Słońsk

Dorf in Polen

Słońsk (deutsch Sonnenburg) ist ein zum Powiat Sulęciński (Zielenziger Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Lebus gehörendes Dorf (bis 1947 Stadt). Der Ort ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde mit 4755 Einwohnern (Stand 30. Juni 2019).

Słońsk
Wappen des Orts
Słońsk (Polen)
Słońsk
Słońsk
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Sulęciński
Gmina: Słońsk
Geographische Lage: 52° 34′ N, 14° 48′ OKoordinaten: 52° 33′ 50″ N, 14° 48′ 10″ O
Höhe: 23 m n.p.m.
Einwohner: 3000 (2004)
Postleitzahl: 66-436
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSU
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BerlinWarschau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów



Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt in der Neumark in der Warthe-Niederung, südlich des Flusses und etwa 15 Kilometer östlich von Kostrzyn nad Odrą (Küstrin).

 
Sonnenburg östlich von Küstrin und nordöstlich von Frankfurt an der Oder auf einer Landkarte von 1905

GeschichteBearbeiten

 
Kirche, bis 1946 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde
 
Sonnenburg, Stich v. Matthäus Merian d. Jüngeren

Sonnenburg wurde 1295 erstmals urkundlich erwähnt. Der Templerorden besaß in der Stadt eine Ordensniederlassung. 1312 wurden der Markgraf von Brandenburg und der Bischof von Lebus als gemeinsame Besitzer genannt. Henning und Arnold von Uechtenhagen, die Sonnenburg als Lehen erhalten hatten, errichteten 1341 das erste Sonnenburger Schloss. Vom 15. Jahrhundert an ist die Geschichte Sonnenburgs eng mit dem Johanniterorden verbunden, welcher Siedlung und Schloss 1426 für 900 Schock böhmischer Groschen vom Markgrafen Friedrich I. von Brandenburg erworben hatte. Das Schloss wurde Sitz des Herrenmeisters der Ballei Brandenburg, die innerhalb des Johanniterordens relativ selbständig war. Der Orden tat viel für den Ausbau von Sonnenburg. 1474 bis 1522 erbauten die Johanniter eine neue Kirche und 1545 bis 1564 ein neues Schloss.

1538 trat Joachim II., Kurfürst von Brandenburg, zur lutherischen Lehre über. Die Ballei Brandenburg folgte ihm darin und behielt einen Großteil ihrer Besitzungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden das Ordensschloss und der Ort schwer zerstört. In den Jahren 1662 bis 1667 ließ Johann Moritz von Nassau-Siegen, der 1652 zum Herrenmeister des Ordens berufen wurde, ein neues Residenzschloss errichten. Baumeister war der Holländer Cornelis Ryckwaert.

Bis zur Säkularisation 1811 blieb Sonnenburg unter der Herrschaft des Ordens. Nach 1815 lag der Ort im Landkreis Sternberg (nach der Teilung 1873 Landkreis Oststernberg). Das Schloss wurde nach der Wiedererrichtung des protestantischen Johanniterordens Sitz des Herrenmeisters und blieb bis 1945 im Besitz des Ordens.

 
Schlossruine
 
Pforte des Zuchthauses um 1931, das später, während der NS-Zeit, als KZ Sonnenburg diente

Im Jahr 1933 wurde das bisherige Zuchthaus zum Konzentrationslager Sonnenburg umfunktioniert, das am 31. Januar 1945 Schauplatz eines deutschen Endphaseverbrechens wurde, dem mehr als 810 Häftlinge zum Opfer fielen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung polnischer Migranten, die zum Teil aus von Polen nach dem Ersten Weltkrieg östlich der Curzon-Linie eroberten Gebieten kamen. Die deutsche Stadt Sonnenburg wurde in Słońsk umbenannt, die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben.[1]

Das Stadtrecht wurde 1947 entzogen. Viele Gebäude, darunter das Johanniter-Krankenhaus, wurden abgetragen, um Baumaterial für den Wiederaufbau Warschaus zu gewinnen. Das Schloss fiel 1976 einer vorsätzlichen Brandstiftung zum Opfer und dominiert bis heute als Ruine das Stadtbild.

GemeindeBearbeiten

Zur Landgemeinde (gmina wiejska) Słońsk gehören das Dorf selbst und weitere Dörfer mit Schulzenämtern. Ein Drittel des Gemeindegebietes gehört zum Nationalpark Warthemündung, einem der größten Vogelschutzgebiete Europas.

StädtepartnerschaftBearbeiten

Amt Schlaubetal (Brandenburg)

PersönlichkeitenBearbeiten

In Sonnenburg geboren
Persönlichkeiten, die im Ort wirkten
  • Wilhelm Speck (1861–1925), Schriftsteller, Dichter, evangelischer Pastor und Pädagoge sowie Gefängnisseelsorger in Sonnenburg.

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 261–265 (online).
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855, S. 203–207.
  • Paul von Niessen: Die Johanniterordensballei Sonnenburg und Markgraf Johann von Brandenburg. Schaeffer, Landsberg/Warthe 1913 (Schriften des Vereins für Geschichte der Neumark. 29/30, ZDB-ID 500750-1).

WeblinksBearbeiten

Commons: Słońsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Allgemein zur vollständigen Vertreibung der Einwohner der historischen Neumark siehe Paweł Rutkowski (Hrsg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnung mit der Neumark. Deutsches Kulturforum, Potsdam 2012, ISBN 978-3-936168-44-0, S. 14f. Zum Beginn der Vertreibung in den grenznahen Gebieten noch vor der Potsdamer Konferenz siehe Detlef Brandes (Hrsg.): Lexikon der Vertreibungen. Deportation, Zwangsaussiedlung und ethnische Säuberung im Europa des 20. Jahrhunderts. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2010, ISBN 978-3-205-78407-4, S. 726–728.