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Kârale Andreassen (* 15. Mai 1890 als Sugdluitsoq oder Kâvkajik in Ammassalik, Grönland; † 26. Februar 1934 in Kopenhagen, Dänemark), kurz Kârale (auch in der Schreibweise Kaarale), war ein grönländischer Maler, Zeichner und Katechet. Seine Werke widmen sich der Inuit-Kultur sowie der Welt grönländischer Sagen und Legenden.

LebenBearbeiten

 
Die alte Kirche von Ammassalik beherbergt heute ein volkskundliches Museum.

Der Sprössling einer Inuitfamilie kam 1890 im ostgrönländischen Ammassalik zur Welt. Er entstammte einer Linie von Schamanen und wuchs unter starkem Einfluss grönländischer Legenden und Traditionen auf. Im April 1899 wurde er im Zuge der Christianisierung als der Legende nach erster Ostgrönländer auf den Namen Kârale getauft. Nach dem Taufnamen seines Vaters Andreas trug er später den Namen Kârale Andreassen.[1]

Im Jahr 1905 machte Kârale Bekanntschaft mit William Thalbitzer und seiner Frau, der Bildhauerin Ellen Locher Thalbitzer, die zwei Jahre in Ammassalik verbrachten. Zusammen mit seinem Freund Peter Rosing half er dem Ethnologen bei der Sammlung grönländischer Legenden und fertigte für die junge Künstlerin einige Bleistiftzeichnungen an.[1] Bemühungen, den talentierten Jungzeichner an die Kunstakademie Kopenhagen zu schicken, scheiterten.[2] Stattdessen ging er 1910 nach Godthåb und begann eine Ausbildung zum Katecheten, die er jedoch nicht abschloss. Nach seiner Rückkehr 1914 wurde er dennoch zum ersten Katecheten an der Ostküste ernannt und arbeitete ein Jahr als Missionar in der Kolonie. 1915 gründete er die Missionsstation Kuummiut, wo er als Katechet arbeitete und durch Kultur- und Bildungsarbeit große Anerkennung durch seine Mitmenschen erlangte. Außerdem heiratete er die Jägerstochter Johanne (1898–1973), mit der er bald eine Familie gründete.[1] Die Schriftstellerin und Sozialarbeiterin Elisa Maĸe war seine Tochter.

Kârale verband eine enge Zusammenarbeit mit Knud Rasmussen. Für den Polarforscher illustrierte er den ersten Band dessen Veröffentlichung Myter og Sagn fra Grønland (1921). Außerdem agierte er 1933 als technischer Berater für den Spielfilm Palos brudefærd. Im selben Jahr zog er mit seiner Familie nach Kopenhagen, um die Arbeit mit Rasmussen zu vertiefen, starb aber bereits nach kurzem Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt im Februar 1934.[1]

WerkBearbeiten

 
Die Eingeweideräuberin, die dem Schamanen auf seiner Reise zum Mond ein Lachen entlocken will (ca. 1920).

Kârale widmete sich in seinen Werken den Inuit und ihrer Kultur, wobei der familiäre Bezug zum Schamanentum oft deutlich spürbar wurde. Ein Großteil seines Œuvres kann einem naiven Realismus zugeordnet werden, während auch Elemente aus Mystik und Horror dargestellt sind.[3] So verlieh Kârale seiner Kunst eine deutlich surreale Note.[2]

 
Mythischer Rieseneisbär entsteigt dem Polarmeer.

Zu seinen frühesten künstlerischen Vorbildern gehörten Henrik Lund und Ellen Locher Thalbitzer. Sein Frühwerk besteht aus Kleinformatzeichnungen, die von einem einfachen, aber ausdrucksstarken, detailgenauen Stil geprägt sind. Vermutlich entwarf er bereits ab 1906 sensible und lebensnahe Porträts seiner Mitmenschen, die er in den nächsten zehn Jahren perfektionierte. In späteren Zeichnungen ließ Kârale das Natürliche mit der Fantasie verschwimmen und kreierte auf diese Weise eine mythische Welt. Ab 1922 malte er, von Jugendfreund, Priester und Maler Peter Rosing inspiriert, vermehrt Ölbilder und Aquarelle. In den späten 1920er Jahren setzte er neben Bleistiftzeichnungen seine Kunst zunehmend auch in Tinte und Tusche um.[2]

Nach Thalbitzer und Rasmussen erschienen auch über den Tod des Grönländers hinaus zahlreiche Publikationen mit seinen Zeichnungen, darunter Ove Baks Kujavarsiks Rejse til månen (1977) oder Troldbjørnen (1979). Viele seiner Bilder befinden sich heute in Besitz der Dänischen Königlichen Bibliothek oder der Radierungssammlung des Dänischen Nationalmuseums.[3] Kârale unterfertigte seine Schöpfungen stets mit seinen Initialen K. A.

Tintenzeichnungen

Illustrationen (Auswahl)Bearbeiten

  • Knud Rasmussen: Myter og Sagn fra Grønland 1: Østgrønlændere („Mythen und Sagen von Grönland 1: Ostgrönländer“). Gyldendal, Kopenhagen 1921.
  • Ove Bak: Kujavarsiks rejse til månen („Kujavarsiks Reise zum Mond“). Hernov, Kopenhagen 1977, 94 S. ISBN 978-8772156200.
  • Ove Bak: Troldbjørnen. Også isbjørne har en sjæl. Beretninger og fortællinger fra Grønland. („Trollbär. Auch Eisbären haben eine Seele. Berichte und Geschichten aus Grönland“). Hernov, Kopenhagen 1979, 108 S. ISBN 978-8772158556.

LiteraturBearbeiten

  • Ib Geertsen: Kârale Andreassen. En østgrønlandsk kunstner. Atuakkiorfik, Nuuk 1990. ISBN 87-558-0514-0. (dänisch)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kârale Andreassen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Mads Lidegaard: Kârale (Dansk Biografisk Leksikon). Gyldendal, abgerufen am 24. Oktober 2016 (dänisch).
  2. a b c Sys Hartmann: Kaarale Andreassen – Biography (Weilbachs Kunstnerleksikon). Abgerufen am 24. Oktober 2016 (dänisch).
  3. a b Kaarale (Dansk Biografisk Leksikon). Gyldendal, abgerufen am 24. Oktober 2016 (dänisch).