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Tasiilaq [taˈsiːlɑq] (früher Ammassalik [ˌaˈmːasːalik]; nach alter Rechtschreibung Tasîlaĸ bzw. Angmagssalik) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Ammassalik in der Kommuneqarfik Sermersooq. Tasiilaq ist mit rund 2000 Einwohnern die größte Stadt Ostgrönlands.

Tasiilaq (wie ein Binnensee)
Ammassalik (Ort der Lodden)
Tasîlaĸ/Angmagssalik
Tasiilaq (2009)
Tasiilaq (2009)
Kommune Kommuneqarfik Sermersooq
Distrikt Ammassalik
Geographische Lage 65° 36′ 42″ N, 37° 37′ 56″ WKoordinaten: 65° 36′ 42″ N, 37° 37′ 56″ W
Tasiilaq (Grönland)
Tasiilaq
Einwohner 2.063
(1. Januar 2019)
Gründung 1894
Zeitzone UTC-3

LageBearbeiten

Tasiilaq liegt im Süden der Ammassalik Ø am Westufer des Kong Oscars Havn, eine Bucht, die ebenfalls auf grönländisch Tasiilaq heißt. Der Ortsname ist die ostgrönländsiche Form von Tasiusaq, das übersetzt wie ein Binnensee bedeutet und sich wie bei den westgrönländischen Orte Tasiusaq (Nanortalik) und Tasiusaq (Upernavik) auf die Lage an einer geschützten Bucht mit schmalem Einlass bezieht. Der nächstgelegene bewohnte Ort ist Kulusuk 21 km östlich auf der anderen Seite des Ammassaliip Kangertiva.[1]

GeschichteBearbeiten

 
Tasiilaq (um 1900)

Die Region wurde vor etwa 4500 Jahren von Angehörigen der in Alaska beheimateten Saqqaq-Kultur, und vor etwa 2600 Jahren von Mitgliedern der Dorset-Kultur besiedelt. Diese Siedler konnten unter sich verschlechternden klimatischen Bedingungen an der Ostküste nicht überleben. Etwa seit dem 14. Jahrhundert wanderten Inuit der Thule-Kultur in das Gebiet.[2]

Vor einigen Hundert Jahren war die Ostküste noch durchgehend bevölkert und Wilhelm August Graah traf bei seiner Expedition 1830 regelmäßig auf Tunumiit, selbst wenn er nur bis auf etwa 100 km an die heutigen Siedlungen herankam. In den folgenden Jahrzehnten wanderten allerdings die meisten der Inuit in Südostgrönland nach Südgrönland und es entstand eine etwa 600 km lange Lücke zwischen den Kujataamiut in Südgrönland und den Tunumiit in der heutigen Region um Tasiilaq.

Trotz der großen Entfernung kamen gelegentlich jedoch Tunumiit nach Südgrönland, um dort Handel zu treiben. Auf der Suche nach der Herkunft dieser leitete der dänische Marineoffizier Gustav Holm 1884 die Frauenbootexpedition, die erste Expedition in das Gebiet um Tasiilaq. Er fand hier 413 Tunumiit vor, wobei die Zahl wegen Hungersnöten und Krankheiten stetig sank. Holm überwinterte in Tasiilaq, wie der Ort bereits ursprünglich genannt wurde.[3] Er verfügte über ein starkes Interesse an der reichen, noch völlig unbeeinflussten Kultur und beschrieb detailliert die religiösen Vorstellungen und Bräuche, die Legenden und die Musik, die einen bedeutenden Anteil am Alltagsleben der Inuit besaßen. Es gab eine Reihe gesellschaftlicher Gebote, die aus Angst vor dem Wirken böser Geister strikt eingehalten werden mussten. Schamanen (angakkut) tanzten und traten mit Hilfe von Schamanentrommeln mit der jenseitigen Welt in Kontakt, um schlechtes Wetter zu vertreiben und Krankheiten zu heilen. Die bei jedem Anlass gesungenen Trommellieder besaßen eine magische Bedeutung. Die Jäger murmelten magische Verse (serratit), um einen glücklichen Ausgang der Jagd zu erreichen, die Frauen sangen bedeutungsvolle Lieder ihren Kindern vor.[4]

Carl Ryder zählte 1892 nur noch 294 Menschen und die Bevölkerung drohte auszusterben. Die restlichen Tunumiit wünschten einen höheren Lebensstandard, vergleichbar mit dem der Kalaallit im Westen Grönlands und schließlich wurde 1894 die erste Missions- und Handelsstation Ostgrönlands errichtet, die den Namen Ammassalik erhielt. Johan Petersen wurde zum Kolonialverwalter ernannt und Frederik Carl Peter Rüttel wurde der erste Missionar Ostgrönlands.[5] Ab 1898 begann die Zusammenarbeit der westgrönländischen und dänischen Missionare Wirkung zu zeigen. Ihr Bestreben war, alle heidnischen Bräuche und die Trommellieder auszurotten. Der dänische Philologe und Eskimoforscher William Thalbitzer (1873–1958), der 1905/06 in Tasiilaq überwinterte, konnte noch einige magische Formeln mit dem Phonographen aufzeichnen.[4]

Tasiilaq entwickelte sich zur zentralen Siedlung des Distrikts. Trotz von den Europäern eingeschleppten Krankheiten und Alkoholproblemen nahm die Bevölkerung in der Folge aufgrund der verbesserten Ernährungslage stark zu. Unmittelbar mit der Siedlungsgründung begann die Geldwirtschaft und die Einfuhr technischer Produkte für den Alltag. Bis zur Jahrhundertwende hatten die 400 Einwohner beispielsweise 87 Jagdgewehre erworben. 1914 wurden 599 Einwohner gezählt. Die Häuser aus Stein und Erde wurden bis etwa 1980 durch solche aus Holz ersetzt.[6]

1925 wurden unter der Führung von Johan Petersen 84 Ammassalimmiut in das durch Ejnar Mikkelsen neugegründete Ittoqqortoormiit umgesiedelt.[2] Erst 1963 wurde Ostgrönland wie auch die Thuleregion dekolonialisiert und verwaltungstechnisch in den Rest Grönlands inkorporiert.[7]

Am 5. Februar 1970 zerstörte der stärkste jemals gemessene Piteraq, ein ostgrönländisches Sturmphänomen, mit Windgeschwindigkeiten von um die 300 km/h große Teile der Stadt, sodass man sogar erwog sie aufzugeben.[8]

1977,[9] 1992[3][10] oder 1997[11][12] wurde der Ortsname offiziell wieder in Tasiilaq zurückumbenannt, während der Name der damaligen Gemeinde beim bisherigen Namen blieb.[10] Die Gemeinde wurde bei der Verwaltungsreform 2009 in die Kommuneqarfik Sermersooq eingegliedert.[7]

Infrastruktur und VersorgungBearbeiten

Der Hafen von Tasiilaq kann von Juli bis November angefahren werden. Er besteht aus einem großen Kai und mehreren Stegen für kleine Boote. Der Heliport Tasiilaq verbindet die Stadt mit Ostgrönlands Flughafen in Kulusuk.

Nukissiorfiit versorgt die Stadt seit 2004 mittels eines Wasserkraftwerks. Der Müll wird deponiert und Abwasser ins Meer geleitet. Die Hälfte der Gebäude in Tasiilaq ist an das Abwassernetz angeschlossen.[12]

BebauungBearbeiten

 
Tasiilaq (2008)

Die Tasiilami Alivarpi unterrichtet etwa 450 Schüler. Sie wurde erstmals 1957 errichtet, aber beim Piteraq von 1970 zerstört. Der Neubau von 1971 wurde 1978 um einen Gymnastiksaal und 1984 um eine Werkstatt ergänzt und schließlich 2001 weiter ausgebaut und renoviert. Es gibt sowohl eine Zweigstelle von Piareersarfik als auch von Piorsaavik in Tasiilaq, die junge Menschen auf das Arbeitsleben vorbereiten sollen.

In der Stadt gibt es zudem unter anderem ein Kinderheim, zwei Kindergärten, eine Kinderkrippe und ein Altenheim. In Tasiilaq befinden sich ein Krankenhaus, eine Polizeistation, ein Versammlungshaus, ein Kommunalbüro, eine Sporthalle, die neue Kirche von 1985 und die alte Kirche von 1908, die heute das Ammassalik-Museum beherbergt. Es gibt außerdem eine Pilersuisoq-Filiale und einen weiteren Laden, einige Kioske, eine Bäckerei, ein Internetcafé, einen Buchladen, eine Postfiliale, eine Baufirma, eine Handwerksfirma, ein Tourismusbüro und ein Hotel. Tasiilaq ist zudem der Hauptsitz von POST Greenland, von wo aus grönländische Briefmarken an Philatelisten verschickt werden.[12]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

SportBearbeiten

In der Stadt ist der Fußballklub Ammassalimmi Timersoqatigiiffik Ammassak beheimatet.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Bevölkerungszahl von Tasiilaq hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt. Tasiilaq ist damit nach Nuuk die Stadt mit dem zweithöchsten relativen Wachstum seit 1977. Heute ist Tasiilaq die größte Stadt Ostgrönlands und die siebtgrößte des Landes. Knapp ein Drittel der Bevölkerung Ostgrönlands lebt in Tasiilaq.[14]

 

WeblinksBearbeiten

  Commons: Tasiilaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b Ammassalik bei groenlandkreuzfahrt.de
  3. a b Historie bei ammassalik.museum.gl
  4. a b Michael Hauser: Traditional and Acculturated Greenlandic Music. In: Arctic Anthropology, Vol. 23, No. 1/2, 1986, S. 359–386, hier S. 359f
  5. Sabine Barth: Grönland. DuMont Reise-Taschenbuch. Ostfildern, 2010. S. 254.
  6. Grete K. Hovelsrud-Broda: The Integrative Role of Seals in an East Greenlandic Hunting Village. In: Arctic Anthropology, Vol. 36, No. 1/2, University of Wisconsin Press, 1999, S. 37–50, hier S. 37
  7. a b Ammassalik Kommune in Den Store Danske
  8. Das Rätsel der Eisluft-Stürze von Grönland bei Spiegel Online
  9. Nyt navn in der Atuagagdliutit vom 8. Dezember 1977
  10. a b Angmagssalik in Den Store Danske
  11. Tasiilaq in Den Store Danske
  12. a b c Tasiilaq bei sermersooq2028.gl (.pdf)
  13. Kópavogur Vinabæir beu nat.is
  14. Einwohnerzahl Tasiilaq 1977–2019 bei bank.stat.gl