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Rechberg (Schwäbisch Gmünd)

Stadtteil von Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, Deutschland

GeographieBearbeiten

 
Rechberg Vorderweiler
 
Rechberg Hinterweiler
 
Ruine Hohenrechberg
 
Wallfahrtskirche St. Maria auf dem Hohenrechberg
 
Station am Kreuzweg

Geographische LageBearbeiten

Der Stadtteil Rechberg liegt rund fünf Kilometer südlich der Stadt Schwäbisch Gmünd am Fuße des gleichnamigen Rechberg, einem der Drei Kaiserberge.

GeologieBearbeiten

Die Gesteinsschichten der Gemarkung Rechberg wurden vor 205 Millionen Jahren von dem sich ausdehnenden Jurameer abgelagert. Die vorherrschende Gesteinsschicht gehört vor allem zum Mitteljura. Einziger Zeuge der früher darüberliegenden Oberjuraschicht ist der Rechberg. Der Berg besteht aus Oberjura und wurde als Verwerfung in der darunterliegenden Mitteljuraschicht vor der Erosion geschützt.

LandschaftBearbeiten

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts prägten Schaf- und Ziegenweiden das Landschaftsbild. Ab 1870 wurden die Berghänge teilweise mit Buchenwäldern aufgeforstet. Heute sind die Berghänge bewaldet, die Unterhänge werden als Intensivwiesen, Streuobstwiesen und Mischwald genutzt. Seit 1955 ist die gesamte Markung Rechberg, mit Ausnahme der Siedlungsflächen, Landschaftsschutzgebiet.

GliederungBearbeiten

Der Ort besteht aus den Teilorten Vorderweiler, Hinterweiler und mehreren Gehöften. Auf der Gemarkung des Ortes liegt der Berg Rechberg mit den beiden Gipfeln Schloßberg und Kirchberg.

KlimaBearbeiten

Messungen im Zeitraum von 1939 bis 1961 ergaben ein mittlerer Jahresniederschlag von ca. 1000 mm pro m² und Jahr und eine mittlere Jahrestemperatur von 7,3 °C. Im Zeitraum von 1961 bis 1990 ergab sich ein mittlerer Jahresniederschlag von ca. 1015 mm pro m² und Jahr und eine mittlere Jahrestemperatur von 7,8 °C. Das Klima wird daher als gemäßigt-montan eingestuft. Die Messungen fanden an Klimastationen in Schwäbisch Gmünd und Geislingen/Stötten statt.

GeschichteBearbeiten

OrtsgeschichteBearbeiten

Erste urkundliche Erwähnung in einer Urkunde Kaiser Friedrichs I. (Barbarossa) im Jahre 1179. Hierin unterschreibt Ulrich von Rechberg als „Ulricus de Rehperg“ als Zeuge. Vorderweiler wird erstmals 1355 als „by Rechberg w(e)yer“ genannt. Hinterweiler ist vermutlich im 15. Jahrhundert aus einem Bau- oder Burghof unterhalb der Burg entstanden. Bei einer Bürgeranhörung am 20. Januar 1974 stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 91 % lediglich 63 Bürger für eine Eingemeindung nach Schwäbisch Gmünd. 638 Bürger votierten für eine Beibehaltung der Selbständigkeit der Gemeinde.[1] Am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde gegen ihren Willen in die Stadt Schwäbisch Gmünd eingemeindet[2], was vom Staatsgerichtshof in einem Urteil vom 6. November 1975 bestätigt wurde.[3] Seit 15. Juli 1979 ist Rechberg staatlich anerkannter Erholungsort.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
21. September 1842 688
6. Mai 1844 730
27. Dezember 1844 800
19. Juni 1875 850
14. Juni 1895 ¹ 668
3. Februar 1908 711
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 1032
27. Mai 1970 ¹ 1264
11. November 2009[4] 1363
Dezember 2011[5] 1325

¹ Volkszählungsergebnis

PolitikBearbeiten

Bürgermeister und OrtsvorsteherBearbeiten

seit 1946:

Name Amtszeit Titel
Engelbert Zeller 23. März 1946 bis 28. Februar 1966 Bürgermeister
Gert Stier 1. März 1966 bis 31. Dezember 1974 Bürgermeister
Karl Gaugele 20. April 1975 bis 19. Juni 1975 Ortsvorsteher
Bernhard Seitz 19. Juni 1975 bis 26. Januar 1981 Ortsvorsteher
Name Amtszeit Titel
Gerhard Maier 26. Januar 1981 bis 22. Januar 1990 Ortsvorsteher
Josef Kübler 22. Januar 1990 bis 16. September 1994 Ortsvorsteher
Karl Weber 16. September 1994 bis 5. Dezember 2007 Ortsvorsteher
Anne Zeller-Klein seit dem 5. Dezember 2007 Ortsvorsteherin

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Schwäbisch Gmünd – Ruine Hohenrechberg
  • Wallfahrtskirche St. Maria Hohenrechberg. Die Barocke Kirche wurde durch den Baumeister Valerian Brenner von 1686 bis 1688 erbaut. Das Herzstück des Altars in der Kirche ist eine Marienfigur aus dem frühen 14. Jahrhundert.
  • Ruine Hohenrechberg. Die staufische Burg wurde im Jahre 1179 zum ersten Mal erwähnt. Sie war lange Zeit Stammburg der Grafen von Rechberg. Durch ein von einem Blitzschlag ausgelöstes Feuer wurde die Burg im Jahre 1865 zur Ruine.

Pfade und WegeBearbeiten

  • Geologischer Pfad. Der Wanderweg führt vom Hölltal (Schwäbisch Gmünd) bis zum Kirchberg des Berges Rechberg. Er überwindet auf rund 5 Kilometern 392 Höhenmeter. Die dabei durchquerten Gesteinsschichten werden auf 24 Hinweistafeln erklärt.[6]
  • Kreuzweg. Seit 1891 wird der Weg von der Ruine Hohenrechberg zur Wallfahrtskirche durch einen Kreuzweg flankiert.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

Im Ort gibt es einen Kindergarten mit zwei Gruppen. In der Scherr-Grundschule werden vier Grundschulklassen unterrichtet (Stand 2010).

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Denkmal für die Brüder Scherr bei der Scherr-Grundschule

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Persönlichkeiten die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Franz Reinisch (1903–1942), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, kurzzeitig Pfarrer in Rechberg

SagenBearbeiten

Die Sage von Klopferle vom Rechberg handelt vom Tode des Grafen Ulrich II († 1496). Er und seine Frau Anna nutzten seinen Hund um sich Nachrichten zu schicken. Bereits während ihrer Brautzeit soll der Hund diese Nachrichten, von Burg zu Burg, in einer Tasche an seinem Halsband transportiert haben. Eines Tages als der Graf verreist war, betete seine Frau in der Schlosskapelle für die glückliche Rückkehr ihres Gatten. Während des Gebetes wurde sie durch lautes Klopfen gestört. Als sie nach dem dritten Klopfen die Tür öffnete fand sie den Hund ihres Mannes vor der Tür. Sie öffnete die Ledertasche am Halsband des Hundes. Da die Tasche leer war ahnte sie, dass etwas geschehen war. Wenig später erhielt sie die Nachricht vom Tode ihres Gatten. Seither, so die Sage, hört man jedes Mal ein Klopfen, wenn eines von der Rechbergischen Familie im Sterben liegt. Die Darstellung des treuen Hundes in Verbindung mit dem Rechberger Adelsgeschlecht taucht an verschiedensten Stellen immer wieder auf.[7] Die Darstellungen finden sich teilweise bis ins 18. Jahrhundert.

LiteraturBearbeiten

  • Rechberg – Ein Heimatbuch: Ortschronik Rechberg, Stadtteil von Schwäbisch Gmünd. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd 2004, ISBN 3-936373-16-7.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zeittafel der wichtigsten Gmünder Ereignisse von November 1973 bis Oktober 1974“ in einhorn Jahrbuch 1974, Einhorn-Verlag Eduard Dietenberger KG, Schwäbisch Gmünd 1974
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 471.
  3. Zeittafel der wichtigsten Gmünder Ereignisse von November 1974 bis Oktober 1975“ in „einhorn Jahrbuch Schwäbisch Gmünd 1975“, Einhorn-Verlag Eduard Dietenberger KG, Schwäbisch Gmünd, 1975
  4. Die GT kommt nach Rechberg. In: Gmünder Tagespost, 11. November 2009
  5. Mitteilungsblatt Schwäbisch Gmünd - Rechberg, Straßdorf, Metlangen, Reitprechts
  6. Schwäbisch Gmünd – Geologischer Pfad
  7. Aus der Chronik Straßdorfs. Anton Schurr 1951

WeblinksBearbeiten