Roland Kutzki

Roland Kutzki (* 20. März 1942 in Marienburg/Westpreußen) ist ein deutscher Architekt und Städtebauer.

BiografieBearbeiten

Ausbildung und StudiumBearbeiten

Kutzki ist der Sohn eines Ingenieurs und Fahrradhändlers. 1945, nach der Vertreibung aus Marienburg in Westpreußen und 1948, nach der Flucht der Familie aus Wildberg in Brandenburg, wuchs er in Dorfhagen (bei Hagen im Bremischen) und seit 1951 in Langen bei Bremerhaven auf. Er absolvierte die Volksschule und dann die Lessingschule in Bremerhaven-Lehe, anschließend machte er eine Lehre als Betonbauer bei H. F. Kistner in Bremerhaven.

Von 1962 bis 1966 studierte er Hochbau (Architektur) an der Bau- und Ingenieurschule in Bremen. Er war von 1963 bis 1966 Vorsitzender des Studentenbundes Bremen, gründete einen Studentenreisedienst Bremen, betreute das damals noch studentisch betriebene Jazzlokal StuBu, koordinierte ein Studentisches Arbeitsprogramm (STAP) und organisierte 1965 in Bremen die erste, bundesweite Großdemonstration gegen den Bildungsnotstand.

Berufliche TätigkeitBearbeiten

Architektur und Planung in BremenBearbeiten

Nach dem Studium war Kutzki bis 1969 bei verschiedenen Architekten beschäftigt, unter anderem für Hermann Brede, bei dem er den Neubau der Jugendherberge Syke betreute und das Gemeindezentrum Ellener Brok in Osterholz plante. Von 1969 bis 1990 war er für das damalige Universitätsbauamt (UBA), seit 1979 Hochbauamt Bremen (HBA), tätig und plante unter anderem von 1969 bis 1974 die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Zeitweise war er zudem Lehrbeauftragter an der Verwaltungsschule Bremen sowie Vorsitzender im Personalrat seines Amtes.

Stadterneuerung in Mecklenburg-VorpommernBearbeiten

Nach der Wende in der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands entsandte ihn das Land Bremen Ende 1990 als Berater für die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, die ihn Ende 1991 einstellte. Hier war er von 1990 bis 2004 Leiter des Bereichs Städtebauförderung, Stadtentwicklung und Stadterneuerung und somit zuständig für die Programme Städtebauförderung, Stadt- bzw. Rahmenplanung, Soziale Stadt, Städtebaulicher Denkmalschutz und Stadtumbau im Innen- und dann Bauministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Eine von vielen bedeutsamen Maßnahmen war bis 2001 der Einbau des Konzertsaales in der ausgebombten Marienkirche (Neubrandenburg). Er diente den Ministern Georg Diederich, Lothar Kupfer, Rudi Geil, Jürgen Seidel, Bärbel Kleedehn (alle CDU) und Helmut Holter (Die Linke). Von 1995 bis 2004 war er Vorsitzender des Landessanierungsrates Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus wirkte er bei über 30 Städtebaulichen- und Bauwettbewerben als Preisrichter. Im Ruhestand kehrte Kutzki nach Bremen zurück.

Kutzki ist verheiratet und hat einen Sohn, der Chemiker ist.

Gremienarbeit und EngagementBearbeiten

Politisch engagierte sich Kutzki ab 1966 in der Freien Demokratischen Partei (FDP) und bei den Deutschen Jungdemokraten (DJD). Hier war er zuletzt Landesvorsitzender der DJD-Bremen. 1971, als die FDP wegen der Position zur Entwicklung der Universität Bremen die Koalition im Senat Koschnick I verließ, wechselte er zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). In der SPD war er in verschiedene Gremien aktiv, so als Vorsitzender und Mitglied städtebaulicher Ausschüsse und in anderen Ausschüssen sowie als Vorstand in Ortsvereinen und im Unterbezirk Bremen-West.

In den 1970er Jahren bis 1990/91 war er aktiv als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Park links der Weser, seit 1986 als Gründungsvorsitzender bei der Gründung des Bürger- und Sozialzentrums in Huchting (BUS), im Stadtteilbeirat Huchting, als Vorsitzender eines Kulturladens (AKuF), in der Gewerkschaft und in der Architektenkammer Bremen. Seit 2006 wirkt er ehrenamtlich für die Wikipedia und verfasste rund 2400 neue Artikel, sowie ähnlich viele Artikelüberarbeitungen, überwiegend in den Bereichen Bremen und Umzu, Mecklenburg-Vorpommern, Sowjetunion und Bauwesen.[1]

WerkeBearbeiten

SchriftenBearbeiten

 
Staats- und Universitätsbibliothek
 
Ortsamt Huchting
  • Studentenwohnheime in Bremen. Hg. Studentenbund Bremen, Bremen 1967.
  • Planen, Bauen, Wohnen in der Gemeinschaft. Autorenkollektiv, Hg. Architektenkammer Bremen, Bremen 1981.
  • Die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen: Planung, Bau, Klimatisierung. In: Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche, S. 1–11, Heidelberg 1986.
  • Chancen und Perspektiven der Innenstadtentwicklung aus der Sicht der Städtebauförderung, S. 13–20. In DSSW-Dokumentation: Die Revitalisierung der Innenstädte in Mecklenburg-Vorpommer, DSSW-Schrift 9, Bonn 1994.
  • Städtebaulicher Denkmalschutz und städtebauliche Modelvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern. In: Alte Städte – Neue Chancen. Hg.: Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau und Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Monumente-Verlag, Bonn 1996, ISBN 3-9804890-0-0.
  • Die Festung Dömitz. Kann die Städtebauförderung bei der Sanierung helfen? In: Erhalt und Nutzung historischer Zitadellen. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2987-3.
  • Stadterneuerung in Mecklenburg-Vorpommern und ihre Bedeutung für den Tourismus. In: Städtebauförderung – historisch gewachsen und zukunftsfähig. Hg.: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Heft 9/10, Bonn 2001, ISSN 0303-2493.
  • Ökologische Stadterneuerung. In: Bundesbaublatt, Nr. 10/96, Bonn 1996.

Bauten (Auswahl)Bearbeiten

 
Sporthalle Rhythmische Sportgymnastik links neben den Uni-Sportbauten Bremen

QuellenBearbeiten

  • Autorenverzeichnis in Alte Städte – Neue Chancen. Hg.: Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau und Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Monumente-Verlag, Bonn 1996, ISBN 3-9804890-0-0.
  • Fachbiographie in Erhalt und Nutzung historischer Zitadellen. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2987-3.
  • Olga Gais (Text) und Franziska von den Driesch (Foto): Wiki und der schlaue Mann – Klopfen, fragen, schreiben: Roland Kutzki hat „Am Wall“ ins Netz gebracht. In: Die Zeitschrift der Straße, Nr. 19, Bremen November 2013, S. 36f.
  • Niels Kanning: Rentner bringt Bremen ins Netz. In: Weser-Kurier vom 8. März 2012.
  • Markus Noldes: Romane sind verlorene Zeit. In: Weser Report vom 22. Januar 2012, S. 1: „Wer eine Frage mit sich herumträgt, holt sich die Antwort oft im Internet bei Wikipedia. Geht es dabei um die Stadt oder das Land Bremen, hat die Antwort in vielen Fällen Roland Kutzki ins Netz gestellt“.
  • Katja Runge: Vielschreiber im Internet. Interview in Buten un binnen bei Radio Bremen vom 8. Mai 2012.
  • Olga Gala: Seine Regale reichen bis an die Decke. Bremer arbeitet für Wikipedia. In: weser-kurier.de vom 16. April 2018.
  • Martina Albert: Er bringt Wissen ins Netz. In: Nordsee-Zeitung, Landkreis Cuxhaven, Serie „Cuxland-Karrieren“ – gestern und heute: Architekt Roland Kutzki baut Wikipedia mit aus, 11. September 2018, S. 15.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Niels Kanning: Roland Kutzki bringt Bremen ins Netz. In: Weser-Kurier vom 8. März 2012
  2. Architekturführer Bremen: Evangelische Kirche Ellener Brok mit Gemeindezentrum
  3. Eberhard Syring: Bremen und seine Bauten – 1950–1979, S. 420. Schünemann Verlag, Bremen 2014, ISBN 978-3-944552-30-9.