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Robert Bürkner (Schauspieler)

deutscher Schauspieler

Carl Ernst Otto Robert Bürkner (* 12. Juli 1887 in Göttingen; † 19. August 1962 in Augsburg[1]) war ein deutscher Schauspieler, Theaterregisseur, Theaterintendant, Theaterautor und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

FamilieBearbeiten

Bürkners Vater war der Universitätsprofessor Kurd Bürkner, Facharzt für Ohrenheilkunde und Gründer der HNO-Klinik in Göttingen. Sein Großvater war der Dresdner Holzschnitzer und Kupferstecher Professor an der Kunstakademie Hugo Bürkner. Sein Bruder war der erfolgreiche deutsche Reiter, 18-facher deutsche Meister in der Dressur, Mitglied der deutschen Equipe bei den ersten olympischen Reiterspielen 1912 (Silber-Medaille in der Mannschaft) in Stockholm und „Erfinder“ der deutschen Schulquadrille Felix Bürkner. Sein Großneffe Moritz Bürkner ist ebenfalls Schauspieler geworden.

Ausbildung und erste AnstellungenBearbeiten

Nach dem Gymnasium absolvierte Bürkner zunächst (zwei Semester) ein Universitätsstudium. Danach begann er 1906 (mit 19 Jahren) seine Laufbahn als Theaterschauspieler. Die ersten Stationen waren Bremen, Stettin, Basel und das Nationaltheater Mannheim, wo er meist den jugendlichen Helden und Liebhaber verkörperte. Als „erster Held“ und Regisseur war er danach als Staatsschauspieler am Staatstheater Karlsruhe und am Altonaer Stadttheater tätig. Von 1929 bis 1934 wechselte er als Intendant an das Stadttheater nach Frankfurt (Oder). Nach weiteren 10 Jahren als Intendant in Lübeck wechselte er 1943 als Charakterspieler an das Theater am Schiffbauerdamm und die Tribüne nach Berlin.

Haltung während der NS-ZeitBearbeiten

Andrew G. Bonnell schrieb 2008:

„Das Lübecker Theater stand unter der Leitung eines Robert Bürkner, eines NS-Parteimitglieds und SA-Offiziers, der offenbar die besondere Gunst des Propagandaministeriums genossen zu haben scheint. Ironischerweise wurde er nur drei Monate, nachdem sein Theater mit dem Kaufmann von Venedig die Kristallnacht feierte, aus der NSDAP ausgeschlossen, als sich herausstellte, dass er eine jüdische Großmutter besaß, und es eine besondere Ausnahme von Goebbels brauchte, um in seiner Position zu bleiben.“[2]

Ganz anders wurde Bürkners weltanschauliche Haltung von Günter Zschacke in einer Artikelserie zum 100-jährigen Jubiläum des Lübecker Stadttheaters beschrieben:

„Der Lübecker Theaterchef rettete sich achtbar durch die Zeiten, suchte als Komödiant und Vollblutschauspieler sein Heil auch als Akteur. Es hat in der Hansestadt offenbar keinen Theaterleiter gegeben, der so oft selbst auf der Bühne stand wie Bürkner – von der Titelrolle des Hamlet bis zum Protagonisten in einem Lustspiel. 1938 hatte er seine Hoch-Zeit als Intendant: Im Januar boten Festtage unter dem Motto ‚Heitere deutsche Bühnenkunst der Gegenwart‘ Ur- und Erstaufführungen im Musik- wie im Sprechtheater. ... Doch bald handelte er nach seiner Devise ‚Durch die bunte Welt des Theaters den Ausgleich mit den Unebenheiten der realen Welt schaffen‘ und brachte – zumal im Schauspiel – ein Unterhaltungsstück nach dem anderen. Denn der Intendant sah sich in seinen künstlerischen Freiheiten immer stärker eingeengt. Wenn er sich am verordneten Zeitgeist orientierte, dann sanken die Zuschauerzahlen eklatant; selbst die Platzmiete der NS-Organisation ‚Kraft durch Freude‘ konnte die Zahlen nur wenig aufbessern. Gemieden wurde zum Beispiel die Uraufführung einer Tragödie mit dem Titel ‚Der Ritt ins Reich‘ von einem Werner Deubel. ...“[3]

Freilich hatte Bürkner in dieser Zeit auch solche Schreiben erhalten:

„Erlauben Sie uns, sehr verehrter Herr Intendant, daß wir Ihnen heute und auf diese Weise unseren herzlichsten Dank für Ihre Unterstützung unseres schweren Kampfes um die Durchdringung der deutschen Theater mit nationalsozialistischem Gedankengut sagen!“[4]

Nach dem KriegBearbeiten

Nach dem Krieg waren Bürkners Stationen u. a. die Spielstätten in Bonn, Oldenburg und das Stadttheater Augsburg. In seinen letzten Jahren unternahm er zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Hansi Nassée, die u. a. an den Wiener Kammerspielen engagiert war, zahlreiche Gastspielreisen.

Haupt- und NebenrollenBearbeiten

Zu Bürkners Bühnenhauptrollen gehörten beispielsweise: Hamlet, Peer Gynt, Franz Moor, Mephisto, König Lear, Herodes, Kandaules, König Phillip, Wallenstein, Wilhelm Tell, Brutus, Orest, Bolingbroke und den Baron von Wehrhahn in Der Biberpelz.

In den 1940er Jahren wirkte er in einigen Spielfilmen in Nebenrollen mit. Ab Ende der 1950er Jahre trat er auch in einigen Fernsehproduktionen in Erscheinung, wie 1959 im sechsten Teil des Straßenfegers So weit die Füße tragen als Erich Baudrexel, dem Onkel des späteren Kriegsheimkehrers Clemens Forell. Im Jahr darauf verkörperte er im dritten Teil des ebenfalls sehr erfolgreichen Fernseh-Mehrteilers Am grünen Strand der Spree den Hauslehrer Dr. Theodor Förster.

Bühnenstücke und -bearbeitungenBearbeiten

Bis in die Gegenwart hinein bekannt sind die zahllosen Bühnenbearbeitungen deutscher und europäischer Märchen, die Bürkner schlicht, poetisch und humorvoll zur Aufführung brachte. Darunter befinden sich praktisch alle beliebten Märchen der Brüder Grimm. Zu seinen ersten Arbeiten gehören hier Rotkäppchen (1919) und Dornröschen (1920). Zu den späteren Bearbeitungen zählt z. B. Die Gänsehirtin am Brunnen (1947). Zu seinen Märchenbearbeitungen gehören:[5]

  • Aschenputtel
  • Das tapfere Schneiderlein
  • Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
  • Der gestiefelte Kater
  • Die Gänsehirtin am Brunnen
  • Die Prinzessin auf der Erbse
  • Dornröschen
  • Frau Holle oder Goldmarie und Pechmarie
  • Ilsebills Weihnachtsabenteuer
  • Rotkäppchen
  • Rumpelstilzchen
  • Schneeweißchen und Rosenrot
  • Tischlein, deck dich, – Esel, streck dich, – Knüppel, aus dem Sack!
  • Zwerg Nase

Vor allem in den frühen Jahren schrieb er auch einige Lustspiele, wie Der Schuss in den Spiegel und Der neue Papa (beide 1919). Später verfasste er auch die Romane Die Falle (1940), Ein harmloser Mensch (1941) und Das unheimliche Feuer (1947), in dem das Lebensbild des Schauspielers Ludwig Devrient beschrieben wird.

1949 wird seine Autobiographie Alma Gomel veröffentlicht, humorvoll, bescheiden, unterhaltsam.

Die Landesbühne Schleswig-Holstein inszenierte viele seiner Märchen-Bearbeitungen:

  • 1949/50: Tischlein deck dich
  • 1950/51: Märchen vom Fischer und seiner Frau
  • 1951/52: Schneeweißchen und Rosenrot
  • 1952/53: Das tapfere Schneiderlein
  • 1954/55: Froschkönig
  • 1955/56: Frau Holle

Tod und BeisetzungBearbeiten

Am 19. August 1962 verstarb Bürkner, der Grandseigneur des deutschen Theaters, in Augsburg. Die Beisetzung fand am 21. August auf dem dortigen Westfriedhof, Feld 65 Reihe Weg Nummer 311 statt.

FilmografieBearbeiten

HörspieleBearbeiten

AutorBearbeiten

  • 1925: Rotkäppchen. Ein Kindermärchen-Lustspiel – Regie: N. N. (Ostmarken Rundfunk AG, Königsberg)
  • 1926: Die Prinzessin auf der Erbse. Ein Kindermärchen-Lustspiel in drei Bildern – Regie: Kurt Lesing (Ostmarken Rundfunk AG, Königsberg)
  • 1927: Das tapfere Schneiderlein. Ein Kindermärchenlustspiel in 3 Bildern – Regie: Nicht angegeben (Ostmarken Rundfunk AG, Königsberg)
  • 1927: Aschenputtel. Ein Märchenspiel – Regie: Kurt Lesing (Ostmarken Rundfunk AG, Königsberg)

SprecherBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Deutsches Bühnenjahrbuch, Jg. 71, 1963

LiteraturBearbeiten

  • Landesbühne Schleswig-Holstein (Hrsg.): 20 Jahre Landesbühne Schleswig-Holstein, Rendsburg: Albers 1969.
  • Katharina Kost, Sidney Smith: Theater Lübeck. Geschichte, Räume, Höhepunkte, Menschen, Lübeck: Schmidt-Römhild 2008.
  • Wolfgang Tschechne: Lübeck und sein Theater. Die Geschichte einer langen Liebe, Reinbek bei Hamburg: Dialog Verlag 1996.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stadtarchiv Göttingen, hier: die Geburtsurkunde
  2. Andrew G. Bonnell: Shylock in Germany. Antisemitism and the German Theatre from The Enlightenment to the Nazis, London/New York: I. B. Tauris 2008, p. 150, in deutscher Übersetzung.
  3. Günter Zschacke: 100 Jahre Stadttheater Lübeck: Feierstätte der Nation, Lübecker Stadtzeitung 2008.
  4. Aus einem Schreiben des Zentralverlages der NSDAP, zitiert beiGünter Zschacke: 100 Jahre Stadttheater Lübeck: Feierstätte der Nation, Lübecker Stadtzeitung 2008.
  5. http://d-nb.info/gnd/101143079