Gustav Frederik Holm

dänischer Entdecker

Gustav Frederik Holm (* 6. August 1849 in Kopenhagen; † 13. März 1940) war ein dänischer Marineoffizier und Entdecker. Er leistete wichtige Beiträge zu Grönlands Geographie und Ethnographie. 1884 erreichte er als erster Europäer die ostgrönländische Inuit-Siedlung Tasiilaq (dänisch Ammassalik). Seine bedeutende ethnographische Sammlung befindet sich heute im Grönländischen Nationalmuseum (Kalaallit Nunaata Katersugaasivia) in Nuuk.

Gustav Frederik Holm, 1883

LebenBearbeiten

Frühe JahreBearbeiten

Gustav Holm war der Sohn des Marineoffiziers Peter Christian Holm (1807–1864) und dessen Frau Louise Margaret Holm, geb. Hetsch (1824–1876). Wie sein Vater schlug er die militärische Laufbahn ein. Als Seekadett nahm er auf der Fregatte Sjælland an den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Sueskanals im November 1869 teil. 1876 nahm Holm an seiner ersten Expedition nach Grönland teil. Im Auftrag der „Kommission für geologische und geographische Untersuchungen in Grönland“ (Kommissionen for geologiske og geografiske undersøgelser i Grønland) erforschte er mit den Geologen Knud Johannes Vogelius Steenstrup und Andreas Kornerup den Kolonialdistrikt Julianehaab (Qaqortoq) in Südgrönland. 1878 segelte er an Bord der Sjælland nach Dänisch-Westindien. Nachdem er 1879 als stellvertretender Kommandant auf dem Schoner Absalon Dienst getan hatte, kehrte er nach Grönland zurück und kartierte 1880/81 die Südspitze der Insel. Er betrat als erster Europäer Kap Farvel und untersuchte die Ruinen der Ostsiedlung der Grænlendingar. Holm erkundete auch die weitgehend unbekannte Ostküste Grönlands bis zum 60. nördlichen Breitengrad.

Die Frauenboot-ExpeditionBearbeiten

Die Bezeichnung „Frauenboot-Expedition“ für diese Entdeckungsreise leitet sich von der wesentlichen Rolle der grönländischen, meist von Frauen geruderten Umiaks bei der Erforschung der Fjorde der Ostküste ab.

Holm erlangte besonders durch seine Entdeckungen in Ostgrönland Bedeutung. Zusammen mit Vilhelm Garde, dem Botaniker Peter Eberlin (1862–1900), dem Geologen Hans Knutsen (1857–1936) und einigen Grönländern angeführt von Johannes Hansen (1837–1911) und unterstützt von dessen Neffen Johan Petersen (1867–1960) erforschte er in den Jahren 1883 bis 1885, von Nuuk über Qaqortoq reisend, die Ostküste Grönlands bis zum Polarkreis, wo nach ihm das Kap Gustav Holm benannt ist. Er nahm das Land für das Königreich Dänemark in Besitz und benannte es nach dem damaligen dänischen König Christian IX. Kong-Christian-IX.-Land. Die wichtigste Errungenschaft dieser Expedition war aber die Kontaktaufnahme mit den bis dahin in absoluter Isolation lebenden Inuit im Gebiet der früheren Gemeinde Ammassalik. Insgesamt lebten dort zu dieser Zeit ca. 400 Menschen in elf verstreuten Siedlungen, bis 1894 die Siedlung Tasiilaq (Ammassalik) gegründet wurde. Die Auswirkung der „Entdeckung“ der Ostgrönländer durch Holm ist umstritten: Einerseits brachten die Europäer Krankheiten, Alkoholismus und soziale Umwälzungen mit sich, andererseits wird vermutet, dass die kleinen Siedlungen der Ostküste durch die folgende Modernisierung vor dem Aussterben bewahrt wurde, da die Bevölkerung aufgrund von Naturkatastrophen und Hungersnöten zu dieser Zeit stark abnahm. Gustav Holm brachte von seiner Erkundungsfahrt ca. 500 wertvolle Artefakte mit, die heute im Grönländischen Nationalmuseum (Kalaallit Nunaata Katersugaasivia) in Nuuk zu besichtigen sind. Eine weitere wichtige Erkenntnis war der Nachweis, dass es sich bei Ammassalik nicht um das bis dahin manchmal dort vermutete Eystribyggð (Ostsiedlung) der Grænlendingar handelte.[1]

Weitere LaufbahnBearbeiten

 
Gustav Holm (Hintere Reihe, dritter von links) 1894 in Qaqortoq

Nach seinen Entdeckungsfahrten setzte Gustav Holm seine Laufbahn in der dänischen Marine fort. 1885 wurde er zum Kaptajn und 1899 zum Kommandør befördert. Er leitete von 1899 bis 1909 die 1. Abteilung des Königlichen Seekartenarchivs (Det Kongelige Søkort-Arkiv) und parallel dazu von 1892 bis 1894 die Grönländische Handelsbark Hvidbjørnen. 1897 befehligte er den Kreuzer Hejmdal auf seiner Fahrt nach Island und den Färöern. 1898 wurde er mit Vermessungsarbeiten in isländischen Gewässern mit dem Schoner Diana betraut. von 1899 bis 1909 war er Direktor des Seekartenarchivs.

Von 1896 bis 1931 war Gustav Holm ein aktives Mitglied der Kommission für die wissenschaftliche Untersuchung Grönlands (Kommissionen for Videnskabelige undersøgelser i Grønland, KVUG). Er verfasste eine Reihe ethnografischer Schriften und wurde 1926 von der Universität Kopenhagen zum Dr. phil. promoviert.

FamiliäresBearbeiten

Er heiratete am 16. November 1886 Anne Mathea Heiberg (1845–1934). Seine Tochter Naja Marie Heiberg Holm (1887–1918) war mit dem Polarforscher Ejnar Mikkelsen verheiratet.

EhrungenBearbeiten

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Den danske Expedition til Grönland 1881. In: Geografisk Tidsskrift. Band 5, 1881, S. 159–160 (dänisch, tidsskrift.dk).
  • Konebaads-Expeditionen til Grønlands Østkyst 1883–85. In: Geografisk Tidsskrift. Band 8, 1885, S. 79–98 (dänisch, tidsskrift.dk).
  • mit V. Garde: Om de geografiske Forhold i dansk Ostgrønland. In: Meddelelser om Grönland. Band 9, 1889, S. 145–233 (dänisch, biodiversitylibrary.org).
  • Oprettelsen af missions- og Handelsstationen Angmagsalik paa Grønlands Østkyst. In: Geografisk Tidsskrift. Band 12, 1894, S. 247–255 (dänisch, tidsskrift.dk).
  • Ethnological Sketch of the Angmagsalik Eskimo. In: Meddelelser om Grönland. Band 39, 1914, S. 1–148 (dänisch, biodiversitylibrary.org).

LiteraturBearbeiten

  • Kaj Birket-Smith: Gustav Holm 6. avgust 1849 – 13. marts 1940. In: Geografisk Tidsskrift. Band 43, 1940, S. 1–4 (dänisch, tidsskrift.dk).
  • Heinz Barüske: Grönland: Kultur und Landschaft am Polarkreis. DuMont, Köln 1990, ISBN 3-7701-1544-9.
  • Verena Traeger: Gustav Holm. In: Mark Nuttall (Hrsg.): Encyclopedia of the Arctic. Band 2. Routledge, New York und London 2005, ISBN 1-57958-438-1, S. 870–871 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heike Braukmüller: Grönland – gestern und heute. Grönlands Weg der Dekolonisation. Weener, Ems 1990, ISBN 3-88761-043-1, S. 201.
  2. Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010), ISBN 978-87-7871-292-9.
  3. Den grønlandske Lods – Sejladsanvisninger Vestgrønland. Geodatastyrelsen, 2020, ISBN 978-87-92107-91-6, S. 163 (dänisch, gst.dk [PDF]).