusterungsjahrgänge der 2. Republik. Festschrift. Hrsg. von der Theresianischen Militärakademie, Wien 2008.
  • Hubert Zeinar: Die Theresianische Militärakademie . Vom „Cadettenhaus“ zur Fachhochschule. In: Wolfgang Etschmann, Hubert Speckner (Hrsg.): Zum Schutz der Republik Österreich…. [Beiträge zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres] (= Schriften zur Geschichte des Österreichischen Bundesheeres. Sonderband). Gra & Wis, Wien 2005, ISBN 3-902455-03-9, S. 333–348.

WeblinksBearbeiten

Commons: Theresianische Militärakademie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Theresianische Militärakademie – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Geschichte der TherMilAk auf der Akademischen Tafelrunde WIKING zu Wiener Neustadt abgerufen am 1. Februar 2010.
  2. Virtuelle Burgführung am Studienportal der Theresianischen Militärakademie (Memento vom 3. Juni 2013 im Internet Archive)
  3. Liselotte Popelka: Heeresgeschichtliches Museum Wien. Graz, Köln, 1988 S. 32.
  4. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Saal II – Das 18. Jahrhundert bis 1790. Kiesel Verlag, Salzburg 1983, S. 86 f.
  5. Bundesheer: Brigadier Karl Pronhagl wird Kommandant der Militärakademie APA/OTS-Meldung vom 14. Juni 2016, abgerufen am 16. Juni 2016
  6. Theresianische Militärakademie - Organisation. Abgerufen am 16. Januar 2022.
  7. Ersatzlos aus dem Schulorganisationsgesetz gestrichen, BGBl. I Nr. 48/2014.
  8. orf.at: Sicherheitsschule soll doch im Herbst starten. Artikel vom 14. Juni 2019, abgerufen am 14. Juni 2019.
  9. Homepage der TherMilAk: IKT-Offizier. Abgerufen am 15. November 2021.
  10. Patrick Wammerl: Hunderttausende Euro für Militärparade sind zu viel. In: kurier.at. Telekurier Online Medien GmbH & Co. KG, 1. Juli 2019, abgerufen am 3. November 2021.
  11. https://www.youtube.com/c/%C3%96sterreichsBundesheer
  12. https://www.milak.at/ausbildung/forschung-entwicklung/ukrainekrieg

Koordinaten: 47° 48′ 34,7″ N, 16° 14′ 43,5″ O