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Tasovice nad Dyjí

Gemeinde in Tschechien

Tasovice (deutsch Taßwitz) ist eine Gemeinde im Okres Znojmo in Tschechien. Der Ort liegt in Südmähren am linken Ufer der Thaya, nahe der Grenze zu Niederösterreich. Das Dorf wurde als Dreieckangerdorf angelegt.

Tasovice
Wappen von Tasovice
Tasovice nad Dyjí (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1591 ha
Geographische Lage: 48° 50′ N, 16° 9′ OKoordinaten: 48° 50′ 13″ N, 16° 8′ 52″ O
Höhe: 210 m n.m.
Einwohner: 1.366 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 25
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Sabáček (Stand: 2007)
Adresse: Tasovice 67
671 25 Hodonice
Gemeindenummer: 594920
Website: www.tasovice.cz

GeschichteBearbeiten

 
Geburtshaus von Klemens Maria Hofbauer

Die Anlage des Ortes und die bis 1945 gesprochene bairisch-österreichische Ui-Mundart mit ihren speziellen Kennwörtern weisen darauf hin, dass die Siedler aus dem österreichischen bzw. süddeutschen Raum stammten.[2][3] Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes war am 12. Juli 1234. Die Schreibweise des Ortes änderte sich im Laufe der Jahre mehrmals. So schrieb man 1238 „Tassowicz“, 1363 „Tosswicz“ und bereits ab 1672 „Taßwitz“. Von 1299 bis zum Ende des 18. Jh. war der Ort unter zwei Herrschaften geteilt. Der eine Teil der Ortschaft gehörte zur Herrschaft des St. Clara Klosters in Znaim und der andere Teil zum Kloster Bruck. Im Jahre 1578 ließen sich Täufer in der Ortschaft nieder. Diese wurden während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1622 aus Südmähren vertrieben und zogen meist nach Siebenbürgen weiter. Ab dem Jahre 1669 ist ein Schulmeister im Ort belegt. Am 26. Dezember 1751 wurde Klemens Maria Hofbauer in Taßwitz geboren. Aufgrund seines Wirkens wurde er im Jahre 1909 heiliggesprochen und war bis 1945 der Schutzpatron Südmährens.

Im Jahre 1801 wütete ein Brand und zerstörte fast die gesamte Ortschaft. Während des Fünften Koalitionskrieges besetzten 1809 die Franzosen den Ort. In der Revolution von 1848/49 wurde der Taßwitzer Vinzenz Schnattinger ein Hauptmann der Studentischen Legion in Wien. Erst nach der allgemeinen Amnestie, nach dem Ende der Revolution, kehrte er nach Taßwitz zurück. Im Deutsch-Österreichischen Krieg besetzten preußische Soldaten den Ort, ohne Schaden zu verursachen. Bereits im Jahre 1886 ist eine Freiwillige Feuerwehr in Taßwitz gegründet worden. 1888 kam es zu einem Hochwasser. Eine 120 m lange Thayabrücke wurde im Jahre 1900 fertiggestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Saint-Germain, 1919,[4] wurde der Ort, der ausschließlich von Deutschsüdmährern bewohnt war, Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Durch die Trennung zu den Wiener Absatzmärkten kam es in Taßwitz in der Zwischenkriegszeit zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Gemeinde organisierte daraufhin den Direktverkauf von Schweinefleisch und die Eröffnung von Buschenschänken. Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1928. Ein Jahr später verursachte ein Unwetter schwere Schäden im Ort. Nach dem Gemeinderatswahlen im Jahre 1936 werden die deutschen Mandate von der Aufsichtsbehörde nicht bestätigt. Erst ein Jahr später kann der Bürgermeister sein Amt antreten.[5] Nach dem Münchner Abkommen, 1938,[6] kam der Ort an das Deutsche Reich und wurde ein Teil des Reichsgaues Niederdonau. Von 1939 bis 1945 bildete Taßwitz zusammen mit dem Nachbarort Hödnitz die Gemeinde Kirschfeld. In den letzten Tagen des Krieges wurde die Thayabrücke von der Wehrmacht gesprengt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – der 102 Opfer gefordert hatte – wurden die im Münchener Abkommen an Deutschland übertragenen Territorien wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Viele der Deutschsüdmährer flohen vor den einsetzenden Exzessen durch militante Tschechen über die Grenze nach Österreich oder wurden hinüber getrieben. Dabei kam es zu sechs Ziviltoten.[7][8] Eine juristische Aufarbeitung der Geschehen hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/1946 (Straflosstellungsgesetz) erklärt Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, … für nicht widerrechtlich. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nahmen am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“.[9] Bis auf sechs Personen wurden die letzten 23 Deutschsüdmährer zwischen Juni und September 1946 aus ihrer Heimat zwangsausgesiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. Die in Österreich befindlichen Ortsbewohner wurden bis auf ungefähr 33 Prozent, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen der Potsdamer Erklärung, nach Deutschland weiter transferiert.[10]

Matriken werden seit 1677 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.[11]

Wappen und SiegelBearbeiten

Während des 17./18. Jh. führte Taßwitz gleich zwei Siegel. Für die Untertanen des St. Clara-Klosters Znaim gab es ein Rundsiegel, welches ein Pflugmesser und ein Winzermesser in einem gespaltenen Schild zeigt. Das Siegel der Untertanen des Klosters Bruck zeigte zusätzlich im unteren Bereich des Schildes die Initiale "W".

Nach 1848 wurde aus dem Winzermesser im Siegel eine Pistole. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Ab dem Jahre 1920 war das Siegel zweisprachig.[12]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 1215 1215 0 0
1890 1203 1198 5 0
1900 1281 1279 1 1
1910 1407 1406 0 1
1921 1498 1423 38 37
1930 1493 1465 16 12

[13]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt (1234) Hochaltarbild von Matthias Adolf Charlemont, Erhöhung des Kirchturms auf 56 m (1900)
  • Pfarrhof (1780)
  • Klemens-Kirche: (1933) an der Geburtsstätte des hl. Klemens erbaut, Altarrelief von Othmar Hillitzer
  • Kloster der St. Hedwigsschwestern 1913, die Redemptoristen kaufen die Anlage 1929 zurück, 1930 lassen sie einen Teil des Gebäudes abreißen für den Bau der Gedächtniskirche
  • Marterl an der Naschetitzer Straße, Gabelung zum Sandfeldweg
  • Kriegergedächtniskapelle (1925)

Söhne der GemeindeBearbeiten

BrauchtumBearbeiten

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Traditionsgemäß war der Kirtag immer zu Maria Himmelfahrt (15. August).
  • Zu Silvester wurden Volksstücke und Lustspiele aufgeführt.

Literatur und QuellenBearbeiten

  • Gregor Wolny: Die Wiedertäufer in Mähren, Wien 1850
  • Josef Beck: Die Geschichtsbücher der Wiedertäufer in Österreich-Ungarn, (1967)
  • Anton Moßbeck/Rudolf Schnattinger: Taßwitzer Heimatbuch (1975)
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Taßwitz, s. 35, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden , Taßwitz, s. 224f, Josef Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Hans Prock-Schauer: St. Klemenskirche Taßwitz (1999)
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  • Hans Prock-Schauer / Groz: Kostel sv. Klementa M. Hofbauera v Tasovicích (1999)
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 294 f. (Taßwitz).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25.000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989, Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z,2009
  6. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  7. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, Taßwitz S. 294, 406, 427, 573. ISBN 3-927498-27-0.
  8. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Znaim von A-Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2010, Totenbuch S. 378
  9. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  10. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 294 f. (Taßwitz).
  11. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz, dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  12. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band I, S. 331
  13. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984