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Sacré-Cœur de Montmartre

Kirchengebäude in Paris
Basilika Sacré-Cœur
Basilika Sacré-Cœur bei Nacht
Montmartre und Sacré-Cœur vom Triumphbogen

Die Basilica minor Sacré-Cœur de Montmartre [ˌsakʀeˈkœʀ] (Basilika vom Heiligsten Herzen in Montmartre) ist eine im neobyzantinischen Stil gebaute römisch-katholische Wallfahrtskirche auf dem Montmartre im 18. Pariser Arrondissement, die dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht ist.

ArchitekturBearbeiten

 
Dächerplan; je dunkler die Hintergrundfarbe, desto höher Gebäudeteil und Dach

Der Bau der historistischen Kirche[1] wurde 1875 vom Architekten Paul Abadie begonnen, der sich in einem Wettbewerb gegen 78 Mitbewerber durchgesetzt hatte, und 1914 abgeschlossen. Die Weihung des Hauses fand nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1919 statt. Paul Abadies Entwurf war deutlich durch die Architektur römisch-byzantinischer Kirchen inspiriert wie der Hagia Sophia in Istanbul und des Markusdoms in Venedig sowie der Kathedrale von Périgueux, die er restauriert hatte. Sacré-Cœur sollte später selbst Vorbild für andere Sakralbauten des 20. Jahrhunderts werden, zum Beispiel für die Basilika Sainte-Thérèse in Lisieux. Abadie verstarb bereits 1884, als der Bau erst begonnen war. Ihm folgten bis zur Fertigstellung sechs Architekten in der Bauleitung nach. Architektonisch ist die Kirche keine Basilika, sondern eine Kreuzkuppelkirche.

Sacré-Cœur wurde aus Château-Landon-Steinen zusammengefügt, einem frostresistenten Travertin aus dem gleichnamigen Ort im heutigen Département Seine-et-Marne, der durch die Witterung sein Calcit abgibt und so mit der Zeit ein kreideartiges Weiß annimmt. Die Fundamente reichen 33 Meter in den Boden, um die Kirche vor dem Einsinken in den lehmigen Untergrund zu bewahren. Die Kirche selbst misst 85 mal 35 Meter und hat eine Höhe von 83 Metern. Die große Kuppel ist allein 55 Meter hoch, von ihr kann man bei guten Wetterverhältnissen bis zu 40 km weit sehen.

Die Ikonografie der Basilika ist national geprägt: Das dreibogige Hauptportal wird von Reiterstatuen der Nationalheiligen Jeanne d’Arc und Ludwig IX. flankiert, die von Hippolyte Lefèbvre geschaffen wurden.

In der Apsis der Basilika befindet sich das Mosaik des Heiligsten Herzens von Luc-Olivier Merson (fertiggestellt 1922), das mit 475 m² eines der größten Mosaiken der Welt ist. Es zeigt Jesus mit flammendem, dornenumkränztem Herzen und weit ausgebreiteten Armen.

Die Architektur von Sacré-Cœur wurde in der Fach- und Reiseliteratur lange Zeit negativ bewertet. In einem Bildband von 1974 heißt es:

„Wenn man sich nähert und den Vorplatz erreicht, wenn man das Innere betritt, kann man sich nicht mit der Häufung bedeutungsloser Baukörper abfinden, den ruhmrednerischen, unproportionierten Kuppeln, der unverwüstlichen Häßlichkeit der Skulpturen und Mosaiken und noch weniger mit der Kälte des bleichen Werkstoffs, der niemals eine Patina annehmen wird, diesem robusten Stein aus Château-Landon, der entgegen der Erwartung mit zunehmendem Alter immer weißer wird.“

Fleury, Erlande-Brandenburg und Babelon 1974[2]

GeschichteBearbeiten

 
Die 5 m hohe Herz-Jesu-Statue von Pierre Seguin
 
Innenansicht der Basilika Sacré-Cœur mit dem großen Mosaik in der Apsis
 
Rosette mit dem Heiligsten Herzen Jesu

Den Ort hatte zuvor der Erzbischof von Paris und spätere Kardinal Joseph Hippolyte Guibert OMI ausgewählt. Der Grundstein wurde 1875 gelegt, also im selben Jahr, in dem die Verfassung der Dritten Republik in Kraft trat. Dieser symbolische Gehalt war durchaus beabsichtigt. Der Staat unterstützte das Projekt finanziell, nachdem die Nationalversammlung den Neubau zu einem nationalen Projekt erklärt hatte. Die Kirche sollte aber auch dem Gedenken an die französischen Opfer des Deutsch-Französischen Krieges und der „Abbüßung der Verbrechen der Kommunarden“ dienen. Sie ist auch eine Reaktion auf die Eroberung Roms, der heiligen Stadt, durch die Truppen Viktor Emanuels II. und die „Gefangenschaft“ des Papstes Pius IX. – hierbei spielt das Motiv der Buße für eine angebliche spirituelle Verkommenheit eine Rolle, in der die Honoratioren, die den Bau initiierten, die Ursache für diese beiden Ereignisse sahen.

Die 40 Millionen Francs, die der Bau letztlich verschlang, wurden teilweise durch Spenden aufgebracht (die Namen der Spender meißelte man in den Stein des Neubaus), und 1914 wurde Sacré-Cœur de Montmartre schließlich fertiggestellt. Die Weihe war für den 17. Oktober 1914 vorgesehen, sie wurde wegen des Ersten Weltkriegs verschoben und erfolgte erst nach dessen Ende am 16. Oktober 1919 durch Léon-Adolphe Kardinal Amette. Dabei erhielt sie durch Papst Benedikt XV. auch den Titel einer Basilica minor.

Die Kirche ist dem Herzen Jesu geweiht. Papst Pius IX. führte 1856 das Herz-Jesu-Fest in den Römischen Generalkalender ein und stärkte die Herz-Jesu-Verehrung dadurch weiter. Papst Leo XIII. weihte in seiner Enzyklika Annum sacrum von 1899 die ganze Welt dem Herzen Jesu. Seit 1885 (einer Zeit, als die Kirche erst teilweise fertiggestellt war) befindet sich über dem Hochaltar eine Monstranz mit dem Allerheiligsten.

TourismusBearbeiten

Heute ist Sacré-Cœur eine der von Touristen meistbesuchten Sehenswürdigkeiten von Paris. Durch die erhöhte Lage sind insbesondere die Treppen vor dem Gebäude bei allen beliebt, die die Aussicht über die Stadt genießen möchten. Von dort sieht man auch die nahegelegene Kirche St-Vincent-de-Paul de Paris. Alternativ kann man auch mit dem Funiculaire de Montmartre, einer Standseilbahn, zur Basilika gelangen.

OrgelnBearbeiten

Die Basilika besitzt eine Haupt- und eine Chororgel. Die Hauptorgel wurde 1898 von Aristide Cavaillé-Coll erbaut. Das Instrument stand ursprünglich im Schloss Ilbarritz des Baron Albert de l’Espée. Dieser verkaufte die Orgel bereits 1905 an Cavaille-Colls Nachfolger Charles Mutin, der die Schlossorgel im Saal der Orgelbaufirma in Paris aufstellte und dort umbaute. 1914 verkaufte er das Instrument an die Basilika Sacré-Cœur. Dort wurde die Orgel erst nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1919 aufgestellt und zwar in einem neuen Gehäuse auf der Südempore. 1980 bis 1985 wurde die Orgel umfassend restauriert und zwischenzeitliche Veränderungen wurden rückgängig gemacht.[3] Das Instrument hat heute 78 Register auf vier Manualwerken und Pedal.[4]

I Grand-Orgue C-c4
01. Montre 16′
02. Bourdon 16′
03. Gambe 16′
04. Montre 08′
05. Flûte harmonique 0 08′
06. Bourdon 08′
07. Viole de gambe 08′
08. Salicional 08′
09. Prestant 04′
10. Viole 04′
11. Nasard 0223
12. Doublette 02′
13. Cornet V
14. Fourniture V
15. Cymbale IV
16. Bombarde 16′
17. Trompette 08′
18. Clairon 04′
II Positif expressif C-c4
19. Quintaton 16′
20. Principal 08′
21. Flûte harmonique 0 08′
22. Cor de nuit 08′
23. Salicional 08′
24. Flûte 04′
25. Dulciane 04′
26. Octavin 02′
27. Cornet V
28. Carillon III
29. Basson 16′
30. Trompette 08′
31. Cromorne 08′
32. Voix humaine 08′
Trémolo
III Récit expressif C-c4
33. Bourdon 16′
34. Diapason 08′
35. Flûte traversière 08′
36. Bourdon 08′
37. Viole de gambe 08′
38. Voix céleste 08′
39. Octave 04′
40. Flûte octaviante 04′
41. Doublette 02′
42. Plein-Jeu III–V
43. Bombarde 16′
44. Trompette harmonique 0 08′
45. Basson-Hautbois 08′
46. Clairon harmonique 04′
Trémolo
IV Solo expressif C-c4
47. Bourdon 16′
48. Diapason 08′
49. Flûte harmonique 0 08′
50. Octave 04′
51. Flûte octaviante 04′
52. Octavin 02′
53. Cornet VIII
54. Fourniture II–V
55. Tuba magna 16′
56. Clarinette 16′
57. Tuba mirabilis 08′
58. Trompette 08′
59. Cor anglais 08′
60. Cor harmonique 04′
Trémolo
Pédale C-g1
61. Flûte 32′
62. Soubasse 32′
63. Flûte 16′
64. Soubasse 16′
65. Violonbasse 0 16′
66. Quinte 1023
67. Flûte 08′
68. Bourdon 08′
69. Violoncelle 08′
70. Tierce 0625
71. Quinte 0513
72. Septième 0447
73. Corno dolce 04′
74. Bombarde 32′
75. Bombarde 16′
76. Basson 16′
77. Trompette 08′
78. Clairon 04′

Daneben besteht auch eine Chororgel mit 19 Registern auf zwei Manualen, die 1914 von Charles Mutin in ein bereits 1904 von Lucien Magne entworfenes Gehäuse gebaut wurde. Sie hat folgende Disposition:

I Grand-Orgue
01. Bourdon 16′
02. Montre 08′
03. Bourdon 08′
04. Flûte harmonique 00 08′
05. Salicional 08′
06. Prestant 04′
07. Nazard 0223
II Récit expressif (schwellbar)
08. Diapason 08′
09. Cor de nuit 08′
10. Viole de Gambe 08′
11. Voix céleste 08′
12. Flûte octaviante 04′
13. Plein Jeu IV
14. Basson 16′
15. Trompette harmonique 00 08′
16. Basson-Hautbois 08′
17. Soprano harmonique 04′
Pédale
18. Soubasse (= Nr.1)0 16′
19. Flûte 16′
20. Flûte 08′

Titularorganisten:

GlockenBearbeiten

 
Glockenturm

Im Turm der Kirche hängt ein fünfstimmiges Bronzegeläut. Die große Glocke – mit 18,835 t Gewicht die größte Glocke Frankreichs und eine der größten der Welt – hat den Schlagton c°+4. Sie wurde 1895 in Annecy gegossen und heißt Savoyarde nach dem 1860 französisch gewordenen Savoyen.

LiteraturBearbeiten

  • Markus Dauss: Identitäts-Architekturen. Öffentliche Bauten des Historismus in Paris und Berlin (1871–1918). Thelem, Dresden 2007, ISBN 978-3-939888-02-4 (u. a. über die Basilika als „zentralen Verdichtungspunkt kirchlicher Identitätsentwürfe“).
  • Daniel Roth, Günter Lade: Die Cavaillé-Coll-Mutin-Orgel der Basilika Sacré-Coeur in Paris. Lade, Langen bei Bregenz 1992, ISBN 3-9500017-2-7.
  • Heinfried Wischermann: Architekturführer Paris (= Hatje-Architekturführer). Gerd Hatje Verlag, Ostfildern 1997, ISBN 3-7757-0606-2, S. 87.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sacré-Cœur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jürgen Hotz u. a.: Der Brockhaus Kunst. F. A. Brockhaus, Leipzig-Mannheim 2001, ISBN 3-7653-2772-7, S. 481.
  2. Michel Fleury, Alain Erlande-Brandenburg, Jean-Pierre Babelon: Paris. Übers. aus dem Französischen von Nina Brotze und Dieter Kimpel. Hirmer, München 1974, ISBN 3-7774-2650-4, S. 350.
  3. Zur Geschichte der Orgel. In: edition-lade.com, abgerufen am 25. März 2017.
  4. Zur Disposition. In: edition-lade.com, abgerufen am 25. März 2017.
  5. Titelergänzung: „Sacre Coeur, die Pariser Kirche im Zuckerbäckerstil, soll abgerissen werden. Das fordert zumindest eine Initiative zur Stadtverschönerung. Der Vorschlag wurde abgeschmettert, aber er erinnert an eine alte Wunde. Erst recht am Tag der Pariser Kommune, dem 18. März.“

Koordinaten: 48° 53′ 12″ N, 2° 20′ 34″ O