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Hrabětice (deutsch Grafendorf) ist eine Gemeinde im Jihomoravský kraj (Südmähren), Okres Znojmo (Bezirk Znaim) in Tschechien. Sie befindet sich 26 km östlich von Znojmo (Znaim) nahe der österreichischen Grenze.

Hrabětice
Wappen von Hrabětice
Hrabětice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1605 ha
Geographische Lage: 48° 48′ N, 16° 25′ OKoordinaten: 48° 47′ 36″ N, 16° 24′ 42″ O
Höhe: 195 m n.m.
Einwohner: 889 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 671 68
Verkehr
Straße: BranišoviceLaa an der Thaya
Bahnanschluss: ZnojmoBřeclav
BrnoHevlín
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jaroslav Fodor (Stand: 2008)
Adresse: Kostelní 230
671 68 Hrabětice
Gemeindenummer: 594130
Website: www.hrabetice.eu
Hrabětice im Jahr 2006

GeografieBearbeiten

Das Straßen-Angerdorf[2] befindet sich zwischen der Jevišovka und der Thaya in der südmährischen Thaya-Schwarza-Talsenke. Nach Westen bildet Hrabětice mit Šanov (Schönau) ein zusammenhängendes Bebauungsgebiet.

Nachbarorte sind Hrušovany nad Jevišovkou (Grusbach) im Norden, Jevišovka im Nordosten, Travní Dvůr im Osten, Mitterhof im Südosten, Hevlín (Höflein an der Thaya) im Süden, Dvůr Anšov im Südwesten, Šanov (Schönau) im Westen sowie Šanov – U nádraží im Nordwesten.

Nördlich der Gemeinde verläuft die Eisenbahnstrecke zwischen Znojmo (Znaim) und Břeclav (Lundenburg), westlich jene von Brno (Brünn) nach Hevlín (Höflein an der Thaya).

GeschichteBearbeiten

Die in Grafendorf gesprochene „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[3] Der Ort wurde erstmals 1414 im Hardeggischen Urbar urkundlich erwähnt und 1464 als Bestandteil der Herrschaft Grusbach dokumentiert. 1623 kam der Ort an den Grafen Seyfried Christoph von Breuner in Staatz und Asparn an der Zaya, von dessen Nachkommen es 1668 Michael Adolf Graf von Althann erwarb. Er ließ 1698 eine Kapelle zu Ehren des hl. Antonius von Padua errichten, die 1784 aus Mitteln des Religionsfonds vergrößert und zur Pfarrkirche von Grafendorf und den Nebenort Schönau bestimmt wurde. Letzte Besitzer waren die Grafen Khuen.

In den Hussitenkriegen und im Dreißigjährigen Krieg sowie 1805 und 1809 durch die Franzosen in den Napoleonischen Kriegen hatte die Bevölkerung viel zu erleiden. Aus diesen Kriegszeiten stammen vermutlich auch die gefundenen Erdställe. 1838 und 1865 wird die Gegend durch Hagel verwüstet und 1839 überflutet die Thaya die Wiesen und bedeckt viele Grundstücke mit Sand. Auch die Cholera wütete während des 19. Jahrhunderts zweimal im Ort. Zuerst im Jahre 1855, als sie 134 Opfer forderte und später im Jahre 1866 während des Deutsch-Österreichischen Krieges. Seit 1850 ist Grafendorf eine selbständige Gemeinde.

Die Einwohner lebten vor allem von der Landwirtschaft. Angebaut wurden neben verschiedenen Getreidesorten, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, Kirschen Weichseln, Zwetschgen, Marillen, Pfirsiche, Nüsse, Äpfel und Birnen. Der sonst in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau spielte in Grafendorf nur eine untergeordnete Rolle. Nachdem durch die Reblausplage, um 1864, fast alle Weinstöcke eingingen, begann man erst um 1925 wieder mit dem Weinbau. Die erwirtschafteten Mengen reichten jedoch nicht über den Eigenbedarf hinaus.[4] Daneben gab es zahlreiche Handwerker und Nebenerwerbsbauern, die bei der Eisenbahn, in der Zuckerfabrik, am Ziegelofen und auf den Meierhöfen ihr Einkommen fanden. Die Jagd war mit jährlich 1.000 Hasen, 300 Rebhühnern, 200 Fasanen und 100 Wildenten ebenso ertragreich. Matriken wurden seit 1676 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[5] Laut Volkszählung von 1910 hatten 99,81 % der Ortsbewohner deutsch als Muttersprache. Im Ersten Weltkrieg hatte Grafenau 45 Tode zu beklagen. Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Vertrag von Saint-Germain[6] erklärte den Ort zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik.

In der Zwischenkriegszeit kam es durch neue Siedler und neu ernannte Beamte zu einem vermehrten Zuzug von Personen mit tschechischer Nationalität. Deren Anteil stieg zwischen den Volkszählungen 1910 und 1930 von 0,13 % auf 8,6 %.[7] Der letzte deutsche Postmeister wurde im Jahre 1922 entlassen. Die Elektrifizierung des Ortes fand im Jahre 1930 statt. Um die Gefahr von Hochwassern zu bannen, begann man 1931 die Thaya zu regulieren. Während der Sudetenkrise wurde Grafendorf von einer tschechischen Maschinengewehrkompanie und eine Haubitzenbatterie besetzt. Um die entstehenden Spannungen innerhalb des Landes zu entschärfen und da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete an Deutschland. Dies wurde im Münchner Abkommen[8] geregelt. Die Konferenz sah so aus: Unter Vermittlung des italienischen Diktators Benito Mussolini, den Hermann Göring eingeschaltet hatte, gaben der britische Premierminister Neville Chamberlain und der französische Ministerpräsident Édouard Daladier mit dem Abkommen dem Diktator Adolf Hitler ihre Zustimmung zur Eingliederung des Sudetenlandes. Die tschechoslowakische Regierung, um deren nationales Territorium es ging, war von den Gesprächen ausgeschlossen. Somit wurde Grafendorf mit 1. Oktober 1938 bis 1945 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau zu Beginn des nationalsozialistischen Expansionskrieges. Von 1939 bis 1945 war Grafendorf mit der Nachbargemeinde Schönau zur neuen Gemeinde „Schöngrafenau“ zusammengeschlossen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in dem der Ort 58 Gefallene und 24 Vermisste zu beklagen hatte, kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. In folgenden Wochen wurden die Häuser der deutschmährischen Bevölkerung von tschechischen „Hausverwaltern“ in Besitz genommen. Bei den antideutschen Maßnahmen durch nationale Milizen kam es zu zwei Ziviltoten.[9][10] Das Beneš-Dekret 115/1946 erklärte bis zum 28. Oktober 1945 begangene Handlungen im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit ..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich. Um den Schikanen und Folterungen zu entgehen, flüchteten viele der deutschen Bürger über die nahe Grenze nach Österreich. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII,[11][12] trotz Intervention der Westmächte, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen geordneten und humanen Transfer der deutschen Bevölkerungsteile, die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind. Zwischen dem 22. Juni und dem 18. September 1946 wurden 165 Grafendorfer-Bürger nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. 30 der nach 1919 zugezogenen tschechischen Bürger verblieben im Ort. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Von den Vertriebenen wurden 40 Familien in Österreich, 340 Familien in Deutschland und je zwei in europäischen Ländern bzw. in Kanada ansässig.

Mit einer in der Kirche angebrachten Marmortafel und dem renovierten Hauptkreuz am Friedhof gedenken die ehemaligen Ortsbewohner ihrer Ahnen und Gefallenen.

Wappen und SiegelBearbeiten

Das Siegel aus dem Jahr 1598 zeigt ein Renaissanceschild. Ein Pflugmesser kreuzt ein leicht schräg gestelltes Messer, und 5 Eicheln wachsen aus dem Schildrand.[13]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 974 947 27 0
1890 1163 1126 37 0
1900 1315 1294 13 8
1910 1555 1552 2 1
1921 1564 1471 55 38
1930 1605 1430 138 37

[14]

GemeindegliederungBearbeiten

Für die Gemeinde Hrabětice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Hrabětice gehört die Ansiedlung Travní Dvůr (Trabingerhof).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die Bründl-Kapelle (1831), der Kalvarienberg mit Grotte und eine Statue "Dornengekrönter Heiland" an der Grusbacher Straße.
  • Pfarrkirche des hl. Anton von Padua (1864), davor eine Kapelle (1698), Umbau (1760) mit 6 Heiligenstatuen[15]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Franz Gepperth (1912–1963), deutscher Politiker und Volkstumspfleger
  • Hans Landsgesell (* 18. Mai 1929), Heimat- und Mundartforscher. Kulturpreisträger.
  • Josef Scholler (* 1928), Kulturpreisträger.

BrauchtumBearbeiten

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Der Kirtag war immer am 24. August und das Antonifest am 1. Sonntag nach dem 13. Juni. Mit Tanz, Konzert, Budenzauber, Schaukel- und Ringelspiel wurde groß gefeiert.
  • Die beiden Gemeindebrunnen mussten alle zwei Jahre gereinigt werden. Die Arbeit beim Schmiedbrunnen besorgten die Burschen vom oberen, beim Holderbrunnen die vom unteren Gasthaus, jeweils am Pfingstsamstag. In jedem Brunnen lag eine schwere Kugel, die man als Beweis für vollbrachte Arbeit dem Bürgermeister bringen musste, der sie wieder hineinfallen ließ. Anschließend zog die Burschenschaft durch den Ort und erhielt ihren "Lohn", der anschließend im Gasthaus versteigert wurde.[16]

QuellenBearbeiten

  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 274, 411, 421, 423, 427, 573, 577 (Grafendorf).

LiteraturBearbeiten

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren, Bd 1 – 3, Wien 1793.
  • Karl Hörmann: Die Herrschaften Grusbach und Frischau unter den Herren Breuner 1622-1668.
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark. 1941.
  • Johann Scholler: Heimatbuch der Gemeinde Grafendorf. 1950
  • Josef Scholler: Pfarrchronik von Grafendorf. 1981
  • Ludwig Obleser: Erinnerungen an Grafendorf. 1982
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, Grafendorf S. 11

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hrabětice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

BelegeBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens ISBN 3-927498-092
  3. Franz Joseph Beranek: Die Mundarten von Südmähren, 1936.
  4. Hans Zuckriegl: Ich träum' von einem Weinstock, Kapitel 7, S. 259
  5. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 25. März 2011.
  6. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  7. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  8. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  9. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Znaim von A-Z, 2009, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, Totenbuch S. 378.
  10. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0,Grafendorf S. 274, 411, 421, 423, 427, 573, 577.
  11. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  12. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  13. Bruno Kaukal: Die, Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Grafendorf Seite 69.
  14. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  15. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Grafendorf, später Schöngrafenau S. 26
  16. Walfried Balschka, Gerald Frodl: Kreis Znaim von A bis Z, 2009