Tatort: Oben und unten

Episode der Fernsehserie Tatort

Oben und unten ist ein Fernsehfilm aus der Fernseh-Kriminalreihe Tatort der ARD und des ORF. Es ist der zwanzigste Fall des Berliner Ermittlerduos Ritter und Stark. Der RBB produzierte den Film unter der Regie von Bodo Fürneisen und wurde am 19. April 2009 in Das Erste zum ersten Mal gesendet.

Episode der Reihe Tatort
OriginaltitelOben und unten
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Produktions-
unternehmen
RBB
Länge 88 Minuten
Einordnung Episode 730 (Liste)
Erstausstrahlung 19. April 2009 auf Das Erste
Stab
Regie Nils Willbrandt
Drehbuch Natja Brunckhorst
Produktion Regina Ziegler
Musik Stefan Will,
Marco Dreckkötter
Kamera Jens Harant
Schnitt Lars Jordan
Besetzung

Die Ermittler haben einen Mordfall zu klären, bei dem sie von ominösen Immobilien-Geschäften umgeben sind und am Ende einem privaten Racheakt gegenüberstehen.

HandlungBearbeiten

In der Berliner U-Bahn wird der Bauunternehmer Horst Baumann erschlagen aufgefunden. Offensichtlich ist die U-Bahn aber nicht der Tatort, sondern er wurde wie schlafend in einen der Waggons gesetzt und dort erst im Depot vom Putzpersonal entdeckt. Keinem der Passagiere ist er vorher aufgefallen, nicht einmal, als der Täter sein Opfer hier platziert haben muss. Die Ermittler Ritter und Stark macht das stutzig, denn sie können auch auf den Überwachungsaufnahmen der U-Bahn nichts Verdächtiges entdecken.

Weber durchleuchtet Baumanns Vergangenheit und findet heraus, dass er geschieden ist und durch eine spektakuläre Firmenpleite ins Licht der Öffentlichkeit gerückt war. Deshalb verbrachte er längere Zeit im Ausland und ist mit seiner zweiten Frau Alissa wieder nach Berlin zurückgekehrt. Sein verursachter Konkurs hat beinahe zwanzig Handwerksbetriebe mit in die Pleite getrieben. Einer davon war die kleine Elektrofirma von Frank Rothe, die sich davon nicht erholt hat. Die Ermittler suchen Frank Rothe auf, um ihn zu befragen. Er arbeitet heute als Aushilfselektriker bei den Berliner Verkehrsbetrieben und gibt an nicht gewusst zu haben, dass Baumann wieder in Berlin sei. Er meint, als Geschäftsmann hätte er eher merken müssen, dass mit Baumann etwas nicht stimmte und er hege keinen Groll gegen ihn. Dennoch sind die Kommissare nicht überzeugt, schließlich kennt er sich im U-Bahn-Gelände aus und wüsste sicher, wie man die Überwachungskameras umgehen könnte.

Bei der Befragung von Alissa Baumann gewinnen Ritter und Stark den Eindruck, dass die Ehe der beiden nicht so harmonisch war, wie es ihnen Alissa Baumann vorgibt. Über das Au-Pair-Mädchen der Baumanns erfährt Stark, dass es am Abend des Verschwindens von Baumann eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten gegeben hatte. Er sucht Alissa Baumann auf und sie gibt zu, in letzter Zeit nicht immer einer Meinung mit ihrem Mann gewesen zu sein, aber im Interesse ihres Sohnes hätten sie an der Lösung ihrer Probleme gearbeitet. Sie gibt Stark den Laptop ihres Mannes mit, da sie darum gebeten wurde. Im Laufwerk befindet sich eine CD, auf dem eine vermutlich obdachlose Frau zu sehen ist, wie sie Leergut sammelt. Diese CD hätte sich ihr Mann in letzter Zeit immer wieder angesehen. Stark kümmert sich zunächst weiter um Alissa Baumann und observiert sie. Sie trifft sich am Abend mit dem Kompagnon der Firma, Edgar Alsfeld. Mit ihm zusammen sind die Baumanns dabei, Immobilien kostensparend zu sanieren. Ihr aktuelles Projekt sind die "Schinkelhöfe", die aufgrund falscher Berechnungen abgerissen werden müssen. Stark wird Zeuge eines massiven Streites zwischen Baumann und Alsfeld, wobei er sie fast erwürgt und Stark dazwischengehen muss.

Bei der Durchsicht der Überwachungsaufnahmen findet Weber eine Aufnahme, die Baumann zeigt, wie er mit einem Koffer in das Labyrinth der U-Bahn verschwindet. So begibt sich Ritter dort auf die Suche nach Hinweisen in den Katakomben von Berlin. Dort trifft er auf einen Unbekannten, der vor ihm flieht. Und er entdeckt Blutspuren und eine Eisenstange. Offensichtlich ist hier der Tatort, ein altes T-Shirt führt Ritter zu einer Gruppe schwer erziehbarer Jugendlicher. Ihr Betreuer ist Daniel Roßhaupter, der gibt zu, mit ihnen gelegentlich illegale Touren in das unterirdische Labyrinth zu unternehmen. Doch nicht nur dieser kennt sich hier aus. In dem Labyrinth aus Gängen und Schächten trifft Ritter auf den seltsamen, verwirrt wirkenden Künstler und Einsiedler Gregor. In seiner "Werkstatt" findet Ritter den Metallkoffer, den Baumann bei sich hatte.

Noch während der Verdächtige auf dem Präsidium verhört wird, erreicht Stark ein Drohbrief, den offensichtlich Rothe an Baumann und Alsfeld geschickt hat. Darin droht er an, mit ihnen abzurechnen. Stark stellt Rothe zur Rede und er gibt zu, Baumann getötet zu haben – in seiner Fantasie, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Ihn, der jetzt einfach so wiederkommt und genauso weitermachen würde wie bisher. Rothe hat eine ganze Wand mit Zeitungsausschnitten und Fotos von Baumann und seinen Machenschaften zusammengestellt. Als Stark sich die Wand betrachtet, fällt ihm ein Foto mit einer Frau ins Auge. Die Recherche ergibt, dass dies Baumanns erste Frau ist. Schnell findet er den Zusammenhang zu der CD aus Baumanns Laptop, denn genau das ist die Person, die dort zu sehen ist. Sie hat zwar einen festen Wohnsitz, doch ist sie sozial so abgestiegen, dass sie jetzt vom Flaschensammeln lebt. Da sie einen Sohn erwähnt, lässt Stark das recherchieren und stößt so auf Daniel Roßhaupter. Dem gelingt zunächst die Flucht ins U-Bahn-Gelände und trifft dort seine Mutter, die allerdings nichts von ihm wissen will und weiter ihre Flaschen einsammelt. Daniel ruft ihr nach: "Er hat Dich nie geliebt. Ich wollte das Geld für dich. Er sollte sagen, dass es ihm leid tut. Ein einziges Mal, aber er hat nur gelacht. Ich habe ihn getötet." Da hält seine Mutter kurz inne, geht dann aber doch weg. Kurzentschlossen will sich Daniel vor eine U-Bahn werfen, doch können die Ermittler ihn davon abhalten.

Beim Verhör von Gregor Sasmussen hatte Ritter bereits erfahren, dass er den erschlagenen Baumann in seinem "Reich" tot aufgefunden hatte. Er hat ihn dann kurzerhand wieder in die U-Bahn geschafft und wie ein Kunstwerk hergerichtet. Den Koffer mit dem Geld hat er an sich genommen und die Scheine frei unter der Berliner Bevölkerung verteilt.

HintergrundBearbeiten

Oben und unten wurde von "Ziegler Film" im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg hergestellt. Die Dreharbeiten erfolgten in Berlin.[1]

Schwarz zu blau ist ein Titel von Peter Fox der zu den Bildern der pulsierenden Großstadt eingespielt wird.[2]

RezeptionBearbeiten

EinschaltquotenBearbeiten

7,79 Millionen Zuschauer sahen die Folge Oben und unten in Deutschland bei ihrer Erstausstrahlung am 19. April 2009, was einem Marktanteil von 23,0 Prozent entsprach.[1]

KritikBearbeiten

Tilmann P. Gangloff von tittelbach.tv meint etwas verhalten: „Faszinierender als der Krimi-Plot vom ‚Tatort – Oben und unten‘ sind die Ermittlungen in der Unterwelt: dem undurchschaubaren Tunnelsystem unter der Stadt. Gut besetzt, atmospärisch, aber spannungsarm.“[3]

Joachim Hirzel bei Focus online bewertet den Tatort wie folgt: „Es scheint Mode zu werden bei deutschen Krimis, die Zuschauer lange an der Nase herumzuführen. Sie möglichst bis zur letzten Minute auf falsche Fährten zu locken, ihnen falsche Verdächtige zu präsentieren. Das ist in Ordnung, solange es die Spannung steigert. Es ist aber nicht mehr in Ordnung, wenn es zu dem führt, was wir bei ‚Oben und unten‘ erleben mussten: Dass nicht mehr genügend Zeit bleibt, um den wahren Tathergang plausibel zu erklären und um den Figuren, die plötzlich eine so zentrale Rolle spielen […], die nötige Tiefe zu geben. Schade eigentlich.“[4]

Bei Stern.de urteilt Kathrin Buchner: „‚Oben und unten‘ […] spinnt ein feines Beziehungsnetz durch Berlin. Das Neonlicht der U-Bahn-Stationen, Zuggleise im Morgengrauen und in der Abenddämmerung, der Fernsehturm, sanierte Luxuswohnungen, Hochhäuser, die Schächte unter der Hauptstadt - Regisseur Nils Willbrandt findet starke Symbolbilder für gesellschaftliche Kluften und die Diskrepanz zwischen Privilegierten der Oberschicht und den vielen Menschen ohne Chance. Himmel und Hölle, reich und arm, oben und unten.“[5]

Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm finden, dieser Tatort ist ein: „Etwas kopflastiger, gewollt mythologischer Krimi, der von sozialer Kälte erzählen will, aber eher in kleinen Szenen überzeugt. [Fazit:] Schwerblütiger, düsterer Untergrundkrimi.“[6]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Drehorte und Einschaltquote bei tatort-fundus.de, abgerufen am 21. September 2014.
  2. Debatte um die hässliche Hauptstadt Tatort Berlin-Mitte bei taz.de, abgerufen am 21. September 2014.
  3. Tilmann P. Gangloff: Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen am 21. September 2014.
  4. Joachim Hirzel: Dunkle Tunnel, falsche Fährten bei focus.de, abgerufen am 21. September 2014.
  5. Kathrin Buchner: Der Tod in den Katakomben von Berlin auf stern.de, 21. September 2014.
  6. Kurzkritik bei tvspielfilm.de, abgerufen am 21. September 2014.