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Rorate lautet der Beginn zweier verschiedener Antiphonen in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche zur Adventszeit. Der Text Rorate caeli desuper, „Tauet, Himmel, von oben“ stammt aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja (Jes 45,8 VUL). Als Roratemessen werden Eucharistiefeiern bezeichnet, die im Advent frühmorgens vor Sonnenaufgang, örtlich auch am Abend bei Kerzenschein gefeiert werden.

Text der IntroitusantiphonBearbeiten

 
Rorate caeli desuper in einer mittelalterlichen Handschrift auf der Marienburg
Rorate coeli
Latein Deutsch
Rorate caeli desuper,
et nubes pluant iustum:
aperiatur terra,
et germinet Salvatorem.
(Jes 45,8 VUL)
Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten:
Es öffne sich die Erde
und sprosse den Heiland hervor.
(Jes 45,8 EU)

Die Introitus-Antiphon Rorate caeli mit dem Psalm 19 (Ps 19,2 EU) gehört zum Proprium des vierten Adventssonntags. Dieselbe Antiphon zum Introitus ist auch Teil einer Votivmesse an den Samstagen im Advent, jetzt mit Psalm 85 (Ps 85,2 EU).

Die RoratemesseBearbeiten

 
Roratemesse im Prager Veitsdom

Die Roratemesse im eigentlichen Sinn stellt die Messe vom vierten Adventssonntag dar, welche nach der Antiphon des Introitus-Gesanges Rorate ihren Namen hat und in der das Evangelium von der Verkündigung des Herrn durch den Erzengel Gabriel an Maria gelesen wird. Davon abgeleitet ist die Roratemesse als Votivmesse zu Ehren Mariens. Bis zur Reform der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde sie an den Samstagen der Adventszeit, mancherorts aber auch öfters an Werktagen in der Adventszeit gefeiert, besonders in den Tagen ab dem 17. Dezember.[1] Wegen des dabei vorgetragenen Evangeliums von der Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel bezeichnete man sie vor allem in den Alpenländern auch als Engelamt. Ihre liturgische Farbe war weiß. Sie fand vor ausgesetztem Allerheiligsten statt. Mit besonderer Feierlichkeit wurde die Roratemesse am Quatember-Samstag in der Adventszeit begangen, weswegen die Roratemesse an diesem Tag auch „goldene Messe“ oder gulden mehs hieß.

Es wurde Brauch, die Kirche bei dieser Messe allein durch Kerzen zu erleuchten. In Franken wurden Roratemessen daher auch Lichtleskerch genannt.[2] Wann dieser bei den Gläubigen beliebte Brauch entstand, ist unbekannt. Man schrieb ihm besondere Wirksamkeit für das Wohlergehen in Familie, Haus und Hof sowie die Fruchtbarkeit im folgenden Jahr zu. In der Barockzeit wurde die Verkündigung in der heiligen Messe durch szenische Darstellungen aus der Heilsgeschichte erweitert.[3]

Durch die liturgische Erneuerung ab 1970 erhielten die einzelnen Werktage der Adventszeit je ein komplettes Messformular mit eigenen Schriftlesungen. Damit rückt zugleich der Aspekt der sehnsüchtigen Erwartung des Volkes Gottes, das die zweite Ankunft des Herrn in Herrlichkeit erwartet, stärker in den Blick und wird bedeutsamer als die traditionelle Widmung der Votivmesse an Maria. Der Rorateruf Rorate caeli desuper bezeichnet gleichsam die Grundgestalt der Adventszeit als eine Zeit der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn. Wegen der Eigentexte vom 17. bis zum 23. Dezember kann eine Roratemesse nach dem 16. Dezember nicht mehr gefeiert werden.

In Gemeinden praktiziert wird heute vielerorts die Feier einer Roratemesse in der Morgenfrühe (vor Aufgang des Lichtes, gleichsam Christus als Licht erwartend), gestaltet unter Einsatz von zahlreichen Kerzen und häufig mit Stille und meditativen Elementen. Mancherorts wird aber auch die abendliche Messfeier im Stile einer Rorate-Messe gestaltet. Zum Gesang bieten sich der Introitus des vierten Adventssonntags (gegebenenfalls durch eine Schola oder den Kantor) oder aber der klassische Wechselgesang mit Roratekehrvers (Gotteslob 234,2; unter 234,1 auch auf Deutsch).

Außerliturgischer WechselgesangBearbeiten

 
Beginn des Wechselgesangs im Liber Usualis

Ein außerliturgischer adventlicher Wechselgesang mit dem Kehrvers Rorate, caeli desuper, jedoch einer anderen Singweise, geht möglicherweise auf Aurelius Prudentius Clemens (* 348, † um 405) zurück.

Latein Deutsch
Kehrvers: Rorate caeli desuper,
et nubes pluant justum.

Kv: Tauet Himmel, von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten.

Ne irascaris Domine,
ne ultra memineris iniquitatis:
ecce civitas Sancti facta est deserta:
Sion deserta facta est:
Jerusalem desolata est:
domus sanctificationis tuae et gloriae tuae,
ubi laudaverunt te patres nostri. – Kv

Zürne nicht länger, Herr,
nicht länger gedenke unserer Missetaten.
Siehe, die Heilige Stadt ist zur Wüste geworden,
Zion ist zur Wüste geworden.
Jerusalem ist verödet,
das Haus deiner Heiligung und deiner Herrlichkeit,
wo dich gepriesen haben unsere Väter. – Kv

Peccavimus, et facti sumus tamquam immundi[4] nos,
et cecidimus quasi folium universi:
et iniquitates nostrae quasi ventus abstulerunt nos:
abscondisti faciem tuam a nobis,
et allisisti nos in manu iniquitatis nostrae. – Kv

Wir haben gesündigt und sind unrein geworden
und sind gefallen wie ein Blatt,
und unsere Missetaten haben uns wie der Wind fortgetragen.
du hast dein Antlitz verborgen vor uns
und uns zerschmettert durch die Wucht unserer Schuld. – Kv

Vide Domine afflictionem populi tui,
et mitte quem missurus es:
emitte Agnum dominatorem terrae,
de Petra deserti ad montem filiae Sion:
ut auferat ipse jugum captivitatis nostrae. – Kv

Sieh an, Herr, die Betrübnis deines Volkes,
und sende, den du senden willst.
Sende aus das Lamm, den Beherrscher der Erde,
vom Felsen der Wüste zum Berg der Tochter Zion,
dass es hinwegnehme das Joch unserer Knechtschaft. – Kv

Consolamini, consolamini, popule meus:
cito veniet salus tua:
quare maerore consumeris,
quia innovavit te dolor?
Salvabo te, noli timere,
ego enim sum Dominus Deus tuus,
Sanctus Israël, Redemptor tuus. – Kv

Tröstet, tröstet, mein Volk!
Bald wird kommen dein Heil.
Warum verzehrst du dich in Trauer,
weil sich erneuert hat dein Schmerz?
Ich werde dich retten, fürchte dich nicht.
Denn ich bin der Herr, dein Gott,
der Heilige Israels, dein Erlöser. – Kv

Rorate in Musik und BildBearbeiten

Aus dem Rorate haben sich im 15. und 18. Jahrhundert die bekannten Adventslieder O Heiland, reiß die Himmel auf als Kontrafaktur[5] und Tauet, Himmel, den Gerechten sowie der Brauch des Klopferstages entwickelt. Das Christus-Oratorium von Franz Liszt beginnt mit der gregorianischen Melodie des Rorate-Introitus. Auch lutherische Komponisten wie Heinrich Schütz (SWV 322) haben das Stück vertont.

Anselm Kiefer schuf 2005/2006 ein aufeinander bezogenes Bildpaar mit den Titeln Rorate caeli et nubes pluant iustum und Aperiatur Terra et Germinet Salvatorem. Die Bilder zeigen eine düstere öde Landschaft, die sich in eine blühende Wiese verwandelt.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Maria Hauk-Rakos: Rorate-Gottesdienste: Lichtfeiern im Advent. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2006, ISBN 3-451-29177-0.
  • Herbert Rauchenecker: Lebendiges Brauchtum. Kirchliche Bräuche in der Gemeinde. Pfeiffer, München 1985, ISBN 3-7904-0428-4.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Adolf Adam/Rupert Berger: Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg: Herder 1990, s.v. Rorate-Messe, S. 458
  2. Herbert Rauchenecker: Lebendiges Brauchtum. Kirchliche Bräuche in der Gemeinde. München, 1985, S. 166.
  3. Manfred Becker-Huberti: Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Sonderausgabe. Freiburg-Basel-Wien 2001, ISBN 3-451-27702-6, S. 110f.
  4. immmundi: Gebet- und Gesangbuch für das Erzbistum Köln. Köln 1949, S. 698; Liber Usualis 1951ff., S. 1869 hat das grammatikalisch schwer erklärliche immundus (Druckfehler?).
  5. Markus Bautsch: Über Kontrafakturen gregorianischen Repertoires – Rorate, abgerufen am 8. Dezember 2014
  6. Massachusetts Museum of Contemporary Art (Memento des Originals vom 2. Dezember 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.massmoca.org