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Božice (deutsch Possitz) ist eine Gemeinde in Südmähren, Tschechien.

Božice
Wappen von Božice
Božice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 2988 ha
Geographische Lage: 48° 50′ N, 16° 17′ OKoordinaten: 48° 50′ 20″ N, 16° 17′ 10″ O
Höhe: 195 m n.m.
Einwohner: 1.546 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 64
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Bahnanschluss: Hrušovany nad Jevišovkou–Znojmo
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Miroslav Klíč (Stand: 2009)
Adresse: Božice 380
671 64 Božice
Gemeindenummer: 593826
Website: www.bozice.cz
Schloss in Božice

GeographieBearbeiten

Nachbarorte sind Mlýnské Domky (Mühlhäuseln) im Norden, Borotice (Borotitz) im Westen, Hrádek u Znojma (Erdberg) im Süden und Pravice (Probitz) im Osten. Der Ort selbst ist als Straßenangerdorf angelegt.

GeschichteBearbeiten

Die Anlage von Possitz sowie die bairisch-österreichische Ui-Mundart mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, die bis 1945 gesprochen wurde, weisen auf eine Besiedlung durch bayrische Stämme hin, wie sie um 1050, aber vor allem im 12./13. Jahrhundert erfolgte.[2][3] Sie brachten Ackergeräte aus Eisen mit, setzten neue landwirtschaftliche Anbaumethoden sowie die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein.

Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise des Ortes mehrmals. So schrieb man 1225 Boscz, 1306 Bossycz und 1567 Positz bzw. Bositz.[4] Possitz wird bereits im Jahre 1225 erwähnt. Damals wurde festgesetzt, dass das Zehent des Ortes an die Kirche in Grillowitz geht. Ab dem 14. Jahrhundert gehörte der Ort zu den Besitzungen des Stifts Selau. Im Jahre 1466 tauschte das Kloster das Dorf Božice bei Benedikt und Ludwig von Weitmühl gegen das Gut Niklowitz ein. Seit dem 16. Jahrhundert war der Ort ein Teil der Herrschaft Joslowitz, auch wurde festgelegt, dass die Gerichtsbarkeit des Ortes über das Urbauer Freigericht lief.

Ab dem Jahre 1570 wird von einer Täufergemeinde im Ort berichtet. Nach der Schlacht am Weißen Berg und dem Einsetzen der Gegenreformation wurden die Täufer (Hutterer) im Jahre 1622 vertrieben und zogen großteils nach Siebenbürgen weiter.[5] Während des Dreißigjährigen Krieges litt der Ort unter Plünderungen und Kontributionen, so dass im Jahre 1641 von 55 Höfen 43 verödeten. Nach dem Krieg wurde der Ort durch neue Siedler und durch zurückgekehrte Bewohner langsam wieder aufgebaut. Im Ort gab es einen großen Freihof, dem erlaubt war, nur so viele Schafe zu besitzen, dass dem Gemeindevieh in Possitz die Nahrung nicht entzogen werde.[6] Im Jahre 1771 wurde die hölzerne Brücke über den Jaispitzbach durch Eisstoß zerstört. Daraufhin wurde die Brücke aus Ziegeln neu erbaut, doch auch diese wurde 1888 durch das Eis zerstört. Der nächste Bau war eine Eisenkonstruktion.

Ein schwerer Hagel zerstörte im Jahre 1855 die gesamte Ernte. 1860 vernichtete ein Großbrand fast den gesamten Ort und forderte ein Todesopfer. Kaum fünf Jahre später brannte der ganze Unterort ab. Während des Preussisch-Österreichischen Krieges, im Jahre 1866, besetzten preußische Soldaten den Ort und schleppten die Cholera ein. Diese Seuche forderte viele Opfer unter den Possitzern.[7] Die Matriken wurden bis 1874 bei Groß-Grillowitz geführt. Danach führte der Ort seine Matriken selbst. Im Jahre 1893 wurde eine Schule in Possitz gebaut. Davor waren alle Kinder von Possitz in Groß-Grillowitz eingeschult. Aufgrund der steigenden Kinderanzahl wurde die Schule im Jahre 1906 erweitert. Im Zuge des Eisenbahnausbaues wurde in Possitz eine Bahnstation errichtet. Im Jahre 1891 wurde gemeinsam mit Groß-Grillowitz eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Der größte Teil der Einwohner von Possitz lebte von der Vieh- und Landwirtschaft, wobei der seit Jahrhunderten in Südmähren gepflegte Weinbau keine große Rolle spielte. Die angebauten Weinmengen reichten gerade aus, um den Eigenbedarf des Dorfes zu decken.[8] Weiters wurden neben verschiedenen Getreidesorten auch Mais, Kartoffeln, Rüben, Hülsenfrüchte und verschiedene Obstsorten angebaut. Ebenso war die Jagd auf Rehe, Hasen, Fasane und Rebhühner im Gemeindegebiet sehr einträglich. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es noch eine Raiffeisenkasse und eine Milchgenossenschaft.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die ab Ende 1918 zu Deutschösterreich kommen sollten. Der neue Staat erhob ungeachtet des von Woodrow Wilson verkündeten Selbstbestimmungsrechtes der Völker Anspruch auch auf die deutsch besiedelten Teile der Länder der böhmischen Krone und schuf vollendete Tatsachen, indem im November/Dezember 1918 Truppen der Tschechoslowakischen Republik Südmähren besetzten. Der Vertrag von St. Germain sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu.[9] Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Possitz, deren Bewohner 1910 zu 99,5 % Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Maßnahmen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung folgten, wodurch es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität kam.[10] Bei der Wahl zum Nationalrat 1925 erhalten die deutschen Parteien 511 Stimmen, die tschechischen 28, die Kommunisten 64, die jüdische Partei 6. Bei der Durchführung der Bodenreform im Jahre 1926 kam es zu Ausschreitungen gegen die Verteilungskommission, da fast alles Land an tschechische Siedler verteilt wurde.[7] Ab 1936 wird der Wochenmarkt eingeführt, der immer Montags stattfindet. Als jedoch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen[11] geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Possitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. Weiters wurde Possitz mit dem Ort Groß-Grillowitz zur Gemeinde "Neuweidenbach" zusammengelegt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 73 Opfer unter den Possitzern forderte, kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Viele Possitzer flohen wegen der einsetzenden Schikanen und Quälereien durch militante Tschechen und nationale Milizen über die nahe Grenze nach Österreich. Andere wurden am 12. August 1945 in einer „wilden Vertreibung“ hinüber getrieben. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz)[12] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 erfolgte die Zwangsaussiedlung der letzten 50 deutschen Possitzer nach Westdeutschland. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Die in Österreich befindlichen Possitzer wurden entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen bis auf 290 Personen nach Deutschland abgeschoben.[13][14][15]

Im Jahre 1951 wurde České Křídlovice eingemeindet.

GemeindegliederungBearbeiten

Für die Gemeinde Božice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Božice gehören die Ansiedlungen České Křídlovice (Böhmisch Grillowitz), Mlýnské Domky, U Nádraží, Kolonie U Dvora und Karlov.

Wappen und SiegelBearbeiten

Das Gemeindesiegel stammt aus dem Jahre 1640. Es zeigt innerhalb einer Umschrift ein Siegelrund, das durch einen senkrechten Strich in zwei Hälften geteilt wird. In der linken Hälfte ist ein Pflugeisen und in der rechten Hälfte ein Pflugmesser abgebildet. Im 19. Jh. wurde ein schlichtes Schriftsiegel eingeführt. Dieses wurde im Jahre 1932 zweisprachig.

Das historische Wappen des Ortes zeigt die linke Hälfte des Siegelrunds in Silber und die rechte Hälfte in Rot. Das Pflugeisen ist in Rot und das Pflugmesser in Silber gehalten.[16] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Farben geändert. Das Wappen zeigt nun Pflugeisen und Pflugmesser in Gold auf blauem Schild.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 1058 1054 4 0
1890 1042 1039 3 0
1900 1137 1136 1 0
1910 1122 1117 4 0
1921 1234 1131 79 24
1930 1314 1104 200 10

[17]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Glockenhaus, nach Brand Neubau 1862
  • Statue des Hl. Donatus (1908)
  • Marienstatue im Unterort
  • Bildsäule an der Straße nach Erdberg
  • Prälatenvilla mit Kunstsammlungen, weitläufigem Garten und exotischen Bäumen
  • Rathaus: ehemaliges Herrschaftsgebäude (1834)
  • Kriegerdenkmal (1921), 1945 abgerissen
  • Unterirdische Gänge und Kammern (Erdställe) die als Verstecke und Vorratsräume für Kriegs- und Notzeiten angelegt worden sind. Die größte Kammer ist mit gebrannten Ziegeln eingewölbt, 10 m tief, 60–70 m lang und hatte ursprünglich drei brunnenartige Einstiege.

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

BrauchtumBearbeiten

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen deutschen Ortsbewohner:

  • Der Kirtag fand immer am 16. September statt.

LiteraturBearbeiten

  • Albin Kratschmann: Gedenkbuch der Gemeinde Possitz (1924)
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. Verlag Heimatwerk, München 1969.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, Geislingen an der Steige, 1984.
  • Anton Pfister, Lucia Pfister: Possitz, Groß Grillowitz, Neuweidenbach, 1992.
  • Karl Hörmann: Die Herrschaften Grusbach und Frischau unter den Herren Breuner 1622 - 1668:Grusbach – Grafendorf – Höflein – Possitz – Frischau – Großgrillowitz – Probitz, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 1997, ISBN 3-927498-21-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Božice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  4. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band II, S. 161
  5. Bernd Längin: Die Hutterer, 1986, S. 237
  6. Karl Hörmann: Die Herrschaften Grusbach und Frischau unter den Herren Breuner (1622-1668),1997, S. 118 f.
  7. a b Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  8. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 260
  9. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  10. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  11. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  12. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  13. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  14. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945–1947, Frankfurt am Main, Bern, New York und Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  15. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 277 f. (Possitz).
  16. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Wolframitz S. 254 f.
  17. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv. 9. 1984