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Borotice nad Jevišovkou

Gemeinde in Tschechien

Borotice (deutsch Borotitz) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt zwölf Kilometer westlich von Hrušovany nad Jevišovkou und gehört zum Okres Znojmo.

Borotice
Wappen von Borotice
Borotice nad Jevišovkou (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1206 ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 16° 15′ OKoordinaten: 48° 51′ 26″ N, 16° 14′ 33″ O
Höhe: 197 m n.m.
Einwohner: 429 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 65
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: BožiceLechovice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Bobok (Stand: 2009)
Adresse: Borotice 71
671 78 Jiřice u Miroslavi
Gemeindenummer: 593800
Website: www.borotice.cz
Gemeindeamt in Borotice

GeographieBearbeiten

Borotice befindet sich am rechten Ufer der Jevišovka in der Thaya-Schwarza-Talsenke und bildet mit Filipovice ein geschlossenes Siedlungsgebiet.

Nachbarorte sind Čejkovice und Břežany im Nordosten, Pravice im Osten, Mlýnské Domky und České Křídlovice im Südosten, Sídliště und Valtrovice im Süden, Krhovice und Hodonice im Südwesten sowie Práče und Lechovice im Nordwesten. Der Ort ist als ein Platzdorf angelegt.

GeschichteBearbeiten

Im 11. bis 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Siedlungsbewegung von West nach Ost. Mähren wurde von 1031 bis 1305 von der Dynastie der Přemysliden regiert. Um größere Gebiete landwirtschaftlich zu nutzen und damit höhere Erträge zu erzielen, bewarben sie die Kolonisten zum Beispiel mit zehn Jahre Steuerfreiheit (deutsches Siedlerrecht). Bis zum Jahre 1150 wurde das Gebiet um Mikulov (Nikolsburg) und Znojmo (Znaim) von deutschen Einwanderern aus Niederösterreich besiedelt. Die Anlage des Dorfes sowie die ui-Mundart, die bis 1945 gesprochen wurde, bekunden, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein.[2][3][4][5][6]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahre 1225 als „Boroticz“. Die heute bekannte Schreibweise des Ortes existiert bereits seit dem Jahre 1283. Anfangs schrieb man den Ort mit dem Zusatz „Mährisch-“, was aber bald verschwand, da die namensgleiche Ortschaft „Deutsch-Borotitz“ im Jahre 1525 verödete.[7]

Das Dorf gehörte ab dem 14. Jahrhundert teilweise zum Kloster Bruck. Das Stift erhält den größten Teil des Ortes 1362 von Benedict von Borotitz gegen jährlich abzuhaltende Seelenmessen. Im Jahre 1519 werden Borotitz und Grillowitz gegen Rausenbruck getauscht. Der neue Besitzer, Sebastian von Weitmühl, vereinigt Borotitz mit der Herrschaft Grusbach.[8]

Im Jahre 1605 drangen Truppen aus Siebenbürgen unter dem Fürsten Bocskaj in Mähren ein und plünderten im Mai Borotitz. Während des darauf folgenden Dreißigjährigen Krieges verödete die Ortschaft durch Plünderungen und Verwüstungen vollständig. Ab 1660 gehört Borotitz wieder zur Herrschaft des Klosters Bruck. Erst im Jahre 1671 holte der Abt des Klosters Bruck neue Siedler in den Ort. Diese kamen meist aus der nahe gelegenen Ortschaft Lechwitz. Ab dem Jahre 1785, in welchem das Kloster Bruck aufgelöst worden ist, gehörte Philippsdorf als Ortsteil zu Borotitz.[9] In Philippsdorf wurden am Ende des 19. Jahrhunderts unterirdische Räume entdeckt. Diese dürften von den Bewohner bei Notzeiten als Versteck für Nahrungsmittel und andere Habseligkeiten benutzt worden sein – das letzte Mal nachweislich während der Revolutionskriege in den Jahren 1805 und 1809.[10]

Um das Jahr 1900 wurde bei Borotitz ein archäologischer Fund aus der Bronzezeit in der Aunjetitzer Kultur gehoben. Hierbei handelte es sich um aus glatten Bronzeblechstreifen bestehende Manschetten. Dieser Fund ist heute unter dem Namen „Borotitzer Armmanschetten“ bekannt.[11]

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Vertrag von Saint-Germain, 1919,[12] erklärte den Ort, der ausschließlich von Deutschsüdmährern bewohnt war, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit entstanden im ganzen Lande Spannungen zwischen den Volksgruppen. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der von Sudetendeutschen (später verwendeter Überbegriff) bewohnten Randgebiete an Deutschland. Im Münchner Abkommen[13] wurde dies geregelt. Somit wurde Borotitz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.[8]

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 47 Gefallene beziehungsweise Vermisste zu beklagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch der Ort Borotitz, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Durch militante Tschechen folgten schwere Exzesse gegen die deutsche Bevölkerung, sodass viele über die nahe Grenze nach Österreich geflohen sind. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz)[14] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „ geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 erfolgte die Zwangsaussiedlung von 228 Deutschsüdmährern nach Westdeutschland.[15] Der diesbezügliche Bericht von Francis E. Walter an das US-Repräsentantenhaus bezeugt, dass diese Transporte zu keiner Zeit in „ordnungsgemäßer und humaner“ Weise erfolgten.[16] Eine Familie konnte im Ort verbleiben. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Von den in Österreich befindlichen Ortsbewohnern wurden ca. 50 %, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen der Alliierten, nach Deutschland weiter transferiert.[17] Die Ortschaft wurde später neu besiedelt.

Die Matriken wurden von 1663 bei Grillowitz und ab 1858 bei Lechwitz geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[18]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 755 755 0 0
1890 726 725 1 0
1900 790 778 12 0
1910 833 833 0 0
1921 759 739 14 6
1930 741 719 15 7

[19]

GemeindegliederungBearbeiten

Für die Gemeinde Borotice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Borotice gehört die Ansiedlung Filipovice (Philippsdorf).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Dorfkapelle des hl. Wenzel (1865)
  • Kriegerdenkmal

LiteraturBearbeiten

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Borotitz s.38, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, Borotitz s. 3,Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X.
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 279 (Borotitz).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Borotice (Znojmo District) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.html
  3. Joachim Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3-406-45954-4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Universität Giessen (Hrsg.): Sudetendeutsches Wörterbuch Bd. 1, 1988, Oldenbourg Verlag, ISBN 978-3-486-54822-8
  6. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  7. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, 1836, S. 358
  8. a b Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z,2009
  9. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band II, S. 137, S. 161
  10. Anthropologische Gesellschaft in Wien: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Band 16, 1886, S. 167
  11. Reclams Archäologieführer Österreich und Südtirol, Stuttgart, 1985 S. 155
  12. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919–1989 , Amaltea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  13. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  14. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  15. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei, 2007. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher E.V. ISBN 978-3-9810491-7-6
  16. Walter, Francis E. (1950): Expellees and Refugees of German ethnic Origin. Report of a Special Subcommittee of the Committee on the Judiciary, House of Representatives, HR 2nd Session, Report No. 1841, Washington, March 24, 1950.
  17. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 279 f. (Borotitz).
  18. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 15. April 2011.
  19. Josef Bartoš, Jindřich Schulz, Miloš Trapl: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. Band 9: Okresy Znojmo, Moravský Krumlov, Hustopeče, Mikulov. Profil, Ostrava 1984.