Hauptmenü öffnen

Prosiměřice (deutsch Proßmeritz) ist eine Minderstadt in Südmähren, Tschechien. Der Ort liegt etwa zehn Kilometer nordöstlich von Znojmo (Znaim).

Prosiměřice
Wappen von Prosiměřice
Prosiměřice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 644 ha
Geographische Lage: 48° 54′ N, 16° 12′ OKoordinaten: 48° 54′ 8″ N, 16° 11′ 31″ O
Höhe: 205 m n.m.
Einwohner: 856 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 61
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Městys
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jiří Lukeš (Stand: 2009)
Adresse: Prosiměřice 197
671 61 Prosiměřice
Gemeindenummer: 594709
Website: www.prosimerice.cz

GeographieBearbeiten

Nachbarorte sind Vitonice (Wainitz) im Norden, Stošíkovice na Louce (Teßwitz an der Wiese) im Osten, Bantice (Panditz) im Süden, Těšetice (Töstitz) im Südwesten und Kyjovice (Gaiwitz) im Westen. Der Ort selbst ist als ein Straßendorf angelegt.

GeschichteBearbeiten

Im 11. bis 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Siedlungsbewegung von West nach Ost. Mähren wurde von 1031 bis 1305 von der Dynastie der Přemysliden regiert. Um größere Gebiete landwirtschaftlich zu nutzen und damit höhere Erträge zu erzielen, bewarben sie die Kolonisten mit Privilegien wie zehn Jahre Steuerfreiheit (deutsches Siedlerrecht). Bis zum Jahre 1150 wurde das Gebiet um Mikulov (Nikolsburg) und Znojmo (Znaim) von deutschen Einwanderern aus Niederösterreich besiedelt. Die bis 1945 gesprochene ui-Mundart und die Anlage des Dorfes bekunden, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein.[2][3][4][5][6]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahre 1226, wo Ottokar I. den Ort dem Kloster Bruck schenkte. Das Kloster erhielt aber erst ab 1293 die Zehentabgaben des Ortes. Im 14. Jahrhundert gehörte ein Teil der Ortschaft zur Herrschaft Jaispitz. Bereits im Jahre 1435 erhält der Ort seinen dritten Jahrmarkt. Diese wurden immer am Montag nach Palmsonntag, am 1. September und am 21. Dezember abgehalten. Am 20. September 1540 wurde Proßmeritz durch den böhmischen König und späteren Kaiser Ferdinand I. zum Markt erhoben. Im Laufe der Jahre änderte sich die Schreibweise des Ortes mehrmals. So schrieb man 1226 "Prozimiriz", 1241 "Prosmeric" und bereits ab 1251 "Prosmeritz".

Während des Dreißigjährigen Krieges (1625) erhielt das Haus Liechtenstein die Herrschaft über Proßmeritz. Damit wurde der Ort auch ein Teil der Herrschaft Kromau. Die Matriken werden seit 1652 geführt. Auf der „Galgenhöhe“ Richtung Töstitz sollen zu dieser Zeit Hinrichtungen stattgefunden haben. Im 18. Jahrhundert wurde der eine Teil des Ortes von der Herrschaft Kromau und der andere Teil von dem Kloster Bruck verwaltet. Um 1780 wird eine Schule in Proßmeritz gebaut.

Während der Koalitionskriege wurde der Ort zweimal (1805 und 1809) von französischen Truppen besetzt, wobei es zu Plünderungen kam.[7] Im 19. Jahrhundert wüteten in den Jahren 1821, 1829 und 1842 Großbrände im Ort, die schwere Verwüstungen anrichteten.[8] Aufgrund dieser Brände wurde bereits im Jahre 1875 eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen. Im Jahre 1884 wird die Schule auf drei Klassen erweitert und die Kinder von Gaiwitz nach Proßmeritz eingeschult. Der größte Teil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau kaum eine Rolle spielte. So überstieg die Menge des produzierten Weins nie den Eigenbedarf des Ortes.[9] Weiters wurden neben verschiedenen Getreidesorten noch Hackfrüchte, Zuckerrüben und Gurken angebaut. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es noch drei Mühlen, einen Arzt und eine Molkerei in Proßmeritz.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die ab Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[10] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch die südmährische Ortschaft Proßmeritz, deren Bewohner 1910 zu 100 % Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. Die versprochene gleichberechtigte Stellung der Minderheiten wurde letztlich vom Mehrheitsvolk nicht zugestanden. Maßnahmen folgen wie die Bodenreform und die Sprachenverordnung, wodurch es durch Siedler und neu besetzte Beamtenposten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität kam.[11] Diese Maßnahmen verschärften die Spannungen zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung. Als auch die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen[12] geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Proßmeritz mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. Von 1939 bis 1945 waren Proßmeritz mit den Nachbargemeinden Bonitz, Gaiwitz und Wainitz zusammengefasst.[13]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Ungefähr die Hälfte aller Bürger von Proßmeritz flohen vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen durch militante Tschechen oder wurden in einer „wilden Vertreibung“ über die Grenze nach Österreich vertrieben. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz)[14] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“, verlangt. Bis auf zwei Personen wurden die restlichen 206 Deutschsüdmährer zwischen dem 22. Juni und dem 27. August 1946.[15] offiziell nach Deutschland zwangsausgesiedelt.[16] Der Ort wurde neu besiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. Die meisten Vertriebenen wurden in Deutschland ansässig. Zwei ehemalige Proßmeritzer wanderten nach Kanada und einer in die USA aus.[17]

Seit dem 5. August 1949 ist Bohunice wiederum in Prosiměřice eingemeindet.

OrtsgliederungBearbeiten

Für den Městys Prosiměřice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Prosiměřice gehört die Ortslage Bohunice (Bonitz).

Wappen und SiegelBearbeiten

Das erste erwähnte Siegel stammt aus dem Jahr 1637. Es zeigt in einer Umschrift einen links gewendeten aufrecht sitzenden Hasen. Im 18. Jh. hatte der Ort zwei Siegel, da die Gemeinde von zwei Herrschaften verwaltet worden ist. Das Siegel der Herrschaft Kromau führte weiterhin einen links schauenden aufrecht sitzenden Hasen, während der Ortsteil unter der Verwaltung des Klosters Bruck einen rechts laufenden Hasen zwischen den Großbuchstaben "G-P" zeigt.[18]

Das Wappen des Ortes zeigt einen Männchen machenden naturfarbenen Hasen im grünen Feld.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 567 541 24 2
1890 518 518 0 0
1900 500 499 0 1
1910 494 494 0 0
1921 478 440 23 15
1930 498 465 24 9

[19]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Pfarrkirche des hl. Ägidius (13. Jahrhundert) zwei Altarbilder von Franz Anton Maulbertsch, restauriert im Jahre 1837
  • Kapelle mit spätromanischem Turm (16. Jahrhundert) und Fresken von Josef Winterhalter[20]
  • Statue des hl. Johannes von Nepomuk und des hl. Florians.
  • Kriegerdenkmal

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Horst Walka (* 1942), Leiter der Österreichischen Nationalbank / Niederlassung St. Pölten

Quellen und LiteraturBearbeiten

  • Gedenk-Buch zur Feier des 25-jährigen Bestandes der Freiwilligen Turner-Feuerwehr in Proßmeritz (1894)
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Hadinger: Heimatkunde Proßmeritz (1899)
  • Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Anton Schroll & Co, Proßmeritz S. 382
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Proßmeritz S. 63
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. München, Verl. Heimatwerk, 1969
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., Proßmeritz: S. 32; C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Proßmeritz, S. 196, Josef Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X.
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 283, 515 (Proßmeritz).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, Proßmeritz, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.html
  3. Joachim Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3-406-45954-4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Universität Giessen (Hrsg.): Sudetendeutsches Wörterbuch Bd. 1, 1988, Oldenbourg Verlag, ISBN 978-3-486-54822-8
  6. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  7. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, 1837, S. 359
  8. Hadinger: Heimatkunde Proßmeritz, 1899
  9. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 260
  10. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  11. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  12. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  13. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z 2009
  14. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  15. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 605 (Vertreibungstransporte über Znaim Znaim).
  16. Archiv Mikulov: Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna (1946)
  17. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 283 (Proßmeritz).
  18. Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae, Band II, S. 289
  19. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  20. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Proßmeritz, S. 32