Rolf Große

deutscher Historiker

Rolf Große (* 13. März 1958 in Bardenberg) ist ein deutscher Historiker.

Rolf Große studierte Geschichte, Lateinische Philologie und Historische Hilfswissenschaften an der Universität zu Köln. Große wurde 1984 bei Odilo Engels und Erich Meuthen an der Universität zu Köln promoviert. Dort war er von 1984 bis 1987 wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit 1987 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Paris (DHIP). 2001 erfolgte seine Habilitation an der Universität Heidelberg und die Erteilung der Venia legendi für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften. Seit 2007 ist er außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg. Große ist am DHIP Fachgebietsleiter für Mittelalter, Leiter der Gallia Pontificia, Redaktionsleiter der Francia sowie Redakteur der Studien und Dokumente zur Gallia Pontificia. Große ist korrespondierendes Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica (seit 2009) und korrespondierendes Ehrenmitglied der Société des antiquaires de France (seit 2011).

Seine Forschungsschwerpunkte sind Westeuropa im Hochmittelalter, deutsch-französische Beziehungen, Landesgeschichte der Île-de-France, die Abtei Saint-Denis sowie die Diplomatik der älteren Papsturkunde. In seiner Dissertation befasste er sich mit dem Bistum Utrecht und seinen Bischöfen im 10. und frühen 11. Jahrhundert.[1] Im Gegensatz zu der in der Forschung vertretenen Auffassung vom engen Zusammenwirken des Bistums mit den Ottonen kommt Große zu dem Ergebnis, dass die Utrechter Bischöfe „im 10. und frühen 11. Jahrhundert keineswegs zuverlässige Stützen des Herrschers waren“ und sie hätten „aufgrund ihres Selbstverständnisses auf seiten der Opposition“ gestanden.[2] Anlässlich des 1200. Todestags Karls des Großen fand im März 2014 unter der Leitung von Große eine internationale Tagung zum Thema „Charlemagne. Les temps, les espaces, les hommes. Construction et déconstruction d’un règne“ am Deutschen Historischen Institut in Paris statt.[3] Der Sammelband mit knapp 30 Beiträgen wurde 2018 von Große und Michel Sot herausgegeben.[4]

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • Das Bistum Utrecht und seine Bischöfe im 10. und frühen 11. Jahrhundert (= Kölner historische Abhandlungen. Bd. 33). Böhlau, Köln u. a. 1987, ISBN 3-412-03086-4 (Dissertation, Universität Köln, 1984).
  • Saint-Denis zwischen Adel und König. Die Zeit vor Suger (1053–1122) (= Beihefte der Francia. Nr. 57). Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-7451-4 (Habilitationsschrift, Universität Heidelberg, 2001; Digitalisat).
  • Vom Frankenreich zu den Ursprüngen der Nationalstaaten. 800–1214 (= Deutsch-französische Geschichte. Bd. 1). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-14699-9. In französischer Übersetzung: Du royaume franc aux origines de la France et de l’Allemagne. 800–1214 (= Histoire franco-allemande. Bd. 1). Presses Universitaires du Septentrion, Villeneuve d’Ascq 2014, ISBN 978-2-7574-0677-9.

Editionen

  • Papsturkunden in Frankreich. Neue Folge, Band 9: Diözese Paris. Teil 2: Abtei Saint-Denis (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Nr. 225). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-82470-X.

Herausgeberschaften

  • mit Michel Sot: Charlemagne. Les temps, les espaces, les hommes. Construction et déconstruction d’un règne (= Collection Haut Moyen Age. Bd. 34). Brepols Turnhout 2018, ISBN 978-2-503-57797-5.
  • mit Rainer Babel: Das Deutsche Historische Institut Paris. 1958–2008. = L’Institut Historique Allemand. Thorbecke, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-7296-5.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vgl. dazu die Besprechungen von Eckhard Müller-Mertens in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 98, 1990, S. 446–448; Rudolf Schieffer in: Rheinische Vierteljahrsblätter 52, 1988, S. 276–277; Hubertus Seibert in: Historische Zeitschrift 248, 1989, S. 429–430; John B. Freed in: The Catholic Historical Review 75, 1989, S. 138–139; Ludo Milis in: Francia 16/1, 1989, S. 265 (online), Immo Eberl in: Historisches Jahrbuch 109, 1989, S. 259–260; N. Plumat in: Nouvelle Revue Théologique. 110, 1988, S. 299–300.
  2. Rolf Große: Das Bistum Utrecht und seine Bischöfe im 10. und frühen 11. Jahrhundert. Köln u. a. 1987, S. 253.
  3. Amélie Sagasser: Tagungsbericht: Charlemagne. Les temps, les espaces, les hommes. Construction et déconstruction d’un règne, 26. März 2014 – 28. März 2014 Paris. In: H-Soz-u-Kult, 25. Juni 2014, (online).
  4. Vgl. dazu die Besprechung von Edoardo Manarini in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 99 (2019), S. 592–593; Christian Scholl in: Historische Zeitschrift. 309 (2019), S. 729–730.