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Stálky (deutsch Stallek, bis 1910 tschechisch Křtálek) ist eine Gemeinde im Okres Znojmo in Tschechien. Sie liegt in einem Seitental der Thaya nahe der Grenze zu Österreich und gehört zur Region Jihomoravský kraj.

Stálky
Wappen von ????
Stálky (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1215 ha
Geographische Lage: 48° 53′ N, 15° 42′ OKoordinaten: 48° 52′ 50″ N, 15° 41′ 42″ O
Höhe: 435 m n.m.
Einwohner: 121 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 06
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jiří Willmann (Stand: 2006)
Adresse: Stálky 1
671 06 Šafov
Gemeindenummer: 594792
Website: www.obecstalky.cz

Nächstgelegene Orte sind Šafov, Podhradí nad Dyjí, Drosendorf und Heinrichsreith. Der Ort selbst ist als ein Breitangerdorf angelegt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Anlage des Ortes und die bis zum Schicksalsjahr 1945 gesprochene Ui-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2][3] Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Stallek dicht an der Grenze zwischen Mähren und Niederösterreich stammt von 1312. Seit 1391 besaß der Ort eine Pfarrkirche.[4] Seit der 1493 von Vladislav II. erfolgten Bestätigung des Besitzes an die Herren Kraiger von Kraigk auf Freistein und Ungarschitz verblieb Stallek bis zur Aufhebung der Patrimonialherrschaften Teil der Herrschaft Freistein und später des Fideikommisses Ungarschitz. 1561 erfolgte die Befreiung von der Anfallspflicht. In dieser Zeit hielt auch die Reformation im Dorf Einzug.

Im 16. Jahrhundert erlosch die Pfarre und Stallek war nach Fratting gepfarrt. Nach der Schlacht am Weißen Berg erfolgte die Rekatholisierung. 1631 wurde mit dem Bau der Maria-Himmelfahrts-Kirche als Tochterkirche von Fratting begonnen, die 1657 in den Rang einer Pfarrkirche erhoben wurde. Die erste Schule des Ortes wird im Jahre 1672 erwähnt. Zwischen 1794 und 1840 war auch das niederösterreichische Dorf Heinrichsreith nach Stallek eingeschult. Das Schulgebäude brannte im Jahre 1846 ab, so dass man die Schule ein Jahr später wieder völlig neu aufbauen musste.

Zu Stallek gehörte der in Richtung Petrein gelegene Hof Größing (Křeslík), an dessen Stelle sich das 1561 letztmals nachweisbare Dorf Größing befunden hatte. Fast alle Bewohner des Ortes waren in der Landwirtschaft tätig. So gab es im Ort kaum Handwerker.[5]

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 14 Opfer unter den Stallekern forderte, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Einer der Nachfolgestaaten war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[6] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Stallek, deren Bewohner 1910 zu 94 % Deutschmährer waren, an den neuen Staat. In der Zwischenkriegszeit verstärkten die Arbeitslosigkeit, die Bodenreform 1919 und die Sprachenverordnung 1926 die Ansiedlung von Tschechen sowie die wachsenden Autonomiebestrebungen der Deutschen und führten zu Spannungen innerhalb des Landes, und im weiteren zum Münchner Abkommen, das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. 1938 kam der Ort an das Deutsche Reich und wurde ein Teil des Reichsgaues Niederdonau.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – der 30 Opfer forderte – waren die im Münchener Abkommen an Deutschland übertragenen Territorien, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain, wieder der Tschechoslowakei zugeordnet worden. Am 6. Juni 1945 wurden 25 österreichische Staatsbürger und am 26. Juni 1945 403 Deutschsüdmährer über die Grenze nach Österreich eskortiert beziehungsweise getrieben. Im August 1945 bestimmten die Hauptalliierten des Zweiten Weltkrieges in den Potsdamer Beschlüssen (Konferenz)[7] die Nachkriegsordnung. Versuche der Sowjetunion, diese Beschlüsse als endgültige Entscheidung für die laufende Vertreibung zu werten, waren die Vereinigten Staaten entgegengetreten.[8] Schlussendlich wurde die laufende Vertreibung in diesen Beschlüssen nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Toleriert durch dieses Abkommen wurden – bis auf acht Personen – die letzten zwei Deutschsüdmährer im Herbst 1946 offiziell aus ihrer Heimat zwangsausgesiedelt. Bereits am 25. Oktober 1945 war, aufgrund des Beneš-Dekretes 108, das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt worden.[9]

An die Vertreibung der Deutschsüdmährer erinnert ein 1985 in Heinrichsreith errichteter Gedenkstein.

Die in Österreich befindlichen Ortsbewohner wurden bis auf 163 Personen, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen des Potsdamer Kommuniqués, nach Deutschland weiter transferiert.[9][10]

Die Matriken wurden ab 1654 bei Fratting und ab 1822 im Ort geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.[11]

Am 9. Mai 2006 wurde ein touristischer Grenzübergang für Fußgänger, Radfahrer, Reiter mit Pferd und Schiläufer zwischen Heinrichsreith und Stálky eröffnet.[12]

Wappen und SiegelBearbeiten

Das älteste Siegel des Ortes stammt aus der Barockzeit. Es zeigt ein menschliches Herz, umgeben von Blüten und Zweigen. Ein weiteres Siegel zeigt ein flammendes Herz umgeben von drei Blüten und darunter zwei schräggekreuzte Lorbeerzweige.[13]

EinwohnerzahlenBearbeiten

Jahr Einwohnerzahl Deutsche Tschechen
1790 439 k. A. k. A.
1834 497 k. A. k. A.
1880 542 518 24
1900 476 446 30
1910 491 462 29
1921 493 418 67
1939 448 390 58
1961 226 - 226

PersönlichkeitenBearbeiten

Der Räuberhauptmann Johann Georg Grasel (1790–1818) trieb während der Napoleonischen Kriege hier sein Unwesen und verkehrte bei der Familie Eigner.

Sagen aus dem OrtBearbeiten

Bis zur Vertreibung der deutschen Einwohner 1945/46 hat sich im Laufe ihrer jahrhundertealten Geschichte eine reiche Sagenwelt angesammelt:

  • Neben einem Feldweg nördlich des Ortes steht auf einer „Irn“ (= eine kleine steinige Bodenerhebung) ein Marterl. Daneben befindet sich eine kleine Grube. Hier hat einst der heilige Nikolaus eine schwere Bütte abgestellt und dadurch eine kleine Grube in den Boden gedrückt.[14]
  • In Stallek lebte einst ein Bauer, der in kurzer Zeit zu großem Reichtum kam. Das machte die Menschen misstrauisch. Männer beobachteten, wie um Mitternacht wiederholt ein Drachen in den Rauchfang des besagten Bauernhauses fuhr. So entstand die Mär, dass die Bäuerin ein Verhältnis mit dem Teufel habe, der Nacht für Nacht einen Topf voll Silbergeld im Kamin zurücklässt.[15]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kirche von Stálky/Stallek
  • Die Kirche Mariä Himmelfahrt aus dem Jahre 1631 hat drei Altäre. Der Hauptaltar wurde 1715 und 1769 renoviert. Von 1882 stammt der der Jungfrau Maria von Lourdes geweihte Altar und von 1884 der St.-Josefs-Altar. Der Kirchturm erinnert an den Rathausturm in Boskovice. hl. Barbara von Josef Doré, 1903 nach Renovierung neu geweiht.
  • Kriegerdenkmal (1924), von den Tschechen 1945 gesprengt

Literatur und QuellenBearbeiten

  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Stallek, s. 35, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden , Stallek, s. 222f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 318 f. (Stallek).

FußnotenBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25.000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  4. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band VI, S. 62
  5. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z., 2009
  6. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  7. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  8. Vgl. z. B. die Ausführungen des amerikanischen Außenministers George C. Marshall auf der Moskauer Außenministerkonferenz 1947: Documents on American Foreign Relations. Vol. IX, January 1–December 31, 1947 [1949], S. 49.
  9. a b Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 318 f. (Stallek).
  10. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  11. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  12. Prokop, Bublan und Gabmann eröffnen neuen Grenzübergang. Niederösterreichische Landeskorrespondenz (NLK), 9. Mai 2006, abgerufen am 2. August 2009.
  13. Heimatkunde des polit. Bezirk Znaim Band 2, S. 50f
  14. Südmährisches Jahrbuch, 1984, S. 112.
  15. Südmährisches Jahrbuch, 1997, S. 146.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Stálky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien