Südrussische Tarantel

Art der Webspinnen
Südrussische Tarantel
Südrussische Tarantel (Lycosa singoriensis), Weibchen

Südrussische Tarantel (Lycosa singoriensis), Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Wolfsspinnen (Lycosidae)
Gattung: Lycosa
Art: Südrussische Tarantel
Wissenschaftlicher Name
Lycosa singoriensis
(Laxmann, 1770)

Die Südrussische Tarantel (Lycosa singoriensis) ist eine Webspinne innerhalb der Familie der Wolfsspinnen (Lycosidae). Sie ist die größte in Mitteleuropa vorkommende Spinnenart.

MerkmaleBearbeiten

 
Männchen

Die Männchen der Südrussischen Tarantel erreichen eine Körperlänge von 14 bis 27 mm, die Weibchen eine von bis zu 35 mm. Damit ist die Südrussische Tarantel die größte Wolfsspinne und darüber hinaus auch eine der größten Spinnen Europas überhaupt.

Die Grundfärbung der Südrussischen Tarantel ist hell oder dunkelgrau. Der hintere Teil des Prosomas verfügt über schwache Radiärstreifen, der vordere Teil verfügt über eine undeutliche Bindenzeichnung. Der Hinterleib (Opisthosoma) hat zwei hintereinander angeordnete, seitlich gezackte Lanzettenflecken, die in mehrere hell gesäumte Winkelflecken übergehen, die an ihren Spitzen jeweils einen hellen Punkt tragen.[1]

VorkommenBearbeiten

Das Verbreitungsgebiet der Südrussischen Tarantel reicht vom Neusiedler See in Österreich über Ungarn bis nach Russland, südlich verläuft das Verbreitungsgebiet bis an das östliche Mittelmeerufer. Die Südrussische Tarantel bewohnt schwach bewachsene Steppengebiete und ist häufig auf salzhaltigem Untergrund anzutreffen.

LebensweiseBearbeiten

 
Südrussische Tarantel am Ausgang ihrer Wohnröhre

Die Lebensweise der Südrussischen Tarantel ähnelt der der nah verwandten Apulischen Tarantel. Wie diese gräbt die Südrussische Tarantel Wohnröhren, die mit einer maximalen Tiefe von 50 cm allerdings deutlich tiefer als die der Schwesterart sein können. Auch verfügt die Mündung der Wohnrohre hier über einen Kragen, der allerdings deutlich fest mit Pflanzenteilen verwoben ist. Während die Spinnen nachts ihre Wohnröhren zur Nahrungssuche verlassen, verbleiben sie tagsüber oftmals in der Röhre verborgen. Im Frühjahr hingegen sind sie auch an der Mündung der Wohnröhre zu sehen, um sich zu sonnen. Zur gleichen Zeit sind auch die Männchen aktiv auf der Suche nach Geschlechtspartnern unterwegs. Nach einer abgeschlossenen Paarung stellt das Weibchen einen Eikokon mit mehreren hundert Eiern her und trägt diesen, wie es für Wolfsspinnen typisch ist, mit sich herum, angeheftet an den Spinnwarzen. Die geschlüpften Jungspinnen begeben sich unmittelbar nach dem Schlupf auf den Rücken der Mutter und lassen sich von dieser eine Zeit lang tragen, ehe sie sich von ihrer Mutter trennen. Ausgewachsene Männchen sind vom Herbst bis ins Frühjahr zu finden, Weibchen ganzjährig.

Südrussische Tarantel und MenschBearbeiten

Die Südrussische Tarantel ist, anders als die Apulische Tarantel in ihrem Vorkommensgebiet kaum gefürchtet. Aus der Ukraine existieren sogar Berichte, dass sich Kinder zum Zeitvertreib mit Südrussischen Taranteln beschäftigen.[1]

Bissunfälle und GiftigkeitBearbeiten

 
Drohende Südrussische Tarantel

Die Cheliceren der Spinne sind kräftig genug, um die menschliche Haut zu durchdringen. Die Wirkung des Giftes selber hat für den Menschen aber kaum relevante Folgen. Es treten im Bereich der Bisswunde Rötungen und Schwellungen auf. Selten kann der Biss auch Fieber auslösen. Bissunfälle treten aufgrund der geringen Aggressivität der Spinne ohnehin selten auf. Im Regelfall versucht sich die Südrussische Tarantel bei Störungen zurückzuziehen. Im Falle eines bevorstehenden Bisses, etwa, weil die Spinne in die Enge getrieben wurde, richtet sie sich auf und erhebt die vorderen Beinpaare.

Gefährdung und SchutzBearbeiten

In einigen Arealen ihres Verbreitungsgebiets, besonders im westlichen Teil, sind abnehmende Bestände der Südrussischen Tarantel bemerkbar geworden. In Österreich ist die Spinne innerhalb der Roten Liste gefährdeter Arten als "vom Aussterben bedroht" eingetragen und genießt dort gesetzlichen Schutz.[2] Mittlerweile existieren allerdings auch Berichte, dass sich die zurückgegangenen Populationen der Spinnen vielerorts erholen.[3]

GalerieBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Über 400 Arten Europas. Kosmos Naturführer, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2. Auflage, 2016, S. 182, ISBN 978-3-440-14895-2.
  2. Südrussische Tarantel fühlt sich in Österreich immer wohler. Kleine Zeitung vom 27. September 2018, abgerufen am 13. März 2019.
  3. Keine Angst! Die Südrussische Tarantel ist weder neueingewandert noch gefährlich. derStandard vom 28. September 2018, abgerufen am 18. März 2019.

LiteraturBearbeiten

  • Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Über 400 Arten Europas. Kosmos Naturführer, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2. Auflage, 2016, S. 182, ISBN 978-3-440-14895-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: Südrussische Tarantel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Lycosa singoriensis im World Spider Catalog