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Streckennetz der Myanma Railways

Der Schienenverkehr in Myanmar, dem früheren Burma, wird hauptsächlich von der staatlichen Myanma Railways abgewickelt, die ein meterspuriges Streckennetz von 6208 km[1] Länge betreibt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Erster Hauptbahnhof Rangun, 1943 zerstört

Die erste Eisenbahn in Myanmar wurde in der damaligen britischen Kolonie Unterbirma gebaut. Die 262 km lange Strecke verband Rangun mit Pyay und wurde 1877 eröffnet. Für eine britische Kolonialbahn eher ungewöhnlich war die für den Bau der Strecke gewählte Meterspur. Es folgten weitere Strecken, sodass zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Unter- und Oberbirma ein Netz von fast 3200 km Länge entstanden war.[2]

Die japanischen Eroberung Burmas während dem Zweiten Weltkrieg verursachte erhebliche Schäden am Eisenbahnnetz; im Rahmen des Wiederaufbaus wurde mithilfe von 200.000 asiatischen Zwangsarbeitern und ungefähr 60.000 alliierten Kriegsgefangenen die Thailand-Burma-Eisenbahn gebaut, die auch Todeseisenbahn genannt wird, weil beim Bau viele Arbeiter ums Leben kamen. Zu dieser Strecke gehört auch die Brücke über den Kwai, welche aus einem Roman und Spielfilmen bekannt ist.

Die Vertreibung der Japaner aus Burma durch die Alliierten verursachte weitere Schäden am Eisenbahnnetz, sodass am Ende des Krieges gerade noch 1085 km Strecke in vier isolierten Abschnitten in Betrieb waren. Die von der Todeseisenbahn hergestellte Verbindung nach Thailand wurde nicht mehr genutzt, sodass der in Burma liegende Abschnitt dieser Strecke dauerhaft geschlossen wurde; der Rest des burmesischen Netzes wurde aber wieder aufgebaut. In den 1970er Jahren wurden weitere Strecken neu gebaut,[2] sodass das heutige Netz rund 6200 km lang ist.[1]

StreckenBearbeiten

 
Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs Rangun
 
Personenzug im Hauptbahnhof Rangun, 2013
 
Begegnung auf der Ringbahn Rangun, vor dem Gegenzug eine in China gebaute DD 1100[3]

Netz der Myanma RailwaysBearbeiten

Das über 6000 km lange Streckennetz der Myanma Railways ist meist einspurig, nur 701 km sind zweigleisig ausgebaut.[1] Es bedient 609 Bahnhöfe und führt über 12099 Brücken. Die Strecken haben einen minimalen Kurvenradius von 200 m, die Steigungen betragen im flacheren Abschnitten 10 ‰, auf Gebirgsstrecken bis 40 ‰. Es werden Schienen mit einem Gewicht von 37 kg/m verwendet, die auf Holz- oder Betonschwellen verlegt werden, die in einem 12 cm dicken Schotterbett liegen. Das Streckennetz ist für 12,5 t Achslast ausgelegt.[4]

GrenzübergängeBearbeiten

Das Netz der Myanma Railways hat keine Verbindung mehr zu Eisenbahnnetzen in Nachbarländern.[5] Die folgenden Grenzübergänge sind in Planung:

  • Indien  Indien
    • Bahnstrecke Kalay–Tamu: Auf der Seite von Myanmar soll eine 135 km lange Strecke von Kalay nach Tamu gebaut werden. In Nordosten Indiens ist im Bundesstaat Manipur die Breitspurstrecke von Jiribam nach Imphal im Bau, die aber noch 70 km bis zum Grenzübergang bei Moreh verlängert werden muss.[5][6]
  • Thailand  Thailand
    • Thailand-Burma-Eisenbahn: Diese Bahnstrecke war nur von 1943 bis 1945 während 17 Monaten in Betrieb. Der Grenzübergang befand sich beim Drei-Pagoden-Pass.
    • Bahnstrecke Thanbyuzayat–Drei-Pagoden-Pass: Diese Strecke hätte einem Neubau der Thailand-Burma-Eisenbahn entsprochen und war Teil des ambitiösen Projektes vom Bau einer Schnellfahrstrecke Kunming–Singapur. Das Projekt wurde am 2011 offiziell verworfen, weil auf thailändischer Seite die zukünftige Bahntrasse aufgrund eines Staudamms nicht mehr zur Verfügung steht.[6]
    • Bahnstrecke Dawei–Kanchanaburi: Als Ersatz für die nicht mehr mögliche Strecke über den Drei-Pagoden-Pass wird eine 250 km lange Verbindung vom Tiefseehafen Dawei nach Kanchanaburi in Thailand geplant werden, die über den Phu Nam Ron führen soll.[6]
  • China Volksrepublik  Volksrepublik China
    • Bahnstrecke Lashio–Muse: Von der chinesischen Grenze nach Kyaukpyu am Golf von Bengalen soll eine 869 km lange Strecke entstehen, die auf der chinesischen Seite bis nach Kunming weitergeführt wird. Die in Myanmar soll im BOT-Betreibermodell von China Railway Engineering Corporation (CREC) gebaut werden. Zum Bau der Strecke wurde 2011 eine Absichtserklärung unterzeichnet, die mehrmals verlängert wurde.[6] Im Jahre 2018 wurde eine Machbarkeitsstudie begonnen für den 430 km langen Abschnitt von der Grenze bis Mandalay, der als Normalspurstrecke gebaut werden soll.[2] Auf der chinesischen Seite ist die 330 km lange Strecke von Dali nach Ruli im Bau. sie soll elektrisch betrieben werden und mit 140 km/h befahren werden.[7]

Burma Mines RailwayBearbeiten

Die Burma Mines Railway ist eine 80 km lange Eisenbahn mit einer Spurweite von 610 mm (2 Fuß), die für den Transport von Silber- und Bleierz zu der Schmelzhütte in Namtu genutzt wird. Die Strecke verläuft von Namyao, an der Strecke MandalayLashio der Myanmar Railways, über Namtu nach Bawdwin und ist 80 Kilometer lang.[2] Die Bahn wurde von 1907 bis 1908 gebaut.[8] Anfangs der 1980er-Jahre wurde die Strecke von Dampf- auf Dieselbetrieb umgestellt. Die Sanierungsarbeiten der Strecke kamen zum Erliegen als 2011 ein Teil verschüttet wurde. Im Jahre 2015 waren die Erztransporte bereits auf die Straße übergegangen und der kommerzielle Betrieb der Bahn eingestellt. Es werden aber immer noch zwei betriebsfähige Dampflokomotiven für Sonderzüge bereitgehalten.[9]

StraßenbahnBearbeiten

RangunBearbeiten

 
Ehemalige Straßenbahn in Rangun

Die Straßenbahn Rangun entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Dampfstraßenbahn. Im Jahre 1905 wurde in Liverpool die Rangoon Electric Tramway and Supply Company gegründet, die bis 1921 ein Streckennetz mit 77 Tramwagen betrieb und Mitte der 1930er über 40 Millionen Fahrgäste beförderte. Die Straßenbahn wurde während dem Zweiten Weltkrieg zerstört, ebenso das dazugehörige Kraftwerk, das auch die öffentliche Stromversorgung sicherstellte. Nach dem Krieg wurde die Straßenbahn nicht mehr aufgebaut und das Kraftwerk 1953 verstaatlicht. Nachdem die Entschädigung der Aktionäre der Straßenbahngesellschaft geklärt worden war, wurde diese 1961 aufgelöst.[10]

Im Jahr 2016 wurde auf der ehemaligen Güterstrecke entlang der Strand Road eine 4,8 km lange Straßenbahn eingerichtet. Das einzige Fahrzeug war ein gebraucht erworbener dreiteiliger Triebwagen aus Hiroshima. Damit dieser verkehren konnte, musste eine dritte Schiene zum Meterspurgleis gelegt werden. Der Betrieb wurde nach nur sechs Monaten wieder eingestellt, weil die Straßenbahn nicht benutzt wurde.[11]

MandalayBearbeiten

 
Ehemalige Straßenbahn in Mandalay

Die Straßenbahn von Rangun war vom 1904 bis 1942 in Betrieb. Es wurden drei in Kapspur angelegte Strecken betrieben, auf denen 24 Wagen verkehrten. Die von Dick, Kerr & Co. gebaute Anlage[12] wurde während einem Luftangriff zerstört und nicht wieder aufgebaut.

WeblinksBearbeiten

  • Ministry of Rail Transportation (Hrsg.): Developing a Myanma’s Rail Network that meet demand. 23. November 2015 (unescap.org [PDF]).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Ministry of Rail Transportation, S. 27
  2. a b c d Glyn Williams: Railways in Myanmar (Burma). Abgerufen am 23. November 2018 (englisch).
  3. a b c Brief presentation bei: Ministry of rail transportation Myanma Railways, abgerufen am 9. Dezember 2018
  4. Ministry of Rail Transportation, S. 26
  5. a b ESCAP (Hrsg.): Monograph Series on Transport Facilitation of International Railway Transport in Asia and the Pacific. 2013, 2. Current operational status of international railway transport in the region, S. 8, 16–17 (unescap.org).
  6. a b c d Ministry of Rail Transportation, S. 40–43
  7. China–Myanmar railway accord signed. In: International Railway Journal. Volume 58, Nr. 11, November 2018, S. 7.
  8. Burma Mines Railway. In: FIBIwiki. Abgerufen am 23. November 2018 (englisch).
  9. Bernd Seiler: Burma Mines Railway, Myanmar: Goldenes Land und Kambodscha-Quickie. 2014;.
  10. Jan Ford: Jan Ford's World: Rangoon Tramways. In: Jan Ford's World. 5. Juli 2015;.
  11. No more electric tram on Yangon's Strand Road. Coconuts Yangon, 1. Juli 2016; (amerikanisches Englisch).
  12. Electric Tramway in Mandalay. Street Railway Review, 20 November 1904. Page 913.